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Frank Bräutigam vor dem Gebäude, in dem der Parlamentarische Rat tagte, später Teil des Bundeshauses in Bonn

SENDETERMIN Sa, 5.10.2019 | 7:15 Uhr | SWR Fernsehen

Unsere lebendige Verfassung 70 Jahre Grundgesetz

Wie entstand das Grundgesetz? Und was bewirkt es bis heute? ARD-Rechtsexperte Frank Bräutigam verknüpft Geschichte und Gegenwart und zeigt, wie lebendig unsere Verfassung ist.

Um Leben und Tod

Als vor 70 Jahren über das Grundgesetz beraten wird, hängt das Leben zweier Menschen unmittelbar davon ab. Eine Mörderin und ein Raubmörder warten in Diez und Rottenburg auf die Hinrichtung - während gleichzeitig in Bonn über die Abschaffung der Todesstrafe gestritten wird.

3:10 min

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Vorschau: 70 Jahre Grundgesetz

"Der Staat ist für den Menschen da"

Das Grundgesetz wird 70. Zunächst als Provisorium gedacht, erweist es sich bis heute als tragfähige Verfassung für die Bundesrepublik Deutschland.

Verfassung für ein geteiltes Land

Die Todesstrafe ist nur eine von vielen Fragen, mit denen sich die Mütter und Väter des Grundgesetzes zu befassen haben. Die Herausforderungen bei der Eröffnung des Parlamentarischen Rats Anfang September 1948 sind gewaltig: Innerhalb nur weniger Monate sollen die Abgeordneten für ein halb zerstörtes, besetztes und geteiltes Land eine neue Verfassung verabschieden - auch mit dem Wissen, dass mit der Gründung eines neuen Staates die Teilung Deutschlands zementiert wird. Deshalb ist das Grundgesetz zunächst als Provisiorium gedacht - als vorübergehende Verfassung, die nur bis zu einer Wiedervereinigung Deutschlands gelten soll.

Menschenwürde, Gleichberechtigung, Asylrecht

Bis Mai 1949 ringen die Politiker um den Aufbau eines neuen demokratischen Systems und um die Formulierung von Grundrechten, die für alle Bürger gelten sollen: etwa das Prinzip der Menschenwürde, die Religionsfreiheit, die Gleichberechtigung von Männern und Frauen und das Grundrecht auf Asyl. An den Beratungen im Gebäude der Pädagogischen Akademie in Bonn sind prominente Köpfe aus dem Südwesten beteiligt: der spätere Bundespräsident Theodor Heuss, der mit der Kasseler Juristin Elisabeth Selbert um die Gleichberechtigung streitet, der Tübinger Rechtswissenschaftler und Politiker Carlo Schmid, der Ludwigshafener Anwalt Friedrich Wilhelm Wagner und der rheinland-pfälzische Justizminster Adolf Süsterhenn.

Die Basis unserer Demokratie - damals wie heute

ARD-Rechtsexperte Frank Bräutigam zeigt, wie diese Persönlichkeiten das Entstehen des Grundgesetzes prägten und wie ihre Diskussionen bei Entscheidungen des Bundesverfassungsgerichts bis heute nachhallen - etwa im sogenannten Kopftuch-Urteil 2003 oder dem Urteil zum "Großen Lauschangriff" aus dem Jahr 2004. Interviewpartner wie der ehemalige FDP-Bundesinnenminister Gerhart Baum, der ehemalige Vizepräsident des Bundesverfassungsgerichts Ferdinand Kirchhof und die ehemalige Verfassungsrichterin Gertrude Lübbe-Wolff erklären, wie sich das Bundesverfassungsgericht immer wieder neuen Herausforderungen gestellt hat und warum das Grundgesetz 70 Jahre lang ein stabiles Fundament unserer Demokratie geblieben ist.