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Rennwagen auf dem Hockenheimring beim Großen Preis von Deutschland 1978

SENDETERMIN Sa, 17.6.2017 | 20:15 Uhr | SWR Fernsehen

Geschichte des Motorsports Der Ringkampf - Hockenheim- gegen Nürburgring

Der Nürburgring und der Hockenheimring sind die beiden ältesten und berühmtesten Rennstrecken in Deutschland. Im Mai 2017 ist es 85 Jahre her gewesen, dass in Hockenheim das erste Rennen gestartet wurde. In der Eifel wird im Juni das 90-jährige Jubiläum gefeiert. Jahrzehntelang haben sich die beiden Rennstrecken einen erbitterten Zweikampf geliefert: um Rennen, Zuschauer, viel Geld und um die Formel 1.

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Der alte Hockenheimring war 1932 eine "Arme-Leute-Rennstrecke". Zwei Waldgeraden mit zwei Kurven verbunden. Der 1927 eröffnete Nürburgring galt von Anfang an als schönste und schwerste permanente Rennstrecke der Welt. Doch so unterschiedlich das Layout der beiden Strecken damals gewesen ist. Gemeinsam war in Hockenheim wie in der Eifel, das beide Rennkurse als Arbeitsbeschaffungsmaßnahmen entstanden sind. Die eine für 15 Millionen Reichsmark, die andere für 60.000 Reichsmark. So unterschiedlich die Anfänge der beiden Rennstrecken waren - im Verlauf ihrer langen Geschichte haben sie sich einen harten Zweikampf geliefert. Einen wahren "Ringkampf" um große Rennen, viel Zuschauer, noch mehr Geld und am Ende auch um die Formel 1. Ein Konkurrenzkampf, der schließlich beide in die roten Zahlen führen sollte.

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Hockenheimring gegen Nürburgring

Es kann nur einen geben

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Arbeitsbeschaffungsmaßnahmen: Für rund 15 Millionen Reichsmark wird ab 1925 in der Eifel eine Rennstrecke gebaut – der Nürburgring, eröffnet am 18. Juni 1927. Eine Strukturhilfe für das "Armenhaus von Preußen". Für 60.000 Reichsmark werden fünf Jahre später in Hockenheim von Erwerbslosen zwei Ortstraßen zum Rennkurs umgestaltet. Am 29. Mai 1932 wird das erste Rennen gestartet. Dieser alte Hockenheimring ist damals noch keine Konkurrenz für den großzügig subventionierten Nürburgring.

Arbeitsbeschaffungsmaßnahmen: Für rund 15 Millionen Reichsmark wird ab 1925 in der Eifel eine Rennstrecke gebaut – der Nürburgring, eröffnet am 18. Juni 1927. Eine Strukturhilfe für das "Armenhaus von Preußen". Für 60.000 Reichsmark werden fünf Jahre später in Hockenheim von Erwerbslosen zwei Ortstraßen zum Rennkurs umgestaltet. Am 29. Mai 1932 wird das erste Rennen gestartet. Dieser alte Hockenheimring ist damals noch keine Konkurrenz für den großzügig subventionierten Nürburgring.

Geschäftsmodell Geschwindigkeit: Große Rennen und berühmte Rennfahrer sollen zahlungskräftiges Publikum anlocken – das Geschäftsmodell damals wie heute. Doch schon der Bau des Nürburgrings wird teurer als geplant. In Hockenheim führt die Rennstrecke anfangs noch am Friedhof vorbei.

Der Traum von Auto: Das deutsche Wirtschaftswunder in den 1950er Jahren ist eng verzahnt mit dem rasanten Erfolg der Automobilindustrie. Erfolge im Motorsport dienen als Reklame. Der Rennfahrer-Typus des "Gentleman-Racer" dankt allmählich ab, Rennprofis wie Jochen Rindt, Jackie Stewart und Jacky Ickx sind Ende der 1960er Jahre die Idole eines hochriskanten Profisports.

