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Luftaufnahme Grafenhausen

SENDETERMIN Mi, 12.6.2019 | 15:15 Uhr | SWR Fernsehen

Der Südwesten von oben Unsere Dörfer

Weltoffenen und zugleich der Tradition zugewandt: Von der Saar bis zum Schwarzwald prägen Dörfer und Landwirtschaft große Teile des Südwestens.

Quo Vadis Landleben?

Die Menschen im Südwesten bewohnen eine der landschaftlich, klimatisch und kulturell attraktivsten Regionen Deutschlands. Doch viele Dörfer kämpfen ums Überleben. Eine Landärztin im kleinen Wiesental sucht seit Jahren einen Kollegen für ihre Praxis. Ein Bäckermeister kehrt aus der Großstadt zurück in seine Heimat in der Südeifel und geht mit einer rollenden Backstube gegen das Aussterben seines Handwerks an. Ein junger Landwirt rüstet seinen Stall auf zur Wohlfühl-Oase für die Kühe und für sich selbst.

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Lebendige Heimat

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Peter Marxen hat sich dafür entschieden Bäcker in sein Dorf zurückzukehren. Mit seinem „rollenden Ofen“ versorgt er die Dörfer rund um Sirzenich.

Peter Marxen hat sich dafür entschieden Bäcker in sein Dorf zurückzukehren. Mit seinem „rollenden Ofen“ versorgt er die Dörfer rund um Sirzenich.

Die Landärztin Hiltrud Heim ist von der Stadt ins Kleine Wiesental gezogen. Sie ist häufig unterwegs auf Hausbesuchen und betreut neben ihrer Praxis auch einen therapeutischen Reiterhof.

Robert Bentele ist einer von ungefähr 100 Hopfenbauern in Tettnang am Bodensee. Er vermarktet seinen „Tettnang Tettnanger“, zum großen Teil direkt – das Bier wird im eigenen Gasthof verkauft, aber auch bis nach Amerika vertrieben.

Die Sonne geht auf über Tettnang. Robert Benteles Hopfen profitiert von dem warmen Klima am Bodensee.

Lucia Karrer aus Ahausen am Bodensee macht eine Ausbildung zur Zimmerin. Ihr liegt viel daran, die alten Fachwerkhäuser zu sanieren, weil sie findet, dass die Seele der Dörfer an diesen Häusern hängt.

Simon Stiegeler ist Maskenschnitzer in Grafenhausen im südlichen Hochschwarzwald. Neben traditionellen Masken für die Narrenzünfte des Südwestens schnitzt er auch Masken für schwedische Rockbands.

Die Maskenschnitzerei besitzt im Südwesten Deutschlands eine lange Tradition. Die Narrenzünfte der schwäbisch-alemannischen Fastnacht, die „Fasnet“ benötigen für ihre Mitglieder jährlich neue Masken.

Neben den traditionellen Maskenmodellen für die Fasnet schnitzt Simon Stiegeler auch moderne Masken. Diese werden gerne von schwedischen Rockbands aber auch von jungen Häßträgern gekauft.

Grafenhausen ist ein Dorf im südlichen Hochschwarzwald. Die Bewohner Grafenhausens sind immer noch sehr traditionsbewusst, was sich auch in den Narrenzünften zeigt.

Vanessa Steckmann lebt in Haßloch, dem größten Dorf Süddeutschlands. Obwohl der Haßlocher gemeinhin als Durchschnittsdeutscher gilt, ist sie alles andere als Durchschnittlich. Sie ist eine der wenigen aktiven Feuerwehrfrauen Haßlochs.

Haßloch ist schon von oben leicht erkennbar. Nachdem unter Napoleon ein Gesetz erlassen wurde, wonach die Miete abhängig von der Hausbreite wurde, bauten die Haßlocher einfach schmalere Häuser.

Es gibt Menschen, die an ihre Dörfer glauben und in ihnen ihre Zukunft sehen. Mit Herzblut, Fleiß und guten Ideen setzen sie alles daran, ihre Heimat lebendig zu halten. Seit Jahrtausenden beackern die Menschen das Land, bauen Straßen und Häuser. So auch in Ahausen am Bodensee. Eine der ältesten Familien im Dorf: die Karrers. Die Eltern hofften, dass Tochter Lucia den Apfelhof der Familie übernimmt. Doch sie entschied sich dagegen. Ihr Herz schlägt für das Handwerk. Seit mehr als einem Jahr macht sie eine Lehre zur Zimmerin. Für sie sind alte Fachwerkhäuser die Seelen der Dörfer, die Geschichten aus der Vergangenheit erzählen. Die Häuser, die sie gemeinsam mit ihrem Chef saniert, ziehen Touristen und stressgeplagte Großstädter an - und helfen so die Region zu erhalten.

Dietmansweiler hat Zukunft

Anders als Lucia entschied sich der Hopfenbauer Robert Bentele in Dietmannsweiler dafür, in die Fußstapfen seiner Eltern zu treten. Um das Risiko der Landwirtschaft zu minimieren, hat die Familie verschiedenste Standbeine. Sie haben einen eigenen Landgasthof, brauen ihr eigenes Bier, mästen die eigenen Rinder, brennen den eigenen Schnaps und mosten ihren Apfelsaft selbst. Das kommt gut an. Ihre Gastwirtschaft ist Treffpunkt für die Menschen im Dorf - und beliebtes Ausflugsziel für Fremde. Um die Zukunft von Dietmannsweiler macht sich Robert Bentele keine Sorgen. Fast in jeder Familie gibt es Kinder, die im Dorf bleiben wollen - vom demographischen Wandel kann also keine Rede sein.

Dörfer am Scheideweg

Manche Dörfer sterben aus, andere wachsen und wieder andere haben so großen Erfolg, dass sie zu Städten werden. Die Faktoren dafür sind unterschiedlich. Oft ist allein die Lage ausschlaggebend für den Erfolg. So auch in Haßloch. Mit 20.000 Einwohnern ist dies das größte Dorf Deutschlands. In unmittelbarer Nachbarschaft befinden sich Mannheim, Ludwigshafen, Speyer und Landau. Mit der Bahn und dem Auto sind die Arbeitsplätze diese Städte für die Haßlocher nur einen Katzensprung entfernt. So können sie in ihrem Pendlerdorf bleiben - und ihre Traditionen pflegen. Mehr als 50 Vereine buhlen um den Nachwuchs. Vanessa Steckmann hat sich für die Freiwillige Feuerwehr entschieden. Sie ist eine von vier Frauen im Team - und mit Begeisterung dabei. Bei jedem Einsatz spürt sie den Respekt der Menschen und hat das Gefühl etwas für ihr Dorf zu tun.

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Mi, 12.6.2019 | 15:15 Uhr

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