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Naturschutzgebiet Bolle di Magadino am Lago di Maggiore aus der Luft gesehen

SENDETERMIN So, 27.9.2020 | 20:15 Uhr | SWR Fernsehen

Zwischen Lago Maggiore und Gotthard Das Tessin

Einfaches Leben in den Bergen und Dolce Vita an den Seen. Im Tessin trifft alpine Bodenständigkeit auf italienische Lebensart.

Vom Armenhaus zum Urlaubsparadies

Das Tessin ist der südlichste Kanton der Schweiz. Bittere Armut führte im 19. Jahrhundert zu einer großen Auswanderungswelle. Zehntausende suchten in Übersee ein besseres Leben. Besonders groß war die Not in kinderreichen Familien. Bis in die 1940er Jahre verkauften manche Eltern sogar ihre kleinen Söhne als Kaminkehrer in die Großstädte Norditaliens. Im Süden grenzt das Tessin an Italien und bis zum Zweiten Weltkrieg waren dort viele Waren teurer als in der Schweiz. Schmuggel prägte die Grenzregion, und noch heute zeugen die Verstecke der Schmuggler von diesem Kapitel der Zeitgeschichte. Heute sind der Lago Maggiore und der Luganer See mit ihrem mediterranen Klima beliebte Urlaubsziele.

Neues Leben in den Dörfern

In den tief eingeschnittenen Seitentälern hat sich die Bergregion ihre Ursprünglichkeit bewahrt. Abseits der Touristenpfade machen sich die Bewohner stark für ihre Traditionen und den Erhalt der Natur. Die 16-Jährige Aline Montemari ist angehende Zimmerin. Gemeinsam mit ihrem Lehrmeister Giovanni Martinelli rettet sie die typischen Steinhäuser, "rustici" genannt, vor dem Verfall. Illario Garbani, ein ehemaliger Lehrer, hat in einem Bergdorf eine Mühle rekonstruiert. Jetzt produziert er dort geröstetes Maismehl. Das einstige Arme-Leute-Essen gilt heute als Spezialität. Aussteiger Tobias Bührer hat mit seinen Nera-Verzasca-Ziegen eine typische Sommersiedlung in den Bergen bezogen.

Alpine Forschung

Auch für Wissenschaftler ist die Bergregion interessant. Auf einer malerischen Hochalm untersucht eine Biologin den Bestand von Bodenbrütern und versucht, den Lebensraum der Vögel zu bewahren. Danilo Foresti von der Jagd- und Fischereibehörde kontrolliert den Fischbestand eines Bachs. Dort entdeckt er den "Maskierten Steinbeißer", eine autochthone Fischart, die nur südlich der Alpen zuhause ist. Cristian Scapozza ist Geomorphologe und erforscht die Bewegungen von Blockgletschern, gefrorenen Geröllmassen, die talabwärts wandern.

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So, 27.9.2020 | 20:15 Uhr

SWR Fernsehen