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SENDETERMIN Di, 1.5.2018 | 14:30 Uhr | SWR Fernsehen

Die Bernadottes und die Mainau Das Vermächtnis des Grafen

Am 11. November 2004 hatte Lennart Graf Bernadotte seinen letzten öffentlichen Auftritt in einer SWR-Livesendung. Sechs Wochen später, am 21. Dezember, starb er. Wer war dieser Mann, der als schwedischer Prinz geboren und als Mainau-Graf bekannt wurde?

Kindheit am schwedischen Königshof

Lennart Graf Bernadotte wuchs am schwedischen Königshof auf. Sein Vater war der Bruder des Thronfolgers, seine Mutter eine Romanow aus dem russischen Zarenhaus. Doch die Eltern trennten sich früh, der kleine Lennart wuchs bei seiner Großmutter mit strengem Hofprotokoll auf. Schnell fühlte er sich eingeengt. Als er seinem Herzen folgte und die bürgerliche Karin Nissvandt heiratete, kam es 1932 zum Bruch mit dem Königshaus. Für sie verzichtete er auf seinen Adelstitel und die Thronfolge - damals ein Skandal!

Lennart Graf Bernadotte sitzt als Kind auf dem Schoß seiner Mutter, dahinter stehend sein Vater 1911

Lennart Graf Bernadotte mit Eltern 1911

Sein Lebenswerk: Die Mainau

Doch Lennart Bernadotte war kein Mensch, der etwas dem Zufall überließ. Weder in seinem Leben, noch in seiner Arbeit. Sich treiben lassen, im Strom der Zeit und Konventionen dahin zu schwimmen - so etwas kam für ihn nicht in Frage. 1932 ließ er sich auf der Insel seiner Großmutter, einer badischen Prinzessin, nieder, wo er nach eigenen Worten einen "Dschungel" vorfand. Karin und er bekamen vier Kinder. Gemeinsam machten sie aus der Mainau innerhalb von wenigen Jahren ein kleines Blumenparadies.

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Die Insel Mainau

Luftaufnahme

Tulpenmeer

Rosengarten

Blumenmeer

Abendstimmung am Deutschordenschloss

Gesellschaftliches und politisches Engagement

Mit den Nazis mochten sie sich dauerhaft nicht arrangieren. Während des Zweiten Weltkriegs zog die junge Familie deshalb nach Schweden zurück. Dort entdeckte Lennart seine Talente als Fotograf und Dokumentarfilmer und ernährte seine Familie als Herausgeber einer Fotozeitschrift. Nach dem Krieg kamen sie auf die Mainau zurück. Lennart Bernadotte wollte Spuren hinterlassen, Grenzen überschreiten und das scheinbar Unmögliche probieren. Er engagierte sich für Völkerverständigung, organisierte alljährlich ein Treffen von Nobelpreisträgern, kämpfte für schönere Dörfer und sauberes Wasser. Er warnte vor dem Atomkrieg, hob soziale Projekte aus der Taufe, schrieb Theaterstücke und liebte die Musik. 1952 gewann er mit der Dokumentation Kon-Tiki sogar einen Oscar.

Lennart Graf Bernadotte (M) hält im Kreise seiner Kinder und seiner Ehefrau sein jüngstes Enkelkind im Arm. (Archivfoto)

Lennart Graf Bernadotte (M) im Kreise seiner Familie im März 2004

Die gräfliche Familie

1951 wurde er wieder in den Adelsstand erhoben, eine Tante verlieh ihm den Titel Graf von Wisborg. 1972 sorgte er erneut für Schlagzeiten. Von Karin inzwischen geschieden, heiratete er Sonja Haunz. Die Braut war 35 Jahre jünger und die Tochter des Gutsverwalters. Mit ihr machte er die Mainau zum beliebtesten Ausflugsziel Baden-Württembergs. Als er älter wurde, managte sie das Unternehmen und führte seine Projekte fort. Mit ihr hatte er weitere fünf Kinder: die heutige Mainau-Generation.

In der Dokumentation "Die Bernadottes und die Mainau" kommen Nachfahren und Wegbegleiter des Grafen zu Wort: Kinder aus erster und aus zweiter Ehe, der Fotoassistent des Grafen Hans-Dieter Meier, Frank Siegfried, sein ehemaliger Pressesprecher und Peter Forster, sein Kameramann. Sie alle zeichnen das Bild eines Mannes, der viele Facetten hatte.

Film von Christopher Paul

Sendung vom

Di, 1.5.2018 | 14:30 Uhr

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