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Rettungsprogramm für misshandelte Jesidinnen | Doku Sklavinnen des IS – Suche nach Gerechtigkeit

Hat Europa den politischen Willen, die Drahtzieher des Islamischen Staates vor Gericht zu stellen? Dieser Frage geht der Film „Sklavinnen des IS – Suche nach Gerechtigkeit“ anhand des Schicksals zweier junger jesidischer Frauen nach. Shirin und Luisa waren vom IS verschleppt, verkauft und über Monate vergewaltigt worden. Nach ihrer Flucht wurden sie in ein Rettungsprogramm für misshandelte Jesidinnen aufgenommen, das Baden-Württemberg unter Leitung des deutsch-jesidischen Traumatologen Jan Kizilhan 2015 ins Leben gerufen hatte. Der Dokumentarfilm von Philippe Sands und David Evans begleitet nicht nur den persönlichen Genesungsweg der beiden traumatisierten jungen Frauen, sondern er stellt eine universelle und gleichsam unbequeme Frage: Wie sollen demokratische Staaten mit den unmenschlichen Verbrechen des Islamischen Staates umgehen?

Shirin Jesidin in Lalish, dem Heiligtum der Jesiden im Nordirak.

Shirin Jesidin in Lalish, dem Heiligtum der Jesiden im Nordirak. Shirin ist eine der Hauptprotagonistinnen. Sie ist vom IS gefangen gehalten und missbraucht worden und mit einem Hilfsprogramm des Landes Baden-Württemberg nach Deutschland gekommen.

Traumatisiert weiterleben

"Ich habe mir die Haare abgeschnitten, wegen der Dinge, die der Islamische Staat mir angetan hat", sagt Shirin. "Als ich in der Gewalt des IS war, habe ich mich gefragt: Wie kann ich noch eine Frau sein, nachdem ich verkauft worden bin? Ich wollte ein Mann sein und sterben wie meine Brüder." Luisa erklärt, warum sie trotz ihrer traumatischen Erlebnisse bereit ist, über ihre Misshandlungen zu sprechen: "Ich bin eine von Tausenden, die entführt worden sind, die so viel erlitten haben. Uns sind die schrecklichsten Sachen angetan worden. Ich hoffe, dass uns irgendjemand helfen kann. Die ganze Welt soll wissen, wer wir Jesiden sind, und was der Islamische Staat uns angetan hat."

Die Suche nach Gerechtigkeit

Luisa und Shirin sind zwei von eintausend Jesidinnen, die der Traumatologe Jan Kizilhan mit Unterstützung des Ministerpräsidenten Kretschmann nach Baden-Württemberg bringen konnte. Die Entscheidung, wer die Chance für einen Neuanfang in Deutschland erhalten sollte, war sehr schwierig – denn vielen Frauen ging es psychisch sehr schlecht. Unter den Opfern hatten einige Selbstmord begangen. Kizilhan bringt Shirin und Luisa mit dem renommierten britischen Juristen Philippe Sands zusammen – einem Experten für Völkermord, Kriegsverbrechen und Verbrechen gegen die Menschlichkeit. Gemeinsam machen sie sich auf die Suche nach Gerechtigkeit. Sie führt über einem Zeitraum von drei Jahren vom Internationalen Strafgerichtshof in Den Haag bis hin zur höchsten Klageinstanz der Bundesrepublik, dem Generalbundesanwalt in Karlsruhe. Philippe Sands erklärt: "Systematische Vergewaltigungen werden als Völkermord eingestuft. Es wäre also möglich, dass der Internationale Strafgerichtshof sich der Sache annimmt."

Verrat am rechtsstaatlichen Erbe Europas?

Der Einsatz für Gerechtigkeit wird für Shirin und Luisa zu einem persönlichen Genesungsweg, einem Weg der Befreiung. Der Film zeigt aber auch, dass in Europa der politische Wille fehlt, die Drahtzieher des IS vor Gericht zu bringen. Viele Regierungen ziehen den scheinbar einfacheren Weg, die außergerichtliche Liquidierung durch Kampfdrohnen, vor. Doch verrät Europa damit nicht einen Teil seines rechtsstaatlichen Erbes, dessen Fundament mit den Nürnberger Kriegsverbrecherprozessen 1946-49 gelegt wurde?

Produktionsnotizen

"Sklavinnen des IS – Suche nach Gerechtigkeit" ist eine Produktion von Oxford Films in Koproduktion mit Kobalt Documentary und SWR in Zusammenarbeit mit Willow Films und ARTE

 

"Sklavinnen des IS – Suche nach Gerechtigkeit", am Donnerstag, 15. November 2018, um 23.15 Uhr im SWR Fernsehen
"Sklavinnen des IS - Suche nach Gerechtigkeit", am Mittwoch, 18. Juli 2018, um 22:45 Uhr im Ersten