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Ablassurkunde mit farbigen Illustrationen

SENDETERMIN So, 29.10.2017 | 10:45 Uhr | SWR Fernsehen

Das Zeitalter der Reformation im Südwesten Aufbruch zu neuem Wissen

Im Zeitalter der Reformation und der Renaissance verändern sich Wissenschaft, Kunst und der Alltag der Menschen.


Auf zu neuem Wissen

Die Auswirkungen der Reformation zeigen sich auch auf einem ganz anderen Gebiet. Die Medienrevolution, die mit dem Buchdrucker Johannes Gutenberg begonnen hatte und die von Luther geschickt genutzt wird, bringt eine Explosion des Wissens. Die Unterstützer Martin Luthers aus dem Südwesten fördern die Bildung: Philipp Melanchthon gilt als "Lehrer Deutschlands" und Johannes Brenz bringt eine Schulreform und die Neugestaltung der Universität Tübingen auf den Weg.

Dennis Wilms hält neben einer Gutenbergpressen stehend eine bedruckte Papierseite in Händen

Wissenschaftsmoderator Dennis Wilms bereist die Schauplätze der Reformation im Südwesten.

Diese Bildungsreformen ermöglichen es auch einem kleinen, eher kränklichen Jungen aus Weil der Stadt, eine gute Schul- und Universitätsbildung auf Kosten der Landeskasse zu bekommen. Pfarrer wird Johannes Kepler - wie eigentlich geplant - zwar nicht, dafür aber ein berühmter Astronom, der mit Hilfe der Wissenschaft Gottes Bauplan entschlüsseln will.

Collage: Johannes Kepler im Profil (Spielszene);  Skizze zur Umlaufbahn von Planeten aus Keplers astronomischer Schrift "Harmonice mundi" von 1619

Johannes Kepler

Neue Perspektiven

Im Zeitalter der Reformation ändern sich auch die Architektur und die Kunst.
Einige Strömungen des Protestantismus verbannen Gemälde und kunstvolle Altäre aus dem Kirchenraum. Während Martin Luthers Haltung eher tolerant ist, sind die Schweizer Reformatoren Calvin und Zwingli rigide: Bilder würden vom Wesentlichen, vom Wort Gottes ablenken. Gleichzeitig kommt aus Italien der künstlerische Einfluss der "Renaissance"; neue Bauwerke wie der Ottheinrichsbau im Heidelberger Schloss entstehen.

Der Ottheinrichsbau im Schloss Heidelberg

Der Ottheinrichsbau im Schloss Heidelberg war einer der ersten Renaissance-Gebäude auf deutschem Boden.

In der Kunst arbeitet man nun mit der Zentralperspektive, die Bilder erscheinen den Betrachtern jetzt so, wie sie es auch im wirklichen Raum sehen würden. Das gilt für Gemälde, aber auch für den in Mode kommenden Kupferstich. Der Kupferstich macht es möglich, Bilder in großer Zahl zu vervielfältigen und preiswerter zu machen. Der geschäftstüchtige Protestant Matthäus Merian baut mit seinen Werkstätten in Oppenheim und Frankfurt mit der Kupferstecherei ein Imperium auf. Er setzt konsequent die Medienrevolution fort, die Gutenberg mit dem Buchdruck begonnen hatte.

Ein Film von Peter Prestel