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SENDETERMIN So, 4.8.2019 | 20:15 Uhr | SWR Fernsehen

Ein Fluss und seine Geschichte Die Mosel

Steile Hänge und grandiose Aussichten - doch die Arbeit an ihren Ufern ist nie einfach gewesen. Heute entscheiden sich junge Leute wieder für ein Leben an der Mosel - in Frankreich, Luxemburg und Deutschland.

Mosel-Winzerinnen 4.0

Rebecca Materne und Janina Schmitt gehören einer neuen Generation von Winzern an, die die Steillagen der Terrassenmosel wieder entdeckt haben. Rebecca Materne kommt aus dem Ruhrgebiet, Janina Schmitt aus Hessen. 2012 haben die Freundinnen ein Weingut in Winningen bei Koblenz gepachtet - und bauen an den Hängen mit einer Neigung von mehr als 50 Grad Riesling an - ohne Einsatz von Maschinen, ohne Herbizide. Das Leben der beiden ist geprägt durch die Unwägbarkeit des Wetters und harte Arbeit: Rebenbinden im Frühjahr, Flaschenabfüllung im Sommer, Traubenlese im Herbst. Ohne die Hilfe von Familie und Freunden wäre das nicht zu schaffen. Wenn beide vom Weinbau leben wollen, muss ihr Unternehmen wachsen. Doch da sind "Materne & Schmitt" optimistisch.

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Die Mosel

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Rebecca Materne (l.) und Janina Schmitt haben sich 2012 als Winzerinnen in Winningen selbständig gemacht. Gemeinsam bewirtschaften sie einige der steilsten Hänge, die es an der Mosel gibt.

Rebecca Materne (l.) und Janina Schmitt haben sich 2012 als Winzerinnen in Winningen selbständig gemacht. Gemeinsam bewirtschaften sie einige der steilsten Hänge, die es an der Mosel gibt.

Épinal, Blick auf den Rosengarten. Der Rosengarten von Épinal liegt direkt am Moselufer. Für Kanuten ist der Fluss hier in Frankreich ein Paradies.

Im Rosengarten von Épinal. Kindergartenkinder besuchen gerne die 100-jährige Gartenanlage.

Kajaksport auf der Mosel bei Metz

Jean Hilfiger an der Mosel bei St. Nabord. Jean Hilfiger hat 1944 als 14jähriger amerikanischen Soldaten geholfen, die Mosel zu überqueren. Am anderen Flussufer bei St. Nabord lagen damals nur wenige Wehrmachtssoldaten.

Metz, Blick auf den Temple Neuf. Die Innenstadt von Metz ist von Kanälen und Seitenarmen der Mosel durchzogen. Der Temple Neuf, eine evangelische Kirche, liegt auf einer Halbinsel im Fluss.

Beilstein besitzt eines der am besten erhaltenen Ortsbilder an der Mosel. Auch hier sind die Dächer mit "Moselschiefer" gedeckt. Das schreibt die Gemeindesatzung vor.

Blick vom Prinzenkopfturm auf Bullay Im Moseltal geht es eng zu. Die Dörfer nutzen den wenigen Platz zwischen den Hängen und dem Fluss. Hier der Blick auf Bullay.

Blick vom Bremmer Calmont auf die Moselschleife
Der Blick vom Bremmer Calmont auf die Mosel ist atemberaubend. Der Fluss ändert hier seine Richtung um 180 Grad. An den Hängen wird Wein angebaut.

Das Brückentor ist das Wahrzeichen von Traben-Trarbach. Es wurde 1899 gebaut.

Wissenschaftler aus Trier sind auf dem Nachbau eines antiken Lastkahns auf der Mosel unterwegs.

Zerfallene Türme und Gebäude zeugen von der Bedeutung der Mosel als Handelsweg.

Altes Brauchtum: Zum Johannistag wird ein riesiges brennendes Holzrad vom Berg hinunter in den Fluss gerollt.

Zwischen Koblenz und Trier kreuzen Personenschifffahrten auf der Mosel. Die Rundfahrten sind sehr beliebt.

Vom Prinzenkopfturm bietet sich ein spektakulärer Ausblick über die knapp 14 Kilometer lange Moselschleife Zeller Hamm.

Leben mit Tradition

Die Menschen an der Mosel lieben ihre Heimat. Der Fluss bietet Geborgenheit. Und deshalb leben in manchen Orten an der Mosel Bräuche und Traditionen wie vor Jahrhunderten. Im französischen Contz-les-Bains, im Dreiländereck von Frankreich, Luxemburg und Deutschland, bereiten junge Männer zum Johannistag ein grandioses Spektakel vor. Ein riesiges Holzrad soll brennend von einem Berg bis hinunter in den Fluss rollen. Klappt das, dann verheißt es eine gute Ernte!

Nächtliche Szene: Ein Holzrad wird verbrannt.

Altes Brauchtum: Zum Johannistag wird ein riesiges brennendes Holzrad vom Berg hinunter in den Fluss gerollt.

In Traben-Trarbach schleppen die "Stadtschröter" einen Baumstamm durch den Ort, um ihn als Zunftbaum am Moselufer aufzustellen. Schröter waren einmal unentbehrlich für den Weinhandel. Sie wuchteten die gefüllten Fässer aus den Kellern, um sie auf Schiffe zu verladen. Das Aufkommen der Weinpumpe ließ das Handwerk aussterben.


Vom Strukturwandel geprägt

Die Mosel in Frankreich hat sich infolge des Strukturwandels komplett verändert - anstelle von Fördertürmen und Eisenhütten immer mehr Naturschutzgebiete. Die Menschen in Lothringen erleben die Mosel neu: In Épinal ist es für Jugendliche "cool" Kajak zu fahren; durch das Stadtzentrum verläuft ein Wildwasserkanal. Und in Metz verbringen die Ruderer sportliche Stunden bei einer Tour durch das historische Zentrum.

Kajaksportler auf der Mosel

Kajaksport auf der Mosel bei Metz

Lothringen ist berühmt für Mirabellen. Der größte Teil der europäischen Produktion stammt aus dem Moseltal südlich von Metz. Mélanie Bigeard-Demange destilliert die Früchte zu "Eau de Mirabelle", Mirabellenbrand. Zur Destillerie gehören 1.500 Mirabellenbäume, alle müssen in nur wenigen Tagen abgeerntet und sortiert sein. Sonst verlieren die Früchte Geschmack und Aroma.

Leben und Arbeit am Fluss

Leben und Arbeit an der Mosel haben sich verändert. Auch die Fischer müssen sich umstellen und verdienen ihr Geld im Naturschutz - so wie Thomas Weber. Der junge Mann hat sein Studium aufgegeben, um die Fischerei seines Vaters zu übernehmen. In Moselkern versucht Brigitte Pappe die traditionelle Wollindustrie wieder zu beleben. Sie will in der ehemaligen Wollfabrik wieder Tuche weben lassen. Ausschließlich aus Wolle, die aus der Region stammt. "Moseltweed" heißt das Projekt. Die Mosel bietet Vielen eine Perspektive; der Film stellt entlang des Flusses Menschen mit Ideen, Tatkraft und ambitionierten Zielen vor.