Bitte warten...
Budweiser Stammsitz St. Louis - Firmengebäude mit Roten Lettern auf dem Dach des Klinkerbaus

SENDETERMIN So, 12.1.2020 | 20:15 Uhr | SWR Fernsehen

Deutscher Brauer in den USA Die Bier-Pioniere

Bier in Amerika – ohne Auswanderer aus dem deutschen Südwesten undenkbar: Eberhard Anheuser und Adolphus Busch erfanden "Budweiser" und begründeten das weltgrößte Bierimperium.

Bier von der Mosel

Kaum einer weiß, dass ausgerechnet im Winzerland zwischen Mosel und Rhein eine der erfolgreichsten Biergeschichten ihren Ausgang nahm. Es ist die Geschichte zweier tatendurstiger Emigranten aus dem deutschen Südwesten, die das weltgrößte Bierimperium in den USA aus dem Boden stampften - Eberhard Anheuser und Adolphus Busch.

1/1

Deutsche Bierpioniere - eine Erfolgsgeschichte in den USA

In Detailansicht öffnen

Das 19. Jahrhundert ist das Jahrhundert der Massenauswanderung aus Deutschland. Mangelhafte wirtschaftliche Perspektiven und die Hoffnung auf ein besseres Leben lassen auch viele Menschen aus dem Südwesten davonziehen.

Das 19. Jahrhundert ist das Jahrhundert der Massenauswanderung aus Deutschland. Mangelhafte wirtschaftliche Perspektiven und die Hoffnung auf ein besseres Leben lassen auch viele Menschen aus dem Südwesten davonziehen.

Einer von ihnen ist der 1806 in Kreuznach im heutigen Rheinland-Pfalz geborene Eberhard Anheuser. Seine Eltern sind Weinbauern mit kleiner Anbaufläche. Als jüngerer Sohn der kinderreichen Familie hat er auf dem elterlichen Hof keine wirtschaftliche Perspektive. So wagt er die Reise nach Übersee.

St. Louis ist zu Beginn des 19. Jahrhunderts eine der schnellwachsenden Städte der Vereinigten Staaten. Klima und Landschaft, vor allem aber das Gefühl, unter seinesgleichen zu sein, sorgen für großen Zulauf von deutschen Auswanderern. Hier landet Eberhard Anheuser 1844. Er handelt zunächst erfolgreich mit Brennstoff und Kerzen. Als einer seine Kunden, ein Bierbrauer, nicht zahlen kann, übernimmt er dessen Geschäft.

Auch Adolphus Busch, geboren im heutigen Mainz-Kastel, ist nach Amerika ausgewandert. In St. Louis verkauft er Brauereibedarf. In der Firma von Eberhard Anheuser begegnet der junge Vertreter dessen 17-jähriger Tochter Lilly und verliebt sich in sie. Die beiden heiraten. Adolphus Busch ist ein Visionär. Mit Ideenreichtum und Tatkraft kann er Lillys Vater davon überzeugen, dass er - trotz fehlender Ausbildung - der Richtige ist, um dessen Biergeschäft zu leiten.

Auch andere Brauer aus dem Südwesten wagen den Sprung nach Amerika. Der Ur-Ur-Ur-Großvater von Dick Yuengling, David G. Jüngling, emigriert 1825 in die Vereinigten Staaten, um dem Militärdienst zu entgehen. 1829 gründet der Braumeister aus dem württembergischen Aldingen die "Eagle Brewery" in Pottsville / Pennsylvania.

Pottsville ist ein guter Standort für eine Brauerei. Die Industrie boomt. Die Stadt wächst rasch. Vor allem die vielen deutschen Einwanderer haben Lust auf Porter, Ale und Lagerbier, die drei Biersorten, die David G. Yuengling, wie er sich jetzt nennt, zunächst braut.
 

Auf Schloss Sigmaringen im Donautal wird der junge Friedrich Müller 1849 zum Hofbraumeister des letzten regierenden Hohenzollernfürsten berufen. Doch in Zeiten des politischen Umbruchs will auch er mehr. Aufstiegschancen, Freiheit für sich und seine Familie, die guten Aussichten für gut ausgebildete Handwerker - das alles lockt Müller. Gemeinsam mit seiner Familie übersiedelt er in die USA.

Die Übersiedelung beginnt mit einer persönlichen Tragödie: Nach der Ankunft sterben seine Frau Josephine und alle Kinder. Doch Friedrich Müller gibt nicht auf. Nach einer Fahrt den Mississippi hinauf, landet Friedrich, der sich bald Fred nennen wird, in Milwaukee. Hier legt er den Grundstein für eines der größten deutsch-amerikanischen Brauerei-Imperien.

Tim John ist der Urenkel von Friedrich Müller, der 1854 aus dem Schwäbischen nach Amerika aufbrach. Er kennt das Geheimnis für den Erfolg seines Urgroßvaters: Um so gutes Bier zu brauen wie in Sigmaringen, brachte Frederick Miller, wie er sich bald nannte, seine eigene spezielle Hefe von zu Hause mit.

Die Brauerei von Frederick Miller liegt ein Stück außerhalb der Stadt, direkt an einer Landstraße ins Hinterland. Dort kommen die Farmer vorbei, wenn sie auf dem Weg in die Stadt sind, um ihre Produkte zu verkaufen.

Aus dem Treffpunkt der Farmer wird bald ein Biergarten. Damit trifft Fred Miller bei seinen eingewanderten Landsleuten genau den Nerv. Der Biergarten wird zum beliebten Ausflugsziel für die ganze Familie. Es gibt Musik und deutsche Spezialitäten: Wurst, Käse und natürlich gutes Bier.

