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SENDETERMIN So, 7.2.2016 | 11:15 Uhr | SWR Fernsehen

Karneval im Nationalsozialismus Die Narren und die Nazis

Die Geschichte der deutschen Karnevalsvereine im Nationalsozialismus ist geprägt von Tradition, Anpassung und Unterwerfung, aber auch von Protest und leisem Widerstand.

Menschen im Kostüm beim Straßenkarneval 1932

Straßenkarneval 1932

Die närrische Zeit

Einmal im Jahr dürfen alle Tabus gebrochen werden und es wird richtig auf den Putz gehauen. Die Geschichte der deutschen Fastnacht reicht bis ins Mittelalter. Nur wenig wird jedoch über die Geschichte des Faschings während der Nazizeit gesprochen. Traditionsreiche Fastnachtsvereine äußern sich zu diesem Thema eher zurückhaltend.

Tradition und Ideologie

Der Historiker Markus Leifeld hat sich mit dem Archiv des Kölner Fastnachtsverein "Roten Funken" während der Zeit von 1933 bis 1945 auseinandergesetzt. Die Festlichkeiten waren zwar keine instrumentalisierten Propagandafeste der Nazionalsozialisten, aber sie waren stark von deren Ideologie geprägt. Dies ist ersichtlich an Umzugswagen mit judenfeindlichen Parolen oder an neuen Fastnachts-Traditionen, die während dieser Zeit eingeführt wurden.

Arnold Unkelbach

Arnold Unkelbach war in den dreißiger Jahren eine der letzten männlichen "Jungfrauen" im "Kölner Dreigestirn", bevor die Nazis anordneten, dass die "Jungfrau" von einer Frau dargestellt werden muss.

Leise Kritik

Nicht bloß Köln, alle Fastnachtshochburgen sind stark vom Nationalsozialismus geprägt. Es gibt aber auch Ausnahmen, zum Beispiel der Mainzer Martin Mundo mit seiner Parodie über die Idiotie des Herings. Denn letztendlich gilt in der Fastnacht die Tradition, "Ein Narr darf Kritik üben!"

Späte Aufarbeitung

Erst im Jahr 2002 beauftragte die Ehrengarde der Stadt Köln als Erste einen externen Historiker damit, sich mit der Aufarbeitung der Geschichte zu beschäftigen. Interviews mit Historikern, Fastnachtsexperten und Originalmaterial aus der Zeit zeigen eine andere Seite der Fastnachtsgeschichte.

Ein Film von Frank Guthermuth und Sebastian Kuhn