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Kahlschlag im Buchenwald: Wie Bundesländer ihre Wälder zu Geld machen
geschrieben von: Report Redaktion ()
Datum: 04. Februar 2014 18:34

Wir freuen uns auf Ihren Beitrag zum Thema!

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Re: Kahlschlag im Buchenwald: Wie Bundesländer ihre Wälder zu Geld machen
geschrieben von: hutan ()
Datum: 05. Februar 2014 11:20

Die Sendung war richtig gut gemacht, und von Umweltschützern lang ersehnt.

Klar, die paar Minuten sind immer nur ein erster Anstoß, in 45 Minuten könnte man das Thema in ganz anderer Tiefe behandeln, aber -
das war super! (Das Thema dagegen ist und bleibt ein Trauerspiel)

hutan

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Re: Kahlschlag im Buchenwald: Wie Bundesländer ihre Wälder zu Geld machen
geschrieben von: hutan ()
Datum: 06. Februar 2014 10:55

Na so was! Keiner schreibt? Es gäbe viiiiiiiiieeeeeel zu schreiben, schließlich waren die 5,5 Minuten derart kurz, aber gut, aber es wurde ja alles nur angerissen, geht ja nicht anders, bei nur 5,5 Minuten, es ist nun mal keine 45 Minuten Doku-Reportage.

Dabei würde es sich so lohnen, mal zu vertiefen, wie Bayern vorgeht - blockieren, verheimlichen, vertuschen, ohne dass die Bundesregierung bislang dagegen einschreitet, Merkels schöne Buchenschutz-Worte hin oder her. Schließlich ist das Landwirtschaftsministerium, das ja auch für Forsten zuständig ist, fest in bayerischer CSU-Hand - aus der Richtung ist also nichts zu befürchten. Ob die neue Umweltministerin mehr Zähne zeigt als der Vorgänger, wird sich zeigen. Was den Schutz unseres Buchenwälder-Naturerbes anbelangt (von den paar glücklichen UNESCO-Nationalparks mal abgesehen) ist das Umweltministerium ja bislang schweigender Zuschauer, aber definitiv kein vehementer Kämpfer um mehr Schutz, kein scharfer Ankläger von Verfehlungen.

So liest man auf der Website des CSU-Landtagsmitglieds Max Gibis:

"Die Mitglieder der CSU- Landtags- und Bundestagsfraktion haben sich bei den Koalitionsverhandlungen erfolgreich für die Interessen der bayerischen Waldbesitzer und Waldbesitzerverbänden eingesetzt und die bayerische Position gegen pauschale Flächenstilllegungen im Wald im Koalitionsvertrag durchgesetzt.

Zur Erklärung: In der vom damaligen Bundeskabinett beschlossenen Nationalen Biodiversitätsstrategie (NBS) ist das Ziel formuliert, 5% der gesamten Waldfläche und 10% der öffentlichen Wälder nicht mehr zu nutzen und der natürlichen Entwicklung zu überlassen. Diese Ziel verfolgen wir in Bayern nicht.

Bayern hat sich 2008 mit einer eigenen Biodiversitätsstrategie bewusst von der Bundesstrategie gelöst, weil wir den Ansatz des "Schützen und Nutzen auf gleicher Fläche" statt pauschaler Stilllegungen verfolgen. Die Tatsache, dass insgesamt in den bayerischen Wäldern deutlich weniger Holz geerntet wird als nachwächst, zeigt eindeutig, dass der bayerische Ansatz der Richtige ist. Nachhaltiges Wirtschaften unter Berücksichtigung der ökologischen, ökonomischen und sozialen Waldfunktion hat bei uns Tradition.

Im Rahmen der Koalitionsverhandlungen ist es unserem bayerischen Staatsminister für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten Helmut Brunner gelungen, eine ergänzende Formulierung im Koalitionsvertrag unterzubringen, so dass hinsichtlich der Schutzziele der Biodiversitätstrategie länderspezifische Konzepte unberührt bleiben. Wir können also weiterhin unsere bayerische Strategie anwenden, die statt pauschaler Stilllegungen den Ansatz des "Schützen und Nutzen auf gleicher Fläche" verfolgt.

Die Formulierungen zum Wald im Koalitionsvertrag lauten im Detail:

"Die Bundesregierung wird die Umsetzung der Waldstrategie 2020 vorantreiben und dabei verstärkt auf Schutzziele der Biodiversitätsstrategie setzen. Klein- und Kleinstprivatwald wird mit geeigneten Mitteln in die Entwicklung einbezogen. Länderspezifische Konzepte zur Zielerreichung bleiben unberührt. Der Waldklimafonds wird angemessen finanziell ausgestattet." " (Ende Zitat Website)

Man lasse sich diesen Satz daraus mal auf der Zunge zergehen:
"Bayern hat sich 2008 mit einer eigenen Biodiversitätsstrategie bewusst von der Bundesstrategie gelöst, weil wir den Ansatz des "Schützen und Nutzen auf gleicher Fläche" statt pauschaler Stilllegungen verfolgen. Die Tatsache, dass insgesamt in den bayerischen Wäldern deutlich weniger Holz geerntet wird als nachwächst, zeigt eindeutig, dass der bayerische Ansatz der Richtige ist. "

Was hat das mit dem Schutz der Biodiversität zu tun, mit dem Schutz der ganzen alte Wälder als Lebensraum benötigenden Tiere und Pflanzen, die im Wirtschaftswald nun mal nicht überleben können?

"Pauschale Stilllegungen" ist eh quatsch. Es würde ja nicht pauschal irgendetwas stillgelegt, sondern es geht um die ökologisch wertvollsten Flächen - etwa der Nord-Steigerwald, den die Umweltschützer schon lange als Nationalpark haben möchten. Der Nord-Steigerwald war bei der Begutachtung mit in die Spitzengruppe der UNESCO-Buchenwälder-Weltnaturerbe-Kandidaten eingereiht gewesen, aber - während der Kellerwald (übrigens der einzige "Wessi" unter den 5 UNESCO-Buchenwälder-Weltnaturerbe-Nationalparks Deutschlands, die anderen vier sind alle "Ossis" - und nicht etwa, weil es im Westen sonst nichts geeignetes gäbe... sondern weil in den alten Bundesländern die Forstlobby-Widerstände derart tief und fest verwurzelt sind) und der Hainich etc Glück hatten, hatte der Nord-Steigerwald das Pech des Standorts im bislang noch komplett "falschen" Bundesland. Der Spessart gar, dem geht es von zwei Seiten an den Kragen - im Norden durch Hessen, im Süden durch Bayern. Die Beschwerde von Greenpeace bei der EU bezüglich des Spessarts ist noch nicht weit vorangekommen, EU-Mühlen mahlen langsam...

Bei den Bayerischen Staatsforsten liegt einiges im argen. Man lese etwa auch dies aus dem Bundespresseportal:

"Nach Auffassung der FREIEN WÄHLER gibt es trotz guter Bilanzzahlen weder für die Bayerischen Staatsforsten noch für die Steuerzahler Grund zum Jubeln. Hubert Aiwanger, Vorsitzender der FREIEN WÄHLER: „Das Ergebnis könnte noch viel besser sein, wenn die Staatsforsten im Rahmen der ‚Klausner- Verträge‘ nicht weiterhin hunderttausende Festmeter Holz deutlich unter Marktpreis an den russischen Großinvestor Ilim Timber abgeben müssten. Die Staatsregierung soll sich endlich für die Kündigung dieser unsäglichen Verträge einsetzen, tut dies aber nicht, um die Fehlleistungen des ehemaligen Landwirtschaftsministers zu vertuschen.“

Der damals vereinbarte Preis liegt um 30 bis 50 Euro pro Festmeter unter dem heute am Markt erzielbaren Preis für Fichtenholz, weshalb dem Freistaat Bayern und damit dem Steuerzahler ein jährlicher Schaden von deutlich mehr als 30 Millionen Euro entsteht. Die sogenannten „Klausner“-Verträge sind nach der Insolvenz der Klausner Holz Bayern (KHB) zu den im Jahr 2005 gültigen Konditionen auf den russischen Großinvestor Ilim Timber übergegangen.

Aiwanger: „Wir FREIE WÄHLER fordern seit Jahren, dass die sogenannten 'Klausner'-Verträge endlich gekippt werden. Außerdem fordern wir die Bayerische Staatsregierung auf, die privaten Waldbesitzer darin zu unterstützen, mehr Holz zu mobilisieren, so dass eine ausgewogenere Angebotsstruktur geschaffen wird.“ Es müsse erreicht werden, dass Holz aus dem bayerischen Staatswald wieder zu fairen Konditionen am Markt angeboten werde und die existenzgefährdenden Wettbewerbsverzerrungen für kleinere bayerische Sägewerke ein rasches Ende finden. „Zudem ist das russische Unternehmen Ilim Timber ein „Global Player“ und widerspricht in seinem Geschäftsgebaren auch der Idee regionaler Wirtschaftskreisläufe, wie sie von den Freien Wählern seit langem gefordert werden, so Aiwanger abschließend." " (Zitat Ende)

Da herrscht also schönste "Filzokratie". Und was für "Gefälligkeiten" mögen da wohl gewesen sein, beim Abschluss dieser - und anderer - Verträge?
Was für ein Beziehungsgeflecht mag da herrschen?
Es wird BEHAUPTET, im Staatswald sei alles bestens, aber Daten gibt es nicht, da GEHEIM.
Wenn man irgendwann herausfindet, es liegt einiges im argen - wird da jemals jemand zur Verantwortung gezogen werden?
Ganz sicher nicht.
Wen juckt der Raubbau an der Natur, außer ein paar "dauermeckernden" Naturschützern?
Der Rest glaubt zum Glück an die "nachhaltige Forstwirtschaft"!

Und die paar blöden Viecher und Pflanzen, die sich einbilden, sie müssten partout in alten wertvollen Wäldern leben, sollen sie halt in den Hainich, den Kellerwald oder die Hohe Schrecke gehen, und ansonsten merkt das außer ein paar Fachidioten doch eh keiner, wenn da was in einem Gebiet ausstirbt.

Hauptsache, der eigene Bonus ist im Geldbeutel, weil die Holzfäll-Quote erfüllt wurde, weil die Umsatz- und Gewinnzahlen "stimmen"!

Ja, ich bin sarkastisch. Es gäbe noch derart viel zu schreiben.
Aber - es liest ja eh keiner ; )

denkt sich

hutan

und nimmt die Finger von den Tasten

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Re: Kahlschlag im Buchenwald: Wie Bundesländer ihre Wälder zu Geld machen
geschrieben von: hutan ()
Datum: 07. Februar 2014 10:54

Komme mir hier zwar ein wenig arg einsam vor ;)
aber - der eine oder andere scheint ja doch hier reingeschaut zu haben.
Also wieder etwas gesagt, schlimmstenfalls verhallt es halt ungehört ;)

Schade, dass man hier keine Dokumente verlinken kann, denn im Internet verbirgt sich - zum Glück für jeden, der sich intensiver mit dem Thema Raubbau an unseren Wäldern und eklatante Missachtung der Naturschutzvorgaben befassen möchte - eine Fülle an Material.

Dann halt ohne Verlinkung, ist aber alles leicht zu "ergoogeln":

Sehr "schön" (deprimierend) für den Einstieg etwa der Artikel vom 12.3.2012 von Hans Bibelriether über das Jahr der Wälder 2011, "Außer Spesen nichts gewesen".
Bei Greenpeace findet sich dann ein Interview mit Hans Bibelriether zum genannten Artikel.

Über die zunehmende Douglasien-Wirtschaft im Spessart auf Flächen, auf denen zuvor alte ökologisch sehr wertvolle Baumbestände "geräumt" wurden, gibt es einen Artikel von Stephan Börnecke, "Auf der Suche nach alten Buchen".

Auf der Facebook-Seite "Waldwahrheit" des niedersächsischen Försters im Ruhestand Herr Weber sieht man deutlich, dass die Wald-Probleme wahrlich nicht auf Bayern und Hessen beschränkt sind.

Es ist jedenfalls eine Schande für unser Land, wie hierzulande allzu oft mit dem öffentlichen Wald durch die landeseigenen Forstverwaltungen umgegangen wird (lassen wir jetzt einfach mal den Privatwald beiseite - der öffentliche Wald sollte, siehe Urteil vom Bundesverfassungsgericht aus den 90er Jahren, VORBILD-Charakter haben!!! Ach, Schnee von vorvorgestern... wann waren die 90ger nochmal? Irgendwann Urzeiten VOR den unseligen Forstreformen)

Und es ist eine Schande für eine Staatsforstverwaltung, wenn behauptet wird, Daten zu Bürgerwäldern seien geheime Verschlusssache.
Und dass das Gemeinwohl u.a. auch vom Gewinn aus den Staatsforsten abhängt (s. Sendung "Energie aus dem Wald - die Grenzen der Nachhaltigkeit", Bayerisches Fernsehen vom 26.1.2014)
Man lasse sich auf der Zunge zergehen:
Gewinn der Bayerischen Staatsforsten: 70 Millionen
Zuschüsse des Landes Bayern allein für die Bayerische Staatsoper im Jahr: 59 Millionen
Die Oper, das Ballett ist es uns WERT
Der Wald und der Schutz der Artenvielfalt ist es uns NICHT WERT

Na denn - Prost!

meint

hutan

angesichts diesen verantwortungslosen Irrsinns der Zerstörung unseres Naturerbes

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Re: Kahlschlag im Buchenwald: Wie Bundesländer ihre Wälder zu Geld machen
geschrieben von: hutan ()
Datum: 09. Februar 2014 14:48

Noch etwas, sonst ist dieser Thread gar so kurz ; ) - wenn schon nicht viele Schreiber, vielleicht trotzdem wenigstens ein paar Posts?

Das Jubiläumsjahr zu 300 Jahren nachhaltige Forstwirtschaft ist nun vorbei, man könnte dazu auch eine Radiosendung vom BR anhören, "300 Jahre nachhaltige Fehlentwicklung", noch in der Mediathek. (Alles was ich hier nenne ist leicht zu googeln, Links darf man ja nicht posten, sagen die Forumsregeln)

Was die in Report Mainz angesprochene Umsetzung der Nationalen Biodiversitätsstrategie (NBS) anbelangt, so sollte man erwähnen, dass Bayern als einziges Bundesland die Mitwirkung an der bundesweiten Studie zum Stand der Umsetzung der Waldflächenstilllegungsziele in den Bundesländern verweigert hat (!). "Am
07.10.2010 hat auch der Bundestag die NBS fraktionsübergreifend befürwortet und eine zügige Umsetzung gefordert. Erst am 18.Mai 2013 hat sich Bundeskanzlerin
Angela Merkel nochmals ausdrücklich zu diesem zentralen Waldschutzziel bekannt. Doch die Staatsregierung weigert sich bisher die NBS in Bayern umzusetzen und
verweist auf die Bayerische Biodiversitätsstrategie, die aber beim Waldschutz in zentralen Punkten hinter den Bundeszielen zurückbleibt." (s. Pressemitteilung des BN: "Zu wenig Naturwälder in Bayern") Aber wir wissen ja: Das BMELV ist fest in bayerischer CSU-Hand, von dort droht keinerlei Gefahr einer Rüge, gar einer Sanktion.

Hierzu übrigens ein interessanter Beitrag im Tagungsband "Dialogforum Öffentlicher Wald und Nationale Biodiversitätsstrategie", Vilm 19.-21.05.2010 von László Maráz, PDF S. 59ff: "Die Waldpolitik in Deutschland wird weitgehend von den Akteuren der Forst- und Holzwirtschaft dominiert, die wiederum eng mit dem Bundeslandwirtschaftsministerium (BMELV) kooperieren. Gemeinsam mit den Landesforstverwaltungen, die den Staatswald – und damit den Wald der Bürger – betreuen sollen, engagieren sich diese Akteure gegen Ziele der Nationalen Strategie zur Biologischen Vielfalt. Mit Sorge zu betrachten sind in diesem Zusammenhang vor allem Aussagen, mit denen auch Vertreter des BMELV wiederholt Ziele der NBS infrage stellen und problematisieren.
So kritisierten Vertreter des BMELV unter anderem auf den beiden vorbereitenden Symposien für die Erarbeitung der ‘Waldstrategie 2020‘ das Ziel, bis zum Jahre 2020 fünf Prozent der Waldfläche einer natürlich en Entwicklung zu überlassen („Stilllegung“). Beklagt werden die „Verluste an Produktionsflächen“ in Forst- und Landwirtschaft. Für Totalreservate, Biotopbäume, Totholz und ähnliche „Luxusvorstellungen“ gebe es derzeit keinen Platz, so der Tenor."

Hier hat Bayern also nicht mitgemacht = keine Daten rausgerückt. Bayern rückt ja bekanntlich auch keine Daten über die alten wertvollen Buchenwälder heraus.
In der Report-Mainz-Reportage hieß es, es seien zu sensible Daten, man könne sie daher nicht kundtun, da Geschäftsgeheimnisse. Das "unabhängige" (man erinnere sich an die ebenfalls "unabhängigen" bayerischen Gerichte im Fall Mollath) Gericht Regensburg hat eine Klage von Greenpeace auf Herausgabe der Daten abgewiesen, da es diese Daten gar nicht gebe. (s. Greenpeace: UIG-Klage über Herausgabe von Walddaten in Bayern abgewiesen) Verwaltungsgericht Regensburg meint, die geforderten Einzelbestandsdaten lägen nicht vor.
Na so was! Und so wird gewirtschaftet? Da wird nicht die gesamte Führungsriege wegen Versagens abgesetzt? Verhält man sich da vielleicht wie eine "Heeresleitung", die 200 km von der Front entfernt ist, und die Situation in den "Schützengräben" vor Ort gar nicht kennt, aber fröhlich Befehle erteilt, deren Umsetzung schlimme Folgen haben?

Welche Daten mag Bayern wohl für die neue Bundeswaldinventur geliefert haben?

Aber wie gesagt, es ist wahrlich nicht Bayern allein. Man blicke auf Facebook in "Waldwahrheit". Die Liste ist lang. Aber Bayern ist wohl besonders radikal.

Jedenfalls, so schreibt Norbert Panek in seinem Buch "Urwald-Ängste" (2006): "Das mit vielen Vorschuss-Lorbeeren bedachte Natura 2000-Konzept erweist sich im Wald als riesenhafte Mogelpackung! Schon im Vorfeld der Gebietsmeldungen wurden in zahlreichen Buchenwäldern, teilweise gezielt und ohne Rücksicht auf Naturschutzbelange, massive Holzeinschläge vorgenommen. Der NABU-Landesverband Mecklenburg-Vorpommern berichtet von großflächigen, kahlschlag-ähnlichen" Eingriffen in den Altholzbestand des Natura 2000-Gebietes "Brohmer Berge". In Hessen beklagen Naturschützer das rigorose Fällen von Horst- und Höhlenbäumen; in Bayern wurden vermehrt ähnliche Vorfälle registriert. Die Reaktion der Forstverwaltungen: Einzelfälle, untypisch für die Lage insgesamt! "Doch", so der anerkannte Wald-Experte Georg Sperber, "wer Ohren hat zu hören, dem verdichten sich diese Rufe aus dem Buchenwald unüberhörbar zum Klagechor." "

Oh je, das war 2006. Jetzt haben wir 2014. Immerhin, fünf Buchenwaldgebiete haben das große Los gezogen und wurden glückliche Gewinner des UNESCO-Weltnaturerbe-Titels. Und eine Briefmarke zu diesem Thema haben wir seit Januar nun sogar auch. Transparenz über das, was wirklich in all den anderen alten Buchenwaldgebieten geschieht haben wir hingegen allzu oft nicht. Das was man sieht und hört gibt Anlass zu großer Sorge.
Ein weiterer Buch-Tipp übrigens: "Wilde Wälder braucht das Land", ebenfalls von Norbert Panek.



1-mal bearbeitet. Zuletzt am 09.02.14 19:06.

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Re: Kahlschlag im Buchenwald: Wie Bundesländer ihre Wälder zu Geld machen
geschrieben von: hutan ()
Datum: 09. Februar 2014 15:03

Dies möchte ich an den Schluss setzen: Einen Nachruf auf einen alten Baum, stellvertretend für derart viele alte Bäume, die zur Zeit in unseren öffentlichen Wäldern gefällt werden, weil wir die Einnahmen aus dem Holzverkauf ja gar so sehr brauchen...


NACHRUF AUF EINEN ALTEN BAUM – als Pars pro toto...

Spechte fordern:

Mehr Kunst am Baum!

Julius Zimmermann und Kollegen, die alljährlichen Preisträger des Kultur-förderpreises „Kunst am Baum“,
beklagen einen eklatanten Mangel an geeignetem Ausgangsmaterial für ihre Werke.


Ein alter Baum, der Stamm in der Krone mit vielen Spechtlöchern gespickt, als wäre es ein Gesicht –
Augen, Nase, und ein aufgerissener Mund –
ein beeindruckendes Antlitz, umrahmt vom Grün der Blätter als Haarschmuck.

Was wollen die Spechte mit diesem „Kunstwerk“ wohl ausdrücken?

Vielleicht – das Entsetzen eines alten Baumes, wenn er spürt, dass er gerade gefällt wird?

Sein ohnmächtiger Schrei, der (zumindest von so manch einem Staatsforstbetrieb) ungehört verhallt...


Wie etwa im Herbst im Steigerwald geschehen, als ein besonderer Eichen-Gigant gefällt wurde, zum Entsetzen von Dr. Georg Sperber –
dabei es war doch nachweislich ein Methusalem-Baum, und kerngesund!
(nachzulesen in: „Trauer um einen alten Freund“ (Mainpost, 4.11.2013) und „Ein Verstoß gegen unser eigenes Konzept“ (Mainpost, 4.11.2013),
beide Artikel von Norbert Vollmann)

Dies war keineswegs ein einmaliges, bedauerliches Missgeschick.

Im März 2013 wurde im Nord-Steigerwald beispielsweise auch die schönste alte Esche gezielt genutzt.
Es war das einzige Exemplar dieser Dimensionen in einem 2000 Hektar großen Forstrevier dort.
Seit Beginn der Forstreform wurden des weiteren die beiden mächtigsten Traubeneichen, die stärkste Kiefer
und die am Waldrand stehende wohl älteste und stärkste Schwarzkiefer Bayerns "geerntet".
Und dann, im November, wie gesagt die wunderschöne Eiche und die weiteren Biotop-Bäume.

Doch keineswegs ist es der Steigerwald allein. Man denke etwa an den Spessart.

Und so viele andere Waldgebiete mit alten, wertvollen Laubbaumbeständen. Landauf, landab ähneln sich die Bilder.
Es geht auch gar nicht nur um einzelne, besonders schöne Bäume. Es geht bis hin zu ganzen Waldabteilungen, die „geräumt“ werden –
kahlgeschlagen, von einzelnen „Alibi-Bäumen“ einmal abgesehen, die sich plötzlich einsam in der grellen Sonne wiederfinden.

Was soll man dazu sagen?

Vielleicht einen Fantasie-Vergleich?

Für den Schutz wertvoller alter Buchenwälder, die nicht das Glück hatten, bereits unter strengen Schutz gestellt worden zu sein –
das wurden leider bislang nur sehr wenige –, spricht ja auch das Argument, dass man viel Geld – ganz zu recht! – für den Denkmalschutz ausgibt.
Denkmäler schützt man doch auch, und zwar mehr als nur fünf herausragende Bauwerke, da wird auch gar nicht lange darüber diskutiert.
Und investiert große Summen in deren Erhaltung und IST völlig zu recht VOLLER STOLZ ÜBER DIE HERRLICHEN KULTURDENKMÄLER!

Doch bei den wenigen noch verbliebenen besonders wertvollen alten Laubwäldern, in denen noch nicht durch glückliche Fügung die Motorsäge schweigt –
wo bleibt da die Wertschätzung und der Stolz über diese herrlichen, höchst wertvollen Naturdenkmäler?

Da ist es, als hätte man das Management von Bibliotheken, auch von kostbarsten Klosterbibliotheken,
in die Hände einer Gruppe von Altpapierhändlern gelegt.

Machen wir einfach einen Spaziergang in die Phantasie.

