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1219 Stuttgart: Vom Gestüt zur badischen Stadt

Stuttgart ist seit dem Spätmittelalter jahrhundertelang die Residenz der württembergischen Grafen, Herzöge und Könige. Ihre Gründung verdankt die heutige Landeshauptstadt einem badischen Markgrafen und seiner Frau: Hermann V. und Irmgard von der Pfalz.

Stadtplan von Stuttgart aus dem Jahr 1698

Stadtplan von Stuttgart (Kupferstich, 1698)

Stuttgart geht aus einem Gestüt ("Stutgarten") hervor, das wahrscheinlich Mitte des 10. Jahrhunderts unter Liudolf, Herzog von Schwaben und Sohn des römisch-deutschen Königs Otto I., entstanden ist und das der heutigen Landeshauptstadt ihren Namen gegeben hat. Der Kern dieses Gestüts befindet sich in der Nähe der Stiftskirche in der heutigen Stuttgarter Innenstadt. Um das Gestüt herum entstehen später ein "Flecken", eine Burg und eine Siedlung.

Ab wann genau und auf welchem Weg dieser Besitz an den badischen Markgrafen Hermann V. gelangt, lässt sich nicht eindeutig klären. Möglicherweise erben sowohl der Markgraf als auch seine Frau Güter im Stuttgarter Tal. Denn das Kloster Lichtenthal in Baden-Baden, das Irmgard 1245 stiftet und das zur Grablege der badischen Markgrafen wird, verfügt in der Gründungsphase Stuttgarts auch über Güter in der Stadt.

Für Stuttgart ist keine Gründungsurkunde überliefert. Es ist aber davon auszugehen, dass Markgraf Hermann V. im Jahr 1219 die bisherige Siedlung zur Stadt erhebt. Hermann V. ist einer der treuesten Anhänger des Staufers Friedrich II. und ist zu diesem Zeitpunkt mit der Übertragung mehrerer staufischer Orte, darunter Durlach und Ettlingen, durch den König politisch und wirtschaftlich gestärkt worden. Möglicherweise nutzt Hermann V. diese Gelegenheit, um eine eigene Stadtgründung zu wagen, zumal er sich gerade in der Heimat befindet und sich dem Aufbau seiner jungen Stadt widmen kann. Denn zwischen 1220 und 1222 sowie erneut seit 1226 weilt er in Italien im Gefolge des nun zum Kaiser gekrönten Friedrich II.

Stuttgart ist allerdings nur zwei Jahrzehnte lang eine badische Stadt. 1243 gelangt sie über Hermanns Tochter Mechthild an den Grafen Ulrich von Württemberg. Möglicherweise haben die Badener ihrer Stadtgründung keine langfristige strategische Bedeutung beigemessen. Denn sie liegt am Rande ihres Herrschaftsbereichs am mittleren Neckar und bietet sich aufgrund der Konkurrenz mit benachbarten Adelsgeschlechtern kaum als Ausgangspunkt für eine weitere territoriale Expansion in der Region an. Für die württembergischen Grafen dagegen hat der Ort einen ganz anderen Stellenwert, der sich langfristig im Ausbau Stuttgarts zum Herrschaftssitz und zur Residenzstadt niederschlägt.