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Der junge Werkschef Hermann Röchling (Christian Stotz) läuft zwischen Arbeitern einen Gang entlang.

SENDETERMIN So, 2.6.2019 | 20:15 Uhr | SWR Fernsehen

Hermann Röchling und die Völklinger Hütte Der Stahlbaron

Der Stahlunternehmer Hermann Röchling prägte lange die Schwerindustrie an der Saar und stieg bis an die Spitze der NS-Elite auf. 1948 wurde er als Kriegsverbrecher verurteilt.

Charismatischer Visionär

Der 1872 geborene Sohn des Werksgründers Carl Röchling ist ein technischer Visionär, charismatisch, ehrgeizig und machtbewusst. Von Kind an auf seine künftige Rolle als Firmenchef vorbereitet, setzt Hermann Röchling sich gegen innerfamiliäre Rivalen durch und bringt sich und die Völklinger Stahlproduktion europaweit in vorderste Position.

Politisches Kalkül

Geschickt greift Hermann Röchling seit Beginn seiner Unternehmerkarriere in politische Prozesse ein, um sie für seine wirtschaftlichen Ziele nutzen. Im Ersten Weltkrieg setzt er voll auf Rüstungsproduktion und scheut, um seinen Absatz zu steigern, weder die Plünderung französischer Industrieanlagen noch den Einsatz von Zwangsarbeitern. Die Erzfelder und Industrieanlagen des seit 1871 vom Deutschen Reich annektierten Lothringen nutzt der Saar-Unternehmer schamlos wie einen Selbstbedienungsladen.

Prozess nach Ende des Ersten Weltkriegs

Als das Saargebiet nach dem Ersten Weltkrieg unter französische Verwaltung kommt, verlieren die Röchlings ihre Besitzungen in Frankreich. Der französische Staat macht Hermann den Prozess. Doch dieser erscheint weder vor Gericht noch tritt er die gegen ihn verhängte Haftstrafe an. Mit seinem Schachzug gegen die französische Gerichtbarkeit wird er zeitlebens kokettieren.

Rüstungsproduzent und NS-Funktionär

Hermann Röchling kann verhindern, dass das Völklinger Werk von einer französischen Kapitalmehrheit übernommen wird. Gleichzeitig baut er seinen politischen Einfluss aus und macht die Wiedereingliederung des Saargebiets ins Deutsche Reich zur Chefsache. Schon früh dient er sich Hitler an. Wieder kann Röchling mit Rüstungsgütern sein Unternehmen nach vorne bringen, wieder ist ihm jedes Mittel recht und wieder kann die Produktion mit Hilfe von Zwangsarbeitern expandieren. 1942 wird er zum "Reichsbeauftragten für Eisen und Stahl in den besetzten Gebieten". Bis Kriegsende gehört er der Spitze der NS-Elite an.

Vor Gericht

Mit Kriegsende kommt der Fall. 1948 stellt die französische Besatzungsmacht Hermann Röchling vor Gericht. Ähnlich den Nürnberger Prozessen werden im badischen Rastatt Kriegsverbrechen verhandelt und geahndet.

In der Dokumentation kommt neben Historikern und Zeitzeugen auch Ingeborg Gußmann zu Wort, Hermann Röchlings einzige noch lebende Enkeltochter. In den Spielszenen ist die Rolle von Herman Röchling mit dem Schauspieler Klaus Schindler besetzt.