Nehmen wir einmal an:

Bücher können wachsen. Und nachwachsen. Sie fangen als schmales, frisch gedrucktes Taschenbuch an, wachsen dann zu einem mehr oder weniger dicken Hardcover-Roman heran und verwandeln sich, so man sie lässt, in ein richtig schön umfangreiches historisches Buch mit braunem, dicken Einband mit Goldlettern.
Und aus einem Roman heraus wachsen Ranken, die die Bibliothek dann mit herrlichstem Rokoko-Dekor versehen – verzweigte Ranken, mit Blättern und Blüten, zu denen sich wie von Zauberhand jede Menge seltener Vögel, Käfer und weiterer Tiere dazugesellen. Und wunderschöne Pilze und andere Pflanzen sprießen dann auch noch dazu. Diese Dekors sind teils weiß, teils pastellfarben, teils golden. Dieses Dekor denkt man sich jetzt zu einer herrlichen alten historischen Klosterbibliothek hinzu. Natürlich sind die Bücher einer solch alten Bibliothek hoffnungslos veraltet, nicht mehr up-to-date. Doch wen interessiert das? Wenn man eine solche Bibliothek besucht, besichtigt, dann geht es doch gar nicht nur um das einzelne Buch, das da „herumsteht“, sondern um das Gesamtkunstwerk, das erst durch das Zusammenspiel der einzelnen Bücher und des Rokoko-Rankendekors zur vollen Prachtentfaltung kommt. Und doch sind für Wissenschaftler die alten, historischen Bücher von auch inhaltlich von höchstem Wert, zusätzlich zum unbestrittenen ästhetischen Wert.

Normale Gebrauchsbibliotheken werden regelmäßig „durchforstet“, alte Romane, die nicht mehr von Interesse sind, werden entnommen und durch neue, frische Taschenbücher ersetzt. Die entnommenen Bücher werden dann als Altpapier genutzt = verkauft. Die dazugehörigen Dekorranken der alten Romane verschwinden mit den Romanen mit, ebenso wie viele der Tiere und Pflanzen. Eine solche regelmäßig erneuerte Bibliothek / Bücherei ist natürlich keineswegs völlig schmucklos, ein paar Dekorranken mit Tier- und Pflanzenschmuck bleiben ja. Sie ist natürlich auch nicht ganz ohne alte Bücher, aber es ist einfach keine solch herrliche Pracht wie bei einer alten, vollständig erhaltenen Klosterbibliothek. Es ist einfach gar kein Vergleich, es ist etwas völlig anderes.

Solche kostbare, alte Bibliotheken sind nur noch ganz selten. Manche stehen andernorts schon unter strengstem Schutz, doch die Altpapierhändler mancher Gebiete wollen die uralten Bücher dieser Bibliotheken partout nutzen, weil sie ja viel verkaufbares Altpapier enthalten, Bibliotheksdekor hin oder her, sonstiger Wert der alten Bücher hin oder her.

Tja, so liegen sich nun die Denkmalschützer und die Altpapierhändler in den Haaren.
Und es ist so furchtbar schwer, Altpapierhändler davon zu überzeugen, dass der Wert einer alten Bibliothek um ein derart Vielfaches die Summe des Altpapier-Wertes der darin befindlichen alten Bücher übersteigt. Da werden von namhaften Kunstsachverständigen Gutachten über Gutachten zum Wert dieser Bibliotheken, z.B. auch einer ganz speziellen Steigerwald-Bibliothek vorgelegt. Diese besagte Steigerwald-Bibliothek wäre sogar mit in das UNESCO-Weltkulturerbe mit aufgenommen worden, hätten die „Bestimmer“, also die Altpapierhändler und der obere Chef, dem die Altpapierhändler unterstehen, das nicht nach Kräften blockiert. Aber – warum, um Himmels Willen, warum nur?

Die Altpapierhändler bleiben Argumenten gegenüber standhaft taub und blind, beharren darauf, dass sie das Geld aus dem Altpapier haben wollen. Die Altpapierhändler sagen, – was durchaus stimmt – , dass die neuen Bücher ja auch wieder wachsen und wieder dicker werden werden. Dennoch – dass es mindestens zwei- bis dreihundert Jahre dauert, und dass dies dennoch nie wieder das sein wird, was sich durch ungestörten Dornröschenschlaf an Artenvielfalt, Schönheit und Herrlichkeit entwickeln konnte, wird achselzuckend zur Kenntnis genommen, und der Bibliothekar wird unbeirrt angewiesen, alte Bücher zu entnehmen und durch frische, neue Taschenbücher zu ersetzen, von einigen wenigen Gruppen von Folianten abgesehen, die wirklich nicht entnommen werden dürfen, weil die mal vor längerer Zeit von Leuten mit Einsehen und Verständnis unter dauerhaften Schutz gestellt wurden. Und UNESCO-Weltkulturerbe ist so wichtig nun auch nicht, der Status „Schöne Bibliothek mit teilweise geschützten Büchern“ tut es in den Augen der Altpapierhändler auch. Und derart üppige Dekorranken und sich darin tummelnde Tiere und sonstige Pflanzen bräuchte man ja auch gar nicht, deutlich weniger seien immer noch hübsch genug, die Artenvielfalt mehr als genug. Zudem, würde man mehr dieser alten Bibliotheken hierzulande schützen, dann müssten stattdessen umso mehr Klosterbibliotheken anderer Länder geplündert werden...

Die Händler halten sich übrigens für sehr klug, denn sie haben zusätzlich zum Altpapierwesen immerhin auch etwas Betriebswirtschaft gelernt, und üben sich nun fleißig in deren Anwendung. Halten sich für clever und geschickt - und werden dennoch eklatant über den Tisch gezogen – man denke nur an den Verkauf von alten Buchen an Großsägereien für weniger Geld als vor Ort für Brennholz verlangt wird, oder an die berühmt-berüchtigten „Klausner-Verträge“, durch die etwa dem Bayerischen Staat jährlich an die 30 Millionen entgehen, und Nordrhein-Westfalen mehr liefern sollte als es liefern kann – aufgrund von eklatanter Unfähigkeit, oder... fröhlich-unverfrorener Spezlwirtschaft?

Hieran erkennt man übrigens wirklich gewiefte Geschäftsleute: Sie ziehen den Lieferanten über den Tisch und der Lieferant befindet sich dabei noch in dem Glauben, er hätte ein tolles Geschäft gemacht.
Welch ein Irrtum!
Der größte Irrtum dabei ist, zu glauben, dass der Wert von Altpapier in irgendeiner Weise wirklich nennenswert ist.
Er ist es nicht.
Der Wert von Altpapier ist geradezu lächerlich gering im Vergleich zum Wert des Kunstschatzes, den die Bibliothek darstellt.
Der wahre Wert liegt in ganz anderen Dingen. Mit der Bibliothek ließen sich ganz andere, und zwar wirklich nachhaltige! Geschäfte machen.
DAS würde ein wirklich fitter Geschäftsmann machen!
Vor allem würde ein wirklich fitter Geschäftsmann NIE folgenden Fehler machen: Das Kapital zu MINDERN!
Ein wirklich fähiger Geschäftsmann achtet darauf, sein Kapital zu MEHREN, und es geschickt zu nutzen!
Aber dazu müsste er einen echten Bezug zu seinem Geschäft haben, und auch etwas Herzblut investieren, und die Dinge nicht eindimensional, sondern aus verschiedenen Perspektiven betrachten. Und nicht nur das Geld im Auge haben – das viel erscheinen mag, und doch in Wahrheit so wenig ist.
Aber vielleicht würde dann in manch einer Tasche ein Bonus fehlen, das täte sicher weh...

Vielleicht haben die Altpapierhändler auch nur Angst, dass ihnen sonst die Zuständigkeit für diese Bibliothek weggenommen wird –
wo käme man hin, wenn jetzt Denkmalschutzexperten sich solch kostbare alte Bibliotheken unter die Fittiche nehmen?

Tja – wo kämen wir hin? Gute Frage.

Wahrscheinlich – in viele viele Waldparadiese, die jeweils eine Arche Noah, einen Rückzugsraum für bedrohte Arten bilden.

Was ist nun mit den alten, ökologisch so wertvollen Buchenwäldern, die noch genutzt werden?

Diese Laubmischwälder mit ihren über 140 Jahre alten Buchen machen nur noch einen geradezu lächerlichen Bruchteil aus –
noch nicht mal 3% aller Wälder Deutschlands. Doch sie beherbergen derart viele auf der roten Liste befindliche Arten - .
Und trotzdem werden auch diese Wälder, von den Nationalpark-Wäldern und den wirklich dauerhaft aus der Nutzung genommenen Naturwaldreservaten einmal abgesehen, weiter genutzt, das heißt, es wird Holz eingeschlagen. Und zwar teilweise in so brutaler Weise, dass man von Kahlschlägen sprechen muss. Gerade im bayerischen Spessart und in Hessen in Gebieten, die an den Kellerwald angrenzen, ist es besonders eklatant. Greenpeace fordert einen vorläufigen Einschlagstopp in Wäldern, die über 140 Jahre alt sind, und hat z.B. in Sachen Spessart in Bayern und Hoher Keller in Hessen sogar Beschwerde bei der EU-Umweltkommission eingelegt.

Diese Wälder... ...vergleichen wir sie wieder mit den Bibliotheken.

Sie sind schon bestückt mit Romanen, die bereits schöne Ranken ausgetrieben haben, und an denen bereits ein beeindruckender Blumen-, Pflanzen- und Tierschmuck prangt. Ließe man sie weiterhin in Ruhe, würden diese Bibliotheken sich ebenfalls zu so herrlichen Klosterbibliotheken entwickeln, ganz wie die, die man allseits bewundert – wenn sie es nicht ohnehin schon sind.

Und das beste – während die Ausgestaltung der echten Klosterbibliotheken große Investitionen erforderte, ist bei den Wäldern die Entwicklung zu einer natürlichen „Klosterbibliothek“ völlig kostenlos. Es kostet höchstens die Überwindung, diese Wälder einer ungestörten Entwicklung zu überlassen. Man muss, ist eine solche kostbare natürliche „Klosterbibliothek“ schließlich entstanden, auch gar nicht permanent daran herumwerkeln, ganz im Gegensatz zu den menschlichen Bauwerken, die, hat einmal der Zahn der Zeit daran genagt, regelmäßig gepflegt und restauriert werden müssen. In manchen Fällen – etwa beim Kölner Dom – wird dies gar zur nie endenden Daueraufgabe.

Warum nur möchte man nicht mehr solcher kostbarer „Klosterbibliotheken“ der Natur erhalten, die uns die Natur doch so gerne kostenlos schenken möchte?
Warum nur wollen wir nicht noch mehr kleine und große Paradiese haben, die für bedrohte Tiere und Pflanzen eine Arche Noah darstellen?
Die für uns obendrein kostenlos viel CO2 binden würden, und das Regenwasser besonders gut speichern können etc pp?
(„Erbringung von Ökosystemdienstleistungen“, heißt das auf Wissenschafts-Neudeutsch)

Wenn doch offiziellen Angaben zufolge der Anteil von Landwirtschaft und Forsten gemeinsam am Deutschen Bruttoinlandsprodukt bei lediglich ca. 1% liegt.
Davon also die Landwirtschaft abziehen. Und dann, bei den Forsten, mit der Lupe nach dem Beitrag der nicht mal 3% über-140jährigen-Buchenbestände suchen...

Wie schrieb schon vor knapp 90 Jahren der engagierte Naturschützer Dr. H. Stadler, der sich unermüdlich für den Schutz des Steigerwalds einsetzte?
„Die meisten Forstleute, die diese Gebiete betreuen, scheinen keine Ahnung davon zu haben, welche Wunderwerke der Natur ihnen hier anvertraut sind“
Heutzutage sind es anscheinend besonders die Leiter der Bayerischen und Hessischen Staatsforsten, in bester Gesellschaft von noch weiteren, die miteinander wettzueifern scheinen, wer die ihnen anvertrauten übriggebliebenen Wunderwerke der Natur am besten zu demolieren vermag.

Was soll eigentlich die ganze Zeit der hinkende Vergleich mit den Klosterbibliotheken?

Hinkt er so sehr? Ein alter, wertvoller Wald IST so etwas wie eine „Bibliothek“, eine Bibliothek „der anderen Art“.
So hat es jedenfalls der bedeutende Zisterzienser-Heilige Bernhardt von Clairvaux empfunden, der schrieb:

"Experto crede: aliquid amplius invenies in silvis, quam in libris. Ligna et lapides docebunt te, quod a magistris audire non possis."
"Glaube mir, ich habe es erfahren, du wirst mehr in den Wäldern finden als in den Büchern;
Bäume und Steine werden dich lehren, was Du von keinem Lehrmeister hörst"

- doch können nur die es hören, die sich nicht taub stellen.

Leider können die Naturschutzargumenten gegenüber hartnäckig Tauben derart viel zerstören,
weil sie den Folgen ihrer Taten gegenüber zudem auch noch standhaft blind sind.

Ade, Ihr einst so stolzen, herrlichen, nun frisch gefällten Baumpersönlichkeiten, es hat nicht sollen sein
( - auch nach dem Tod in vielen Jahren noch lang als Biotopbaum stehen und vergehen, so war’s gedacht).


Hiermit sei es nun genug,
ruft

hutan

einsam in den Forumsthread,
breitet die Flügel aus und fliegt
auf und
davon



3-mal bearbeitet. Zuletzt am 10.02.14 06:32.

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Re: Kahlschlag im Buchenwald: Wie Bundesländer ihre Wälder zu Geld machen
geschrieben von: hutan ()
Datum: 10. Februar 2014 08:09

Doch noch ein Nachtrag zum Thema:

In einem Kommentar (gepostet am 8.2., zum Thema der Eröffnungsthese) von "Waldwahrheit" auf der gleichnamigen Facebook-Seite heißt es:

"Die gesellschaftlichen Ziele der Waldentwicklung bei uns und in ganz Europa sind seit langem vereinbart.
Sie finden ihren Niederschlag in unserer Gesetzgebung und aktuellen Rechtssprechung und werden durch den Sachverständigenrat für Umweltfragen bei der Bundesregierung seit 20 Jahren in besonderer Weise begleitet.
Es geht im Natur- und Ressourcenschutz also nicht um neue Forderungen und "Ansprüche" an den Wald, wie oft entgegen gehalten wird, sondern um die Umsetzung längst gewollter verfassungsgemäßer Ziele.
Die Arbeit der Naturschutzverbände muss sich also (leider) darauf konzentrieren, die Vollzugsdefizite in der Umsetzung geltenden Rechts aufzuzeigen. Schöner wäre es sicher, die gesellschaftlichen Ziele als solche weiter zu entwickeln. Davon kann gegenwärtig keine Rede sein.
Es geht um die Einhaltung des Verschlechterunsverbotes und leider nicht einmal ansatzweise um das ebenfalls verfassungsgemäße Optimierungsgebot durch den Staat im Sinne von Artikel 20a GG."

Ob wir als Gesellschaft unsere Wälder in Deutschland so behandeln und entwickeln, wie es den nationalen und internationalen Zielen entspricht, auf die wir uns geeinigt haben?
Oder haben wir uns - von den einen bewusst und gewollt, von den anderen bemerkt und beklagt, von den meisten völlig unerkannt - von diesen Zielen bereits längst entfernt?

Schöne Phrasen von "300 Jahre nachhaltiger Forstwirtschaft" können gut Sand in die Augen streuen.
Es ist ein hübsches, gut funktionierendes "Deckmäntelchen".
Ab und an gelingt ein Blick darunter - nur - was geschieht als Reaktion darauf?

Immerhin, inzwischen ist das Thema im Fernsehen und im Radio vermehrt aufgegriffen worden,
herzlichen Dank hierfür an Report Mainz, PlusMinus, das Bayerische Fernsehen, den SWR und den BR -
bitte weiter so, nicht locker lassen! Und Zeitungen und Magazine, bitte schenken Sie dem Thema Beachtung!

Das wäre der große Wunsch von

hutan

an die Medien


Denn in einigen Jahren wird man fragen, wie war das möglich, dass Anfang des 21. Jahrhunderts in unserem Land - ohne jede Not! - eine derartige Plünderung unserer kostbaren alten Laubwaldgebiete stattfinden konnte, ohne dass dagegen eingeschritten wurde, ohne dass da ein Riegel vorgeschoben wurde?

Nur - da wird es ein wenig spät sein.



1-mal bearbeitet. Zuletzt am 10.02.14 08:14.

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Re: Kahlschlag im Buchenwald: Wie Bundesländer ihre Wälder zu Geld machen
geschrieben von: hutan ()
Datum: 10. Februar 2014 18:56

Huhu, huhuhuuu,

ruft hutan durch den Wald - da bin ich wieder!

Mit dem Hinweis auf einen "schönen" Zeitungsartikel von der Hessische/Niedersächsische Allgemeine vom 3.2.14:
"Naturschützer kritisieren Fällung alter Buchen", kann man online finden. Leider nur ein "Appetithappen" und nicht der gesamte Artikel.

In Report Mainz ging es ja vor allem um Bayern, nun, davor ging es bei PlusMinus und den Buchen nach China um Hessen, hier nun wieder Hessen.

"Mit Sorge beobachten Umweltschützer einen verstärkten Holzeinschlag in Hessens Wäldern. So bereitet dem Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) der seit einigen Jahren praktizierte massive Abbau der Altholzvorräte große Sorge.
Der Naturschützer Norbert Panek (Korbach) befürchtet, dass die alten Buchenwälder, Markenzeichen unserer Welterbe-Region auch außerhalb des Nationalparks, akut bedroht sind.Die Bewirtschaftungspraxis missachte den besonderen Stellenwert dieser alten Wälder. Gerade im Umfeld eines als "Weltnaturerbe" deklarierten Nationalparks sollte man erwarten, dass mit solchen Wäldern besonders sorgsam umgegangen wird, fordert Panek. Er rechnet damit, dass in wenigen Jahren mehr als zwei Drittel der Altbestände mit ökologisch wertvollen Strukturen vollständig vernichtet seien."

Das ist eben auch ein Verständnis von nachhaltiger Forstwirtschaft - es werden nachhaltige Fakten geschaffen:

Die alten Bäume kommen weg, als Lion-Logs nach China oder wohin auch immer -
au revoir, les arbres

Und das "Viech- und Pflanzenzeugs", das auf diese Lebensräume angewiesen ist -
wie hieß es in der Report Mainz-Reportage nochmal? : "14 Vogelarten, 205 Pflanzenarten und 1284 Pilzarten sind durch die Intensivnutzung der Wälder gefährdet." Wer könnte das sein? Vielleicht z.B. die Mückenfledermaus, der Glanz-Knochenkäfer, der Schwarzstorch, der Igel-Stachelbart, und und und...
sie verschwinden mit den alten Bäumen, mit den Altbaumbeständen, die ihren Lebensraum darstellen.

Wir müssen nicht den einzelnen Storch totschießen, den einzelnen Käfer zerquetschen, den einzelnen Igel-Stachelbart ausreißen.
Wir müssen nur auf der Nutzung von fast jedem alten Baum beharren, weil unsere "fleißigen Forstleute" nun mal nicht einfach ihre Sägen wegstellen wollen, Worte der Kanzlerin hin oder her. Dann verschwinden diese überflüssigen Wesen, denen wir kaum ein paar kleine Flächen gönnen, aus den übrigen bisherigen Lebensräumen ganz von "alleine". Sie haben bei uns, von einigen sehr wenigen Schutzgebieten abgesehen, kein Recht auf überleben.

Weg mit euch, wenn ihr partout nicht mit "normalen" Wirtschaftswäldern zurechtkommen wollt!
Wir brauchen euch nicht.
Wir brauchen das Holz.
Zur Sanierung der Staatskasse.
Zur Zahlung bei Flutschäden.
Dummerweise können Wirtschaftswälder nicht so viel und so gut Regenwasser speichern wie Naturwälder.
Man kann nicht alles haben.

Aber - warum können wir nicht 10% Nutzungsfreiheit in öffentlichen Wäldern haben, wenn wir uns doch selber dazu verpflichtet haben?

Oder ist da jemand besonders schlau?
Wenn man weiß, das ein bestimmtes Gebiet ein "Kandidat" für zukünftige Nutzungsfreiheit ist -
dann sollte man vorher natürlich schnell noch holen, was zu holen ist.
Leuchtet ein, oder?

Erst die Nutzung, dann der Schutz.
Das Schlagwort der Forstlobby heißt "Schutz DURCH Nutzung".
Man sollte es ändern in: "Schutz NACH Nutzung" - geschützt wird dann halt das, was danach noch übrig ist.

Ist ja noch jede Menge Zeit, bis 2020.



1-mal bearbeitet. Zuletzt am 10.02.14 22:50.

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Re: Kahlschlag im Buchenwald: Wie Bundesländer ihre Wälder zu Geld machen
geschrieben von: hutan ()
Datum: 12. Februar 2014 18:45

Huhu, huhuhuuuu.... (ist ja Vollmond)

Habe nochmal die Regeln durchgelesen, also, es steht zwar, man darf nicht verlinken, aber man scheint zitieren zu dürfen.

So zitiere ich mal die Reaktion auf die Report Mainz-Reportage, von Georg Windisch, dem Leiter der Bayerischen Forstverwaltung, gepostet auf der Facebook-Seite des "Deutscher Forstverein e.V." (woanders wahrscheinlich auch, aber ich habe es halt da gefunden) - wäre doch schade, wenn die hier fehlen würde!

Also denn mal los: (Zitat Anfang:)

"Ein Tiefpunkt der journalistischen Berichterstattung" - Georg Windisch, Leiter der Bayerischen Forstverwaltung,
zur ARD-Sendung „REPORT Mainz“ am 04.02.2014 „Kahlschlag im Buchenwald“:

Sehr geehrte Damen und Herren,
liebe Kolleginnen und Kollegen,

dass engagierte Naturschützer einen leidenschaftlichen, aber eben oft auch einseitigen Blick auf Wald und Forstwirtschaft haben, ist bekannt und niemandem vorzuwerfen. Auch wir Förster „brennen“ für den Wald, denn eine nachhaltige und naturnahe Bewirtschaftung dieses faszinierenden Ökosystems stellt eine Fülle lebenswichtiger Leistungen für den Menschen bereit, ohne der Natur zu schaden. Zu diesen Leistungen gehört selbstverständlich auch der Rohstoff Holz, denn angesichts Klimaschutz, Energiewende und Rohstoffwende sind Mensch und Wirtschaft dringend darauf angewiesen, künftig mehr denn je. Die Kunst der Forstwirtschaft besteht darin, die unterschiedlichen und oft auch widersprüchlichen Belange aufzugreifen, abzuwägen und im Lichte der standörtlichen Möglichkeiten bestmöglich auszubalancieren. Kein berechtigter Belang darf hinten runter fallen, kein Einzelinteresse – und sei es noch so gut gemeint! – sich ohne Blick aufs Ganze einseitig durchsetzen.

Wer als Forstfrau und Forstmann oben genannte „Reportage“ gesehen hat und die Realitäten im Land kennt, wird sich vorgekommen sein „wie im falschen Film“. Das Staatsministerium hat vorab detaillierte Fragen schriftlich beantwortet – im Film ohne jede Berücksichtigung. Die Bayerischen Staatsforsten haben umfangreiche Hintergrundinformationen geliefert – im Film, wie Karl Valentin sagen würde, „nicht mal ignoriert“. Die Aufgabenverteilung und Rollen von Staatsforsten und Forst-verwaltung wurden – trotz Erläuterung – verdreht bzw. ausgeblendet. Mein einstündig gefilmtes Interview – reduziert auf einen einzigen, völlig aus dem Zusammenhang gerissenen Satz. Stattdessen immer wieder apokalyptische Reiter: Hunderte von Vogel-, Pflanzen- und Pilzarten akut gefährdet, alte Buchen vor dem Aussterben, wertvollste Schutzgebiete systematisch und absichtlich zerstört. Alles aus Geldgier, für den schnellen Profit, verramscht nach China. Die Forstwirtschaft als das Böse.

Mehr Klischee geht nicht, weniger objektive Berichterstattung auch nicht. Wer wegen wiederholtem Eindringen in den lebensgefährlichen Fällbereich von Hiebsmaßnahmen schließlich mit einer zugegebenermaßen „deutlichen Ansage“ bedacht wird, legt es wohl darauf an. Wer arglose LKW-Fahrer die jährlichen Exportmengen schätzen lässt, die mitgeteilten konkreten Zahlen jedoch verschweigt, handelt zumindest grob fahrlässig. Wer immer wieder Kiefern-Baumstümpfe zeigt als Beleg für die Ver-nichtung alter Buchenwälder, verkauft Zuschauer für dumm.

Die Forstwirtschaft ist eine immerwährende Suche nach dem bestmöglichen Kompromiss, mit der Natur und mit den gegensätzlichen, sich wandelnden Ansprüchen der Menschen. Insoweit ist es normal, dass wir alle in der Öffentlichkeit beobachtet, beurteilt, manchmal gelobt und immer wieder auch kritisiert werden. Jedes Urteil sollte aber auf einer fairen Beweisaufnahme beruhen und offensichtliche Fakten nicht verschweigen oder gar verdrehen. Wenn Sie von besorgten Bürgern auf die-sen Fernsehbericht oder auf konkrete Begebenheiten in den örtlichen Wäldern angesprochen werden, bitte ich Sie, zwei Botschaften in den Mittelpunkt zu stellen: 1. Die Fernsehsendung verbreitete ein Zerrbild. 2. Wer Fragen oder Sorgen zu „seinem“ Wald hat, findet bei uns Försterinnen und Förstern aufmerksame Zuhörer und bereitwillige Auskunftgeber. Mit dem Bürger gemeinsam im Wald erkennt man am besten, worüber sich alle freuen können, was aus guten Gründen akzeptiert werden muss und was man künftig besser machen kann.

