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1914 - 1918 Der Erste Weltkrieg aus nächster Nähe

Während des gesamten Krieges bleibt die geografische Nähe zu Frankreich und Belgien, und damit zum "Feind", im Bewusstsein der Menschen in Südwesten. Front und Heimat liegen hier besonders nah beieinander. Und so erleben die Menschen hier den Krieg anders als in den meisten anderen Teilen des Deutschen Reichs.

Ein bombenzerstörtes Wohnhaus.

Ein zerstörtes Haus in der Freiburger Rosastraße

Von Anfang an ist der Südwesten eine "Drehscheibe" des Krieges: Einerseits für die Truppenbewegungen über den Rhein an die Westfront und andererseits für die Verwundetentransporte in die Heimat. Auf den Bahnhöfen im Südwesten werden die Schrecken des Krieges, das Ausmaß der Verwundungen und Verstümmelungen sehr früh erkennbar, denn hier kommen die Lazarettzüge von der Westfront zuerst an. Gerade hier werden viele Erstversorgungslazarette eingerichtet. Allein in Freiburg, der größten Lazarettstadt in Baden, werden täglich 2.000 bis 4.000 Verwundete versorgt.

In vielen grenznahen Gebieten in Baden, der Pfalz oder der Eifel ist - je nach Wetterlage - zudem Kanonendonner und Gefechtslärm der Westfront zu hören. Vom Freiburger Lorettoberg aus sind die Kämpfe auf den Vogesenkämmen sogar sichtbar. Vor allem am Anfang des Krieges schürt dies die Angst vor einer französischen Offensive über den Rhein.

Zwar setzt nach und nach eine gewisse Gewöhnung an die nahen Kampfhandlungen ein, die Angst bleibt aber ein ständiger Begleiter. Denn die Zivilbevölkerung im Südwesten ist auch in anderer Hinsicht vom Krieg und seinen neuartigen Waffen bedroht: Hier fallen die ersten Bomben auf deutschen Boden. Die Luftangriffe, die auch nachts stattfinden, sind Vergeltungsmaßnahmen für deutsche Angriffe auf französische und britische Städte. Der Angriff auf Karlsruhe ist der verlustreichste, aber bei weitem nicht der einzige. Auch Ludwigshafen, Koblenz, Freiburg und andere Städte werden von den Alliierten bombardiert. Wenngleich die Verluste und Schäden im Vergleich zum Zweiten Weltkrieg gering sind, so sind die 740 Toten, die durch die Luftangriffe des Ersten Weltkriegs in Deutschland sterben, für die Menschen ein Schock.