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Germanischer Fürstensitz - Computerrekonstruktion

SENDETERMIN So, 11.9.2016 | 20:15 Uhr | SWR Fernsehen

Sueben und Alamannen Die Germanen im Südwesten

Die Römer nannten unsere Vorfahren "Barbaren". Aber was wissen wir sonst noch über diese Germanen? Warum kamen sie eigentlich aus dem Norden hierher? Weil die Sonne über dem Südwesten mehr lacht? Weil der Südwesten schon damals eine wohlhabende Region war?

"Barbaren" im Südwesten

Sie stammten ursprünglich aus dem Gebiet zwischen Elbe und Oder und zogen im Laufe des dritten Jahrhunderts nach Christus in den Südwesten, zunächst als Krieger, dann als Siedler. Ihre Namen prägen den Südwesten bis in die Gegenwart: Denn aus den germanischen Stämmen Sueben und Alamannen wurden später die Schwaben und Alemannen. Klimaforscher, Archäologen und Anthropologen untersuchen weitere Geheimnisse der untergegangenen germanischen Kultur: Wie haben sie gebaut? Wovon sich ernährt? Woran haben sie geglaubt?

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Die Germanen im Südwesten

Der antigermanische Schutzwall

Heute gehören die Überreste des Limes zum UNESCO-Weltkulturerbe. Damals ist er eine militärstrategische Meisterleistung der Römer.

Limes: Angriff auf die Römer

Etwa zweihundert Jahre bildet der obergermanische Limes zwischen Rhein und Donau die Außengrenze des Römischen Reichs. Gleichzeitig markiert er auch eine Wohlstandsgrenze. Auf der römischen Seite führen viele ein angenehmes, manchmal luxuriöses Leben. Die Germanen wollen an den Schätzen in den römischen Provinzen teilhaben, all das holen, was sie zu Hause nicht haben. Daher wird der Limes ab dem dritten Jahrhundert nach Christus immer wieder angegriffen. Bei Überfällen und Plünderungszügen durchbrechen die germanischen Krieger die Grenzanlagen und dringen tief in den Südwesten vor. Allmählich können die Römer ihre Grenze immer schlechter schützten, da überall im Römischen Reich Unruhen ausbrechen und viele Soldaten vom römisch besetzen Teil Germaniens in andere römische Provinzen abgezogen werden. Schließlich gibt Rom ab 259/260 nach Christus den antigermanischen Schutzwall ganz auf. Nun ist der Weg für die Germanen, die aufgrund von klimatischen Veränderungen von Norddeutschland in den Südwesten ziehen und sich dort niederlassen.

Alemannische Siedler mit Planwagen - Spielszene

Nach den Kriegern kamen im dritten Jahrhundert nach Christus die alamannischen Siedler in den Südwesten.

Lauchheim: Rekonstruktion eines alamannischen Dorfes

Vorzugsweise siedeln die Germanen auf Bergspitzen wie dem Runden Berg bei Bad Urach oder - wie schon die Römer - nahe an Flussläufen, oft sogar in Sichtweite der verlassenen römischen Siedlungen. Die Steinhäuser der Römer allerdings lassen die Germanen links liegen und bauen stattdessen ihre traditionellen Häuser aus Weidengeflecht und Lehm.

Eine der alamannischen Siedlungen befindet sich nahe des heutigen Orts Lauchheim unterhalb der Kapfenburg. 1986 wird dort der erste Fund gemeldet, bis zum Jahr 2005 haben Archäologen hier die ehemalige Siedlung ausgegraben und dabei das bisher größte bekannte alamannische Gräberfeld mit mehr als 1.300 Gräbern freigelegt. Sie enthielten unzählige Grabbeilagen, darunter auch prachtvoll verzierte Schwerter.

Auf der Basis der archäologischen Erkenntnisse lässt sich heute im Computer mit Hilfe aufwändiger Programme gut rekonstruieren, wie das alamannische Dorf damals ausgesehen haben muss.

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Die Germanen im Südwesten

Spektakuläre Rekonstruktion des Alamannendorfes in Lauchheim

Beinahe 20 Jahre - von 1986 bis 2005 - dauerten die Ausgrabungen in Lauchheim. Dadurch wissen wir heute ziemlich genau, wie das Dorf vor 1.500 Jahren ausgesehen haben muss.

Trossingen: spektakuläre Funde

Im Jahr 2001 wird beim Bau einer Tiefgarage ein sensationeller Fund gemacht: Archäologen bergen ein alamannisches Fürstengrab. Der Mann liegt auf dem Totenbett mit seinem Schwert und einer Leier im Arm. Unter den Grabbeilagen findet sich auch eine zunächst unscheinbar erscheinende Holzflasche. Im Labor klärt sich, was sich hinter den Resten der 1.500 Jahre alten Befüllung verbirgt: Bier! Und nicht irgendein Bier, sondern das wahrscheinlich älteste gehopfte Bier der Welt. In einer Experimentalbrauerei ist Dennis Wilms mit dabei, als das Alamannenbier nachgebraut wird. Er stellt fest, dass es gar nicht sehr viel anders schmeckt als das heutige Bier.

4:14 min

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Die Germanen im Südwesten

Ein feucht-fröhliches Experiment

Bei Ausgrabungsarbeiten in Trossingen wurde eine hölzerne Trinkflasche aus alamannischer Zeit entdeckt. Was war darin?

Experimentelle Archäologie

Wissenschaftsmoderator Dennis Wilms zeigt in "Die Germanen im Südwesten" weitere erstaunliche Experimente, bei denen die Fähigkeiten und die kulturellen Errungenschaften unserer Vorfahren sinnlich nachvollziehbar werden. Zum Beispiel: wie die Germanen "Seipfa", also Seife, herstellten. Denn entgegen der landläufigen Meinung, unsere Vorfahren seien ungepflegte Wuschelköpfe gewesen, haben sie offensichtlich großen Wert auf Körper- und Haarpflege gelegt. Das zeigt auch der sogenannte "Suebenknoten", eine bei den germanischen Männern sehr beliebte und kunstvoll gebundene Frisur. Ein weiteres Experiment: wie konnten die Alamannen ohne Sattel und Steigbügel reiten? Dennis Wilms geht an die Originalschauplätze der Geschichte, trifft Experten und erkundet die Geistes- und Götterwelt unserer Ahnen.

Die Alamannen bahrten ihre Toten bis zur Bestattung im Freien auf. (Spielszene)

Die Alamannen bahrten ihre Toten bis zur Bestattung im Freien auf. (Spielszene)

Reenactments und aufwändige Computeranimationen ergänzen die Forschungen und Experimente, so dass ein faszinierendes Bild des damaligen Lebens entsteht.

Film von Peter Prestel