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Lioba Merkle heute / Jugendbild (Collage)

SENDETERMIN Fr, 1.11.2019 | 15:00 Uhr | SWR Fernsehen

Erinnerungen aus dem Südwesten Frauen auf dem Land

Haushalt, Kinder, Feld und Stall, andere versorgen, sich unterordnen - das war früher der Alltag von Frauen auf dem Land. Doch manchen gelang es, eigene Wege zu gehen.

Haus, Hof – und Kinder

Andere bedienen, versorgen, sich unterordnen - Haushalt, Kinder, Feld und Stall waren ein Fulltime-Job. Da gab es so gut wie keinen Platz für Freiräume oder gar eigene Wünsche. Schon als Kinder mussten Bauerstöchter nach der Schule auf dem Hof mitarbeiten. Eine eigene Berufsausbildung blieb meistens ein Traum. Eine Heirat bedeutete vor allem, als Arbeitskraft auf den Hof des Mannes zu wechseln. Fast nebenbei bekamen sie ihre Kinder - meist sehr viele.

Neue Freiheiten als Dorfhelferin

Lioba Merkle wuchs auf einem Bauernhof im Breisgau auf. Gute Bildung war für sie nicht vorgesehen. Erst als der Pfarrer ihren Eltern gut zuredete, durfte sie die Ausbildung in einem damals neuen Beruf beginnen - zur Dorfhelferin. Ein Führerschein und ein eigenes Auto für Einsätze auf abgelegenen Höfen gehörten dazu - damals für junge Frauen auf dem Land sehr ungewöhnlich.

Schuften im "NS-Pflichtjahr"

Lore Hübner aus Oppenheim am Rhein hat die Nazi-Zeit noch erlebt. Damals mussten junge Frauen, die mit 14 Jahren aus der Dorfschule kamen, ein Pflichtjahr machen. Das hieß zwölf Monate lang in einem fremden Haushalt mit vielen Kindern oder in einem Bauernbetrieb schuften - von frühmorgens bis spätabends. Die Jungs hatten es einfacher. Sie konnten direkt eine Lehre beginnen.

Die Wirtin

Brigitte Holstein aus Riedlingen ist in einem Dorfgasthaus groß geworden. Mit 16 Jahren verlor sie ihre Mutter und musste diese im Gasthof ersetzen. Alles hat sie sich dabei selbst beigebracht - und führte ihn schließlich ein Leben lang weiter. Als Wirtin war sie selbständig und konnte über eigenes Geld verfügen. – Damals ein seltenes Privileg.

Eine Braut per Handschlag

Noch in den 1950er-Jahren bot ein Vermittler in der Eifel junge Frauen in Dorfgastschänken als Heiratsobjekte an. "Dabei ging es weniger um Liebe als vielmehr um Hektar", erinnern sich die Rosi Moser und Joachim Schröder. Mit dem Vater der Braut wurde dann ein Übernahmeangebot ausgehandelt und per Handschlag besiegelt.

Auf Skiern in den Kreissaal

Gretel Wollmann ist im Hochschwarzwald groß geworden. Sie erinnert sich an extrem lange Winter und meterhohe Schneeberge. Da musste jeder Ski fahren können - oder man war abgeschnitten. Frauen, die ein Baby erwarteten, mussten zwischen Hausgeburt oder einem kilometerlangen Weg auf Langlaufskiern bis zur nächsten Transportmöglichkeit Richtung Kreissaal wählen.

Fußball war Männersache - fast ...

Frauenfußball war in den 1950er Jahren offiziell noch verboten. Aber Bärbel Wohlleben aus Wörrstadt in Rheinhessen ließ sich davon nicht beirren. Mit einer Ausnahmegenehmigung durfte sie bei Jungen-Mannschaften im Verein mitspielen. 1974 wurde sie mit dem kleinen TuS Wörrstadt nicht nur die erste Deutsche Fußballmeisterin, sondern schoss zugleich als erste Frau ein "Tor des Monats" in der großen ARD-Sportschau.

Die Erinnerungen von Frauen an das Dorfleben von früher lassen deren Alltag mit zahlreichen einmaligen Archivaufnahmen lebendig werden. Oft ging es für Frauen darum, sich neben Küche, Kindern und Kirche ein eigenständiges Leben zu erkämpfen. Eine Zeit, die weit weg erscheint und dennoch gar nicht so lange her ist.

Sendung vom

Fr, 1.11.2019 | 15:00 Uhr

SWR Fernsehen