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Römerzug im Wald

SENDETERMIN Fr, 12.1.2018 | 3:45 Uhr | 3sat

Die Römer im Südwesten Die Eroberung Germaniens

Auf ihrer Reise durch die ehemaligen germanischen Provinzen zeigt Lena Ganschow wie die Römer in den Südwesten kamen und wie sie Kultur und Geschichte prägten. Archäologische Experimente und aufwändige 3-D Rekonstruktionen lassen Kultur und Alltagsleben der Römer wieder auferstehen.

Die Spurensuche beginnt in den Alpen. Über den Fernpass waren die römischen Legionen nach Germanien vorgedrungen. Ihr Schuhwerk: Sandalen! Grund genug für ein ausführliches Experiment: Eine Truppe "Hobby-Römer" testet unter wissenschaftlicher Aufsicht die Ausrüstung der Legionäre.

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Die Römer

Auf Sandalen über die Alpen

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Spuren eines Weltreichs: Vor 200 Jahren sandte das römische Weltreich seine Legionen zu uns nach Germanien. Bis heute finden wir die Spuren der Römer im Südwesten.

Spuren eines Weltreichs: Vor 200 Jahren sandte das römische Weltreich seine Legionen zu uns nach Germanien. Bis heute finden wir die Spuren der Römer im Südwesten.

Rom – Zentrum eines Weltreichs: Aus einer kleinen Siedlung am Tiber entsteht die mächtigste Stadt der Antike: Rom. Bald beherrschen ihre Legionen ein Weltreich, das den gesamten Mittelmeerraum umfasst. Doch die Römer wollen mehr. Nördlich der Alpen liegt das Land der Germanen.

Auf Siegeszug: Der römische Feldherr Drusus führt seine Legionen gen Norden. Die römischen Soldaten müssen sich durch unwegsames Gelände schlagen. Drusus wählt bewusst den Sommer für seinen Feldzug, damit seine Soldaten nicht auch noch dem schlechten Wetter ausgesetzt sind.

Mit "Skorpio" ins Ziel: Die römische Kriegsmaschinerie ist überragend. Das Pfeilgeschütz "Skorpio" ist ein Beispiel für die waffentechnische Überlegenheit der Römer über die Germanen – eine Fernwaffe mit hoher Zielgenauigkeit und Durchschlagskraft. Pfeile aus dieser Waffe durchstoßen auch Holzschilde oder eisernen Rüstungen und können auf Entfernungen bis zu 200 m zielgenau platziert werden.

Römische Sandalen: Das Schuhwerk wirkt zunächst wenig durchdacht. Doch bei den römischen Militärstiefeln, mit denen auch Drusus und seine Männer über die Alpen ziehen, sind Nägel in die Fußsohlen eingearbeitet, die im Gelände besonderen Halt geben. Für wissenschaftliche Experimente werden die Caliga, die römischen Militärstiefel, in aufwändiger Handarbeit rekonstruiert.

Vom Lager zur Stadt: Wenn die Römer ein Gebiert erobert haben, dann werden zur Sicherung der Grenzen Kastelle angelegt. Von dort rücken die Soldaten zu ihren Einsätzen zur Grenzsicherung aus. Neben den Kastellen siedeln sich bald Handwerker und Händler an – daher sind die Heerlager die Keimzellen vieler deutscher Städte.

Eroberungsfeldzug mit Pilum und Katapult

Auch die Waffen - von Pilum und Schild bis zum Katapult - werden unter die Lupe genommen. Naturwissenschaftler des Fraunhofer-Instituts in Kandern messen mit modernsten Methoden Durchschlagskraft, Geschwindigkeit und Reichweite der antiken Waffen. Die Tests machen klar: Die Römer waren den "Barbaren", wie sie unsere Vorfahren nannten, waffentechnisch haushoch überlegen. Und sie bauten auf klare Organisationstrukturen innerhalb einer Berufsarmee. Nur einmal, in der sogenannten Varus-Schlacht, mussten sie eine herbe Niederlage gegen die Germanen hinnehmen.

Katapulte schießen brennende Wurfgeschosse  in den nächtlichen Abendhimmel

Römische Katapulte (3D-Nachbildung)

Der Limes

Doch wie gelangt es den Römern die germanischen Provinzen über Jahrhunderte gegen Angreifer aus dem freien Germanien zu sichern? Mit einer unglaublichen Präzision errichteen sie den 550 Kilometer langen Grenzwall, den Limes, dessen Spuren noch heute sichtbar sind und der zum Unesco-Weltkulturerbe gehört.

Patroullie auf der nassen Grenze

Die Flüsse, Rhein und Donau, boten als "nasser Limes" Schutz vor Angreifern. Aber nur, wenn sie gut bewacht wurden. Zum Beispiel mit schnellen Patrouillenbooten, wie das "Navis Lusoria". Aus geborgenen römischen Schiffswracks erarbeitet ein Expertengremium Baupläne und rekonstruiert dieses historische Schiff. Der Film begleitet die Arbeit bis zu den ersten Testfahrten, an denen auch Lena Ganschow beteiligt ist und feststellt, dass das Rudern auf einem römischen Kriegsschiff ganz schön anstrengend gewesen sein muss.

Blick von römischem Patrouillenboot auf den Fluß

Patrouillenboot

Auf Römerstraßen ins Hinterland

Die Straßen erschlossen die römische Welt hinter den Flüssen, auch in den germanischen Provinzen. Mit Raststationen an den Hauptverbindungsstraßen. In Hechingen-Stein wird so eine Raststation seit etlichen Jahren ausgegraben. Sie war gleichzeitig Teil einer "villa rustica", eines römischen Landguts. So konnten die Reisenden mit Produkten vom eigenen Hof verwöhnt werden. Noch heute können Besucher hier erfahren, wie großzügig die Römer gebaut haben: Das Landgut in Hechingen-Stein verfügte nicht nur über ein prächtiges Verwaltungsgebäude, sondern auch über Werkstätten, Stallungen, einen Tempelbezirk und sogar eine eigene Brauerei!

Villa Rustica - 3D Nachbildung

Villa Rustica - 3D Nachbildung

Experten vor Ort

Auf ihrer Spurensuche stehen Lena Ganschow als Experten unter anderem der rheinlandpfälzische Landesarchäologe Gerd Rupprecht, Dr. Martin Kemkes vom Archäologischen Landesmuseum Baden-Württemberg und Prof. Dr. Christoph Schäfer von der Universität Trier zur Seite.

Ein Film von Peter Prestel