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26. August 1921 Matthias Erzberger: Mord in Bad Griesbach

Im Sommer 1921 machen sich zwei ehemalige Marineoffiziere auf in den Schwarzwald. Der 27-jährige Heinrich Tillessen und der ein Jahr ältere Heinrich Schulz. Ihr Ziel: Der badische Kurort Bad Griesbach. Ihr Auftrag: Mord.

Fotografie von Matthias Erzberger

Matthias Erzberger (1919)

In Bad Griesbach verbringt der ehemalige Reichsfinanzminister Matthias Erzberger einen Kurzurlaub zusammen mit seiner Frau und seiner siebenjährigen Tochter. Am Morgen des 26. August 1921, es ist ein Sonntag, macht der Zentrumspolitiker zusammen mit seinem Parteifreund Carl Diez einen Spaziergang in einem abgelegenen Waldstück. Gegen elf Uhr treffen sie auf die Attentäter, die sechs Schüsse auf Erzberger abgeben. Erzberger stürzt schwer verletzt eine Böschung hinunter. Schulz setzt nach und tötet ihn aus nächster Nähe mit zwei weiteren Schüssen in den Kopf. Diez überlebt das Attentat, wird aber schwer verletzt. Die Mörder entkommen.

Die Polizei ermittelt und deckt die Verbindung der Attentäter zu der rechtsnationalistischen terroristischen Vereinigung "Organisation Consul" auf. Der von München aus wirkende Geheimbund will die junge Republik durch politische Morde erschüttern und ein autoritäres Regime errichten. Seinen Mitgliedern gilt der aus Württemberg stammende Erzberger als "November-Verbrecher". Denn er hat am 11. November 1918 im Wald von Compiègne das Waffenstillstandsabkommen mit den Alliierten unterzeichnet. Obwohl er dies auf Initiative der Obersten Heeresleitung um Generalfeldmarschall Paul von Hindenburg und General Erich Ludendorff getan hat, hat er damit den Hass der politischen Rechten auf sich gezogen. Erzberger wird in der frühen Weimarer Republik zum Sündenbock für die Niederlage Deutschlands im Ersten Weltkrieg gemacht.

Die Täter fliehen zunächst nach München, bevor sie sich - vermutlich gewarnt und unterstützt durch die bayerische Polizei - nach Ungarn absetzen. Danach lebt Tillessen mehrere Jahre in Spanien, Schulz hält sich in Südwestafrika und Spanisch-Guinea auf. 1932 bzw. 1933 kehren sie nach Deutschland zurück, wo die neuen nationalsozialistischen Machthaber ihnen Straffreiheit gewähren. Erst nach dem Zweiten Weltkrieg werden die beiden Täter angeklagt und zu langen Freiheitsstrafen verurteilt, die sie wegen ihrer vorzeitigen Entlassung 1952 allerdings nur zu einem geringen Teil verbüßen.