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Häs, Fastnachtsmasken

SENDETERMIN Sa, 23.2.2019 | 8:30 Uhr | SWR Fernsehen

Närrische Wochen im Südwesten Fastnacht im Südwesten

Ein Jahrhundert in Kleidle und Kostüm

Ob rheinischer Karneval oder schwäbisch-alemannische Fastnacht: In der fünften Jahreszeit übernehmen die Narren die Macht. Ein Streifzug durch ein Jahrhundert Fastnachtsgeschichte(n).

Gardetänzerinnen und Karabatschenschneller

Gardetänzerinnen aus Karlsruhe, Karbatschenschneller aus Markdorf, hoorige Bären aus Singen, Brunnenspringer aus Munderkingen, die Narrengerichte aus Stockach und Grosselfingen: In einem Jahrhundert Karneval und Fastnacht im Südwesten steckt die Lebensfreude der Narren in den tollsten Wochen des Jahres.

Historische Aufnahme eines Narren

Aus drei mach eins: Das "Rößle" aus Rottweil besteht aus einem Pferd und zwei Treibern.

Klamauk und Kulturerbe

Die närrischste Zeit des Jahres besteht nicht nur aus Klamauk, sondern auch aus Bräuchen und Ritualen, die seit 2014 zum "immateriellen Kulturerbe" Deutschlands zählen. Eine Zeitreise durch ein Jahrhundert Fastnachtsgeschichte und -geschichten.

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Bräuche der schwäbisch-alemannischen Fastnacht

Ursprünglich, ausgelassen, teuflisch

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Entstanden ist die Fastnacht im christlichen Jahresverlauf des Spätmittelalters. Die "tollen Tage" waren von Beginn an ein sogenanntes Schwellenfest vor der Fastenzeit, die mit dem Aschermittwoch beginnt und 40 Tage andauert. Daher wurde das Fastnachtstreiben, bei dem nochmals über die Stränge geschlagen wurde, von der Kirche weitgehend toleriert.

Entstanden ist die Fastnacht im christlichen Jahresverlauf des Spätmittelalters. Die "tollen Tage" waren von Beginn an ein sogenanntes Schwellenfest vor der Fastenzeit, die mit dem Aschermittwoch beginnt und 40 Tage andauert. Daher wurde das Fastnachtstreiben, bei dem nochmals über die Stränge geschlagen wurde, von der Kirche weitgehend toleriert.

Im Verlauf des 15. Jahrhunderts änderte die Kirche jedoch ihre Haltung gegenüber den "tollen Tagen". Das ausgelassene Treiben wurde zunehmend als gottlos und teuflisch angesehen. Darauf reagierten die Feiernden, indem sie sich vermehrt als Hexen, Teufel und Negativgestalten verkleideten. Daher gehört der Teufel zu den ältesten Figuren überhaupt in der Fastnacht.

Im südwestdeutschen Raum und in Teilen der Schweiz wird die schwäbisch-alemannische Fastnacht gefeiert. Je nach Region wird sie als Fasnacht/Fastnacht, Fasnet oder auch Fasent bezeichnet. Sie beginnt offiziell am Dreikönigstag (6. Januar) und endet am Aschermittwoch. Eine Besonderheit ist, dass die sogenannten "Hästräger" ihre Kostüme nicht jährlich wechseln, sondern stets beibehalten. Seit 2014 gehört die schwäbisch-alemannische Fastnacht zum immateriellen Kulturerbe der Unesco.

Zu den ältesten Narrenfiguren der schwäbisch-alemannischen Fastnacht zählt unter anderem der Elzacher Schuttig. Die ältesten, heute noch erhaltenen Larven (Masken) sind etwa 200 Jahre alt. Elzach, eine Kleinstadt im Schwarzwald, gehört zu den Hochburgen der Fastnacht. Dort findet alljährlich der traditionelle Schuttigsprung mit mehreren tausend Schuttig statt.

Der letzte Donnerstag vor der Fastenzeit wird hochalemannisch als "Schmutziger", niederalemannisch als "Schmotziger" bezeichnet und bedeutet so viel wie "schmalzig" oder "fettig". In der Fastenzeit war nicht nur der Fleischkonsum untersagt, auch tierische Produkte wie Eier, Butter oder Schmalz durften nicht verzehrt werden. Aus der Resteverwertung entstanden dann die Fastnachtsküchlein, auch Krapfen, Kreppel oder Berliner genannt.

Im Schwäbischen heißt es allerdings "glompiger", "auseliger" "gumpiger" oder "gompiger" Donnerstag. Diese Begriffe beziehen sich auf die Befindlichkeit der Narren an diesem Tag. Während "auselig" so viel heißt wie "nervös, unruhig, aufgeregt", bedeuten "gompig" oder "gumpig" hüpfen oder sich auf und ab bewegen.

Die Bräuche an diesem Tag sind äußerst vielfältig. Dazu gehören etwa der Hemdglonkerumzug, der Rathaussturm - wie hier im Breisgaustädtchen Staufen - oder das Setzen des Narrenbaums. Bei der analog gefeierten "Weiberfastnacht" ist es Brauch, dass Frauen Männern die Krawatte abschneiden.

An Fastnacht wird gesungen und getanzt. Seinen Ursprung hat das ausschweifende Feiern im Mittelalter und der frühen Neuzeit. Tänze wurden damals nur mit spezieller Erlaubnis der Obrigkeit genehmigt, dementsprechend ging es dann äußerst heiter und auch nicht gerade prüde zu.

Da in der anschließenden Fastenzeit auch sexuelle Enthaltsamkeit gefordert war, wurden die tollen Tage vor Aschermittwoch erst recht zum Ventil. Viele junge Paare legten daher ihre Hochzeit und damit auch ihre Hochzeitsnacht noch in die Fastnacht.

Ob Tschätter-, Katzen-, Guggenmusik oder Narrenmärsche - das Musizieren spielt generell eine wichtige Rolle in der Fastnacht. Ihre Wurzeln hat die Guggenmusik, bei der die Töne absichtlich falsch gespielt werden, wahrscheinlich in Basel. Im "Verzeichnis der Fastnachtszüge" findet sich das Wort "Guggenmusik" erstmalig 1906.

Auch am Aschermittwoch gibt es noch schiefe Töne, allerdings nicht mehr mit Musikinstrumenten. Unter Klagen und Geheul nehmen die Narren, hier ein Mitglied der Freiburger "Zunft der Fuhrleute", Abschied von der Fastnacht. Einziger Trost: Nach der Fastnacht ist vor der Fastnacht...