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17. Juni 1715 Karl Wilhelm: Gründung seiner Traumstadt

Am 17. Juni 1715 versammelt Markgraf Karl Wilhelm von Baden-Durlach seinen Hofstaat an einem Wegekreuz mitten im Hardtwald zwischen Durlach und Mühlburg. An dieser Stelle legt der Fürst den Grundstein für den Turm eines neuen Schlosses und damit den Mittelpunkt einer neuen Residenzstadt: Carols Ruhe, heute besser bekannt als Karlsruhe.

Portrait des Markgrafen Karl Wilhelm von Baden-Durlach

Markgraf Karl Wilhelm von Baden-Durlach (Gemälde, um 1775)

Ob dem Markgrafen der Ort für die neue Siedlung im Traum erschienen ist, wie oft erzählt wird, lässt sich heute nicht mehr klären. Zufällig entsteht Karlsruhe aber nicht, sondern als Reaktion auf die Unzulänglichkeiten der bisherigen Residenz in Durlach. Denn hier verläuft der Wiederaufbau nach den Zerstörungen im Pfälzischen Erbfolgekrieg nur schleppend. Außerdem kann der barocke Fürst in der neuen Residenz in der nahegelegenen Rheinebene seinen Leidenschaften viel besser nachgehen: der Jagd und dem Gartenbau.

Bereits Ende Januar 1715 beginnen die Rodungsarbeiten. 32 Schneisen werden kreisförmig in den Hardtwald geschlagen, damit ist das Raster für das Wegenetz im Jagdgebiet und den Grundriss der künftigen Fächerstadt vorgegeben. Im Mittelpunkt des Kreises entsteht das Schloss - nicht nur als optischer Fluchtpunkt für Schlossgarten und Stadt gedacht, sondern auch als Symbol für den Herrschaftsanspruch des absolutistischen Fürsten.

1717 hält Karl Wilhelm zum ersten Mal hier Audienz, ein Jahr später zieht der Hof von Durlach nach Karlsruhe um. Doch ohne Bewohner lässt sich keine neue Residenzstadt aus dem Boden stampfen. Ab 1715 werden deshalb Neubürger angeworben, mit dem Versprechen großzügiger Privilegien und Subventionen: Religionsfreiheit, ein kostenloses Baugrundstück inklusive Baumaterialien sowie die Befreiung von Steuern und Zöllen. 1719 zählt die neue Siedlung fast 2.000 Einwohner, viele von ihnen stammen aus Frankreich, der Schweiz, Italien und Polen.

Doch danach stockt die Entwicklung. Als Markgraf Karl Wilhelm 1738 stirbt, ist die Bevölkerungszahl nur geringfügig weiter gestiegen. Die Straßen weisen noch viele Baulücken auf,und das überwiegend aus verputztem Fachwerk gebaute Schloss ist bereits marode. Erst unter Karl Wilhelms Enkel und direktem Nachfolger, dem Markgrafen Karl Friedrich, geht der Traum von einer repräsentativen Haupt- und Residenzstadt endgültig in Erfüllung.