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Torhüter streckt sich nach dem Ball

SENDETERMIN Do, 28.6.2018 | 22:00 Uhr | SWR Fernsehen

Deutschlands große Torhüter Die Nummer Eins

Innerhalb von Sekundenbruchteilen entscheidet sich: Versager oder Held? Feldspieler gibt es viele, doch es gibt immer nur einen Torwart. Durch spektakuläre Paraden kann er zum Gewinner des Spiels werden, doch der kleinste Fehler stempelt ihn zum Sündenbock, der die Arbeit des ganzen Teams zunichte macht. Seine Karriere hängt immer am seidenen Faden.

Leben auf der Linie

Die Hüter des Tores  sind auch die Hüter der Hoffnung. Sie sind das letzte Bollwerk gegen eine durchtrainierte, durchchoreografierte Angriffsmaschinerie von torhungrigen Vollstreckern. Sie sind die letzte Hoffnung der Fans, die drohende Niederlage durch einen unwahrscheinlichen Reflex doch noch abzuwenden. Sie leben mit der ständigen Erwartung, sich den anstürmenden Gegnern entgegenwerfen zu müssen, ohne Rücksicht auf die eigenen Knochen, die eigene Gesundheit.

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Warum sie wurden, was sie sind –Torhüter

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Manuel Neuer: »Ich bin eigentlich zufälligerweise Torwart geworden. Es war so, dass ich zu Schalke hinkam mit 4 Jahren und der Trainer hat mich ins Tor gesteckt, weil es noch keinen Torwart gab und ich kam halt als Neuer und - sagen wir mal so: der Doofe, der muss jetzt ins Tor gehen.«

Manuel Neuer: »Ich bin eigentlich zufälligerweise Torwart geworden. Es war so, dass ich zu Schalke hinkam mit 4 Jahren und der Trainer hat mich ins Tor gesteckt, weil es noch keinen Torwart gab und ich kam halt als Neuer und - sagen wir mal so: der Doofe, der muss jetzt ins Tor gehen.«

Jens Lehmann: »Bei mir war es so, dass ich eigentlich immer Stürmer war oder Feldspieler und irgendwann bin ich dann zum ersten größeren Verein, zu Schwarz-Weiß-Essen gegangen und dann war irgendwann ein Torwart, glaube ich, ausgefallen und ich bin dann ins Tor gegangen. Und habe denen dann gesagt, obwohl sie mich als Stürmer geholt haben: "Ich gehe jetzt auch nicht mehr raus, ich bleibe jetzt im Tor."«

Sepp Maier: »Unser etatmäßiger Torhüter hat sich die Hand gebrochen. Und dann kommt unser Jugendleiter, sagt: "Du Sepp, du musst am Samstag ins Tor, weil da spielen wir gegen Bayern 2. Jugend im Pokal." "Nein", habe ich gesagt, "Herr Reiß", habe ich gesagt, "ich gehe nicht ins Tor, ich will hier außen spielen." Da hat er gesagt: "Du gehst ins Tor."«

Toni Schumacher: »Meine Mutter hat gesagt: "Meinst du nicht, du solltest es mal im Tor versuchen, das ist doch ein bisschen nicht so anstrengend und so." Und dann habe ich drüber nachgedacht, ich sage: "Ja, ist ein gemütlicher Job, stehst hinten drin, darfst als einziger den Ball mit den Händen nehmen und hast ein eigenes Trikot an und so, dann versuchst du das mal."«

Oliver Kahn: »Es war so 1974/75, mein Großvater hat mir damals ein Trikot geschenkt, komplette Kollektion, von Sepp Maier. Habe ich gedacht, was schenkt der mir jetzt eine Torwartkollektion? Aber gut, zieh es an und stelle dich halt mal ins Tor, dann ist der Großvater auch zufrieden. Das habe ich dann gemacht und das war tatsächlich der ausschlaggebende Punkt, dass mir das scheinbar so viel Spaß gemacht hat, dass ich ab diesem Zeitpunkt nicht mehr aus dem Tor raus bin.«

Der Moment entscheidet

Eine Sekunde der Unachtsamkeit und sie werden zum Buhmann, zum Symbol der Niederlage, gar zum Hassobjekt, zur Verkörperung der enttäuschten Hoffnung einer ganzen Stadt, mitunter eines ganzen Landes. Der Platz zwischen den Pfosten – eine physische und psychologische Ausnahmesituation. Nur wenige Menschen halten diesem immensen Druck stand.

Einsame Helden

Gerade das Torhüterland Deutschland hat Typen und Geschichten hervorgebracht, die die Nation bewegten: das Duell Kahn gegen Lehmann, die Eskapaden eines Toni Schumacher, der mitten im Spiel nach einer Ente hechtende Sepp Maier, der aktuelle Welttorhüter Manuel Neuer und das Drama um den Selbstmord von Robert Enke, als er gerade am Ziel seiner Träume angekommen schien. Der Film zeigt die Menschen hinter den Geschichten. Was bewegt sie, was bestimmt sie, wie gingen und gehen Stars wie Kahn, Neuer, Maier, Schumacher, Lehmann und andere mit diesem Druck um? Und warum träumen so viele junge Menschen davon, ausgerechnet die Nummer Eins zu sein?

Fußballdeutsche Kollektiverinnerung

Viele Momente haben  sich tief in die fußballdeutsche Kollektiverinnerung eingegraben: Lehmann zieht den Zettel aus seinem Stutzen und hält; Kahn sitzt am Pfosten und erkennt, dass er gerade wieder zum sterblichen Menschen geworden ist; Schumacher räumt Battiston ab und versteht noch nicht, was er damit anrichtet. Im legendären Maracanã-Stadion von Rio de Janeiro reißt Manuel Neuer die Hände in die Luft: Es ist geschafft! In ausführlichen Interviews haben die Torhüter-Legenden ihre Rolle und ihre Karriere reflektiert. Und Teresa Enke berichtet zum ersten Mal nach dem Tod ihres Mannes eindrücklich, wie dessen großer Traum zum Albtraum wurde.

Ein Film von Gerhard Schick