Mit freundlichen Grüßen
Georg Windisch

(Zitatende)

------------------

Also, meine Damen und Herren von Report Mainz: Ihre Reportage war ein Tiefpunkt journalistischer Berichterstattung, und verbreitete ein Zerrbild.
(Die Reaktion "Super-Reportage! Genauso isses!" war ja auch nicht wirklich zu erwarten, oder?)

Interessant wäre es, zu erfahren - was würden die Bayerischen Staatsforsten denn künftig gerne besser machen?
Wo ist es vielleicht doch noch nicht so ganz supergut?

Und zum Thema "bereitwillige Auskunftgeber" - bislang waren die Bayerischen Staatsforsten alles andere als "bereitwillige Auskunftgeber", was die Einzelbestandsdaten der wertvollen alten Buchenwaldgebiete anbetraf, sonst hätte Greenpeace ja auch nicht auf Herausgabe der Daten geklagt.

Erst mal so viel, muss erst mal 'ne Maus fangen

ruft huhuhuuuu-hutan

und fliegt wieder weiter



1-mal bearbeitet. Zuletzt am 12.02.14 18:46.

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Re: Kahlschlag im Buchenwald: Wie Bundesländer ihre Wälder zu Geld machen
geschrieben von: hutan ()
Datum: 12. Februar 2014 22:28

Dieser Post von Herrn Windisch ist auch Herrn Karl-Friedrich Weber nicht entgangen. Herr Weber ist niedersächsischer Förster im Ruhestand, der nun für den BUND in Sachen Waldschutz sehr aktiv ist. Er betreibt auf Facebook die sehr lesenswerte Seite "Waldwahrheit".

Er schrieb zum Post von Herrn Windisch auf "Waldwahrheit" folgenden Kommentar:


"Dass engagierte Naturschützer einen leidenschaftlichen, aber eben oft auch einseitigen Blick auf Wald und Forstwirtschaft haben, ist bekannt und niemandem vorzuwerfen", schreibt der Leiter der Bayrischen Forstverwaltung, Georg Windisch, an seine lieben Kolleginnen und Kollegen, und: "Auch wir Förster brennen für den Wald ..." -

Windisch reagiert damit auf die Sendung von REPORT Main vom 04. Februar 2014.

Ob die Sendung in der konkreten Darstellung von Beispielen ein Zerrbild der Wirklichkeit ist, kann und soll von hier nicht beurteilt werden. Andere sind genau gegenteiliger Meinung. Insbesondere von Forstleuten kommt die Reaktion "ja, die Tendenz stimmt, genau so ist es". Und so ist das nun einmal insgesamt mit der Pressefreiheit - man mag sie mögen oder nicht. Wer hat sich schon nicht einmal als ihr Opfer gefühlt. Den honorigsten Steuerbetrügern geht es ebenso.

Windisch vergisst bei seiner Klage, sich bewusst zu machen, dass er die Kritiker im eigenen Forst-Haus hat, die seit Jahren auf eine Entwicklung hingewiesen haben, die langfristig keinen Bestand haben kann; Forstleute, die sich auch verletzt fühlen konnten, wenn ihre fundierte Kritik nicht nur ignoriert, sondern wenn sie als "Kollegin oder Kollege" selbst zum Gegenstand der Diffamierung wurden. So ist es bis heute geblieben.

Und dann wundert sich der leitende Beamte, dass der Druck zunimmt und weiter zunehmend wird. Glaubt er wirklich, dass er die Plattitüde von den vielen Interessen, die er sorgfältig abwägend aus zu tarieren habe und "den oft einseitigen Blick" auf den Wald durch "leidenschaftliche" Naturschützer weiterhin gegenüber Bürgern benutzen kann, die urteilsfähig sind?

Der Versuch, hinter nachsichtiger Betroffenheit gegenüber dem ihm widerfahrenen Unrecht die alte Blasiertheit und Arroganz dessen zu verbergen, ist erkennbar. Es ist für ihn nicht hinnehmbar, dass andere Fragen stellen, die er zu beantworten habe und zwar wahrheitsgemäß, als Staatsdiener gegenüber dem fragenden Bürger.

Es ist der offen liegende Widerspruch zwischen Anspruch und Wirklichkeit, der Fragen aufwirft, Fragen von so bezeichneten Laien und von Forstfachleuten, die sich nicht von einer allzu flachen Dialektik täuschen lassen.

Windisch hat recht: auch "die Förster", die Anspruch und Wirklichkeit im Rahmen geltenden Rechts zur Deckung bringen wollen, sind "leidenschaftliche" und "engagierte Naturschützer" mit Blick für die Leistungsgrenzen der Ressource Wald.

Auch sie "brennen" für diesen Wald. Und deshalb legen sie die Widersprüche offen und erwarten plausible Antworten oder andernfalls eine Kursänderung.

Auch diese Förster können sich irren. Aber das muss ihnen Herr Windisch bitte schön nachweisen, und zwar nicht mit Phrasen, sondern mit Fakten. Solange aber Fakten z.B. über die tatsächlich nutzungsfreien Wälder in Bayern oder den Anteil wirklich alter Wälder an der Gesamtfläche als Betriebsgeheimnis bezeichnet werden, wird die Ressource Glaubwürdigkeit nicht wachsen können.

Der öffentliche Diskurs ist unter anderem auch eine Reflektion auf sein Verhalten und die seines Clusters. Da sollte sich bei Herrn Windisch baldmöglich eine Einsicht einstellen, die seine "lieben Kollegien und Kollegen" aus der ungerechten Gruppenbetroffenheit führt. Die leiden nämlich mit, wenn die Führungselite versagt. Und das geht gar nicht ...

Karl-Friedrich Weber

------------------------

Und wie schön wäre es, wenn man sich als Naturschützer doch nur irren würde.

Aber - das Problem sind ja nun genau die Fakten.

Klar, der LKW-Fahrer hatte jetzt keine präzisen Zahlen zur Hand. Aber die hat doch das Statistische Bundesamt ohnehin schon genannt!

Und dass nur gefällte Kiefern-Stümpfe im Spessart zu sehen sind, schön wär's ja.
Aber Herr Kunkel und Greenpeace können sehr wohl Buchen von Kiefern unterscheiden.

Und auch in Hessen, im Naturpark Kellerwald-Edersee in unmittelbarer Nähe des UNESCO-Weltnaturerbe-Nationalparks wird wie gesagt fleißig gefällt - - etwa am Schierberg bei Armsfeld, dem Hegewald westlich von Hundsdorf, am Wingelsberg bei Freberhausen, sowie im Gebiet Neugesäß bei Bergfreiheit. Naturschützer rechnen damit, dass in wenigen Jahren mehr als 2/3 der Altbestände mit ökologisch wertvollen Strukturen vollständig vernichtet sein werden - das ist dann die angebliche "nachhaltige und naturnahe Bewirtschaftung dieses faszinierenden Ökosystems", das eine Fülle lebenswichtiger Leistungen für den Menschen bereitstellt, ohne der Natur zu schaden.

Das ist möglich, so ist es nicht. Siehe Lübecker Stadtwald und Göttinger Stadtwald, oder der Wald in der Eifel, der vom vielschreibenden Öko-Förster Peter Wohlleben bewirtschaftet wird. Oder der Wald im Naturschutzgroßprojekt Hohe Schrecke in Thüringen, ehemaliges militärisches Sperrgebiet erst der Wehrmacht, dann der Sowjets (dort waren die SS 20 stationiert), der Teils ganz aus der Nutzung genommen wird, und Teils schonend und naturnah bewirtschaftet werden wird - das Waldgebiet wurde, trotz entsprechender Forderungen der Naturschützer, NICHT gleich vollständig unter Schutz gestellt, sondern verkauft, und wird nun durch dieses Naturschutzgroßprojekt vor der "normalen" forstlichen Nutzung gerettet werden. (Spenden für Flächenkäufe sind sehr willkommen... der BUND und die ZGF sammeln, sogar der WWF hat schon geholfen)

Und wie gesagt, sehr viele Förster sind ja selber entsetzt, was zur Zeit in unserem Land passiert.
(Zum Glück nicht überall, das wäre ja ein Mega-Alptraum, aber der Alptraum ist auch schon so schlimm genug)

Zum Glück wird es nun thematisiert und diskutiert.

Das Ganze erinnert mich recht an den Fall Mollath. Da hieß es ja auch immer, alles bestens, alles nach Recht und Gesetz, da ist nichts schief gelaufen.
Erst als der Druck zu stark wurde (und die Wahlen, aber nein, das hatte mit den Wahlen natürlich rein GAR NICHTS zu tun ; ) ) - oh was für ein Wunder!

Jetzt kommen ja auch Wahlen, aber - ich fürchte nur, die Kommunalwahlen sind nicht wichtig genug.
Die Fakten sind jedoch mehr als gewichtig. Sie sind erdrückend.



1-mal bearbeitet. Zuletzt am 12.02.14 22:35.

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Re: Kahlschlag im Buchenwald: Wie Bundesländer ihre Wälder zu Geld machen
geschrieben von: hutan ()
Datum: 13. Februar 2014 09:11

Noch mehr zur Reaktion vom Leiter der Bayerischen Forstverwaltung, Herrn Windisch, auf die Kurzreportage in Report Mainz:


Bezeichnenderweise erwähnt Herr Windisch mit keiner Silbe die Vorgabe der Bundesregierung, im Rahmen der Nationalen Biodiversitätsstrategie 10% der öffentlichen Wälder aus der Nutzung zu nehmen. Bayern denkt ja bekanntlich gar nicht daran, dies zu tun, wie man ja wie schon weiter oben gesagt gut auf der Website des Bayerischen Landtagsabgeordneten Max Gibis sehen kann (unter "aktuelles". Schade, dass man nicht verlinken darf)

------------------

Zitat:

Koalitionsvertrag: Keine pauschalen Flächenstilllegungen in bayerischen Wäldern

2013-11-29

Die Mitglieder der CSU- Landtags- und Bundestagsfraktion haben sich bei den Koalitionsverhandlungen erfolgreich für die Interessen der bayerischen Waldbesitzer und Waldbesitzerverbänden eingesetzt und die bayerische Position gegen pauschale Flächenstilllegungen im Wald im Koalitionsvertrag durchgesetzt.

Zur Erklärung: In der vom damaligen Bundeskabinett beschlossenen Nationalen Biodiversitätsstrategie (NBS) ist das Ziel formuliert, 5% der gesamten Waldfläche und 10% der öffentlichen Wälder nicht mehr zu nutzen und der natürlichen Entwicklung zu überlassen. Diese Ziel verfolgen wir in Bayern nicht.

Bayern hat sich 2008 mit einer eigenen Biodiversitätsstrategie bewusst von der Bundesstrategie gelöst, weil wir den Ansatz des "Schützen und Nutzen auf gleicher Fläche" statt pauschaler Stilllegungen verfolgen. Die Tatsache, dass insgesamt in den bayerischen Wäldern deutlich weniger Holz geerntet wird als nachwächst, zeigt eindeutig, dass der bayerische Ansatz der Richtige ist. Nachhaltiges Wirtschaften unter Berücksichtigung der ökologischen, ökonomischen und sozialen Waldfunktion hat bei uns Tradition.

Im Rahmen der Koalitionsverhandlungen ist es unserem bayerischen Staatsminister für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten Helmut Brunner gelungen, eine ergänzende Formulierung im Koalitionsvertrag unterzubringen, so dass hinsichtlich der Schutzziele der Biodiversitätstrategie länderspezifische Konzepte unberührt bleiben. Wir können also weiterhin unsere bayerische Strategie anwenden, die statt pauschaler Stilllegungen den Ansatz des "Schützen und Nutzen auf gleicher Fläche" verfolgt.

Die Formulierungen zum Wald im Koalitionsvertrag lauten im Detail:

"Die Bundesregierung wird die Umsetzung der Waldstrategie 2020 vorantreiben und dabei verstärkt auf Schutzziele der Biodiversitätsstrategie setzen. Klein- und Kleinstprivatwald wird mit geeigneten Mitteln in die Entwicklung einbezogen. Länderspezifische Konzepte zur Zielerreichung bleiben unberührt. Der Waldklimafonds wird angemessen finanziell ausgestattet."

Zitat Ende

---------------

Wie gesagt, letztlich ist dies ja eine "bayerische Ohrfeige" gegen Kanzlerin Merkel, die das ja möchte und fordert.


Und was die bayerischen Förster anbelangt, die sind nicht glücklich mit der momentanen Situation, z.B.:

Der Förster im Steigerwald Herr Ulrich Mergner versuchte sich letztes Jahr gegen in seinen Augen zu hohe Hiebsatz-Vorgaben zu wehren, wandte sich sogar an den Aufstichtsrat, doch es half alles nichts, die Staatsforsten bestanden auf die Zahl, die in Augen des Försters vor Ort zuviel des Guten war. (Vgl. SZ, Bayernteil, vom 19.10.2013)

---------------

Ansonsten forderten die Umweltverbände bereits im Januar 2012, dass ein Einschlagstopp in alte Buchenwaldgebiete mit einem Alter über 140 Jahre verhängt wird (vgl. Greenpeace, "Einschlagstopp in alte Buchenwälder")


Wozu genau brauchen wir eigentlich die derart lästige Biodiversität? Wozu genau wurde damals die Nationale Biodiversitätsstrategie verabschiedet?
Ach ja, wegen der Biodiversitäts-Konferenz in Bonn 2008. Um einen guten Eindruck zu machen.
(Vom 19. bis zum 30. Mai 2008 fand in Deutschland (Bonn) die 9. Vertragsstaatenkonferenz (COP9) zur Biodiversitäts-Konvention statt)

"Die deutsche Bundesregierung verabschiedete 2007 als Unterzeichnerin der Konvention eine Nationale Strategie zur biologischen Vielfalt, die 330 Ziele und rund 430 Maßnahmen in den wichtigsten Handlungsfeldern zum Erhalt der biologischen Vielfalt definiert. Die ernsthafte Umsetzung dieser Maßnahmen wird von deutschen Naturschutzorganisationen stark angezweifelt, auch wenn mit dem Bundesprogramm Biologische Vielfalt ab dem Jahr 2011 erste Maßnahmen finanziert wurden." (Wikipedia)

Die Konferenz ist lange vorbei. Deutschland muss also keinen guten Eindruck mehr machen.
Mia san mia, und mia machen, was mia woin! Jawollllll!



1-mal bearbeitet. Zuletzt am 13.02.14 09:13.

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Re: Kahlschlag im Buchenwald: Wie Bundesländer ihre Wälder zu Geld machen
geschrieben von: hutan ()
Datum: 13. Februar 2014 11:03

Hier noch etwas mehr zumThema nutzungsfreie Wälder:

Herr Weber schreibt auf seiner Facebook-Seite "Waldwahrheit" am 8.2.2014:

"Die Umweltverbände unterstützen die waldpolitischen Ziele der Bundesregierung in Bezug auf 5% nutzungsfreier Wälder, im öffentlichen Wald 10% wegen seiner Vorbildfunktion. Ziel ist es, wieder wirklich alte Waldphasen zu erhalten, die gegenwärtig praktisch verschwunden sind. Der Cluster Forst und Holz bekämpft immer noch dieses Ziel. Wie zahlreiche Beispiele zeigen, muss damit gerechnet werden, dass vor allem alte Buchenbestände in öffentlichen Wäldern bis auf funktionslose Reste eingeschlagen werden, bevor sie geschützt sind. Deshalb fordern die Verbände auf dringende Empfehlung vieler Forstleute ein Moratorium, also ein Einschlagsverbot für Buchenwälder über 140 Jahre für den Zeitraum bis zu einer sicheren Schutzstellung des politisch gewollten Flächenumfanges. Wäre in der Forstwirtschaft eine positive Mitwirkung an diesen nationalen Zielen der Gesellschaft erkennbar, würde niemand ein derartiges Moratorium fordern müssen. Dass hierdurch wirtschaftliche Verluste entstehen, ist eine längst widerlegte Behauptung. Das Gegenteil ist der Fall, wie jeder Forstpraktiker weiß oder wissen sollte, der nachhaltige Buchen- und Eichenwirtschaft im Sinne einer Langzeitökonomie betreibt."

(Kommentar zum Post "5 Jahre Hildesheimer Naturzerstörung" vom 4.2.2014)

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Re: Kahlschlag im Buchenwald: Wie Bundesländer ihre Wälder zu Geld machen
geschrieben von: hutan ()
Datum: 13. Februar 2014 11:58

Übrigens, erwartungsgemäß folgte auf den Kommentar von Herrn Weber auf den Brief von Herrn Windisch natürlich eine Gegenantwort von offizieller Seite, hier vom Deutscher Forstverein e.V.:

"Lieber Karl-Friedrich Weber, danke für Ihre kritische Auseinandersetzung mit dem Brief von Herrn Windisch. Natürlich gibt es Kritik an der Haltung der Bayerischen Forstverwaltung (@Kahpunkt Effpunkt: die Kritik kommt beim Windisch selbstverständlich an!) und natürlich gibt es verschiedene Betrachtungsweisen zur waldbaulichen Behandlung der Wälder: "3 Förster - 5 Meinungen". Wir im Forstverein leben auch ständig im vermeintlichen Spagat zwischen Naturschutz und Nutzung. Doch Sie argumentieren aus einer recht bequemen Situation heraus. Der Naturschutz als vermeintlich ungeigennützige Einrichtung kann sich ziemlich einfach auf die "Nutzergruppen" stürzen: Man hat ja letztendlich keine Verantwortung. Wer muss denn dem Sägewerk um die Ecke erklären, dass er sein Holz gefälligst aus anderen Regionen holen soll? Wer muss den Spaziergänger sagen, dass er den Weg aus Gründen der Verkehrssicherung hier nicht langgehen kann? Wer sagt dem Brennholzselbstwerber, dass er sein kleines Bauernhaus besser mit Öl oder Gas heizt? Wer maßregelt den Pilzesucher oder Geocacher, dass er das Waldbiotop nicht betreten darf? Wer erläutert dem Möbelkäufer, warum er keine Schränke mit Buchenfunier bekommen kann? etc. etc. Und wer erklärt dem Förster oder seinen Vorfahren, dass alles, was er gemacht hat, falsch war? Ich glaube, dass eine schwarz/weiß-Sicht da nicht immer weiterhilft. Wenn Sie Ihre Facebook-Seite schon "Waldwahrheit" nennen, wäre vielleicht ein bunte Sicht auf die Dinge angemessen. Und damit ich nicht,-wie viele andere- Kommentare in der sicheren Anonymität abgebe, unterschreibe ich auch mit meinem Namen: Ihr Marcus Kühling"


Hier nun die Antwort von Herrn Weber auf seiner Facebook-Seite "Waldwahrheit":

"Vielen Dank für Ihren konstruktiven Beitrag, lieber Herr Kühling, der einige grundsätzlich unterschiedliche Betrachtungsweisen offenlegt.
Mir sind fünf Meinungen lieber, als drei, aber nicht nur zu einer vermeintlich richtigen waldbaulichen Behandlung, sondern auch zu vermeintlich richtigen Unterlassungen. Die aus der Erfahrungsvielfalt gewonnenen Erkenntnisse ermöglichen eine bestmögliche Näherung an richtige Entscheidungen – mehr ist nicht möglich und mehr wird es nie geben können. Also, der freie Diskurs ist notwendig. Wo er unterdrückt wird, sind wir insgesamt gefordert.

Sie bezeichnen den Konflikt zwischen Naturschutz und Nutzung als „vermeintlichen Spagat“. Das ist richtig. Ein Spagat ist nicht erforderlich.
Naturschutz ist kein Nutzungsanspruch unter vielen, sondern im Sinne von Ressourcenschutz eine Voraussetzung für die Erfüllung von verantwortbaren dauerhaften Nutzungsanforderungen an die Frostwirtschaft. Wird diese Grenze nicht eingehalten, ist es unsere Pflicht, gemeinsam Nein zu sagen.
Das gilt für den Waldbesucher genau so, wie für Möbelkäufer, Brennholzwerber oder Geocatcher.

Wenn eine Bringungstechnik mit der Schädigung von über 20% des Waldbodens verbunden ist, obwohl es bessere technische Möglichkeiten gibt;
wenn die alten Buchenwälder unterhalb optimaler Zielstärken abgenutzt werden und große Holzmengen aus nachwachsenden Beständen zunehmend ins Energieholz abfließen, statt in einen optimierten hochwertigen Vorratsaufbau investiert zu werden, müssen die kritischen Fragen der Holzwirtschaft nach dem kalkulierbar nachfließenden Rohstoff Holz an die Forstwirtschaft gestellt werden und nicht an diejenigen, die eine dauerhaft hohe Wertschöpfung im Sinne einer umfassenden Waldnutzung vertreten.

Es lohnt sich, die gedanklichen Diskrepanzen zu analysieren.
Hauptursache ist ein unterschiedliches Verständnis von benutzten Begriffen.
Wir müssen diese Begriffe in Übereinstimmung bringen, weil wir uns sonst nicht verstehen können. Deshalb muss der Diskurs fortgeführt werden.
Er hat viel zu spät eingesetzt, weil die heile Welt der Förster mythenhaft geschützt und unbehelligt blieb. Das hat sich gewandelt.

Beste Grüße

Karl-Friedrich Weber"


------------------------


Die "heile Welt" der Förster ist schon längst keine "heile Welt" mehr.
Höchste Zeit, dass die Missstände thematisiert werden.

Nicht ohne Grund ist das Titel-Thema der 1. Ausgabe 2014 des WWF-Magazins die alten Buchenwälder in Deutschland.

Wie schreibt Dr. Georg Sperber, Forstamtsleiter (Ebrach im Steigerwald) im Ruhestand, unermüdlicher Fürsprecher für einen Nationalpark Nord-Steigerwald, in seinem Beitrag in diesem WWF-Magazin?

"Wir benehmen uns wie ein armes Entwicklungsland", so der Titel des Interviews. Hier ein Auszug:

Frage: "Die Bundesregierung will 5% der Waldfläche bis 2020 aus der Nutzung nehmen. 95% werden weiter bewirtschaftet."
Antwort Dr. Sperber: "Das ist keine geringe Herausforderung. Ich habe mich mein gesamtes Berufsleben bemüht, möglichst nah an der Natur im Wald zu wirtschaften. Aber wenn man unsere Arbeit mit den Naturwerten von uralten und unbewirtschafteten Buchennaturwaldreservaten wie Waldhaus und Brunnstube in den Staatswäldern des Oberen Steigerwalds vergleicht, haben wir nur in der Landesliga gekickt. In diesen alten Wäldern zeigt der liebe Gott, was Champions League ist. Allein die Zahl der ans Holz gebundenen Käferarten ist dort doppelt so hoch wie in 180 Jahre alten Beständen".

Frage: "Was steht einer flächendeckend naturnahen Bewirtschaftung unserer Wälder entgegen?"
Antwort Dr. Sperber: "Der anhaltende neoliberale Zeitgeist und die einseitige Ökonomisierung des Ökosystems Wald. In den vergangenen Jahren sind in Deutschland die drei größten Buchensägewerke der Welt entstanden. Je 500 000 Kubikmeter Buche wurden hier eingesägt, von denen 80% ins Ausland exportiert werden. Wir benehmen uns wie ein armes Entwicklungsland, das seine letzten Ressourcen auf dem Weltmarkt verhökern muss. Das ist verantwortungslos und stimmt mich traurig."

Das gesamte Thema - es ist mehr als traurig.
Es ist ein himmelschreiender Skandal, eine SCHANDE für unser Land

findet

hutan



3-mal bearbeitet. Zuletzt am 14.02.14 08:29.

