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SENDETERMIN So, 13.9.2015 | 21:00 Uhr | SWR Fernsehen

Porzellan aus Ottweiler Das weiße Gold des Südwestens

1763 gründete Fürst Wilhelm Heinrich von Nassau-Saarbrücken in der kleinen Residenzstadt Ottweiler eine Porzellanmanufaktur. Heute zählt Ottweiler Porzellan zu den seltensten der Welt.

Hirschterrine aus Porzellan - Detailansicht

Hirschterrine des Fürsten Ludwig von Nassau-Saarbrücken

Porzellan war im Barock des 18. Jahrhunderts ein Prestigeprodukt an den Fürstenhäusern. Mit dem sogenannten "weißen Gold" versuchten die Fürsten sich bei Hofe zu profilieren und sich gegenseitig zu überbieten. Auch im Fürstentum Nassau-Saarbrücken hinterließ die Leidenschaft für Porzellan ihre Spuren.

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Die Fürsten von Nassau-Saarbrücken

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Fürst Wilhelm-Heinrich, Fürstin Sophie Erdmuthe von Nassau-Saarbrücken und Sohn Ludwig im Garten des Lustschlosses zu Ottweiler. (Spielszene)

Fürst Wilhelm-Heinrich, Fürstin Sophie Erdmuthe von Nassau-Saarbrücken und Sohn Ludwig im Garten des Lustschlosses zu Ottweiler. (Spielszene)

1742 heiratete Wilhelm Heinrich von Nassau-Saarbrücken Sophie Erdmuthe, Tochter des Grafen Georg Wilhelm zu Erbach.

Nach der Herrschaftsübernahme wurde Schloss Saarbrücken der Wohnsitz von Wilhelm Heinrich Fürst von Nassau-Saarbrücken und seiner Familie. (Darstellung um 1765)

Wilhelm Heinrich unternahm große Anstrengungen, um die Wirtschaft seines Fürstentums in Schwung zu bringen – und sich selbst ein luxuriöses Leben zu gönnen.

Wilhelm Heinrich Fürst von Nassau- Saarbrücken mit Gemahlin Sophie Erdmuthe auf dem Weg von Saarbrücken nach Ottweiler. Dort richtete der Fürst eine Porzellan-Werkstatt ein. (Spielszene)

Schloss Ottweiler 1617. Eine Nebenlinie der Grafen von Nassau-Saarbrücken wählte den beschaulichen Ort im 16. Jahrhundert als Residenz.

In Ottweiler, rund 30 Kilometer von Saarbrücken entfernt, richteten Fürst Wilhelm Heinrich von Nassau-Saarbrücken und seine Gemahlin Sophie Erdmuthe eine Porzellan-Werkstatt ein, eine "wahre Wunderkammer", wie es hieß. Für seine Porzellan-Manufaktur war dem Fürsten nichts zu teuer. Künstler aus Frankreich arbeiteten mit wertvollem Kaolin aus Passau, einem feinen weißen Tongestein. Die Investition trug Früchte: Ottweiler Porzellan war edler und härter als das anderer Manufakturen.

Das Fürstenpaar von Nassau-Saarbrücken pflegte engen Kontakt mit dem französischen König Ludwig XV. und verkehrte in den höchsten Pariser Kreisen. Sophie Erdmuthe demonstrierte mit den edlen Stücken ihren guten Geschmack, Wilhelm-Heinrich hoffte mit dem Verkauf die klammen Kassen aufzufüllen. Porzellan aus der eigenen Manufaktur war ein wertvolles Gastgeschenk und Statussymbol. So entspannen sich um dessen Herstellung nicht selten Intrigen. Die Fürsten versuchten sich die besten Maler und Handwerker gegenseitig abzuwerben.

Kaffee- und Mokkakanne des Fürsten Wilhelm Heinrich von Nassau-Saarbrücken mit Blumenmotiv.

Kaffee- und Mokkakanne des Fürsten Wilhelm Heinrich von Nassau-Saarbrücken mit Blumenmotiv.

Nur wenige Jahre, von 1763 bis 1800, wurde in Ottweiler Porzellan hergestellt. Der Nachlass ist begrenzt, die verbliebenen Stücke in der ganzen Welt verteilt. Wenn heute außergewöhnlich kunstvoll bemalte Tassen, Teller oder Kannen aus dem deutschen Südwesten bei Auktionen auftauchen, so sind sie internationalen Sammlern Tausende von Euro wert.

Ludwig Fürst von Nassau-Saarbrücken und Katharina Kest (Spielszene)

Ludwig Fürst von Nassau-Saarbrücken und seine Gemahlin Katharina (Spielszene)

In opulenten Bildern erzählt der Film nicht nur die spannende Geschichte der Manufaktur, die lange im Dornröschenschlaf lag, sondern auch vom Lebensgefühl der Barockzeit, von einer außergewöhnlichen Liebe zwischen Fürst und Gänsegretel - und von Leidenschaften, die immer noch lebendig sind. Die Suche nach dem "weißen Gold" aus Ottweiler führt nach Hamburg, Augsburg, Köln, Heidelberg und Weinheim. So dokumentiert der Film ein lebendiges Stück Heimatgeschichte, denn obwohl die Manufaktur in Ottweiler nur wenig mehr als 30 Jahre produziert hat, leben die Fürsten bis heute weiter durch ihr Porzellan.

Ein Film von Maria C. Schmitt.