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22. Juni 1916 Bomben auf die Manege

Für die Karlsruher beginnt Fronleichnam 1916 als schöner, sonniger Tag. Der Zirkus Hagenbeck gastiert in der Stadt und hat sein Zelt auf dem Festplatz nahe dem ehemaligen Hauptbahnhof aufgeschlagen. Eintrittskarten werden zu 1,50 Mark oder 2 Mark verkauft. Doch der 22. Juni 1916 soll zum schlimmsten Tag für Karlsruhe im Ersten Weltkrieg werden.

Plakat des Zirkus Hagenbeck

Karlsruhe, 22. Juni 1916: Der Zirkus Hagenbeck gastiert in der Nähe des Ettlinger Tors, als französische Bomben auf die Stadt fallen.

Während die Nachmittagsvorstellung im Zirkus läuft, greifen französische Flieger die Innenstadt an und werfen etwa 40 Bomben ab. Sie schlagen auch neben dem Zirkus ein. 120 Menschen, überwiegend Kinder, sterben. 169 weitere werden verletzt. Die Menschen in Karlsruhe sind entsetzt. Denn erst wenige Tage zuvor hat es eine Gedenkfeier für die 30 Toten gegeben, die dem ersten Fliegerangriff durch die Franzosen am 15. Juni 1915 zum Opfer gefallen waren. Im ganzen Deutschen Reich ist der Bombenangriff Thema in der Presse und in der Propaganda: "Der Kindermord von Karlsruhe" lautet eine der Schlagzeilen.

Jahrzehntelang glaubt man in der Fächerstadt, bei der Bombardierung des Zirkus hätten die französischen Flieger eigentlich den Bahnhof treffen wollen. Sie hätten aber veraltete Karten gehabt, auf denen der neue, 1913 eingeweihte Bahnhof im Süden der Stadt noch nicht eingezeichnet gewesen sei. Erst jüngste Forschungen haben ergeben, dass die Franzosen ihre Bomben auf die Karlsruher Innenstadt wahrscheinlich ohne konkretes Ziel abgeworfen haben - als Vergeltungsschlag für einen deutschen Luftangriff auf das lothringische Bar-le-Duc am Himmelfahrtstag.