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Judenverfolgung im Südwesten Zerstörung der Synagoge in Neustadt

Ludwigstraße 10 in Neustadt an der Weinstraße. Vor dem Wohnhaus sind im Gehweg zwei kleine glänzende Steine eingelassen. Darauf steht zu lesen: "Hier wohnte Richard Mayer JG 1878, deportiert, Auschwitz, verschollen." Richard Mayer gehörte zur jüdischen Gemeinde und er besuchte mit Sicherheit die Synagoge, die nur sechs Häuser entfernt stand - eine der größten und schönsten im Land. Heute gibt es sie nicht mehr.

Die Jüdische Synagoge in Neustadt

"Die Neustädter Synagoge war eine sehr schöne Synagoge", erzählt der Religionspädagoge Eberhard Dittus. "Wir wissen, dass sie im Maurischen Stil gebaut wurde. Das heißt, sie hatte schöne Minaretts, und aus einem Zeitungsbericht von damals lässt sich schließen, dass die Neustädter Gemeinde, sogar die bürgerliche Gemeinde, sehr stolz auf dieses Gebäude war. Sie schwelgten richtiggehend in Worten des Lobes."

Lithografie von Synagoge in Neustadt a. d. Weinstraße

Außenansicht der Synagoge in Neustadt (Litographie)

Damals lebten in Neustadt 335 jüdische Einwohner, was gerade zwei Prozent der Gesamtbevölkerung ausmachte. Und doch, sagt Eberhard Dittus, spielte die Gemeinde bis 1933 eine wichtige Rolle in der Stadt. Es gab einen regen Austausch zwischen christlicher Kirche und jüdischer Synagoge, nicht zuletzt weil viele der Juden Geschäftsleute und Weinhändler waren. Sie siedelten alle im Bereich der Hintergasse und der Ludwigsstraße, bildeten also ein richtiges jüdisches Viertel mit der Synagoge im Zentrum.

NSDAP-Mitglieder zünden Synagoge an

Zusammen mit Konfirmanden hat Eberhard Dittus 1995 eine Spurensuche begonnen, die die Ereignisse der Reichspogromnacht dokumentiert. "Man weiß heute von 30 Personen, die damals an der Brandstiftung beteiligt waren. In der Nacht des 9. Novembers 1938 war zuerst eine große Feier im Saalbau, organisiert von der NSDAP. Und wie wir wissen, waren sie nach dieser Feier ordentlich angetrunken, sind dann die Hauptstraße hinuntergegangen, vorbei am Ehrenmal für die Soldaten, haben dort noch einen Kranz niedergelegt, sind geradewegs zur Synagoge und haben sie angesteckt. Das ist heute Fakt." Damals berichtete die Neustädter Zeitung allerdings von einem Brand, dessen Urheber ungenannt blieb.

Innenansicht der Synagoge in Neustadt

Innenansicht der Synagoge in Neustadt mit Kuppel

Ehemaliges Verwaltungsgebäude noch erhalten

Bereits 1933 waren in der Stadt Juden verhaftet worden. Viele hatten ihre Häuser aus Angst aufgegeben, andere wurden verjagt. Alle Juden, die ihre Heimat nicht verlassen wollten, hat man 1940 ins französische Gurs deportiert. In der heutigen jüdischen Gemeinde Neustadts leben noch 18 Mitglieder, erzählt Manfred Erlich, Geschäftsführer der Jüdischen Kultusgemeinde der Rheinpfalz.

Gedenkstein, Synagoge Neustadt

Gedenkstein der Synagoge in Neustadt an der Weinstraße