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Re: Kahlschlag im Buchenwald: Wie Bundesländer ihre Wälder zu Geld machen
geschrieben von: hutan ()
Datum: 14. Februar 2014 13:27

Wusste gar nicht, dass auch auf der Seite der Sendung Platz für Kommentare ist - im Forum hier kann man jedoch viel mehr und ausführlicher schreiben. Auf der Seite der Sendung "glänzen" bislang ja nur zwei "sachlich-fundierte" Kommentare - möchte mein großes Lob daher noch einmal wiederholen! Natürlich konnte die Thematik in der Kürze der Zeit nur angerissen werden - mindestens eine, am besten 2 oder 3 Mal eine 45-Minuten-Sendung, das wäre ideal. Die erste Sendung geht im Detail auf die Fülle der Artenvielfalt in ungenutzten Buchenwaldrefugien ein (etwa die UNESCO-Weltnaturerbe-alte-Buchenwälder-Deutschlands- Hainich und den Kellerwald, und die UNESCO-Weltnaturerbe-Buchen-Urwälder der Ukraine) und vergleicht dies dann mit wirtschaftlich genutzten alten Buchenwäldern, etwa im bayerischen und hessischen Spessart. Dann eine Reportage über die Forstreformen und ihre Auswirkungen, sowie die beeindruckende Tradition des Kampfes gegen jeden sich abzeichnenden Nationalpark durch die Forstbehörden und -verbände. Die dritte Sendung beleuchtet dann fundiert das, was zur Zeit alles an Naturzerstörung stattfindet und im Gegensatz zu Natura 2000 und der Nationalen Biodiversitätsstrategie steht.
Aber trotz der Kürze - die Reportage war richtig gut! Während bei PlusMinus im Dezember mehr der ökonomische Aspekt beleuchtet wurde, wurde hier auf die Nationale Biodiversitätsstrategie eingegangen, die ja bereits gesetzlich verankert ist - das beinhaltet auch, dass 10% der öffentlichen Wälder aus Artenschutzgründen als nutzungsfreie Gebiete ausgewiesen werden sollen. Dies stößt jedoch insbesondere in der Bayerischen Forstverwaltung auf heftigsten Widerstand, obwohl es wissenschaftlich längst erwiesen ist, dass sehr viele Arten, für die Deutschland besondere Verantwortung trägt, auf den Lebensraum alte, ungenutzte Buchenwälder angewiesen sind. Greenpeace und der BUND engagieren sich doch nicht ohne guten Grund so vehement für den Erhalt der wenigen noch verbliebenen alten, naturnahen Buchenwälder. Greenpeace hat doch nicht bei der Umweltbehörde der EU gegen Bayern und Hessen Klage erhoben, weil sie eine "Beschäftigungstherapie" benötigen, sondern weil in Deutschland bei der Forderung nach Schutz der ökologisch so wertvollen alten Buchenwaldbestände die Widerstände seitens der Forst-Lobby, zu der leider auch die staatlichen Forstbehörden mancher Länder gehören, derart stark sind. Kanzlerin Merkel hat ja nicht nur aus einer Laune heraus gesagt, dass die Bundesregierung sich zum Schutz der alten naturnahen Buchenwälder bekennt. In China, dem Zielort manch eines alten Buchenstamms, gibt es ein Sprichwort, das besagt: Oben gibt es eine politische Richtlinie / Maßnahme, unten gibt es die Gegenmaßnahme dazu - gemeint ist, es ist sehr schwer, die Provinzen und Lokalregierungen dazu zu bringen, die Gesetze und Anweisungen der Zentralregierung zu befolgen. Hierin sind wir China also in diesem Fall sehr ähnlich. Doch China schützt seine alten, wertvollen Wälder (inzwischen) sehr sorgfältig. Der Iran übrigens auch, er besitzt - wer hätte das gedacht? - ganz wunderbare urtümliche Buchenwälder, die ebenfalls sorgsam gehütet werden. Hierzulande dagegen... hoffentlich bewirkt diese Reportage endlich ein Umdenken!

Was die Kritikpunkte anbelangt - gezeigt würden doch gar keine gefällten Buchenbestände (s. den weiter oben bereits zitierten Post / Brief von Herrn Windisch, dem Leiter der Bayerischen Forstverwaltung: )
"Wer immer wieder Kiefern-Baumstümpfe zeigt als Beleg für die Vernichtung alter Buchenwälder, verkauft Zuschauer für dumm."

Nein. Er verkauft die Zuschauer nicht für dumm. Weil die Zuschauer wissen, dass diese Bilder nur symbolisch gemeint sind.
Hatte denn das Fernseh-Team von den Forstbehörden die Erlaubnis für Fahrten mit dem Auto, um nach Belieben auf der Suche nach frischen Einschlägen in alten Buchenwaldgebieten im gesamten Spessartwald herumzukurven?
Dazu noch die genauen Angaben seitens der Forstbehörden, wo gerade wieder in einem solchen Buchengebiet frisch eingeschlagen wurde? Und Infos, wo demnächst wieder gründlich Buchen gefällt werden würden, mit der Einladung, diesem forstlich-wirtschaftlichen "Produktionsevent" samt Kamera in nächster Nähe beizuwohnen? Details zu Fällungen findet man u.a. im Hintergrundbericht zur EU-Beschwerde von Greenpeace. Doch auch da - inzwischen ist weder die Zeit, noch die Säge stehengeblieben! Es gehen ja nach wie vor Buchenstämme über Buchenstämme entweder ab nach Übersee oder ab in die neuen Großsägereien (und von dort dann überwiegend nach Übersee).

Und zu behaupten, das Kamerateam sei "wegen wiederholtem Eindringen in den lebensgefährlichen Fällbereich von Hiebsmaßnahmen" zu seinem eigenen Wohl "zurückgepfiffen" worden - war Herr Windisch etwa vor Ort und stand daneben? Wollten das Fernsehteam nicht vielmehr aus sicherer Entfernung die Fällungen dokumentieren, damit es dann nicht heißt, "was sie zeigen, ist das völlig falsche, ich sehe viele Kiefern, sie verkaufen die Zuschauer für dumm." Da, wo sie "rausgeworfen" wurden, wären sicher viele schöne gefällte Buchen im Buchenwaldgebiet zu sehen gewesen, aber das war wohl weniger erwünscht... sonst kann man nicht mehr so gut vom Thema ablenken. Als würde ein Naturschützer, wenn sich schon ENDLICH! mal das Fernsehen dieses Themas annimmt, dieses Fernseh-Team nicht wie seinen Augapfel hüten, damit ihm ja nichts passiert!

Was "wer arglose LKW-Fahrer die jährlichen Exportmengen schätzen lässt, die mitgeteilten konkreten Zahlen jedoch verschweigt, handelt zumindest grob fahrlässig" anbelangt - ja, die von den Bayerischen Staatsforsten mitgeteilten konkreten Zahlen sollte Report Mainz ruhig einmal posten, wieviele Buchen gehen direkt in den Export, wieviele gehen von den Großsägereien aus in den Export? Das Statistische Bundesamt hat ja auch Zahlen. Doch eines ist sicher - der "arglose LKW-Fahrer" der offenkundig sehr oft Container mit Buchenstämmen transportiert, merkt durchaus, um was für Mengen es geht, auch wenn er nicht jeden einzelnen Stamm, jeden einzelnen Container systematisch gezählt und statistisch erfasst hat. Dumm sind Brummi-Fahrer keineswegs.

Und wer glaubt, inzwischen (seit der PlusMinus-Sendung von Mitte Dezember und seit dieser Report Mainz-Sendung) gäbe es keine Containerladungen aus dem Spessart mehr nach China, der irrt. Das sind dann regelmäßig durchaus wieder an die 20 Container, die geholt werden - inzwischen anscheinend auch von weniger "arglosen", sondern teilweise sogar richtig aggressiven LKW-Fahrern, die wohl entsprechend "gebrieft" wurden.

"Stattdessen immer wieder apokalyptische Reiter: Hunderte von Vogel-, Pflanzen- und Pilzarten akut gefährdet, alte Buchen vor dem Aussterben, wertvollste Schutzgebiete systematisch und absichtlich zerstört. Alles aus Geldgier, für den schnellen Profit, verramscht nach China. Die Forstwirtschaft als das Böse."

Jemand der Rhetorik studiert hat, wüsste, wie man diesen rhetorischen "Kunstgriff" nennt - bin leider kein entsprechender Fachmann.
"Die Forstwirtschaft als das Böse".
Impliziert ist, die Journalisten und die anderen Umweltschützer übertreiben maßlos und klagen in völlig überzogener Weise.
Nein, das tun sie nicht. Und "die Forstwirtschaft als "das Böse" stand nie zur Debatte, so ein Unsinn. Das ist nichts weiter als ein rhetorisches "Ablenkmanöver".

Denn eines steht definitiv fest: Wären die Missstände in den Staatsforsten nicht groß, würden die Umweltschützer doch nicht derart lange schon mit aller Kraft dagegen ankämpfen, als hätten sie nichts besseres zu tun! Keiner hat dabei je gesagt, "die Forstwirtschaft als das Böse". Sondern es geht darum, dass allzu viele Vorgaben der Forstbehörden unverantwortlich sind, weil sie diese so wertvollen Waldgebiete systematisch ökologisch entwerten, mit anderen Worten, mehr oder weniger schleichend zerstören. Es geht ja nicht nur um die Buchen, sondern um all die dazugehörigen Lebewesen, das gesamte Ökosystem - und das benötigt geschlossene, relativ große und ungestörte Flächen. Es sind ja schließlich nicht umsonst SCHUTZGEBIETE!

Es gäbe noch viel zu tun, für kritische Journalisten, bei diesem traurigen Thema -
wie Bundesländer ihre Wälder zu Geld machen.



3-mal bearbeitet. Zuletzt am 16.02.14 10:18.

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Re: Kahlschlag im Buchenwald: Wie Bundesländer ihre Wälder zu Geld machen
geschrieben von: hutan ()
Datum: 16. Februar 2014 09:58

Wieder ein paar Fakten zum Thema.

Wer sich eingehender mit der - leider traurigen - Thematik der Forstwirtschaft im Spessart beschäftigen möchte:

1.) Von Greenpeace gibt es im Netz die Broschüre "Zerstörung alter Buchenwälder in Bayern - Der Fall Spessart: Wie ein einzigartiger Bürgerwald verschwindet".
Dieses Titelfoto dürfte Herrn Windisch besser gefallen, nicht so viele Kiefern im Hintergrund.

2.) Der Naturschützer Michael Kunkel, der in der Report Mainz-Reportage zu Wort kam, pflegt eine eigene Website über den Spessart:
spessart (minus) wald (punkt) d e

Da klicke man etwa auf "Forstwirtschaft", dann z.B. auf "Eichenwirtschaft", da dann u.a. auf "Luftaufnahmen".
Da sieht man jede Menge Detailaufnahmen des Waldes, wie eingeschlagen wird, wie alte wertvolle Buchenwälder zu anfälligen "Eichenmonokulturplantagen" werden etc.

Auf der Website findet man sehr viele Dokumente, die zu lesen es sich sehr lohnt, da sie fachlich sehr fundiert sind -
alles, was eben in 5,5 Minuten nicht berücksichtigt werden konnte.

Sehr sehr lesenswert und erhellend, was den gesamten Naturschützer-Forstverwaltungs-Konflikt anbelangt, ist auf der genannten Spessart-Website unter "Forstwirtschaft" bei "Naturschutz "Marke Staatswald" " unter "Der Sonderweg des Staatswaldes" der entsprechende Artikel dazu, den man downloaden kann.

Darin geht es hierum:

"Der Sonderweg des Staatswaldes - Naturschutz als innere Angelegenheit der Forstpartie" - ein wahrlich "erhellender" Artikel, der vieles erklärt!
darin u.a., es lohnt sich wirklich, die 2 Seiten ganz zu lesen! :

"Bis in die 90er Jahre bestand in Deutschland eine „Vernachlässigung des Waldes in der Naturschutzpolitik“. Als eine wesentliche Ursache wird „die energische Verteidigung der „Waldhoheit“ durch staatliche Forstverwaltungen“ angesehen (Winkel 2007) . Kein Wunder also, dass in Sachen Naturschutz die Uhren im Staatswald schon immer etwas anders tickten. Im falschen Bewusstsein einer allumfassenden Zuständigkeit ist es dem Staatsforst bis heute gelungen, nahezu jede Einflussnahme von außen erfolgreich abzuwehren. Insbesondere der Trophäenkult und die dadurch verursachten katastrophalen Waldschäden waren lange Zeit ausschlaggebend für eine Politik der Abschottung. Um sich nicht in die Karten schauen zu lassen, wurden auch alle Belange des Naturschutzes als innere Angelegenheit der Forstbeamten betrachtet. Nicht einmal der amtliche Naturschutz wagte es, einen Blick auf den Staatswald zu werfen, obwohl er auch dort zuständig ist. Die Bevölkerung selbst meldete sich lange Zeit überhaupt nicht zu Wort und nahm alles, was im Wald passierte, als gottgegeben hin.
Fehlende Kritik von außen scheint aber bei manchen Forstleuten ein elitäres Denken und ein Gefühl der Unangreifbarkeit zu fördern.
Es verwundert daher nicht, dass der notwendige Anpassungsprozess an die Verhältnisse einer modernen und offenen Gesellschaft dem Forst bis heute nicht gelungen ist.

Dies muss man wissen, wenn man die heutigen Auseinandersetzungen zwischen den Naturschutzverbänden und den Forstleuten besser verstehen will."

Herrn Kunkels Spessart-Website ist eine Fundgrube, es lohnt sich sehr, da mal in die Tiefe zu gehen!



1-mal bearbeitet. Zuletzt am 16.02.14 10:17.

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Re: Kahlschlag im Buchenwald: Wie Bundesländer ihre Wälder zu Geld machen
geschrieben von: hutan ()
Datum: 16. Februar 2014 13:18

Doch darf man nicht vergessen, dass es kein alleiniges Bayern-Problem ist.

So schreibt Herr Weber auf seiner Facebook-Seite "Waldwahrheit" (Kommentar zum Post "genug" vom 13.2.):

"Die Frage entsteht, warum es bisher keinen besseren Überblick über holznutzungsfreie Wälder gibt, wenn es sich doch um Angaben von erkennbar hoher Relevanz handelt. Die Niedersächsichen Landesforsten kommen bis heute der Bitte der Naturschutzverbände nicht nach, ihre gemeldeten Flächen mitzuteilen. Warum nicht, wenn das doch ihre eigene Argumentation stützen könnte."

Warum bleiben diese Daten als "Betriebsgeheimnis" unter Verschluss? Es macht keinerlei Sinn, außer dem, eine Kontrolle zu erschweren.
Dann wird das eben der Sinn solchen Verheimlichens sein.


Sehr gut, da detailliert und fundiert (und traurig) die Dokumentation über das Fällen von Altbuchen im FFH-Gebiet Köllnischer Wald nahe Bottrop, auf der Website "Wälder in Deutschland" von Franz-Josef Adrian. Da findet man auch noch viele, viele andere Informationen.

Wer sich für die Thematik der Report-Mainz-Reportage interessiert und mehr erfahren möchte, als das in der Kürze der 5,5-Minuten-Reportage-Zeit möglich war, für den lohnt es sich, regelmäßig auf die Website von Herrn Adrian zu schauen, sowie auf die Facebook-Seite "Waldwahrheit".

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Re: Kahlschlag im Buchenwald: Wie Bundesländer ihre Wälder zu Geld machen
geschrieben von: hutan ()
Datum: 17. Februar 2014 08:01

Es wäre so schön, wenn man nicht schon wieder aus aktuellem Anlass etwas zu posten hätte.

Diesmal wieder der gute "Spezl" von den Bayerischen Staatsforsten = Hessen-Forst, beide vom neoliberalen (? war wohl auch mal anders angedacht, in der Theorie) "Kohle-jetzt"-Wahn erfasst - bei alten, ökologisch so wertvollen Wäldern einfach fatal.

Bei Interesse bitte googeln: Rhein-Neckar-Zeitung, 17.2.2014, Vorwürfe von Greenpeace und BUND: Forstamt betreibt Raubbau am Wald

Diesmal ist es der Viernheimer und Lampertheimer Forst, eigentlich FFH-Schutzgebiet
(= besondere europäische Schutzgebiete, die nach der Flora-Fauna-Habitat Richtlinie ausgewiesen wurden)

Und es ist, wie überall, dasselbe:

Die Umweltschützer sehen deutlich, dass im Wald durch Fällungen großer Schaden angerichtet wird: Fällungen von so genannten Habitatbäumen sind dokumentiert. Nur als Beispiel: Ende September 2013 fiel eine alte Buche, die einen möglichen Lebensraum der streng geschützten Art "Veilchenblauer Wurzelhalsschnellkäfer" darstellte, der Säge zum Opfer.
Etwas später musste eine alte Eiche dran glauben, obwohl sie Fraßlöcher des "Großen Heldbocks" aufwies, einer europa- und bundesrechtlich streng geschützten Käferart.

Die Antwort von der Forst-Seite ist wie immer, das ist schon seit Jahren, nein: Jahrzehnten immer dieselbe "Schallplatte":
Der Wald wird durch die forstwirtschaftliche Bewirtschaftung in seiner ökologischen und Naherholungsfunktion nicht beeinträchtigt.

Dies ist, wie jeder unschwer erkennen kann, lediglich eine schön klingende Behauptung.
Landauf, landab ist es überall dasselbe in solchen Fällen.

Ich kann nur wiederholen, was Norbert Panek in seinem neuen Buch "Wilde Wälder braucht das Land" geschrieben hat, das letztes Jahr erschienen ist, anlässlich des Jubiläums-Jubeljahres der Forstwirtschaft = "300 Jahre nachhaltige Forstwirtschaft":

Zitat Anfang (S.17f):
"Der deutsche Wald ist mangelhaft geschützt.
Nur auf 4,6 % der Waldgesamtfläche ist die Holznutzung tatsächlich eingeschränkt; davon unterliegen lediglich etwa 120.000 Hektar (1 %) einem strengen, gesetzlich geschützten Nutzungsverbot. 23 Prozent der deutschen Waldflächen sind als „Naturschutzgebiet“ oder „Natura 2000-Gebiet“ ausgewiesen. Wer glaubt, dass dort die Naturentwicklung Vorrang vor etwaigen wirtschaftlichen Interessen hat, ist schief gewickelt. Auf dem überwiegenden Teil dieser Schutzflächen findet
weiterhin „reguläre“ Holznutzung statt. – Ein skandalträchtiger Etikettenschwindel, der die Öffentlichkeit blendet und der Holzlobby in unserem Land ein grünes Deckmäntelchen verleiht! Die „Holz-Mobilmachung“ lässt selbst hochwertige Schutzgebiete nicht aus. Dabei werden rechtliche Vorgaben wie etwa die Fauna-Flora-Habitat-Richtlinie (abgekürzt: FFH) bewusst unterlaufen. Die Kriterien zur Einstufung der Erhaltungszustände von Wäldern wurden so stark abgewertet, dass in den Natura 2000-Gebieten weiterhin „normale“ Forstnutzung als naturschutz-konform gilt und unbehelligt fortgeführt werden kann.
Deutschland wandelt sich, was die Auslegung und Einhaltung naturschutzrechtlicher Vorgaben im Wald betrifft, mehr und mehr zu einer
Bananen-Republik. Das europaweit mit vielen Vorschuss-Lorbeeren bedachte Projekt „Natura 2000“ entpuppt sich hierzulande als Rohrkrepierer.
In der Summe sind die vielen, teils naturschutzwidrigen Eingriffe in den Waldbestand keine Einzel- oder Ausnahme-Erscheinungen, sondern mehr und mehr ein Problem von nationaler Dimension, auch wenn das Forstlobby-Verbände vehement abstreiten."
(Zitat Ende)

War also die Report-Mainz-Kurzreportage "ein Tiefpunkt der journalistischen Berichterstattung"?
NEIN.
Nur, ganz klar, viel zu kurz, so dass ein "Uneingeweihter" leider anschließend gar nicht beurteilen kann, wieviel an der Sache nun "dran" ist oder was oder wie, und vielleicht am Ende haben die Staatsforsten mit ihrem Protest doch recht, und die Umweltschützer machen viel Lärm um nichts...
(schön wäre es ja. Als litten die Umweltschützer unter Langeweile und hätten nichts besseres zu tun)

Eine längere Reportage mit viel mehr Details wäre die Lösung des Problems.

Denn leider haben wir keinen "Tiefpunkt der journalistischen Berichterstattung",
sondern einen unseligen Tiefpunkt des staatsforstlichen Schaltens und Waltens in den alten, geschützten Laubwäldern Deutschlands.



2-mal bearbeitet. Zuletzt am 17.02.14 09:45.

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Re: Kahlschlag im Buchenwald: Wie Bundesländer ihre Wälder zu Geld machen
geschrieben von: hutan ()
Datum: 17. Februar 2014 13:40

Manchmal bekommt man schöne Einblicke in die "offizielle" forstliche Seele.

Das Schreiben von Herrn Windisch über die Report-Mainz-Reportage, die in seinen Augen einen "Tiefpunkt der journalistischen Berichterstattung" darstellt.

Ein Zeitungsartikel über einen Förster, der sich in beeindruckender Weise über die in seinen Augen zu großen aus der Nutzung genommenen Waldflächen in seiner Gegend echauffiert.
(Nordkurier: "Walduntergang - Förster sauer auf Naturschutz")
Herrlich der Satz am Anfang: "Grimmig schaut der ausgestopfte Seeadler von seinem Ast an der Wand der Revierförsterei, doch gegen den Blick von Bernd Rohde guckt der Vogel so harmlos wie ein Huhn." Nun ja, in den Augen dieses Försters "verkommt" ein Wald, wenn man ihn einfach unbehelligt wachsen lässt.
Immerhin haben wir jetzt 5 UNESCO-Weltnaturerbe-Buchenwaldgebiete mit "verkommenem" Wald - den Touristen scheint es dennoch zu gefallen, den Lebewesen dort sowieso. Und auch in allen übrigen aus forstlichen Nutzung genommenen Waldgebieten fühlen sich die dortigen Lebewesen pudelwohl.

Was die Öffentlichkeitsarbeit anbelangt, so schreibt auf der Facebook-Seite vom Deutschen Forstverein ein Kommentar zu diesem Zeitungsartikel folgendes:
"...es kann einem aber auch der Kragen platzen bei der Unmenge an z.T. sachlich völlig verdrehten und falschen Informationen, die der unwissenden und verklärten Öffentlichkeit präsentiert werden. Hier nur ein Hinweis auf den plusminus Beitrag vor einiger Zeit über den 'Ausverkauf der Buchenwälder'.
... wir muessen bei der Information der bevölkerung noch weit mehr die mechanismen der werbung nutzen. weniger auf der sachbezogenen ebene argumentieren dafuer mehr auf der ebene die emotionen anspricht."

Aha, ich bin also ein Vertreter der "unwissenden und verklärten Öffentlichkeit", die einer "Unmenge an z.T. sachlich völlig verdrehten und falschen Informationen" auf den Leim geht.

Aber dann - die Logik! Dann müssten doch mehr Fakten präsentiert werden, mehr auf der sachbezogenen Ebene argumentiert werden, STATTDESSEN:
"... wir muessen bei der Information der bevölkerung noch weit mehr die mechanismen der werbung nutzen. weniger auf der sachbezogenen ebene argumentieren dafuer mehr auf der ebene die emotionen anspricht."

Das spricht nicht wirklich für sachliche Aufklärung, eher für emotional-unsachliche "Einlullung"!

Wo bleibt die fachlich-sachlich fundierte Auseinandersetzung mit dem Report-Mainz-Kurzbericht?

Wie sagt ein bekannter Umweltschützer?
"Die schönen staatlichen Konzepte für den Naturschutz im Wald sind Valium für das Volk,
der brutale Holzeinschlag die Realität zur Erhöhung der Überschüsse aus den Staatswäldern auf Teufel komm raus. "

Zum Glück kann man sich, wenn man genügend Zeit mitbringt, im Internet anhand der vielen dort befindlichen ausführlichen und fundierten Dokumente umfassend informieren.
Die 5,5 Minuten von Report Mainz sind lediglich ein "Weckruf" - aber ein richtig guter!
dem jedoch (mindestens) eine fundierte, ausführliche 45-Min-Reportage folgen müsste.



4-mal bearbeitet. Zuletzt am 17.02.14 23:02.

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Re: Kahlschlag im Buchenwald: Wie Bundesländer ihre Wälder zu Geld machen
geschrieben von: hutan ()
Datum: 24. Februar 2014 09:20

Schreibe hier weiter einsam vor mich hin, erstaunlicherweise hat sich bislang noch kein Befürworter der offiziellen, fröhlich fällenden Forstwirtschaft hierher ins Forum "verirrt", hat auch sein Gutes!
(um Missverständnissen vorzubeugen: Bin gar nicht gegen (WIRKLICH! naturnahe) Forstwirtschaft, aber gegen Landesforstgesellschaften, die allzu oft glauben, mit den ihnen anvertrauten Bürgerwäldern machen zu können, was sie wollen - nämlich Gewinn unter eklatanter Missachtung von Naturschutzvorgaben, wozu auch die Weigerung (darauf läuft es bei so mancher Landesforstgesellschaft hinaus) gehört, die Nationalen Biodiversitätsstrategie umzusetzen = 10% der staatlichen Wälder, und zwar ökologisch besonders wertvolle Waldflächen aus Gründen des Artenschutzes aus der Nutzung zu nehmen)

Heute möchte ich mich der Kommentare auf der Report-Mainz-Hauptseite zuwenden.
Auf der Hauptseite gibt es inzwischen drei Kommentare, die die Report-Mainz-Kurzreportage ganz schrecklich finden.

