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Drais-Aktivist Martin Hauge vor dem Karlsruher Schloss

SENDETERMIN So, 30.4.2017 | 20:15 Uhr | SWR Fernsehen

200 Jahre Fahrrad - "Wir drehn am Rad" Die Laufmaschine des Herrn Drais

Eine Erfindung erobert die Welt

Es ist wohl eine der genialsten Erfindungen aller Zeiten: das Fahrrad. Erfunden hat das Prinzip auf zwei Rädern Karl Drais aus Karlsruhe.

Am 12.Juni 1817 fährt Karl Drais mit seiner Laufmaschine von Mannheim nach Schwetzingen und zurück. Schneller als eine Postkutsche ist er unterwegs. Damit wird der Weg frei für die künftige pferdelose Mobilität.


Laufmaschine, Hochrad, Veloziped

Bis sich das Fahrrad weltweit durchsetzt, vergehen allerdings noch fünfzig Jahre: Von der hölzernen Laufmaschine über das Hochrad hin zum heutigen Stahlross. Anfangs ein Spielzeug für reiche Bürger, wird aus dem Veloziped, wie es im 19. Jahrhundert noch heißt, ein Vorläufer des Automobils.

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Entwicklung des Fahrrads

Das Zweirad schreibt Geschichte

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1817: Draisine
Karl Freiherr von Drais macht eine geniale Erfindung: die zweirädrigen Laufmaschine. Die Draisine ist aus Holz, sie wird mit Füßen angetrieben und das Vorderrad lässt sich lenken. Am 12. Juni 1817 bricht Drais zur Jungfernfahrt zwischen Mannheim und Schwetzingen auf. Wirtschaftlichen Erfolg hat er mit seiner Laufmaschine nicht, Drais ist seiner Zeit einfach voraus.

1817: Draisine
Karl Freiherr von Drais macht eine geniale Erfindung: die zweirädrigen Laufmaschine. Die Draisine ist aus Holz, sie wird mit Füßen angetrieben und das Vorderrad lässt sich lenken. Am 12. Juni 1817 bricht Drais zur Jungfernfahrt zwischen Mannheim und Schwetzingen auf. Wirtschaftlichen Erfolg hat er mit seiner Laufmaschine nicht, Drais ist seiner Zeit einfach voraus.

Um 1861: Tretkurbelantrieb
Aus dem Laufrad wird das Velociped: Der Franzose Pierre Michaux (andere Quellen nennen Pierre Lallement) versieht das Vorderrad einer Laufmaschine mit Tretkurbeln - und stellt als Erster das neue Rad in Serie her.

Um 1870: Hochrad
Es geht hoch hinaus, denn höher heißt schneller: Mit seinem riesigen Vorderreifen und dem kleinen Hinterrad erreicht das Hochrad größere Geschwindigkeit. Sein Nachteil: Die Sturzgefahr ist hoch. Fahren wird zu einer artistischen Meisterleistung.

Um 1885: Niederrad
Es geht wieder runter vom hohen Ross: Das Nieder- bzw. Sicherheitsrad definiert die bis heute gültige Grundform des Fahrrads - zwei gleich große Räder, Sattel über den Pedalen, Kettenantrieb auf dem Hinterrad, trapezförmige Rahmenform. Allerdings war es noch mit Vollgummireifen ausgestattet.

1888: Luftreifen
Der Schotte Dunlop lässt sich den luftgefüllten Reifen patentieren. Mit dem Luftreifen wird das Radfahren deutlich komfortabler.
Anfang des 20. Jahrhunderts wird das Fahrrad zum Massentransportmittel, zum Fahrzeug des "kleinen Mannes". Sein Siegeszug findet allerdings mit dem Aufstieg des Autos in den 1950er/60er Jahren - ein vorläufiges - Ende. Die Deutschen fahren mit Vollgas ins Wirtschaftswunder.

Ende des 19. Jahrhunderts: Frauenpower
Für Frauen wird das Fahrrad ein Vehikel der Emanzipation. Mit der gebogenen Stange und dem tiefen Einstieg wird das Fahrrad rockkonform - und damit alltagstauglich für die weibliche Bevölkerung. Dank der Erfindung von Herrn Drais können sie ihren Bewegungsradius deutlich ausdehnen.

Das Rad als Sportgerät
Das erste offizielle Radrennen findet 1868 in Paris statt. 1903 wird zum ersten Mal die Tour de France veranstaltet. Radrennen stoßen von Anfang an auf große Begeisterung. Für die Weiterentwicklung des Fahrrads ist der Profiradsport von großer Bedeutung: Von Entwicklungen wie Kettenschaltung und Schnellspanner profitieren auch die "Hobby-Radler".

Um 1970: Bonanzarad
Bananensattel, Schaltknüppel, hochgebogener Lenker - das Bonanzarad ist Kult. Das Fahrrad wird speziell für Kinder hergestellt. Die technischen Mängel sind groß. Deswegen kann es sich langfristig nicht durchsetzen.

1970er/80er Jahre: BMX-Rad
Mit einem robusten Fahrrad Motocross-Sport imitieren - für diesen Zweck werden spezielle 20-Zoll-Fahrräder konzipert. Wo bislang Skater in der Stadt unterwegs sind, zeigen jetzt Radfahrer ihre Tricks.

1980er Jahre: Mountainbike
Fitness und Abenteuer sind angesagt: Das robuste Fahrrad für das Gelände verhilft dem Zweirad zu einer echten Renaissance. Es ist Statussymbol, Sport- und Freizeitgerät zugleich. In den folgenden Jahrzehnten wird es wieder schick, Fahrrad zu fahren.
Der Trend - egal ob mit Mountainbike, Citybike, Singlespeed, Lastenrad oder Pedelec - ist ungebrochen. Immer mehr Menschen entdecken das Radfahren wieder für sich. Und angesichts der verstopften Städte stellt sich die Frage, ob die Bedeutung des Radverkehrs in Zukunft nicht deutlich zunehmen wird.

Gemeinschaft und Emanzipation

Zahlreiche Fahrradvereine wie die Solidarität oder die Concordia entstehen. Für Frauen wird das Fahrrad ein Vehikel der Emanzipation. Dank der Erfindung von Herrn Drais können sie ihren Bewegungsradius deutlich ausdehnen. Heute gibt es Fahrräder in allen Formen und Variationen. Lastenräder feiern eine Renaissance und die Nachfrage nach Elektro-Bikes steigt immer weiter. Der Film erzählt die Erfolgsgeschichte dieser Mannheimer Erfindung.

Sendung vom

So, 30.4.2017 | 20:15 Uhr

SWR Fernsehen

SWR Themenschwerpunkt vom 30.4. - 8.5.2017

200 Jahre Fahrrad