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Gründerin des Müttergenesungswerks Elly Heuss-Knapp (1881 – 1952)

Die liberale Politikerin, verheiratet mit dem ersten Bundespräsidenten Theodor Heuss, gründet das Müttergenesungswerk, um den von Kriegsleiden und Nachkriegsentbehrungen erschöpften Müttern Kuren zu ermöglichen.

Später bezeichnet sie die Gründung des Müttergenesungswerks als die "Krönung meines Lebens". Dabei hatte sie sich in ihrer gesamten politischen Laufbahn immer für sozialpolitische Themen und die Rechte und das Wohl von Frauen stark gemacht.

6:02 min

Elly Heuss-Knapp: Aufruf für das Müttergenesungswerk

Engagierte Sozialpolitikerin

Elly Heuss-Knapp stammt aus einem liberalen Elternhaus. Vor dem Ersten Weltkrieg ist ihr Vater Georg Friedrich Knapp Professor für Nationalökonomie an der Universität im damals deutschen Straßburg. Nachdem sie einige Jahre als Lehrerin gearbeitet hat, studiert sie wie ihr Vater Volkswirtschaft, ungewöhnlich für eine Frau in dieser Zeit. Auch nach ihrer Heirat 1908 ist sie beruflich und politisch tätig. Sie hält Vorträge über "Heimarbeit" und publiziert ein Lehrbuch "Bürgerkunde und Volkswirtschaftslehre für Frauen".

Arbeit statt Almosen

Während des Ersten Weltkriegs vermittelt sie an ihrem damaligen Wohnort Heilbronn nach dem Motto "Arbeit statt Almosen" Heimarbeit an Kriegerfrauen. Ihre Arbeitsbeschaffungsstelle richtet sich in erster Linie an Frauen mit Kindern, die keine Fabrikarbeit aufnehmen können. Die Tätigkeit besteht hauptsächlich aus Näh- und Strickarbeiten. Elly Heuss-Knapp schafft Zuschneidemaschinen an und organisiert Schulungen für die Frauen. Ihr gelingt es, ihre Arbeitsbeschaffungsstelle auch als Heereslieferanten zu etablieren. Dank ihrer Kenntnisse und ihres Organisationstalents kann Elly Heuss-Knapp vieles erreichen: im August 1916 sind in Heilbronn 650 Heimarbeiterinnen für Elly Heuss-Knapp tätig.


Politisches Engagement

Als Frauen nach dem verlorenen Ersten Weltkrieg das aktive und passive Wahlrecht erhalten, spricht Elly Heuss-Knapp gezielt Frauen an, damit diese die neu errungenen politischen Möglichkeiten nutzen. Der von ihr entwickelte Slogan lautet:

Frauen werbt und wählt,
jede Stimme zählt,
jede Stimme wiegt,
Frauenwille siegt.

Sie kandidiert wie ihr Ehemann für die linksliberale Deutsche Demokratische Partei bei den Wahlen zur Deutschen Nationalversammlung im Jahr 1919. Als sie bei diesen Wahlen und den Reichstagswahlen des Jahres 1920 kein Mandat gewinnt, unterrichtet sie wieder.

Pionierin der Werbung

In der Zeit des Nationalsozialismus wird sie zur Haupternährerin ihrer Familie, da Theodor Heuss seine politischen Ämter verliert, als Hochschullehrer entlassen wird und nur eingeschränkt seinen Beruf als Publizist ausüben darf. Bei ihrer Arbeit für die Radiowerbung wird sie zur Pionierin: sie gilt bis heute als die Erfinderin der Radio-Jingles und macht erfolgreich Werbung für viele Firmen wie Nivea und Persil. Als ihr Mann 1949 zum ersten Bundespräsidenten gewählt wird, soll er gesagt haben, dass dieses Amt eigentlich seiner Frau gebühre. Doch soweit sind die Zeiten damals noch nicht.

Elly Heuss-Knapp mit ihrem Mann Theodor Heuss (1950), der eine Spende für das Müttergenesungswerk in eine Spendenbüchse wirft

Elly Heuss-Knapp und Theodor Heuss 1950 bei der Spende für das Müttergenesungswerk.

Ihr bleibt die Rolle als erster "First Lady" der Bundesrepublik. Sie nutzt diese Rolle, um das Müttergenesungswerk zu gründen und unermüdlich dafür zu werben. Schon bei der ersten Sammlung im Jahr 1950 werden 2,5 Millionen Mark gespendet. Bis heute ermöglicht das Müttergenesungswerk jährlich mehreren zehntausend Eltern und ihren Kindern eine Kur.