(Daher habe ich wenigstens einen positiven Kommentar gepostet, so geht's ja nicht ; )

Woran stoßen sich nun die drei negativen Kommentare?
Ich möchte sie hier nun einmal genauer unter die Lupe nehmen:

Zuerst einmal die Kommentare im Zitat:
(Schade, dass man hier nicht fett kursiv etc schreiben kann und auch keine andere Schriftarten wählen kann -
furchtbar undeutlich, alles, auf diese Weise, naja, lässt sich jetzt nicht ändern)

Also:

"Leider ein sehr peinlicher und unfundierter Beitrag
(Roberta Mongrima) 14.02.2014 , 13:38
Leider ein sehr peinlicher und unfundierter Beitrag. Schade, dass mit meinen rundfunkgebühren solch unreflektierte Reportagen finanziert werden! Bilder von jungen Buchenbeständen passen nicht zum gesprochenen Text, beim dem von alten Buchen die rede ist. LKW-Fahrer schätzen die Holzmenge und deren Verwendung... gehts noch verlässlicher!? Entweder extrem schlecht recherchiert oder einfach gelogen, um Stimmung zu machen!"

"Endlich einmal eine sachliche Reportage!
(Marcus Kühling) 12.02.2014 , 14:57
Liebe Report Mainz Redaktion, danke für diesen sachlich fundiert recherchierte Reportage. Endlich weiß ich, dass die Maisfelder überall in Deutschland kahlgeschlagene Buchenwälder sind und die Forstleute und Waldbesitzer aus reiner Profitgier ihre Wälder vernichtet haben! Mir ist jetzt klar, warum der Nachhaltigkeitsgedanke aus der Forstwirtschaft kam: Ein reines Ablenkungsmanöver! Weil die Forstwirtschaft in den letzten Jahrhunderten wilde Sau gespielt hat, ist die Waldfläche in Deutschland so groß und die Artenvielfalt in den Wäldern so hoch, wie seit dem Mittelalter nicht mehr! Ich finde es auch gut, dass Ihr den Ausverkauf unserer heimischen Buche nach China anprangert, wo wir das Holz doch viel lieber verbrennen würden, als damit hochwertige Möbel zu produzieren. Dabei gibt es doch so wahnsinnig viele Firmen in Deutschland gibt, die furchtbar gerne Buchenholz einsetzen. Gott sei Dank importieren wir ja nichts aus anderen Ländern, das würde doch dann nur deren Wirtschaftskraft stärken. Ich finde auch gut, dass Ihr nicht nur den in forstlichen Fachkreisen äußerst renommierten Frankfurter Zoodirektor zu Wort kommen lasst. Ihr habt auch dem Leiter der Bayerischen Forstverwaltung eine Chance gegeben, sich zu äußern. Wahrscheinlich musstet Ihr das einstündige Interview auf die Kernaussage reduzieren. Differenzierte Betrachtungsweisen sind dem Zuschauer ja am Abend auch nicht mehr zuzumuten. Ich freue mich auf weitere so sauber recherchierte Produktionen aus Ihrem Hause!"

"Kahlschlag im Buchenwald
(Ina Fersch) 08.02.2014 , 17:16
Saatflächen als Kahlschlag zu bezeichnen ist nicht korrekt. Was in diesem Film berichtet wird, entspricht so nicht der Wahrheit und es ist traurig, wieder nur die eine Seite der Medaille zu sehen. Das sich ein gewisser Herr (der selbst in der Forstwirtschaft tätig war) in abgesperrtes Gebiet begibt, sich selbst und ein Kamerateam in Gefahr bringt, davor schreckt niemand zurück. Des Weiteren wird in diesem Film ein Gebiet eingeblendet, dass zu 2/3 aus Kieferstöcken besteht - obwohl das Thema Buchenwald behandelt wird. Man bekommt eben das gezeigt was der Mensch vermitteln will - aber hinter die Kulissen schaut niemand. Vor 500 Jahren gab es diesen Spessartwald so nicht, der Glasindustrie sei es gedankt. Das man den Spessartwald nun so gepflegt vorfindet hat man den Bayerischen Staatsforsten zu verdanken, bzw. den Mitarbeitern. Bevor die überklugen wieder kommen die nun die Buche nicht von der Kiefer unterscheiden können, sollte man sich die Frage stellen, ob man überreife Tomaten in einem Gewächshaus auch einfach hängen lässt & wartet bis sich die Schnecken daran laben oder ob man sie verkauft."

Betrachten wir die Kommentare einmal genauer.

Kommentar Nr. 3:

"Leider ein sehr peinlicher und unfundierter Beitrag" - "unreflektierte Reportage" - "Entweder extrem schlecht recherchiert oder einfach gelogen, um Stimmung zu machen!"

Woran werden diese doch recht heftigen Vorwürfe festgemacht?
"Bilder von jungen Buchenbeständen passen nicht zum gesprochenen Text, beim dem von alten Buchen die rede ist."
"LKW-Fahrer schätzen die Holzmenge und deren Verwendung... "

Nun, die Bilder hätten offensichtlich wirklich besser ausgewählt werden sollen.
Nächstes Mal, Report Mainz, bitte lieber Bilder von einer Handkamera nach längerer Radelei,
als die richtige Filmkamera, mit der man aber ohne Fahrerlaubnis fürs Auto nicht in den Wald hineinkommt und dann auf ein suboptimales Gebiet ausweichen muss.

Und der LKW-Fahrer - da fehlt der Verweis auf die Daten vom Statistischen Bundesamt, die Kenntnis der PlusMinus-Reportage vom 18. Dezember (2013) wird quasi vorausgesetzt. Denn offizieller als das Statistische Bundesamt geht es ja wohl kaum, das ist ja nun definitiv nicht "gelogen", und da stößt die staatsforstliche Daten-Geheimniskrämerei endlich einmal an ihre Grenzen: Hier also die Daten von 2012: Es wurden 330 000 (dreihundertdreißigtausend) Tonnen (!) Buchenrohholz nach China exportiert. Dies entspricht in etwa einer kahlgeschlagenen Fläche von 2400 Fußballfeldern. Nach PlusMinus-Recherchen sind das dann 14.000 Container voller Buchenrohholz = Buchenstämme nach China. Dazu kommen ja noch die Buchen, die in den neuen Großsägereien hierzulande verarbeitet werden, und von denen ebenfalls ca. 80% in den Export gehen. Wo soll das denn alles nachhaltig unter Berücksichtigung des Artenschutzes herkommen? Ok, die Zahlen sind jetzt nicht NUR von Bayern, aber Bayern, und konkret der Spessart, tragen nachweislich sehr viel dazu bei. Die Bilder von Greenpeace mit den alten Buchenstämmen, die in Container verladen werden - im Internet gibt es die von 2012, aber - geändert hat sich 2014 immer noch nichts, außer dass die Zahl der alten Buchen im Spessart immer weiter abnimmt... also das Argument mit den angeblich Kiefern statt Buchen hat definitiv keinen Bestand. (Man googele z.B.: "Greenpeace dumpingpreise für alte buchenwälder pdf" und "greenpeace themen presseerklärungen greenpeace aktivisten protestieren gegen den ausverkauf alter buchenwälder")
(Hier ist von Dumping-Preisen die Rede, aber das war vielleicht nur bis 2012?
Inzwischen heißt es ja, die Chinesen zahlten höhere Preise als die Deutschen. Hat jemand die Verkaufspreise je gesehen?
Wäre auch ganz interessant, oder? Aber –
das ist ganz sicher ein superhochgeheimes Geschäftsgeheimnis, dazu darf man natürlich kein Sterbenswörtchen sagen...)

Interessant in diesem Zusammenhang auch nochmals der Brief vom Chef der Bayerischen Staatsforsten, Herrn Windisch,
den ich der Einfachheit halber noch einmal ganz zum Schluss an diesen Post mitdranhänge:
"Wer arglose LKW-Fahrer die jährlichen Exportmengen schätzen lässt, die mitgeteilten konkreten Zahlen jedoch verschweigt, handelt zumindest grob fahrlässig. Wer immer wieder Kiefern-Baumstümpfe zeigt als Beleg für die Vernichtung alter Buchenwälder, verkauft Zuschauer für dumm."

Die mitgeteilten konkreten Zahlen sollten in der Tat einmal genannt werden, und mit den Zahlen des Statistischen Bundesamts verglichen werden.
Aber Herr Windisch greift selber nicht die konkreten Zahlen auf, sondern freut sich über die Gelegenheit, mit den wenigen Kiefern-Baumstümpfen vom Thema der eingeschlagenen Alt-Buchen ablenken zu können. Er umschifft das Thema nur, geht beflissentlich NICHT darauf ein, genauso wie die drei negativen Kommentare.

Vielleicht, weil man da schlecht etwas gut klingendes dazu sagen kann, wenn man wirklich etwas dazu sagen müsste?


Das Thema Artenschutz, auf das Prof. Niekisch eingegangen ist - auch davon kein Wort, in den Kommentaren.
Dabei war das doch das Kernthema der Reportage!

Nun zu Kommentar Nr. 2:

"Endlich einmal eine sachliche Reportage" trieft nur so vor Sarkasmus, gemeint ist natürlich von allem immer das genaue Gegenteil.
Also auch diesen Kommentar einmal genauer betrachtet:

"Endlich einmal eine sachliche Reportage!
(Marcus Kühling) 12.02.2014 , 14:57
Liebe Report Mainz Redaktion, danke für diesen sachlich fundiert recherchierte Reportage. Endlich weiß ich, dass die Maisfelder überall in Deutschland kahlgeschlagene Buchenwälder sind und die Forstleute und Waldbesitzer aus reiner Profitgier ihre Wälder vernichtet haben! Mir ist jetzt klar, warum der Nachhaltigkeitsgedanke aus der Forstwirtschaft kam: Ein reines Ablenkungsmanöver! Weil die Forstwirtschaft in den letzten Jahrhunderten wilde Sau gespielt hat, ist die Waldfläche in Deutschland so groß und die Artenvielfalt in den Wäldern so hoch, wie seit dem Mittelalter nicht mehr! Ich finde es auch gut, dass Ihr den Ausverkauf unserer heimischen Buche nach China anprangert, wo wir das Holz doch viel lieber verbrennen würden, als damit hochwertige Möbel zu produzieren. Dabei gibt es doch so wahnsinnig viele Firmen in Deutschland gibt, die furchtbar gerne Buchenholz einsetzen. Gott sei Dank importieren wir ja nichts aus anderen Ländern, das würde doch dann nur deren Wirtschaftskraft stärken. Ich finde auch gut, dass Ihr nicht nur den in forstlichen Fachkreisen äußerst renommierten Frankfurter Zoodirektor zu Wort kommen lasst. Ihr habt auch dem Leiter der Bayerischen Forstverwaltung eine Chance gegeben, sich zu äußern. Wahrscheinlich musstet Ihr das einstündige Interview auf die Kernaussage reduzieren. Differenzierte Betrachtungsweisen sind dem Zuschauer ja am Abend auch nicht mehr zuzumuten. Ich freue mich auf weitere so sauber recherchierte Produktionen aus Ihrem Hause!"

Der Kommentar findet die Reportage alles andere als sachlich fundiert.
Hier wird der Nachhaltigkeitsgedanke aus der Forstwirtschaft bemüht: Ohne die vorbildliche deutsche Forstwirtschaft mit ihren fleißigen, tüchtigen Förstern wäre die Waldfläche in Deutschland nicht so groß und die Artenvielfalt in den Wäldern nicht so hoch wie seit dem Mittelalter nicht mehr!

Und - wer gegen den Export von Buchenrohholz ist, ist gleichzeitig auch gegen alle anderen Exporte und Importe in anderen Bereichen, will also von internationalem Handel nichts wissen.

Und wieviel besser ist es doch, die Buchen in China zu Möbel zu verarbeiten als hierzulande als Brennholz zu verbrennen.

Aha.
Die Möglichkeit, die alten Buchenwälder schlicht und ergreifend im Rahmen der von der Bundesregierung längst beschlossenen Nationalen Biodiversitätsstrategie aus der Nutzung zu nehmen, die gibt es allem Anschein nach im Weltbild von Herrn Kühling nicht.

Er schreibt weiter:
"Ich finde auch gut, dass Ihr nicht nur den in forstlichen Fachkreisen äußerst renommierten Frankfurter Zoodirektor zu Wort kommen lasst. "
Der "äußerst renommierte Frankfurter Zoodirektor" - das klingt in dem Kontext so, als würde da "...Zirkusdirektor" stehen.
Der in forstlichen Fachkreisen offenkundig alles andere als beliebt ist.
Nun, Prof. Manfred Niekisch ist ein Mitglied des Sachverständigenrats für Umweltfragen (SRU), dieser ist, laut SRU-Website, "eine Institutionen wissenschaftlicher Politikberatung für die deutsche Umweltpolitik. Er wurde im Jahr 1972 von der Bundesregierung eingerichtet. Besondere Merkmale des SRU sind seine Interdisziplinarität und seine fachliche Unabhängigkeit. Er besteht aus sieben Professorinnen und Professoren mit besonderer Umweltexpertise, die unterschiedliche Fachdisziplinen vertreten. Diese werden von der Bundesregierung für vier Jahre ernannt.
Prof. Niekisch ist seit März 2008 Direktor des Frankfurter Zoos und seit Juli 2010 zudem Professor für „Internationalen Naturschutz“ am Institut für Ökologie, Evolution und Diversität der Goethe-Universität Frankfurt. Von 1998 bis 2008 hatte er die gleichnamige Professur an der Universität Greifswald inne und nimmt zudem seit vielen Jahren Lehraufträge zum Naturschutz u. a. an den Universitäten Hanoi/Vietnam und in Spanien wahr. Ehrenamtlich ist er in zahlreichen Funktionen tätig, so z. B. als Vizepräsident der Zoologischen Gesellschaft Frankfurt und Präsident der Gesellschaft für Tropenökologie sowie im Beirat von National Geographic. Die wissenschaftlichen Inhalte seiner Arbeit liegen insbesondere in Strategien und Instrumenten zur nachhaltigen Nutzung natürlicher Ressourcen, speziell zum Schutz der Biodiversität. Geografische Schwerpunkte hat Prof. Niekisch in Europa, Südamerika und in Vietnam. Von 2000 bis 2008 war er auch während der maximal möglichen zwei Amtszeiten als Regional Councillor der Weltnaturschutzunion IUCN tätig."
Nun, so ganz unqualifiziert scheint der Herr (nicht nur-) Zoodirektor also nicht zu sein - genau genommen ist er offensichtlich eine internationale Kapazität im Bereich des Schutz der Biodiversität. Und das besondere Merkmal des SRU ist, so sagt die Website, seine Interdisziplinarität und seine fachliche Unabhängigkeit - d.h., offensichtlich ist hier jemand nicht fest in der Argumentationsschiene der Forst- und Holzlobby verankert, das "nervt" die entsprechenden Kreise natürlich ein wenig.

Es wird im Kommentar ansonsten beklagt, dass nur ein einziger Satz - kein Rausrücken der Daten über alte, wertvolle Waldbestände, da Geschäftsgeheimnisse - des Chefs der Bayerischen Forstverwaltung von dem einstündigen Interview ausgewählt wurde. Nun, dass Report Mainz-Reportagen kurz sind, und da von einem einstündigen Interview beim besten Willen nicht viel übrig bleiben kann, ist ja wohl von vornherein klar. Und welcher Satz ausgewählt werden würde, hätte sich die Bayerische Staatsforstverwaltung eigentlich auch denken können, dazu braucht es nun wirklich keine hellseherischen Fähigkeiten.

Wogegen richtet sich also der Zorn / Unmut der Kommentatoren?

Ich sage:
Dass hier nicht die üblichen Forst-und-Holzlobby-Floskeln wiedergegeben wurden, wie es sich gehört hätte. Dass man überhaupt das Handeln der Landesforstgesellschaften kritisiert, statt die Landesforstgesellschaften weiter ruhig nach Belieben schalten und walten zu lassen.


Blickt man auf Facebook, so ist Herr Kühling als Freund des "Deutschen Forstvereins" zu verorten, der nie etwas anderes als die offizielle Forst-und-Holzlobby-Doktrin verlautbaren lässt. Ein anders gelagerter Kommentar wäre also geradezu verwunderlich gewesen!

Auch die Kommentatorin Nr. 1, Ina Fersch, ist offenkundig in dem Kreis angesiedelt:
"Saatflächen als Kahlschlag zu bezeichnen ist nicht korrekt. Was in diesem Film berichtet wird, entspricht so nicht der Wahrheit und es ist traurig, wieder nur die eine Seite der Medaille zu sehen. Das sich ein gewisser Herr (der selbst in der Forstwirtschaft tätig war) in abgesperrtes Gebiet begibt, sich selbst und ein Kamerateam in Gefahr bringt, davor schreckt niemand zurück. Des Weiteren wird in diesem Film ein Gebiet eingeblendet, dass zu 2/3 aus Kieferstöcken besteht - obwohl das Thema Buchenwald behandelt wird. Man bekommt eben das gezeigt was der Mensch vermitteln will - aber hinter die Kulissen schaut niemand. Vor 500 Jahren gab es diesen Spessartwald so nicht, der Glasindustrie sei es gedankt. Das man den Spessartwald nun so gepflegt vorfindet hat man den Bayerischen Staatsforsten zu verdanken, bzw. den Mitarbeitern. Bevor die überklugen wieder kommen die nun die Buche nicht von der Kiefer unterscheiden können, sollte man sich die Frage stellen, ob man überreife Tomaten in einem Gewächshaus auch einfach hängen lässt & wartet bis sich die Schnecken daran laben oder ob man sie verkauft. "


"Was in diesem Film berichtet wird, entspricht so nicht der Wahrheit" - ach, wäre dies schön.

Die Bayerischen Staatsforsten wollen auch immer ihre "Bilder" vermitteln - und möchten definitiv nicht, dass jemand da zu genau hinter die Kulissen schaut.
Das man den Spessartwald nun so gepflegt vorfindet, habe man den BaySF zu verdanken, bzw. den Mitarbeitern.

Auch hier sieht man nur das Holz = Tomaten, aber nicht die Bedeutung für die Biodiversität des Ökosystems alte Buchenwälder mit ihren alten Buchen.

Dabei war ja genau dies das Thema des Films.

Zu dem Thema "Nur Dank der Forstwirtschaft gibt es nun diese vorbildlichen, gepflegten Wälder" - hierzu muss ich einen eigenen Post schreiben.
Dazu ist einiges zu sagen.

Es ist überhaupt noch einiges zu sagen, aber jetzt erst mal soweit soviel,

denkt sich hutan und seufzt über die gesamte Thematik.

Es ist traurig, dass der Schutz eines seht bedrohten Ökosystems = das der alten, naturbelassenen Buchenwälder in unserem Land
so gut wie gar nicht berücksichtigt wird, beim forstlichen schalten und walten.




Hier noch einmal zum Nachlesen das Schreiben von Herrn Windisch (= Chef der Bayerischen Staatsforstverwaltung)

(Zitat Anfang:)

"Ein Tiefpunkt der journalistischen Berichterstattung" - Georg Windisch, Leiter der Bayerischen Forstverwaltung,
zur ARD-Sendung „REPORT Mainz“ am 04.02.2014 „Kahlschlag im Buchenwald“:

Sehr geehrte Damen und Herren,
liebe Kolleginnen und Kollegen,

dass engagierte Naturschützer einen leidenschaftlichen, aber eben oft auch einseitigen Blick auf Wald und Forstwirtschaft haben, ist bekannt und niemandem vorzuwerfen. Auch wir Förster „brennen“ für den Wald, denn eine nachhaltige und naturnahe Bewirtschaftung dieses faszinierenden Ökosystems stellt eine Fülle lebenswichtiger Leistungen für den Menschen bereit, ohne der Natur zu schaden. Zu diesen Leistungen gehört selbstverständlich auch der Rohstoff Holz, denn angesichts Klimaschutz, Energiewende und Rohstoffwende sind Mensch und Wirtschaft dringend darauf angewiesen, künftig mehr denn je. Die Kunst der Forstwirtschaft besteht darin, die unterschiedlichen und oft auch widersprüchlichen Belange aufzugreifen, abzuwägen und im Lichte der standörtlichen Möglichkeiten bestmöglich auszubalancieren. Kein berechtigter Belang darf hinten runter fallen, kein Einzelinteresse – und sei es noch so gut gemeint! – sich ohne Blick aufs Ganze einseitig durchsetzen.

Wer als Forstfrau und Forstmann oben genannte „Reportage“ gesehen hat und die Realitäten im Land kennt, wird sich vorgekommen sein „wie im falschen Film“. Das Staatsministerium hat vorab detaillierte Fragen schriftlich beantwortet – im Film ohne jede Berücksichtigung. Die Bayerischen Staatsforsten haben umfangreiche Hintergrundinformationen geliefert – im Film, wie Karl Valentin sagen würde, „nicht mal ignoriert“. Die Aufgabenverteilung und Rollen von Staatsforsten und Forst-verwaltung wurden – trotz Erläuterung – verdreht bzw. ausgeblendet. Mein einstündig gefilmtes Interview – reduziert auf einen einzigen, völlig aus dem Zusammenhang gerissenen Satz. Stattdessen immer wieder apokalyptische Reiter: Hunderte von Vogel-, Pflanzen- und Pilzarten akut gefährdet, alte Buchen vor dem Aussterben, wertvollste Schutzgebiete systematisch und absichtlich zerstört. Alles aus Geldgier, für den schnellen Profit, verramscht nach China. Die Forstwirtschaft als das Böse.

Mehr Klischee geht nicht, weniger objektive Berichterstattung auch nicht. Wer wegen wiederholtem Eindringen in den lebensgefährlichen Fällbereich von Hiebsmaßnahmen schließlich mit einer zugegebenermaßen „deutlichen Ansage“ bedacht wird, legt es wohl darauf an. Wer arglose LKW-Fahrer die jährlichen Exportmengen schätzen lässt, die mitgeteilten konkreten Zahlen jedoch verschweigt, handelt zumindest grob fahrlässig. Wer immer wieder Kiefern-Baumstümpfe zeigt als Beleg für die Vernichtung alter Buchenwälder, verkauft Zuschauer für dumm.

Die Forstwirtschaft ist eine immerwährende Suche nach dem bestmöglichen Kompromiss, mit der Natur und mit den gegensätzlichen, sich wandelnden Ansprüchen der Menschen. Insoweit ist es normal, dass wir alle in der Öffentlichkeit beobachtet, beurteilt, manchmal gelobt und immer wieder auch kritisiert werden. Jedes Urteil sollte aber auf einer fairen Beweisaufnahme beruhen und offensichtliche Fakten nicht verschweigen oder gar verdrehen. Wenn Sie von besorgten Bürgern auf die-sen Fernsehbericht oder auf konkrete Begebenheiten in den örtlichen Wäldern angesprochen werden, bitte ich Sie, zwei Botschaften in den Mittelpunkt zu stellen: 1. Die Fernsehsendung verbreitete ein Zerrbild. 2. Wer Fragen oder Sorgen zu „seinem“ Wald hat, findet bei uns Försterinnen und Förstern aufmerksame Zuhörer und bereitwillige Auskunftgeber. Mit dem Bürger gemeinsam im Wald erkennt man am besten, worüber sich alle freuen können, was aus guten Gründen akzeptiert werden muss und was man künftig besser machen kann.

Mit freundlichen Grüßen
Georg Windisch

(Zitatende)

------------------



3-mal bearbeitet. Zuletzt am 24.02.14 09:36.