Die deutschen Brauereien expandieren. Um ihr Bier zwischenzulagern, bauen sie große Depots an Eisenbahnstationen. Viele dieser Bauwerke werden zu Wahrzeichen.

Das Bier muss gekühlt werden. Die Brauerei Anheuser-Busch holt ihr Eis zunächst aus dem Mississippi. Doch bald schon stellt sie Eis selbst her. Als eines der ersten in Amerika investiert das Unternehmen in automatische Kühltechnik und baut eigene Kühlwaggons

Auf der Suche nach einem Bier, das den Geschmack der Zeit trifft, reist Adolphus Busch nach Böhmen. Im tschechischen Budweis wird er fündig. Er macht das wohlschmeckende Bier nach und nennt es so wie das Vorbild: Budweiser!

Lotsie Busch, Urenkelin von Adolphus Busch senior: Ihr Urgroßvater investierte viel Geld in neue Abfülltechnik. Bier wurde in Glasflaschen abgefüllt. Kronkorken verhinderten, dass sich die Kohlensäure verflüchtigt. Das Bier blieb frisch und behielt seinen Geschmack - ein Meilenstein in der Bierherstellung.

Budweiser-Bier macht die Familie Anheuser-Busch reich. Vor den Toren von St. Louis liegt Grant‘s Farm, der herrschaftliche Familiensitz der Familie Anheuser-Busch. Der kinderreiche Busch-Clan legt einen Landschaftsgarten mit Tierpark an, der auch den Bürgern von St. Louis offen steht.

Adolphus Busch, Urenkel des Firmengründers Anheuser-Busch. Sein Urgroßvater hat als Pionier seine Chancen im "goldenen Zeitalter" genutzt. Als der Firmenpatriarch 1913 stirbt, ist er so reich wie die Rockefellers, die Vanderbilts oder die Fords.

Sehnsucht nach der alten Heimat: In Bad Schwalbach in Hessen, nur wenige Kilometer von seinem Geburtsort Kastel, errichtet Adolphus Busch 1891 ein Anwesen. Der Bierbaron aus Amerika will seine letzten Jahre regelmäßig in Deutschland verbringen. Das Haus nennt er nach seiner Frau: Villa Lilly.

Jeden Sommer zieht es den Bierkönig aus St. Louis auf seinen Landsitz nach Hessen. Auch Familie und Freunde nimmt er mit hierher. Er genießt es, wenn die Leute sich von ihm erzählen, als einem von ihnen, der es in Amerika zu Erfolg und Wohlstand gebracht hat.

Adolphus Busch stirbt in Deutschland auf seinem Anwesen Villa Lilly. Beerdigt wird er in seiner neuen Heimat St. Louis. Als der Leichnam dort ankommt, wird er zum Brauereigelände gebracht. Dort erweisen ihm die Tausende die letzte Ehre. Die Straßenbahnen im US-Bundesstaat Missouri stellen ihren Betrieb ein und überall gibt es Schweigeminuten ihm zu Ehren.

Anfang der 1840er Jahre bricht zunächst Eberhard Anheuser aus Bad Kreuznach in die Neue Welt auf. 1857 wandert auch Adolphus Busch aus dem heutigen Mainz-Kastel nach Amerika aus. In dieser Zeit verlassen viele aus der Region ihre Heimat, es herrschen Hunger und Arbeitslosigkeit links des Rheins von der Pfalz bis ins Rheinland. In den rasch emporstrebenden USA dagegen werden Arbeitskräfte gesucht.


Von "Budweiser" bis "Yuengling"

Anheuser und Busch tun sich zusammen und brauen ein Bier nach der böhmischen Pilsener-Methode, die sie von einer Brauerei aus dem böhmischen Budvar abgekupfert haben. Sie nennen es "Budweiser". Die beiden sind nicht die einzigen Auswanderer aus dem Südwesten, die mit dem Bierbrauen in den USA ihr Glück machen. Groß und berühmt werden auch die Brauereien von Frederick Miller (geb. Friedrich Müller) aus Riedlingen oder von David Gottlob Yuengling (geb. Jüngling) aus Aldingen. Sie alle sorgen dafür, dass in den USA eine eigene Bierkultur entsteht, mit Biergärten und Biersaloons. In der neuen Heimat werden die Bierpioniere zu reichen und angesehenen Bürgern.

Anheuser Busch Bier Depot 1880

Anheuser Busch Bier Depot 1880

Durststrecke Prohibition

Das Brauverbot der Prohibition von 1920 überleben nur wenige Brauereien, oft durch Umstellung der Produktion, etwa auf Eiscreme oder nichtalkoholische Getränke. Erst 1933, nach Ende der Prohibition, geht es wieder bergauf.

Adolphus Busch, Urenkel des Firmengründers Anheuser-Busch

Adolphus Busch, Urenkel des Firmengründers Anheuser-Busch

Erfolgsstory made in Germany

Die, die überlebt haben - unter ihnen auch Anheuser und Busch oder Yuengling - wachsen zu neuer Größe heran. Heute sind die meisten im Besitz großer Getränkekonzerne. Die Geschichte deutscher Einwanderer gilt noch heute als ein gelungenes Beispiel für die Integration von Menschen, die aus der Not und Perspektivlosigkeit flüchteten und in Amerika ihr Glück machten.

Sendung vom

So, 12.1.2020 | 20:15 Uhr

SWR Fernsehen