Anfänger: Beim deutschen Formel-1 - Grand Prix 1969 auf dem Nürburgring besiegt Jacky Ickx seinen Rivalen Jackie Stewart. Im Rahmenprogramm startet die Formel Vau, in dieser Nachwuchsklasse auf technischer Basis des VW Käfers fährt der 18-jährige Niki Lauda und muss sich nur seinem österreichischen Landsmann Dr. Helmut Marko geschlagen geben.

Die berüchtigte Nordschleife: Der älteste Teil des Nürburgrings ist rund 22,8 km lang und damit die längste permanente Rennstrecke der Welt. Die "grüne Hölle" gilt nach wie vor als härteste Prüfung für Fahrer und Technik. Immer wieder ist versucht worden, die "Nordschleife" durch Umbaumaßnahmen zu entschärfen. Letztlich vergebens.

Das Motorsport-Stadion: Der Bau der A6 zwischen Mannheim und Heilbronn zerschneidet den alten Hockenheimer Straßenkurs. Die Rennstadt erhält von Bund und Land Schadensersatz und baut für rund 15 Millionen D-Mark das Motodrom. Mit der Eröffnung im Jahre 1966 hat Deutschland seine zweite permanente Rennstrecke und der Nürburgring bekommt auf Dauer harte Konkurrenz.

Im Rennfieber: Die Zuschauer in den 1950er Jahren sind nah dran an ihren Idolen. Ausflüge in die Eifel sind ein kleiner, aber erschwinglicher Abenteuerurlaub. Für schon fünf D-Mark kann man/frau sich damals eine Eintrittskarte für den Formel-1-Grand-Prix mit Juan Manuel Fangio sichern – oder bei entsprechender Ortskenntnis sich sogar kostenlos bis an den Streckenrand pirschen. Ein halbes Jahrhundert später kosten die besten Plätze beim Formel-1-Gastspiel in der Eifel um die 500 Euro.

Der erste WM-Lauf: 1957 findet in Hockenheim erstmals ein Motorrad-Grand-Prix statt. Der Beweis dafür, dass auch die Kleinstadt in der Lage ist auf internationaler Ebene mitzuhalten. Im Vergleich mit dem Fußball von heute könnte es damals heißen: Hockenheim steigt in die Bundesliga auf. Doch noch ist der Nürburgring allein in der Champions League.

Risiko Rennsport: 1976 verunglückt WM-Spitzenreiter Niki Lauda beim Formel-1 - Grand Prix auf dem Nürburgring. Lauda überlebt – auf der Nordschleife des Nürburgrings werden keine Formel-1-Rennen mehr stattfinden. Doch bereits vor diesem Rennen in der Eifel ist der neue Formel-1-Boss Bernie Ecclestone mit der Hockenheimring GmbH einig geworden, mit seiner Grand-Prix-Truppe ab 1977 im Motodrom zu starten.

"Schumi": Michael Schumacher verändert die Einstellung zum Rennsport in Deutschland. Dank seiner Erfolge gewinnt die Formel 1 in Deutschland an Popularität wie nie zuvor und nie danach. Die 91 Grand-Prix-Rennsiege und sieben WM-Titel von "Schumi" wecken Begehrlichkeiten. Hockenheim- und Nürburgring konkurrieren um die Formel 1, am Ende finden zwei Formel-1-Rennen statt.

Abgang auf Raten: Am Ende werden in Hockenheim und in der Eifel mit den Grand-Prix-Gastspielen nur noch rote Zahlen geschrieben. Am Nürburgring sind sie noch tiefroter als im Motodrom. Das Land Rheinland-Pfalz verspielt mindestens 330 Millionen Euro Steuergelder und ist nicht einmal mehr Eigentümer des Nürburgrings. 2013 gewinnt Sebastian Vettel das vorläufig letzte Formel-1-Rennen auf dem Nürburgring. Danach finden in der Eifel keine Grand-Prix-Rennen mehr statt. Hockenheim hat zumindest noch für 2018 einen gültigen Vertrag.

Film von Eberhard Reuß

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