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Re: Kahlschlag im Buchenwald: Wie Bundesländer ihre Wälder zu Geld machen
geschrieben von: hutan ()
Datum: 24. Februar 2014 23:07

Interessant ist vielleicht auch, was Norbert Panek auf seiner Internet-Seite "(www) wald (minus) kaputt (punkt) de zum Thema schreibt:

"Report Mainz berichtet über Raubbau

Endlich scheint das "Thema" auch in den bundesweiten Medien angekommen zu sein: Das ARD-Politmagazin "Report Mainz" berichet am 4. Februar 2014 über raubbauartige Holzeinschläge in geschützten Buchenwaldbeständen der Bundesländer Bayern und Hessen. Wir haben den ARD-Beitrag zum Anlass genommen, um eine breite bundesweite Debatte über den Umgang mit Wäldern speziell in Schutzgebieten anzustoßen, und alle wichtigen regionalen und überregionalen Institutionen in einem Schreiben zum Handeln aufgefordert. Denn es ist höchste Zeit: Vor allem in den nach EU-Recht geschützten Natura 2000-Gebieten werden ältere Buchenbestände teilweise systematisch zerstört. Wir fordern, mindestens 20 Prozent der Schutzgebietsflächen, auf denen Lebensraumtypen der Buchenwälder dominieren, umgehend ganz aus der forstlichen Nutzung herauszunehmen. Außerdem sollten alle FFH-Waldgebiete einen klar definierten Schutzstatus erhalten, der es endlich erlaubt, entsprechende Verstöße, z. B. das komplette Räumen von Altbuchenbeständen, strafrechtlich zu ahnden."

(Zitat Ende)

In dem ganzen traurigen Thema ist das Wörtchen SOLLTE so wichtig.

Es SOLLTE eigentlich alles ganz anders sein, als es in Wahrheit ist.
(Das ist so eine Sache, mit der WALD-WAHRHEIT, hier in unserem Lande)

Eigentlich SOLLTEN Landesforstgesellschaften Vorbild-Charakter haben, was die Waldnutzung anbelangt.
Im Staatsforst SOLLTE nicht der Gewinn an erster Stelle stehen, sondern der Naturschutz und die Erholungsfunktion etc pp... siehe Urteil des Bundesverfassungsgerichts aus den schon weit, weit entfernten 90er Jahren...

Das Bundesverfassungsgericht 1990: Ein Urteil zur Funktion des öffentlichen Waldes
Die Vorgaben des Bundesverfassungsgerichts (BVerfG) besagen: Die „Bewirtschaftung des Körperschafts und Staatswaldes dient der Umwelt- und Erholungsfunktion des Waldes, nicht der Sicherung von Absatz und Verwertung forstwirtschaftlicher Erzeugnisse.“ (BVerfG, Urt. v. 31.05.1990, NVwZ 1991, 53).

Nun, seit den unseligen Forstreformen sieht so manch eine Landesforstgesellschaft die Dinge aber doch etwas anders...

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Re: Kahlschlag im Buchenwald: Wie Bundesländer ihre Wälder zu Geld machen
geschrieben von: hutan ()
Datum: 25. Februar 2014 09:26

Da ja in den Kommentaren immer wieder das Thema "Man sieht aber Kiefern statt Buchen" vorgebracht wurde, hier nun also ein paar andere Beispiele - die vielen Fällungen in wertvollen, alten FFH-Buchenwaldgebieten sind ja wie gesagt nicht auf den Spessart, nicht auf Bayern beschränkt:

z.B. hier gleich angrenzend an die "Heiligen Hallen" in Mecklenburg-Vorpommern:

Bitte googeln:
franz josef adrian wälder in deutschland großschirmschlag westlich der heiligen hallen

oder hier geht es an die Zerstörung alter Buchenwald-Gebiete ganz in der Nähe des UNESCO-Buchenwälder-Weltnaturerbe-Nationalparks "Kellerwald":

Bitte googeln:
franz josef adrian wälder in deutschland hoher keller zerstörung des buchenwalds im neugesäß

da bitte wirklich alles lesen, es sind mehrere Seiten, mit weiterführenden Links, z.B. zu folgendem Gutachten:

"Drastische Verstöße gegen die FFH-Erhaltungsziele und das Verschlechterungsverbot in hessischen Buchenwald-FFH-Gebieten am Beispiel des FFH-Gebiets "Hoher Keller"
das sind dann 17 Seiten, allein das Gutachten.

Darin u.a.:

"1. Einführung
Die Umsetzung der von der europäischen Kommission verbindlich vorgeschriebenen Erhaltungsziele für FFH-Lebensraumtypen im Wald bzw. für die Erhaltung und
Förderung von Artbeständen nach den Anhängen II, IV und V der FF-Richtlinie bzw. der Vogelschutzrichtlinie (VR) als Teile des europäischen Schutzgebietsnetzes
Natura 2000 wird im Rahmen der seit den FFH-Gebiets ausweisungen vollflächig praktizierten forstwirtschaftlichen Nutzung innerhalb dieser Schutzgebiete vollkommen ignoriert und hat mittlerweile zur drastischen Entwertung nahezu aller größeren FFH-Buchenwaldgebiete in Hessen geführt.
Namentlich das in der FFH-Richtlinie geforderte „Verschlechterungsverbot“ für FFH-Lebensraumtypen und -Anhangsarten wurde und wird grundsätzlich von den
jeweiligen Gebietsverantwortlichen nicht respektiert, so dass der weit überwiegende Flächenanteil der Buchenwald-Schutzkulisse bereits heute deutlich nicht mehr die im Rahmen der FFH-Grunddatenerhebung festgeschriebenen ökölogischen Funktionen erfüllen kann und mit langfristiger Wirkung strukturell tiefgreifend entwertet (= verschlechtert !) wurde.
Aktuell geht es nur mehr um die Rettung der letzte Reste dieses im europäischen Vergleich ehemals einzigartigen, multifunktionalen Waldbiotopverbundes vor weiterer Zerstörung durch die ungehemmte Ausbeutung im Rahmen der sogenannten „geregelten“ oder „ordnungsgemäßen“ Forstwirtschaft, die keinerlei Unterschiede in der Behandlung von Wäldern innerhalb und außerhalb der Natura 2000-Kulisse erkennen lässt.
Die Sicherung, Erhaltung und Entwicklung des landesweiten Waldbiotopverbundes mit seinen hochkomplexen ökologischen Funktionskreisen, spezifischem Artengefüge und seinen sonstigen Wohlfahrtswirkungen wird somit durch die rein marktwirtschaftlich orientierte, fast vollflächig wirksame „Endnutzung“ der älteren
Buchenwälder vollkommen konterkariert, mit allen bereits jetzt überdeutlich zutagetretenden, tiefgreifenden negativen ökologischen und landschaftsästhetischen
Folgen. Angesichts der aktuell wirksamen Intensität der Schutzgebiets-Entwertungen durch Holzeinschlag, Holzbringung, Wegebau und Bestandserschließungsmaßnahmen und sonstige Auswirkungen der forstlichen Nutzung allein in den Einschlagsperioden 2010 bis 2012 ist zu befürchten, dass die ökologische Entwertung und damit der Verlust der letzten älteren großflächigen FFH-Buchenwaldkomplexe innerhalb Hessens innerhalb der nächsten Forsteinrichtungsperiode (max. bis 2023) bevorsteht." (S.4)

"Die im Gebiet bisher wirkende, z.B. durch das Vorkommen der hochrangigen Indikatorart Ästiger Stachelbart (Hericium coralloides, sog. „Urwaldzeiger“)
belegte, Jahrhunderte währende Totholzkonstanz und ungebrochene Tradition fortgeschrittener Waldentwicklungsstadien im „Neugesäß“ ist durch die forstliche
Einflussnahme der letzten Jahre schlagartig, wissentlich und auf lange Sicht unwiederbringlich beendet worden" (S.4)

...soviel zum von Herrn Windisch beklagten Thema "Stattdessen immer wieder apokalyptische Reiter: Hunderte von Vogel-, Pflanzen- und Pilzarten akut gefährdet, alte Buchen vor dem Aussterben, wertvollste Schutzgebiete systematisch und absichtlich zerstört. ... Die Forstwirtschaft als das Böse."

Nun, was soll man sagen? Gut benommen hat sich die Forstwirtschaft hier definitiv nicht, Herr Windisch - auch wenn dies nun Hessen ist, dieses Beispiel.
In Bayern gibt es ebenfalls genügend Beispiele zum Thema.

Noch weitere Auszüge aus dem obigen Gutachten:

"4. Zusammenfassung/Fazit
Ohne Rücksicht auf die herausragenden ökologischen, der Forstverwaltung aufgrund Aktenlage insgesamt bekannten Gebietswertigkeiten sowie unter Missachtung der geltende Rechtslage wurde hier im Interesse kurzfristiger Gewinnmaximierung ein herausragendes Schutzgebiet tiefgreifend entwertet.
Eine Wiederherstellung/-Regeneration der in den zitierten Gutachten dokumentierten, im Gebiet noch vor wenigen Jahren vorhandenen, waldökologischen Funktionen wird selbst bei sofortiger Einstellung weiterer forstlicher Eingriffe im Gebiet erst innerhalb von 70 bis 100 Jahren vorstellbar.
Was in fast allen hessischen, dem besonderen Natura 2000-Schutz unterstellten Waldschutzgebieten seit der massiven Intensivierung der forstwirtschaftlichen
Nutzung innerhalb der letzten wenigen Jahre geschehen ist und weiter abläuft, entspricht damit nicht im geringsten den verbindlich festgelegten europäischen
Schutz- und Entwicklungszielen und deren definierten rechtlichen Grundlagen.
Diese werden von der traditionell sehr eigenständig agierenden Forstpartie bisher weitgehend bis vollständig ignoriert. Außerhalb der Forstverwaltung angesiedelte,
Forst-unabhängige Kontrollinstanzen mit entsprechender Entscheidungskompetenz existieren nicht, ihre Einrichtung wäre nach nunmehr über 300-jährigem freiem
Schalten und Walten der Forstwirtschaft auf heute über 40% der Landesfläche dringendst geboten.
Kein Einzelfall, sondern gängige Praxis
Die hier dokumentierte „Entwicklung“ eines Wald-FFH-Gebietes bzw. eines naturschutzfachlich herausragenden Teilgebietes des selben beschreibt zwar einen
besonders drastischen Einzelfall, spiegelt aber den noch die in nahezu allen Wald-FFH-Gebieten Hessens gängige Praxis der „Gebietsbehandlung“ durch HessenForst
wieder, mit ihren entsprechend tiefgreifenden negativen Folgen für die mit besonderem Schutz ausgestatteten Waldökosysteme der Natura 2000-Kulisse.
Mit Ausnahme meist lächerlich kleiner Wald-Naturschutzgebiete und Altholzinseln sowie dem vordergründigen „Kernflächenkonzept“ von HessenForst sowie dem 18
Jahre von der hessischen Forstverwaltung bekämpften Nationalpark Kellerwald findet diese Entwicklung überall im hessischen Staats- und Körperschaftswald statt.
Denn was hier, beispielhaft und mit belastbaren Daten hinterlegt, aufgezeigt werden konnte und musste, spielt sich in fast allen FFH-Wald- und Vogelschutzgebieten
Hessens, aber auch der anderen Bundesländer, in vergleichbarem Maße ab. An hessischen Waldschutzgebieten können hier auswahlweise die weiteren, gut
dokumentierten Negativ-Beispiele von FFH-Gebieten aufgeführt werden:
Gebiets-Nr. 5017-302 „Sackpfeife“,
Gebiets-Nr. 4719-303 „Dalwigker Holz“,
...." (S.10)

Und weiter:
"Angesichts der hier aufgezeigten Entwicklung in hessischen Wäldern bleibt kaum noch Zeit, um die verbliebenen Reste naturnaher, ökofunktional hochwertiger
buchen-dominierter Wälder in Hessen (bzw. der Bundesrepublik Deutschland!) zu sichern!
Wenn selbst innerhalb der hochrangigsten europäischen Schutzgebietskulisse die Sicherung und Erhaltung der definierten Schutzgüter im Kampf gegen kurzfristiges
Gewinnstreben nicht gelingt, so ist dies ein furchtbares Armutszeugnis für alle in die Bewahrung unseres Natur- und Kulturerbes eingebundenen Entscheidungsträger.
Es ist höchste Zeit, endlich zu Handeln und dem weiteren Raubbau an unseren letzten alten Wäldern Einhalt zu gebieten!
Dieser Appell richtet sich an die verantwortlichen EU-Gremien, die zuständigen politischen Entscheidungsträger auf Landes- und Bundesebene, die maßgeblichen
Naturschutzverbände Hessens und nicht zuletzt an die Forstpartie selbst !" (S. 12)

Es sind also alles andere als Übertreibungen von Umweltschützern, die immer etwas zu meckern haben, denen man es nie recht machen kann.

Ja aber, werden viele denken, das kann doch alles gar nicht sein. Hier bei uns?!?!
Da würden doch die Naturschutzbehörden eingreifen, und überhaupt, so benehmen sich ehrenwerte deutsche Forstverwaltungen mit ihren fleißigen, nachhaltig wirtschaftenden Förstern doch nicht!

Nun, leider benehmen sich die Forstverwaltungen allzu oft doch so, die Beweislage ist erdrückend.
Wo die Naturschutzbehörden bleiben, ist das große Rätsel.

Zum Schluss noch einen aufrüttelnden Satz aus einem Kommentar von Herrn Weber vom 17.1.2014 (auf seiner Facebook-Seite "Waldwahrheit"):

"(...) Es bleibt spannend, aber wir haben keine Zeit mehr. Alte Bäume in wirksamer Größenordnung gibt es bereits jetzt kaum mehr und wirklich alte Wälder schwinden in Deutschland schneller, als sich Politik und Gesellschaft vorstellen können."


ALTE BÄUME IN WIRKSAMER GRÖSSENORDNUNG GIBT ES BEREITS JETZT KAUM MEHR

UND WIRKLICH ALTE WÄLDER SCHWINDEN IN DEUTSCHLAND SCHNELLER,

ALS SICH POLITIK UND GESELLSCHAFT VORSTELLEN KÖNNEN.


Es war allerallerhöchste Zeit für die Report-Mainz-Reportage, doch diese ist bei weitem noch nicht ausreichend.

Hoffentlich verschwindet für die Medien dieses Thema nicht postwendend wieder in der Versenkung.
Andere Themen sind soviel dankbarer... obwohl doch eigentlich längst nicht so folgenschwer.



3-mal bearbeitet. Zuletzt am 11.03.14 10:48.

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Re: Kahlschlag im Buchenwald: Wie Bundesländer ihre Wälder zu Geld machen
geschrieben von: hutan ()
Datum: 25. Februar 2014 22:54

Haben alle noch den empörten Brief "Ein Tiefpunkt der journalistischen Berichterstattung"
(bezogen auf die Report Mainz-Reportage) vom Chef der Bayerischen Staatsforstverwaltung, Herrn Windisch, im Kopf?

Bevor groß gesucht werden muss - hier ist er nochmal:

Hier also noch einmal zum Nachlesen
(Zitat Anfang:)


"Ein Tiefpunkt der journalistischen Berichterstattung" - Georg Windisch, Leiter der Bayerischen Forstverwaltung,
zur ARD-Sendung „REPORT Mainz“ am 04.02.2014 „Kahlschlag im Buchenwald“:

Sehr geehrte Damen und Herren,
liebe Kolleginnen und Kollegen,

dass engagierte Naturschützer einen leidenschaftlichen, aber eben oft auch einseitigen Blick auf Wald und Forstwirtschaft haben, ist bekannt und niemandem vorzuwerfen. Auch wir Förster „brennen“ für den Wald, denn eine nachhaltige und naturnahe Bewirtschaftung dieses faszinierenden Ökosystems stellt eine Fülle lebenswichtiger Leistungen für den Menschen bereit, ohne der Natur zu schaden. Zu diesen Leistungen gehört selbstverständlich auch der Rohstoff Holz, denn angesichts Klimaschutz, Energiewende und Rohstoffwende sind Mensch und Wirtschaft dringend darauf angewiesen, künftig mehr denn je. Die Kunst der Forstwirtschaft besteht darin, die unterschiedlichen und oft auch widersprüchlichen Belange aufzugreifen, abzuwägen und im Lichte der standörtlichen Möglichkeiten bestmöglich auszubalancieren. Kein berechtigter Belang darf hinten runter fallen, kein Einzelinteresse – und sei es noch so gut gemeint! – sich ohne Blick aufs Ganze einseitig durchsetzen.

Wer als Forstfrau und Forstmann oben genannte „Reportage“ gesehen hat und die Realitäten im Land kennt, wird sich vorgekommen sein „wie im falschen Film“. Das Staatsministerium hat vorab detaillierte Fragen schriftlich beantwortet – im Film ohne jede Berücksichtigung. Die Bayerischen Staatsforsten haben umfangreiche Hintergrundinformationen geliefert – im Film, wie Karl Valentin sagen würde, „nicht mal ignoriert“. Die Aufgabenverteilung und Rollen von Staatsforsten und Forst-verwaltung wurden – trotz Erläuterung – verdreht bzw. ausgeblendet. Mein einstündig gefilmtes Interview – reduziert auf einen einzigen, völlig aus dem Zusammenhang gerissenen Satz. Stattdessen immer wieder apokalyptische Reiter: Hunderte von Vogel-, Pflanzen- und Pilzarten akut gefährdet, alte Buchen vor dem Aussterben, wertvollste Schutzgebiete systematisch und absichtlich zerstört. Alles aus Geldgier, für den schnellen Profit, verramscht nach China. Die Forstwirtschaft als das Böse.

Mehr Klischee geht nicht, weniger objektive Berichterstattung auch nicht. Wer wegen wiederholtem Eindringen in den lebensgefährlichen Fällbereich von Hiebsmaßnahmen schließlich mit einer zugegebenermaßen „deutlichen Ansage“ bedacht wird, legt es wohl darauf an. Wer arglose LKW-Fahrer die jährlichen Exportmengen schätzen lässt, die mitgeteilten konkreten Zahlen jedoch verschweigt, handelt zumindest grob fahrlässig. Wer immer wieder Kiefern-Baumstümpfe zeigt als Beleg für die Vernichtung alter Buchenwälder, verkauft Zuschauer für dumm.

Die Forstwirtschaft ist eine immerwährende Suche nach dem bestmöglichen Kompromiss, mit der Natur und mit den gegensätzlichen, sich wandelnden Ansprüchen der Menschen. Insoweit ist es normal, dass wir alle in der Öffentlichkeit beobachtet, beurteilt, manchmal gelobt und immer wieder auch kritisiert werden. Jedes Urteil sollte aber auf einer fairen Beweisaufnahme beruhen und offensichtliche Fakten nicht verschweigen oder gar verdrehen. Wenn Sie von besorgten Bürgern auf die-sen Fernsehbericht oder auf konkrete Begebenheiten in den örtlichen Wäldern angesprochen werden, bitte ich Sie, zwei Botschaften in den Mittelpunkt zu stellen: 1. Die Fernsehsendung verbreitete ein Zerrbild. 2. Wer Fragen oder Sorgen zu „seinem“ Wald hat, findet bei uns Försterinnen und Förstern aufmerksame Zuhörer und bereitwillige Auskunftgeber. Mit dem Bürger gemeinsam im Wald erkennt man am besten, worüber sich alle freuen können, was aus guten Gründen akzeptiert werden muss und was man künftig besser machen kann.

Mit freundlichen Grüßen
Georg Windisch

(Zitatende)

-------------

Warum zitiere ich diesen Brief nun SCHON WIEDER?
Bald können wir diese "Perle einer Antwort" auf einen (angeblichen!) "Tiefpunkt der journalistischen Berichterstattung" auswendig aufsagen...

Weil ich ihn diesem in meinen Augen sehr sehr gut geschriebenen, 10-seitigen Hintergrundpapier
(gemeinsam verfasst vom BUND Naturschutz und Greenpeace) gegenüberstellen möchte!

Bitte googeln (es ist und bleibt schade, dass man nicht direkt verlinken darf...):
bund naturschutz pm-052-13 hintergrundpapier
(bei der google-Auswahlliste dann oben auf "pro-nationalpark-steigerwald" klicken, da ist das Dokument eingestellt)

Darin z.B.:

"Eine einseitige Fixierung der Landespolitik an den Holzerträgen aus den Staatswäldern führte in Bayern zu Gründung der Bayerischen Staatsforsten AöR. (...) Die schädlichen Folgen waren bald zu sehen: der Staatswald wird immer mehr zum maschinengerechten Wald. Sichtbar wird dies an dem immer dichter werdenden Netz an Maschinenwegen, die alle 20 bis 30 Meter den Staatswald durchziehen und mittlerweile bis zu 20 % der Waldfläche ausmachen. Es gibt immer wieder
massive Holzeinschläge bis hin zu Kahlschlägen, immer wieder Bodenschäden durch schwere Holzerntemaschinen und Einschläge von Biotopbäumen und von ökologisch wertvollen alten Bäumen zu beklagen. Diese nicht vorbildliche und am Gemeinwohl ausgerichtete Waldwirtschaft der BaySF wurde von Naturschutzverbänden, vielen Waldbesuchern und Kommunen vielfach kritisiert. Trotz des arf-Evaluierungsberichtes (2010)1 zu den BaySF, der etliche
Defizite und großen Änderungsbedarf aufgezeigt hat, hat sich in der Praxis wenig geändert."

"(...) Diese Ausrichtung der staatlichen Forstwirtschaft entspricht nicht den Vorgaben des Bundesverfassungsgerichts (BVerfG), denn die: „Bewirtschaftung des
Körperschafts- und Staatswaldes dient der Umwelt- und Erholungsfunktion des Waldes, nicht der Sicherung von Absatz und Verwertung forstwirtschaftlicher Erzeugnisse.“ (BVerfG, Urt. v.31.05.1990, NVwZ 1991, 53). Gegen dieses Urteil des Bundesverfassungsgerichtes wird in der heutigen Praxis der Staatswaldbewirtschaftung in vielen Fällen verstoßen und damit der kurzfristigen Profiterzielung zu Lasten des Naturkapitals ein unzulässiger Vorrang eingeräumt.
Dies wird an dem Leitspruch des BaySF-Vorstandsvorsitzenden Rudolf Freidhager deutlich, dass am Ende des Tages eben „nur der verdiente Euro“ zählt. Dabei sind die BaySF nicht Eigentümer des Waldes, sondern bewirtschaften den Staatswald lediglich im Niesbrauch (als Recht zur Nutzung und zur „Fruchtziehung“) nach den Vorgaben des Waldgesetzes. Der Eigentümer des Waldes ist nach wie vor der Staat und damit die Bürgerinnen und Bürger."

"Die Biodiversitätskonvention von Rio de Janeiro gibt völkerrechtsverbindlich für Deutschland und damit auch für Bayern Ziele und Umsetzungsschritte zum Schutz der Biodiversität vor. So ist in Artikel 6 verbindlich festgelegt, dass die Nationalstaaten nationale Biodiversitätsstrategien entwickeln müssen. Deshalb hat die Bundesregierung von Bundeskanzlerin Merkel 2007 mit Zustimmung der damaligen Kabinettsmitglieder Horst Seehofer und Michael Glos eine Nationale Biodiversitätsstrategie (NBS) beschlossen. Als Kernelement wurde dort festgeschrieben, dass bis 2020 zehn Prozent der öffentlichen Wälder einer natürlichen Entwicklung zu überlassen sind. Am 07. 10. 2010 hat auch der Bundestag die Nationale Biodiversitätsstrategie fraktionsübergreifend befürwortet und eine
zügige Umsetzung gefordert. Damit handelt es sich mit der NBS um die Umsetzung einer völkerrechtlich verbindlichen Vorgabe, die auch Bayern beachten muss. Doch die Staatsregierung weigert sich bisher gegen eine Umsetzung der NBS in Bayern, obwohl dies gegen Deutschlands internationale Verpflichtung verstößt
. Sie verweist auf eine nachhaltige Waldbewirtschaftung auf ganzer Fläche, in deren Kielwasser angeblich alle Waldfunktionen ausreichend erfüllt werden
sollen. Die Nationale Biodiversitätsstrategie wurde aber vor dem Hintergrund formuliert und beschlossen, dass bewirtschaftete Wälder nicht die gleichen Funktionen erfüllen können, da die zweite Lebenshälfte der Bäume in der Regel völlig fehlt. Unbewirtschaftete Wälder, z.B. in Nationalparken oder Naturwaldreservaten, sind durch einen großflächigen Anteil von Alters- und Zerfallsphasen daher für den vollständigen Schutz der Artenvielfalt und den Schutz naturnaher Waldökosysteme zwingend notwendig."

"Die Öffentlichkeit, interessierte Verbände und selbst BaySF-Beiratsmitglieder erhalten vom BaySF-Vorstand selbst auf Nachfrage keine oder oft nur unzureichende Informationen. Die BaySF hat sich zu einem intransparenten Forstunternehmen entwickelt. (...) Das Motto für den Umgang mit den Bürgerinnen und Bürgern legt der Vorstandsvorsitzende R. Freidhager mit seinem Leitspruch - wir veröffentlichen nur das, was wir müssen, und nicht mehr - fest. Informationen werden unter dem Hinweis auf „betriebsinterne Daten“ nicht herausgegeben. (...) Die BaySF haben sich zu einem bürgerfernen und intransparenten Unternehmen, zu einem „Staat im Staate“, entwickelt."

Klar, die Staatsforsten werden immer sagen, "Das stimmt ja alles gar nicht!" bzw. "Das muss so sein".
Stimmt aber leider sehr wohl, und muss eigentlich überhaupt nicht so sein, wie es nun ist und wie die Dinge gehandhabt werden.
Habe ja hier nur ganz wenige Stellen aus den 10 Seiten zitiert, dort werden diese Aussagen ja noch gut begründet.

Die Frage ist: WARUM akzeptieren wir dies, den "Staat im Staate", der mit den ihm anvertrauten Bürgerwäldern alles andere als sorgsam und pfleglich umgeht?
Warum klären die Medien die Bevölkerung nicht in weit größerem Maßstab auf?
Warum wird dies von den Parteien, die auf Umweltschutz relativ großen Wert legen, nicht thematisiert?

Das verstehe wer will.

Nun, allmählich rückt dieses Thema vielleicht doch etwas mehr in den Focus,

hofft

hutan

der all dies immer noch nicht fassen kann.

(Heute kamen im Radio wieder Meldungen über die sehr erfreulich gute wirtschaftliche und finanzielle Situation unseres Landes -
aber natürlich brauchen wir die Einnahmen aus dem Holzverkauf gaaaaanz furchtbar dringend!!!)



1-mal bearbeitet. Zuletzt am 25.02.14 23:02.

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Re: Kahlschlag im Buchenwald: Wie Bundesländer ihre Wälder zu Geld machen
geschrieben von: hutan ()
Datum: 27. Februar 2014 09:19

In einem GEO Special-Heft über Nationalparks in den USA gibt es auch einen Artikel über die Mammutbäume Kaliforniens, "Der Wald der Giganten". Da steht auf S.81: "1977 fordert ein Abgeordneter, den Nationalpark um den Redwood Creek zu erweitern, dessen Wasser für die Bäume im Park lebenswichtig ist. Die Holzindustrie schickt nun Bulldozer-Teams rund um die Uhr in die Wälder, um so viele Bäume wie möglich zu fällen, bevor Präsident Jimmy Carter das Gesetz zur Parkerweiterung im März 1978 unterzeichnet".

Ach ja, da steht auch noch "außerhalb der Parks wird weiter geholzt".

Diese Amerikaner aber auch.

Zum Glück ist das bei uns in Deutschland ja gaaaaaaaaanz anders.

Die Blockierung - oder sagen wir lieber: (auffällige) Verzögerung - der Umsetzung der Nationalen Biodiversitätsstrategie mit der Ausweisung von 10% nutzungsfreier Waldgebiete im deutschen Staatswald bis 2020, die (auffälligen) Fällaktionen alter Bäume in FFH-Gebieten, etwa auch in Gebieten unmittelbar angrenzend an Schutzgebieten und Nationalparks, etwa im Hohen Keller beim Kellerwald oder Waldgebiete bei den Heiligen Hallen, oder oder und und und etc pp, das hat natürlich in keinster Weise etwas mit "schnell noch das Holz rausholen, bevor da dann 2020 am Ende die Säge schweigen muss" zu tun, klaro.

Hier bei uns doch nicht!

Oder - doch?



1-mal bearbeitet. Zuletzt am 27.02.14 14:49.

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Re: Kahlschlag im Buchenwald: Wie Bundesländer ihre Wälder zu Geld machen
geschrieben von: hutan ()
Datum: 11. März 2014 11:06

Interessant in diesem Zusammenhang - erst nutzen, dann irgendwann nach der erfolgten Nutzung die Waldflächen stillegen (s. vorhergehender Post vom 27.2.) - ist folgende Website vom "Rat für nachhaltige Entwicklung":

man googele: nachhaltigkeitsrat (punkt) de , news (minus) nachhaltigkeit , deutschlands schwerer weg zu mehr urwald

Darin heißt es u.a.:

"Das Thema wird sehr kontrovers diskutiert. So lehnt die Arbeitsgemeinschaft Deutscher Waldbesitzerverbände (AGDW) mit seinem Präsidenten Philipp Freiherr zu Guttenberg weitere Waldstilllegungen ab. Das Argument des bundesweiten Dachverbandes von nach eigenen Angaben zwei Millionen privaten und kommunalen Waldbesitzern: Biodiversität sei auch in den genutzten Wäldern gewährleistet. In die Kerbe schlägt auch die Arbeitsgemeinschaft Rohholzverbraucher (AGR) und die Deutsche Säge- und Holzindustrie: Mehr als 18 Prozent der deutschen Waldfläche dürften nur eingeschränkt genutzt werden, zudem hätte die NWE5-Statistik nicht erfasst, dass viele privaten Waldbesitzer ihre Güter aus ideellen, ökologischen oder wirtschaftlichen Gründen nicht nutzen würden.

Um was für Summen es geht, macht eine simple Rechnung im NWE5 deutlich: Allein die 1,9 Prozent nicht genutzter Waldflächen haben einen Verkehrswert von 3,9 Milliarden Euro, würde man sie wieder bewirtschaften."

Da kann man sich ausrechnen, welche Summen den Landesforsten entgehen, wenn man noch weitere 8,1% der Waldflächen aus der Nutzung nimmt.
Also vorher schnell noch "ernten"!

Privatforst wäre von dem Waldflächen-Nutzungsverzicht übrigens gar nicht betroffen:

"In der Nationalen Biodiversitätsstrategie ist festgelegt, dass ein Zehntel der Fläche der öffentlichen Wälder aufgrund ihrer besonderen Gemeinwohlfunktion dauerhaft ihrer natürlichen Entwicklung zu überlassen sind. Damit kann das 5%-Ziel der Bundesregierung auch ohne Flächen aus dem Privatwald erreicht werden"

Daher ist nicht verständlich, warum Waldbesitzervereinigungen sich derart vehement gegen den Nutzungsverzicht in den - ohnehin öffentlichen - Wäldern aussprechen.

Optionen:  AntwortenZitieren
Re: Kahlschlag im Buchenwald: Wie Bundesländer ihre Wälder zu Geld machen
geschrieben von: hutan ()
Datum: 13. März 2014 22:46

Wir erinnern uns an den Brief "Ein Tiefpunkt der journalistischen Berichterstattung", den der Leiter der Bayerischen Forstverwaltung, Georg Windisch, als Antwort auf die Report-Mainz-Sendung geschrieben hat - habe ihn (wieder mal ;) ) siehe unten - kopiert und an meinen Post angehängt.

Bekanntlich sagte Herr Windisch, in der Reportage werde zwar irgendetwas von der angeblichen Zerstörung von alten Buchenwäldern gesagt, aber es würden jede Menge Kiefern gezeigt - also "Wer immer wieder Kiefern-Baumstümpfe zeigt als Beleg für die Vernichtung alter Buchenwälder, verkauft Zuschauer für dumm."

Nun, wer so argumentiert, verkauft die Menschen auch für dumm, fürchte ich.

Was ist denn der Stand der Dinge?

Dies ist der Stand der Dinge:
Man googele "greenpeace spessart buchen 2014" bzw. "greenpeace setzt waldkartierung im spessart fort".

Was ist los?

Zitat Anfang:

"Greenpeace beginnt heute mit einer Kartierung schützenswerter Buchenwälder im Forstbetrieb Hammelburg nördlich von Würzburg. Die AktivistInnen starten die Vermessung in einem etwa 200 Jahre alten Buchenwald, in dem kürzlich eingeschlagen wurde (Link aufgrund der Forumsregeln entfernt). „Wieder einmal zeigt sich, dass die Wälder im bayerischen Spessart noch immer nicht ausreichend geschützt sind“, sagt Gesche Jürgens von Greenpeace. Alte Buchenwälder sind in Deutschland äußerst selten. Laut Bundesamt für Naturschutz (Bfn) sind weniger als ein Prozent der rund elf Millionen Hektar Waldfläche in Deutschland Buchenwälder, die älter als 160 Jahre sind.

Um zu wissen, wo sich die alten und schützenswerten Wälder Bayerns befinden, hatte Greenpeace bereits 2012 Daten über die öffentlichen Wälder angefragt. Doch der bayerische Forstminister Helmut Brunner (CSU) weigert sich, die Daten herauszugeben. Mit der Kartierung stellt Greenpeace Transparenz über die öffentlichen Wälder her. Die Ergebnisse werden im Anschluss an die Kartierung veröffentlicht. Bereits 2012 und 2013 hat Greenpeace schützenswerte Wälder in den Forstbetrieben der Bayerischen Staatsforsten Rothenbuch und Heigenbrücken kartiert. „Der Forstminister behandelt die Bürgerwälder Unterfrankens wie ein Staatsgeheimnis“, sagt Jürgens. „Bei jedem Waldbegang sehen wir, dass im Spessart weitere einmalige Buchenwälder systematisch in Industrieforste umgewandelt werden.

Greenpeace fordert einen Einschlagstopp für öffentliche Buchenwälder, die älter als 140 Jahre sind, bis ein Schutzgebietskonzept erarbeitet und umgesetzt ist. Im vergangenen Jahr hatte Brunner einen Runden Tisch zum Spessart angesetzt, dann aber kurzfristig auf unbestimmte Zeit verschoben.
„Angesichts der unverminderten Holzeinschläge im Spessart ist die fehlende Dialogbereitschaft des CSU-Ministers ein Skandal“, so Jürgens.
„Wie lange will der oberste Forstaufseher Bayerns dem Verhökern alter Buchen durch den Vorstand der Bayerischen Staatsforsten noch zusehen?“

Es gibt nach wie vor kein Konzept seitens der Bayerischen Landesregierung, welche Waldgebiete im Staatswald langfristig nicht mehr bewirtschaftet werden sollen. Die Bundesregierung fordert im Rahmen der Nationalen Biodiversitätsstrategie zehn Prozent der öffentlichen Wälder rechtlich verbindlich als Wildnisflächen zu schützen. „Die CSU-Landesregierung ignoriert den Beschluss Deutschlands, bis 2020 zehn Prozent der Wälder aus der forstlichen Nutzung zu nehmen und schlägt auch in den noch schützenswerten Beständen einfach weiter ein.“ sagt Gesche Jürgens von Greenpeace."

(Zitat Ende)

Die alten Bäume werden mit GPS vermessen und in eine Karte eingetragen und dokumentiert, welche Baumart, ob Biotop-Baum etc.

In einen derart seltenen, derart ökologisch wertvollen 200 Jahre alten Bestand einzuschlagen, ist ein Skandal.

Der ungehört verhallt, die 5,5 Minuten von Report Mainz hin oder her - jetzt erst recht, lautet wohl die Devise.

"Hunderte von Vogel-, Pflanzen- und Pilzarten akut gefährdet, alte Buchen vor dem Aussterben, wertvollste Schutzgebiete systematisch und absichtlich zerstört. Alles aus Geldgier, für den schnellen Profit, ... Mehr Klischee geht nicht, weniger objektive Berichterstattung auch nicht. ", schreibt Herr Windisch.

Klischee, unobjektive Berichterstattung? Schön wär's.

Es ist die bittere Wahrheit.

Schutz NACH Nutzung - geschützt wird das, was dann nach dem Raubbau noch übrig geblieben sein wird, im Jahr 2020.

Es ist ein Armutszeugnis, für unser so reiches Land,

meint

hutan

traurig, aber auch - angewidert, von diesem Verhalten der Staatsforsten und des Forstministers, ganz ehrlich

(seien wir ehrlich: Der bayerische Herr Land-Bayern-Forstminister ist verhält sich wie eine Marionette der Forstlobby.
Ob der neue bayerische Herr Bundesforstminister etwas anderes sein wird?
Wohl kaum.)


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"Ein Tiefpunkt der journalistischen Berichterstattung" - Georg Windisch, Leiter der Bayerischen Forstverwaltung,
zur ARD-Sendung „REPORT Mainz“ am 04.02.2014 „Kahlschlag im Buchenwald“:

Sehr geehrte Damen und Herren,
liebe Kolleginnen und Kollegen,

dass engagierte Naturschützer einen leidenschaftlichen, aber eben oft auch einseitigen Blick auf Wald und Forstwirtschaft haben, ist bekannt und niemandem vorzuwerfen. Auch wir Förster „brennen“ für den Wald, denn eine nachhaltige und naturnahe Bewirtschaftung dieses faszinierenden Ökosystems stellt eine Fülle lebenswichtiger Leistungen für den Menschen bereit, ohne der Natur zu schaden. Zu diesen Leistungen gehört selbstverständlich auch der Rohstoff Holz, denn angesichts Klimaschutz, Energiewende und Rohstoffwende sind Mensch und Wirtschaft dringend darauf angewiesen, künftig mehr denn je. Die Kunst der Forstwirtschaft besteht darin, die unterschiedlichen und oft auch widersprüchlichen Belange aufzugreifen, abzuwägen und im Lichte der standörtlichen Möglichkeiten bestmöglich auszubalancieren. Kein berechtigter Belang darf hinten runter fallen, kein Einzelinteresse – und sei es noch so gut gemeint! – sich ohne Blick aufs Ganze einseitig durchsetzen.

Wer als Forstfrau und Forstmann oben genannte „Reportage“ gesehen hat und die Realitäten im Land kennt, wird sich vorgekommen sein „wie im falschen Film“. Das Staatsministerium hat vorab detaillierte Fragen schriftlich beantwortet – im Film ohne jede Berücksichtigung. Die Bayerischen Staatsforsten haben umfangreiche Hintergrundinformationen geliefert – im Film, wie Karl Valentin sagen würde, „nicht mal ignoriert“. Die Aufgabenverteilung und Rollen von Staatsforsten und Forst-verwaltung wurden – trotz Erläuterung – verdreht bzw. ausgeblendet. Mein einstündig gefilmtes Interview – reduziert auf einen einzigen, völlig aus dem Zusammenhang gerissenen Satz. Stattdessen immer wieder apokalyptische Reiter: Hunderte von Vogel-, Pflanzen- und Pilzarten akut gefährdet, alte Buchen vor dem Aussterben, wertvollste Schutzgebiete systematisch und absichtlich zerstört. Alles aus Geldgier, für den schnellen Profit, verramscht nach China. Die Forstwirtschaft als das Böse.

Mehr Klischee geht nicht, weniger objektive Berichterstattung auch nicht. Wer wegen wiederholtem Eindringen in den lebensgefährlichen Fällbereich von Hiebsmaßnahmen schließlich mit einer zugegebenermaßen „deutlichen Ansage“ bedacht wird, legt es wohl darauf an. Wer arglose LKW-Fahrer die jährlichen Exportmengen schätzen lässt, die mitgeteilten konkreten Zahlen jedoch verschweigt, handelt zumindest grob fahrlässig. Wer immer wieder Kiefern-Baumstümpfe zeigt als Beleg für die Vernichtung alter Buchenwälder, verkauft Zuschauer für dumm.

Die Forstwirtschaft ist eine immerwährende Suche nach dem bestmöglichen Kompromiss, mit der Natur und mit den gegensätzlichen, sich wandelnden Ansprüchen der Menschen. Insoweit ist es normal, dass wir alle in der Öffentlichkeit beobachtet, beurteilt, manchmal gelobt und immer wieder auch kritisiert werden. Jedes Urteil sollte aber auf einer fairen Beweisaufnahme beruhen und offensichtliche Fakten nicht verschweigen oder gar verdrehen. Wenn Sie von besorgten Bürgern auf die-sen Fernsehbericht oder auf konkrete Begebenheiten in den örtlichen Wäldern angesprochen werden, bitte ich Sie, zwei Botschaften in den Mittelpunkt zu stellen: 1. Die Fernsehsendung verbreitete ein Zerrbild. 2. Wer Fragen oder Sorgen zu „seinem“ Wald hat, findet bei uns Försterinnen und Förstern aufmerksame Zuhörer und bereitwillige Auskunftgeber. Mit dem Bürger gemeinsam im Wald erkennt man am besten, worüber sich alle freuen können, was aus guten Gründen akzeptiert werden muss und was man künftig besser machen kann.

Mit freundlichen Grüßen
Georg Windisch

(Zitatende)

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2-mal bearbeitet. Zuletzt am 14.03.14 09:25.

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Re: Kahlschlag im Buchenwald: Wie Bundesländer ihre Wälder zu Geld machen
geschrieben von: hutan ()
Datum: 16. März 2014 06:44

Im vorangehenden Post weise ich auf die neue Kartierungsaktion von Greenpeace hin, die nun gerade im Spessart auf der Suche nach den alten Buchen durchgeführt wird. Hierzu habe ich einen neuen kleinen Fernseh-Beitrag gefunden, es lohnt sich, ihn anzusehen, es sind ohnehin wieder nur kurze paar Minuten. Leider ist es kein bekannter großer Sender, schade! Der kleine Doku-Film ist dennoch sehr gut gemacht. Man googele: urwald im spessart tv touring .

Da kommt zwar nicht eine Führungsperson der Staatsforsten zu Wort, aber dafür der Förster vor Ort, der auf der Nutzung alter Buchen beharrt.
Bäume sind zum ernten da, ist nach wie vor das Credo, also auch alte Buchen.

Dass diese alten Bäume und Waldflächen, die viele solche alten Buchen enthalten, von größtem ökologischen Wert sind, von größter Bedeutung für die Artenvielfalt sind, und derartige Waldflächen, wie von der Nationalen Biodiversitätsstrategie gefordert, aus der Nutzung genommen werden sollten - das fällt hierbei völlig unter den Tisch. Die Buchen fallen, oft sind es noch dazu nachweislich Biotopbäume, die ohnehin nicht mehr als bestes Holz verkauft werden können - das ist dann Brennholz. Der monetäre Wert eines solchen Baumes ist lächerlich, der ökologische Wert eines solchen Baumes ist dagegen sehr sehr hoch - GEWESEN.

Spechte? Fledermäuse? Totholzkäfer? Pilze, Flechten und und und?
Na und? Die (Brenn-)holznutzung ist da weitaus wichtiger.
Es geht schließlich ums Prinzip, der Natur keine zu große Fläche, nicht zuviele Bäume zu überlassen.
Der Wald gehört UNS = den Bayerischen Staatsforsten, er wird GENUTZT, punktum!

Dort auf der Fläche sieht man auch, wie dort inzwischen jede Menge schnellwachsender grüner Nadelbäume - Fichten? Douglasien? wachsen. Alte Buchen weichen (nicht immer, nicht überall, aber doch deutlich sichtbar) schnellwachsenden Nadelhölzern oder Eichenplantagen (sieht man jetzt nicht so im Film) - so verändert sich das gesamte Ökosystem, langsam aber sicher. Und auch wenn neue Buchen nachwachsen - es sind gerade die alten Buchenestände, die ökologisch so wertvoll sind. Die einen Lebensraum für derart viele Arten bieten. Junge Nadelbäume - ein solcher Wald wird dann ein weitaus artenärmerer Industrieforst.

Aber wir wissen ja, Bayern beharrt auf dem Geld aus dem Holzverkauf - der Gewinn der Bayerischen Staatsforsten von 70 Millionen wird ja nicht zuletzt dafür benötigt, um die Bayerische Staatsoper mit 59 Millionen Euro zu subventionieren.

Die von der Bundesregierung geforderte nationale Biodiversitätsstrategie, die auch beinhaltet, dass 10% der öffentlichen Wälder - und zwar die ökologisch wertvollsten Waldflächen aus Gründen des Artenschutzes - aus der Nutzung genommen werden, davon erwähnt auch hier der Förster wieder keine Silbe.

Ein radikaler Kurswechsel wäre jetzt auch verwunderlich gewesen, oder?
Welche Worte des zuständigen Försters waren denn zu erwarten?
Er weiß genau, was er zu sagen hat.
Und er weiß genau, was er zu tun hat:
Den Kurs des "Erntens" der alten Buchen unerbittlich beizubehalten, was eben auch bedeutet, dass dann u.a. 200 Jahre alte Biotopbäume daran glauben müssen.
Zum Wohle des Bayerischen Staatssäckels. Die Ziele der Bundesregierung, der Wunsch Frau Merkels hin oder her.

Genau das hat im Report-Mainz-Beitrag Prof. Niekisch ja so beklagt.

Stimmt also alles, was im Report-Mainz-Bericht gesagt wurde, dem Bericht, der angeblich ein Tiefpunkt der journalistischen Berichterstattung darstellt und die Zuschauer für dumm verkauft soll, laut Bayerischen Staatsforsten.

Dies ist symptomatisch für die Bereitschaft der Bayerischen Staatsforsten, sachlich auf fachlicher Ebene zu diskutieren - NO WAY.

Und da Landwirtschafts-und-Forst-Minister Brunner bei einer Diskussion mit Umweltschützern am Ende keine gute Figur machen könnte,
diskutiert er lieber gleich gar nicht (s. vorangegangenen Post)

Nicht reden, handeln lautet also die Devise der Bayerischen Staatsforsten.

Ob diese "Handlungen" in 10 Jahren rückblickend dem Bayerischen Staat zum Ruhme gereichen werden?
Wahrscheinlich ähnlich ruhmreich wie die Hypo Alpe Adria - da aber wurde nur (viel) Geld vernichtet,
hier dagegen wird Artenvielfalt, wird Natur vernichtet, die zu schützen sich die Bundesregierung völkerrechtlich bindend verpflichtet hatte.

Übrigens, ist die neue grammatikalische Form des Futur III bekannt?

Es handelt sich um eine neue grammatikalische Form, zur Beschreibung von Ereignissen, die in der Zukunft nach offizieller Sprachregelung eigentlich zutreffen / eintreten müssten, was aber nicht eintreffen wird, weil es ohnehin verschoben wird / nicht umgesetzt werden wird, aller entsprechenden wohlklingenden Bekundungen zum Trotz.
(man googele: der postillon neue zeitform des futur III eingeführt)

Einfach genial, dieser Futur III.
So lustig es ist, aber bitter wird es, was die Umsetzung der Nationalen Biodiversitätsstrategie anbelangt:
"Im Jahr 2020 werden im Rahmen der Nationalen Biodiversitätsstrategie in Deutschland 10% der öffentlichen Wälder aus der Nutzung genommen wären gewesen".
Es hat leider nie ernsthaft sollen sein.



3-mal bearbeitet. Zuletzt am 16.03.14 06:55.

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Re: Kahlschlag im Buchenwald: Wie Bundesländer ihre Wälder zu Geld machen
geschrieben von: hutan ()
Datum: 19. März 2014 17:38

Um nicht immer nur das südliche weiß-blaue Bundesland zu thematisieren, hier ebenfalls ein Beispiel für "ruhmreiche Taten" der niedersächsischen Staatsforsten:

Man googele "ovh hildesheim spechten bleibt nur noch der Abflug" und klicke dann bei der Liste unten auf den entsprechenden Zeitungsartikel vom 12.3.2014, also schön frisch, das ganze. Da geht es um Abholzungen im Naturschutzgebiet Finkenberg-Lerchenberg.

Zitat:
"Eigentlich war der Vogelkundler Alistair Hill auf der Suche nach mächtigen Horsten des Rotmilans, als er das Naturschutzgebiet am Lerchenberg durchstreifte. Doch was er dann entdeckte, macht ihn noch immer fassungslos und wütend zugleich. Auf weiter Fläche haben die Niedersächsischen Landesforsten mitten im Vogelschutzgebiet nahezu alle großen Rotbuchen gefällt. Damit, ist Hill überzeugt, haben nicht nur die seltenen Rotmilane ihre Horstbäume verloren, auch der Lebensraum der Spechte, die in diesem Wald zuhause sind, ist für Jahrzehnte massiv gestört.

Die bewaldeten Höhenzüge südwestlich von Hildesheim sind für den Naturschutz von außerordentlich großer Bedeutung, stehen auch deshalb gleich doppelt und dreifach unter Schutz: als EU-Floren- und Faunen-Habit (FFH), als EU-Vogelschutzgebiet und als Naturschutzgebiet. Diese artenreichen Wälder gibt es seit Jahrhunderten, viele seltene Tier- und Pflanzenarten leben in einem über Jahrzehntausende ausbalancierten Gleichgewicht - das gleichwohl auf Eingriffe äußerst sensibel reagiert.

Im Lerchenberg, dessen südlicher Zipfel bis Neuhof reicht, haben die Ornithologen alle sechs heimischen Spechtarten nachgewiesen: Neben Bunt- und Grünspechten leben hier auch die viel selteneren Mittel-, Klein-, Schwarz- und Grauspechte. Außerdem brüten in den Bäumen Schwarzstörche und Wespenbussarde. Die verschiedenen Spechtarten haben die Etagen des Waldes unter sich aufgeteilt und kommen sich so nicht ins Gehege. Alle Spechte brüten zwar in Baumhöhlen, doch Mittelspechte nur in dicken Bäumen, die mindestens 80 Jahre alt sind.Schwarzspechte sind noch anspruchsvoller, richten ihr Quartier nur in Bäumen ein, die in acht bis 20 Metern Höhe noch einen Stammdurchmesser von mindestens 40 Zentimetern haben. Um so mächtig zu werden, müssen die Bäume mindestens 100 Jahre alt sein. Doch genau diese Bäume bringen Forst- wirten auch den größten wirtschaftlichen Ertrag. Rigoros wurden nun genau diese Baumriesen gefällt. Was übrig geblieben ist, sind dürre Jungbäume. „Dieser Wald braucht mindestens 100 Jahre, bis er sich wieder erholt hat", schimpft Hill.

Mit seiner Kritik an den Landesforsten steht der Vogelkundler nicht allein: Er weiß nicht nur den OVH hinter sich, auch der Naturschutzbund (Nabu) und der Bund für Umwelt und Naturschutz (BUND) sind sauer. „Hier werden Fakten geschaffen, über die man nicht mehr zu diskutieren braucht", grollen die Verbände. Längst sollte es einen abgestimmten Erhaltungs- und Entwicklungsplan für die geschützten Buchen- und Eichenmischwälder geben. Während die Gespräche seit Jahren auf der Stelle treten, kreischen in Wäldern weiter die Motorsägen.

Das Argument, dass der Massezuwachs des Waldes größer sei als die entnommene Holzmenge, lässt die Naturschutzverbände nur verständnislos den Kopf schütteln; Ein dürrer Stangenwald ist für die Bewohner des natürlich gewachsenen Hochwaldes mit seinen verschiedenen Entwicklungsstadien ein verlorener Wald.

Der drastische Eingriff in das Naturschutzgebiet passierte wohl schon im Februar, wie eine Joggerin erzählt - viele der Stämme liegen aber noch immer auf dem Waldboden, wo bereits die Frühblüher ihre Blüten dem Licht entgegenrecken. Einige wenige Bäume sind mit einem weißen Kreuz gekennzeichnet - sie wurden deshalb nicht geschlagen. Der Naturschutz fordert nämlich, dass einige Baumriesen als Habitat-Baume erhalten bleiben müssen, um dem Jungholz Sonnenschutz zu geben und mit ihren Samen für die Verbreitung der Art zu sorgen.

Als Maren Burgdorf (OVH), Dieter Goy (Nabu) und Matthias Köhler (BUND) mit Alistair Hill sich diese angeblichen Habitat-Bäume genauer ansehen, fällt ihnen sofort auf, dass es sich fast nur um kränkliche, krumm gewachsene Bäume, oft mit stark beschädigter Rinde handelt. Einige haben nicht einmal mehr eine Krone, andere nur noch einzelne dürre Seitenäste, auf denen Schwarzstörche oder Milane kaum brüten dürften. Bislang standen die Bäume im Verbund mit gleichhohen Baumen geschützt vor Sonne und Sturm. Erfahrungen aus anderen Wäldern zeigten aber, dass sie, plötzlich so isoliert, meistens an Sonnenbrand eingingen, sagt Hill.

Auch die Vegetation der Buchenmischwälder mit Leberblümchen, Buschwindröschen und seltenen Orchideen wie Knabenkräutern, Zweiblatt oder Waldvöglein ist im Sommer auf das diffuse Licht unter dem geschlossenen Laubdach angewiesen. Praller Sonne ausgesetzt, gehen ihre Bestände in wenigen Jahren zugrunde. Wie eng die Abhängigkeit der verschiedenen Waldbewohner ist, können die Naturschützer auch an gefällten Bäumen erkennen. In mehreren dieser Stämme haben Spechte Bruthöhlen geschlagen, die nicht nur ihnen dienen, sondern auch von anderen Vogelarten, von Fledermäusen und Buchen wie dem Siebenschläfer bewöhnt werden. Horst- und Dtammhöhlenbäume zu schlagen, verbiete das Naturschutzgesetz daher ausdrücklich. In einer Höhle finden die Naturschützer Reste eines Nests vom Vorjahr, ein paar Meter weiter liegt ein abgestürztes Vogelnest, an dem offenbar schon gebaut wurde, wie das frische Moos erkennen lässt.„ Der Wald hier wird genutzt wie ein Wirtschaftswald, nicht wie ein Naturschutzgebiet", ärgert sich Hill. „Dabei ist dieses Gebiet einmalig in Südniedersachsen.

Das Vorgehen der Forst könnte sich mit dem Holzpreis erklären lassen. Der Preis für Buchenstammholz liege seit einiger Zeit stabil auf sehr hohem Niveau, sagt die Landwirtschaftskammer Niedersachsen. Für einen Festmeter Buchen-Stammholz würden bis zu 129 Euro erzielt. "
(Zitat Ende)

- wie Bundesländer ihre Wälder zu Geld machen, lautete der Untertitel der Report Mainz-Kurzreportage.

Bayern und bei weitem nicht nur der Spessart, Hessen und bei weitem nicht nur der Hohe Keller, Niedersachsen und bei weitem nicht nur dieses Beispiel -
landauf, landab Beispiele zuhauf.

Er hat völlig recht, mit dem was er in der Report Mainz-Reportage sagt, der Prof. Niekisch.

Was man nicht versteht, ist - wo bleiben die Naturschutzbehörden? Was macht eigentlich das Bundesamt für Naturschutz? Das Umweltministerium?
Alle im Tiefschlaf?
Alle eingelullt von der Dauer-Leier der Forstwirtschaft, alles nachhaltig und in allerbester Ordnung?

Oder sorgt die Forstwirtschaft manchmal mit etwas "herberen" Methoden dafür, dass sie bitteschön in Ruhe gelassen wird, bei ihrem selbstherrlichen Schalten und Walten?

Zum Glück ist es ja nicht immer und überall so.

Es gibt durchaus auch sehr verantwortungsbewusste Forstbetriebe und Förster, die auch den Naturschutz nach Kräften berücksichtigen.

Bayern, Hessen und leider auch immer noch Niedersachsen (die neue Regierung hat die Staatsforsten immer noch nicht in den Griff bekommen) setzen leider Negativ-Maßstäbe für die sogenannte (extrem "dehnbare") "ordnungsgemäße Forstwirtschaft".

Wahrlich kein Ruhmesblatt für die entsprechenden Landesforstgesellschaften, wahrlich nicht.



1-mal bearbeitet. Zuletzt am 19.03.14 17:39.

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Re: Kahlschlag im Buchenwald: Wie Bundesländer ihre Wälder zu Geld machen
geschrieben von: hutan ()
Datum: 20. März 2014 10:36

Es sind zum Glück nicht alle Bundesländer, die sich, was die "ordnungsgemäße Forstwirtschaft" anbelangt, derart mit "Ruhm bekleckern".

Im Saarland zum Beispiel - ganz gleich, was man sonst vom Saarland halten mag - bekam SaarForst vom NABU eine Auszeichnung für vorbildliche Waldbewirtschaftung, das will schon etwas heißen, heißt es doch sonst, die Umweltschützer zetern immer und überall aus Prinzip, und sei es noch so grundlos.
Der Landesbetrieb SaarForst hat auch bereits die "berühmten" 10% der öffentlichen Wälder aus der Nutzung genommen, etwas, was zur Zeit in Bayern, Hessen und Niedersachsen etwa noch absolut undenkbar ist.

Das Saarland hat auch eine sehr gute Biodiversitätsstrategie, man googele "saarforst (minus) saarland (punkt) d e , biodiversitätsstrategie für buchenwälder", klingt so ganz anders, als was Bayern da so von sich gibt, man denke nur an den unsäglichen Post vom CSU-Landtagsabgeordneten Max Gibis auf seiner Website:
(Zitat Anfang, Website Max Gibis, Aktuelles, Koalitionsvertrag: Keine pauschalen Flächenstillegungen in bayerischen Wäldern, 29.11.2013)
"In der vom damaligen Bundeskabinett beschlossenen Nationalen Biodiversitätsstrategie (NBS) ist das Ziel formuliert, 5% der gesamten Waldfläche und 10% der öffentlichen Wälder nicht mehr zu nutzen und der natürlichen Entwicklung zu überlassen. Diese Ziel verfolgen wir in Bayern nicht.

Bayern hat sich 2008 mit einer eigenen Biodiversitätsstrategie bewusst von der Bundesstrategie gelöst, weil wir den Ansatz des "Schützen und Nutzen auf gleicher Fläche" statt pauschaler Stilllegungen verfolgen. Die Tatsache, dass insgesamt in den bayerischen Wäldern deutlich weniger Holz geerntet wird als nachwächst, zeigt eindeutig, dass der bayerische Ansatz der Richtige ist. Nachhaltiges Wirtschaften unter Berücksichtigung der ökologischen, ökonomischen und sozialen Waldfunktion hat bei uns Tradition.

Im Rahmen der Koalitionsverhandlungen ist es unserem bayerischen Staatsminister für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten Helmut Brunner gelungen, eine ergänzende Formulierung im Koalitionsvertrag unterzubringen, so dass hinsichtlich der Schutzziele der Biodiversitätstrategie länderspezifische Konzepte unberührt bleiben. Wir können also weiterhin unsere bayerische Strategie anwenden, die statt pauschaler Stilllegungen den Ansatz des "Schützen und Nutzen auf gleicher Fläche" verfolgt."
(Zitat Max Gibis Ende)

Dieser unerschütterlicher Brustton der Überzeugung, "Die Tatsache, dass insgesamt in den bayerischen Wäldern deutlich weniger Holz geerntet wird als nachwächst, zeigt eindeutig, dass der bayerische Ansatz der Richtige ist", "begeistert" mich immer wieder. Alle anderen haben's nicht kapiert, nur wir! machen es richtig, und zwar EINDEUTIG! Wow. Dass manch ein Papst unfehlbar sein wollte, das hatte ich schon mitbekommen, aber dass auch die CSU sich für unfehlbar hält, naja... Und wer sich im Besitz der eindeutigen Wahrheit wähnt, ist sachlichen, anderslautenden Argumenten gegenüber natürlich nicht wirklich aufgeschlossen.

Das Saarland hingegen sieht die Dinge durchaus anders:

"Das Ökosystem Wald besitzt bestimmte allgemeine Eigenschaften, z.B. unterschiedliche Lebensräume, besondere Verhältnisse hinsichtlich Boden und Klima, angepasste Tier- und Pflanzengesellschaften mit bestimmten Arten und darüber hinaus spezifische ökosystemare Eigenschaften wie Stabilität, Selbstregulations- und Regenerationsfähigkeit. Das Ökosystem Wald hat aber auch verschiedene Funktionen, zum Beispiel Bodenschutz, Klimaschutz, Erholung und Erleben sowie kulturelle Aspekte. Ziele des Naturschutzes im Wald sind daher Erhaltung, Förderung und Entwicklung dieser mit dem Wald eng verbundenen Eigenschaften und der ökologisch sowie gesellschaftlich relevanten Wirkungen des Waldes.
Über die Ausweisung von geschützten Gebieten im Wald hinaus ist zur Erhaltung der natürlichen Biodiversität und zum Erreichen einer Trendwende beim Artenschwund die Integration von Naturschutzzielen in die Bewirtschaftung auf der gesamten Waldfläche erforderlich [..]. Der öffentliche Wald im Saarland wird seit
zwei Jahrzehnten auf der gesamten Fläche naturnah bewirtschaftet. Grundlage der Bewirtschaftung bildet die 1998 in Kraft gesetzte Richtlinie für die Bewirtschaftung des Staatswaldes im Saarland, die im Jahre 2008 überarbeitet und um eine Richtlinie zur Förderung und Erhaltung der Biodiversität im Staatswald des Saarlandes ergänzt wurde [..] (...)

Oberstes Ziel ist nicht mehr nur die Erhaltung der in der Region aufgrund ihrer Seltenheit spektakulären Arten und Lebensräume. Vielmehr rücken nun auch Arten und Lebensgemeinschaften in den Vordergrund, für deren Erhaltung die Region eine besondere Verantwortung trägt. Im Waldbereich sind dies vor allem die Rotbuchenwälder in ihren verschiedenen lokalen Ausprägungen, zumal das Saarland im Zentrum des Verbreitungsgebietes der Buchenwälder liegt. Dies erfordert von vielen Naturschützern, vor allem aber auch von Forstleuten einen Umdenkungsprozess. War man lange Jahre der Ansicht, dass die bei uns so weit verbreiteten Buchenwälder nicht besonders schützenswert sind, so gilt es jetzt – zumal im Internationalen Jahr der Wälder 2011 – zu verdeutlichen, dass diese Lebensräume im globalen Maßstab äußerst selten sind und Mitteleuropa in der Verpflichtung steht, alles für deren Schutz, Erhaltung und Entwicklung zu tun. Der SaarForst Landesbetrieb hat daher bereits vor einigen Jahren den Naturschutz im Wald zu einem herausragenden Betriebsziel ernannt [..] und eine Biodiversitätsstrategie
für Buchenwälder als Beitrag zu einer ökologisch und ökonomisch nachhaltigen Waldwirtschaft vorgelegt, die schrittweise umgesetzt wird."
(Zitat Ende, es folgen noch mehrere lesenswerte Seiten)

Seit Bildung der neuen Landesregierung soll ja nun auch in Hessen ein neues "Zeitalter" in Sachen Waldbewirtschaftung anbrechen, hier ein Auszug aus einem online-Artikel von Arne Löffel aus der Frankfurter Rundschau vom 19.3., "Qualitätssiegel für den Wald":

(Zitat:)
"Der 4500 Hektar große Stadtwald und die dortigen Erfahrungen könnten Blaupause für eine landesweite Entwicklung werden: Die schwarz-grüne Koalition im Landtag hat in ihrem Koalitionsvertrag die schrittweise FSC-Zertifizierung des hessischen Staatswaldes vereinbart. Dessen Gesamtfläche ist natürlich mit 342.986 Hektar ungleich größer als der Wiesbadener Wald, funktioniert aber nach denselben Mechanismen. Um das FSC-Zertifikat zu erhalten, muss sich bei Hessen-Forst also einiges ändern. (...)"

Hierzu ein kurzer Kommentar des Försters im Ruhestand, Herrn Karl-Friedrich Weber, auf seiner Facebook-Seite "Waldwahrheit":

(Zitat:)
" - Es kommt Bewegung in die rückwärtsgewandten Forsten der Länder - auf Bayern und Niedersachsen müssen wir noch warten.

Impulsgeber für diese Wälder, die den Bürgern gehören, ohne dass sie mitgestalten dürfen, sind überall in Deutschland die Kommunen mit ihren Wäldern. Sie werden stärker politisch bestimmt und kontrolliert und nehmen den fortschrittlichen Geist einer Gesellschaft auf, die dem Cluster Forst und Holz längst vorausgeht.

Und keine Frage, dass Koalitionen, an denen die Grünen beteiligt sind, oft, wenn auch längst nicht immer, diesen Prozess beflügeln."
(Zitat Ende)

In Niedersachsen haben die Grünen sehr zum Leidwesen der Naturschützer die Landesforsten noch nicht in Griff bekommen.

Es wird spannend, ob die Grünen in Hessen sich gegen die Forstpartie werden durchsetzen können.

Leider hat auch die SPD nicht immer ein glückliches "Händchen", etwa in Brandenburg:
So schreibt ein Naturschützer,
"Wie siehts in Brandenburg aus ? Wir vom NABU erleben täglich Waldautobahnbau für 40ig tonner, Holzernte ohne Ende, rechtswidriger Pestizideinsatz gegen Eichenprozessionsspinner u Nonne ua in NSG, FFH. ..." und ein anderer schreibt von alten Buchenwäldern, die alles andere als gut geschützt werden.

Wie wäre das schön, wenn alle Bundesländer sich so verhalten würden wie die SaarForsten!
"Der Staatswald ist auf ganzer Fläche in das landesweite Biodiversitätskonzept eingebunden.
Er ist im Sinne der Zielsetzungen zur Förderung der Biodiversität zu entwickeln,
um der besonderen Verantwortung für die Lebensgemeinschaft des Subatlantischen Buchenwaldes gerecht zu werden."

Ach könnte man in baldiger Bälde so etwas auch bei den Bayerischen, Hessischen, Niedersächsischen etc Staatsforsten nicht nur lesen, sondern vor allem auch: erkennen!



1-mal bearbeitet. Zuletzt am 20.03.14 11:24.

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Re: Kahlschlag im Buchenwald: Wie Bundesländer ihre Wälder zu Geld machen
geschrieben von: hutan ()
Datum: 23. März 2014 08:20

Wieder zurück nach Bayern, in den Spessart, der ja bekanntlich von den Bayerischen Staatsforsten bewirtschaftet wird.

Hier war ja das Gebiet der Report-Mainz-Kurzreportage.

Dann hieß es von der Gegenseite, von wegen Buchen, gezeigt werden Kiefern...

Hier nun also ganz frische Informationen zum Thema Einschlag in Waldflächen mit alten Buchen:

Man googele "greenpeace Sensation: 436 alte Buchen erfahren Verjüngungskur durch Bayerische Staatsforsten",
das ist vom 17.3.2014, also gerade mal ein eine Woche her.

Der Inhalt?

(Zitat Anfang)
"Sensation: 436 alte Buchen erfahren Verjüngungskur durch Bayerische Staatsforsten
17. März 2014

Von Sandra Hieke, Dipl. Forstwissenschaftlerin und Waldexpertin für Greenpeace

Da die bayerische Landesregierung noch immer keine Daten bezüglich der Lage noch vorhandener schützenswerter Buchenwälder an Greenpeace geliefert hat, kartiert Greenpeace zurzeit die letzten alten Buchenwälder im Forstbetrieb Hammelburg nördlich von Würzburg. Dabei deckten die Kartierer aktuelle Einschläge in einem etwa 200jährigen Buchenwald auf, wie unsere Karte Einschlag im Hundsrück belegt. Der Bestand liegt mitten im FFH-Gebiet „Hochspessart“, einem europäischen Schutzgebiet zum Erhalt der dortigen Hainsimsen-Buchenwälder.

Das Naturschutzkonzept des Forstbetriebes Hammelburg verspricht zudem den Erhalt über 180jähriger Buchenwälder:
"Die noch verbliebenen alten Wälder sind das entscheidende Bindeglied zwischen dem früheren Urwald und dem heutigen Wirtschaftswald. Als alt gelten über 180-jährige Buchen- und über 300-jährige Eichenbestände. Derart alte Buchen- und Eichenwälder zählen zu den großen Raritäten Mitteleuropas. Sie sind außerordentlich artenreich, beherbergen zahlreiche Urwaldreliktarten und Arten, die an Altwaldstandorte gebunden sind. Sie sind deshalb wichtige Spenderflächen für die Wiederbesiedlung anderer Waldflächen. Ihrem Erhalt kommt eine hohe naturschutzfachliche Bedeutung zu und er ist eine entscheidende Voraussetzung für die Sicherung der Biodiversität."

Schöne Worte – doch vom Schutz alter Buchenwälder auf dem Papier haben Halsbandschnäpper, Mittelspecht und andere possierliche Tierchen nichts, wenn er nicht in der Praxis umgesetzt wird: In der Abteilung Hundsrück standen bis vor wenigen Tagen noch 436 alte Buchen auf etwa acht Hektar – ein alter Buchenwald, wie er im Forstbetrieb Hammelburg kaum noch zu finden ist. 132 Altbuchen im stolzen Alter von teilweise über 200 Jahren sind davon jetzt der Säge zum Opfer gefallen. Darunter eine alte Buche mit einer riesigen Schwarzspechthöhle, in der man locker den Unterarm versenken kann. Dazu alte Buchen, an denen die Bartflechte wuchs. (Dazu das Naturschutzkonzept Hammelburg: Ziel ist der weitere Erhalt der vorhandenen Bartflechtenvorkommen im Forstbetrieb.)

Warum wurde dieser alte Buchenbestand nicht als Klasse-1-Wald ausgewiesen, wenn das Ziel der Bayerischen Staatsforsten (BaySF) doch angeblich der Erhalt der über 180 Jahre alten Buchenwälder und der Erhalt von Bartflechtenvorkommen ist? Offensichtlich ist hier etwas schief gelaufen mit dem hochgepriesenen Schutz der alten Buchenwälder. Deshalb behaupten die BaySF kurzerhand, bei dem eingeschlagenen Buchenaltbestand würde es sich nicht um einen Buchenaltbestand handeln, sondern um einen neun- bis 39-Jahre alten Buchenjungbestand, in dem lediglich einige Althölzer entnommen worden wären, um den jungen Buchen das „Emporwachsen“ zu ermöglichen. Aus alt mach jung, aha. Na, da werden sich die Chinesen aber wundern, wenn sie statt bestellter alter Buchen einen Buchenjungwuchs im Container finden – denn genau dahin reisen vermutlich einige eingeschlagenen Buchen. („Vogler Holz“, das Unternehmen, an das ein Teil der gefällten Buchen geliefert wird, exportiert hauptsächlich nach China.)

Um das Ganze weiter ad absurdum zu führen: Jeder, der sich einmal mit der Ökologie verschiedener Baumarten beschäftigt hat, weiß, dass ausgerechnet junge Buchen herzlich wenig Licht benötigen, um „emporzuwachsen“, denn die Mutter des Waldes ist eine ausgesprochene Schattbaumart.

Aber Moment mal: Von welchem Buchenjungwuchs reden die BaySF überhaupt? Wenn man sich in dem eingeschlagenen Bestand umschaut, findet man wohl ein paar Grüppchen junger Buchen, aber von einem 39jährigen Buchenjungwuchs kann keine Rede sein. Oder meinen die BaySF etwa den Buchenjungwuchs, der oberhalb an den alten Buchenbestand angrenzt? Kann nicht sein, so dreist sind selbst die BaySF nicht. Aber tatsächlich, oberhalb des eingeschlagenen Bestandes: Buchen, dicht an dicht, mit einigen Nachhiebsresten (Buche/Eiche), ungefähr 40jährig.

Das könnte der beschriebene Bestand sein…haben Greenpeace und die BaySF etwa nur aneinander vorbei geredet? Aber hier wurden ja kaum Bäume entnommen? Passt also auch nicht. Sieht auch nicht so aus, als müsste man den jungen Buchen hier wirklich unter die Arme greifen, denn die kommen prima alleine zurecht.

Rätselhaft. Oder hat hier etwa wieder eine Verjüngungskur à la „Eulsdelle“ stattgefunden? Bereits 2013 hatte Greenpeace einen Einschlag in einem über 180jährigen Bucheneichenbestand gefunden, der kurzerhand durch das Wunder der letzten Forsteinrichtung (und Zusammenlegung mit wesentlich jüngeren Nadelholzbeständen) jünger gemacht wurde, als er als „kleinste Einheit waldbaulichen Handelns“ tatsächlich war. Aber das kann hier in der Abteilung Hundsrück auch nicht sein, denn selbst wenn man über 200 Jahre alten Buchen mit Jungwuchs zusammenschmeißt und umrührt wird aus 436 alten Buchen immer noch kein Buchenjungwuchs?

Tatsache ist, statt des gepriesenen Buchenjungwuchses hat sich in der Abteilung Hundsrück durch die umliegenden Nadelholzbestände bereits einiges an Nadelholzverjüngung eingefunden. Diese hat durch den Einschlag nun tatsächlich Licht zum „Emporwachsen“ bekommen und feiert nun ein kleines Fest im Gedenken an die Buche: Hoch lebe der Buchenaltbestand, die Bartflechte und der Schwarzspecht – aber bitte nur auf dem Papier!

Also wirklich: Einfach aus 436 alten Buchen einen Jungwuchs machen, ein bisschen mehr Respekt vor dem Alter bitte, Herr Freidhager! Und jeder, der es nicht glaubt, kann selbst nachsehen!"
(Zitat Ende)

Soviel zum Thema: Stimmt ja gar nicht, was Report Mainz recherchiert hat, das war miserabler Journalismus und Zuschauer-Irreführung.

Schön wär's, nur leider ist die Realität eine andere. Nämlich: Die 5,5 Minuten von Report Mainz stören die Bayerischen Staatsforsten bei ihrer Zerstörung der letzten alten verbliebenen ökologisch so wertvollen Buchenbestände nicht im geringsten.

Es werden weiter Fakten geschaffen und alte Buchen gefällt.

Es bleibt also nach wie vor beim Titel der Report Mainz-Kurzreportage - "Kahlschlag im Buchenwald - Wie Bundesländer ihre Wälder zu Geld machen"

Es ist so unendlich traurig, und eine derartige SCHANDE für ein so reiches Bundesland wie Bayern!

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Re: Kahlschlag im Buchenwald: Wie Bundesländer ihre Wälder zu Geld machen
geschrieben von: Krakatoa41 ()
Datum: 26. März 2014 19:19

Selbstgespräche in einem Internetforum, das ist mal was neues

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