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Mit Prävention gegen den Terror | Doku Muslimische Friedenskämpfer

Ein Mainzer Präventionsprogramm hat sich zum Ziel gesetzt, muslimische Jugendliche vom Extremismus fernzuhalten. Die Gründer des Programms arbeiten als muslimische Gefängnisseelsorger auch gegen die Radikalisierung in deutschen Gefängnissen. Spätestens seit den Anschlägen von Paris und Brüssel gelten Gefängnisse auch in Europa als Brutstätten für Extremisten und islamistische Attentäter. Alle sind sich einig: Dagegen muss dringend etwas unternommen werden. Aber was?

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Mit Prävention gegen den Terror | Doku

Jugendbildungsprogramme und Gefängnisseelsorge

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Spätestens seit den Anschlägen von Paris und Brüssel gelten Gefängnisse auch in Europa als Brutstätten für Extremisten und islamistische Attentäter. Mustafa Cimşit ist Pädagoge, Religionswissenschaftler und Imam. Seit 2012 ist er Gefängnisseelsorger für muslimische Gefangene.

Spätestens seit den Anschlägen von Paris und Brüssel gelten Gefängnisse auch in Europa als Brutstätten für Extremisten und islamistische Attentäter. Mustafa Cimşit ist Pädagoge, Religionswissenschaftler und Imam. Seit 2012 ist er Gefängnisseelsorger für muslimische Gefangene.

Mustafa Cimsit betreut in der JVA Frankfurt über 100 muslimische Gefangene hauptamtlich. Alleine. Manche der Männer hatten sich dem Islamischen Staat angeschlossen. Anderen wird vorgeworfen, einen islamistischen Anschlag in Deutschland geplant zu haben. Die meisten aber sitzen wegen Raub, Drogenhandel oder Körperverletzung. Sie sind keine Extremisten, aber die Gefahr ist groß, dass sie welche werden.

Misbah Arshad ist Mainzer Pädagogin und Religionswissenschaftlerin und seit Juni 2015 muslimische Seelsorgerin im Frankfurter Frauengefängnis. Die Bandbreite der Haftstrafen ist groß: Von der U-Haft bis hin zu lebenslänglich. Wie Mustafa hat auch sie sich zum Ziel gesetzt, muslimische Gefangene vom Extremismus fernzuhalten oder wegzubringen.

Die Mainzer Pädagogin Misbah Arshad hat ein Anti-Radikalisierungsprogramm entwickelt, das Mainzer Jugendbildungsprogramm „Kompass – Muslimische Jugendbildung“. Unterstützt wird sie dabei von Mustafa Cimsit, Religionswissenschaftler und Imam. Das Programm richtet sich an muslimische Jugendliche zwischen 13 und 17 Jahren, Mädchen und Jungs gemeinsam – ungewöhnlich für eine muslimische Gemeinde.

Der amerikanische Generalkonsul W. Herman III (mittlere Reihe, 2.v.re.) in Frankfurt und sein Vertreter Lawrence Randolph (mittlere Reihe, 3.v.re.) besuchen Mustafa Cimşit und seine Kollegin Misbah Arshad, um mehr über das Jugendbildungsprogramm „Kompass“ zu erfahren.

Inzwischen ist Misbah Arshad eine gefragte Expertin zum Thema Schutz muslimischer Jugendlicher vor Radikalisierung. So wurde sie vom Jimmy-Carter-Center in Atlanta in die USA eingeladen. Die Stiftung setzt sich weltweit für Menschenrechte ein. (im Bild: Misbah Arshad und James W. Herman III, General Konsul der USA in Frankfurt am Main)

Teilnehmerinnen des Mainzer Jugendbildungsprogramms "Kompass" sind für eine Trainingseinheit in der Mainzer Innenstadt unterwegs (v.li.n.re.: Fayza Cimsit und Ayla Makic)

Rifat Halilovic, Vorsitzender der Gemeinde Mainz-Hechtsheim empfängt den Imam von Washington. Misbah und Mustafa hatten den Imam in den USA kennengelernt. Mit ihrer Hilfe will sich der amerikanische Gast einen Eindruck von dem Leben der Muslime in Deutschland verschaffen. (v.li.n.re.: Mustafa Cimsit, Misbah Arshad, Mohamad Bashar Arafat, Imam aus Baltimore USA, Mouhcine El Ghomri, Autor und Regisseur, Hannah Kohr aus USA, Rifat Halilovic in der neuen Bosnischen Moschee in Mainz)

Ahmad Mansour, Psychologe und Autor hat in seinem Buch „Generation Allah“ eine kritische Auseinandersetzung mit dem islamistischen Terror geschrieben. Er sieht viele komplexe Faktoren, die bei Jugendlichen zur Radikalisierung führen. Präventionsarbeit zur Bekämpfung von Radikalisierung sieht er als gesamtgesellschaftliche Aufgabe, die früh greifen müsse, um die Jugendlichen zu gewinnen, bevor es die Islamisten tun. (v.li.n.re.: Regisseur Mouhcine El Ghomri und Psychologe und Autor Ahmad Mansour)

Kritische Auseinandersetzung mit dem Islamismus

Die Pädagogin Misbah Arshad hat ein Anti-Radikalisierungsprogramm entwickelt, das Mainzer Jugendbildungsprogramm „Kompass – Muslimische Jugendbildung“. Unterstützt wird sie dabei von Mustafa Cimsit, Religionswissenschaftler und Imam. Das Programm richtet sich an muslimische Jugendliche zwischen 13 und 17 Jahren, Mädchen und Jungs gemeinsam – ungewöhnlich für eine muslimische Gemeinde. Das Ziel: eine kritische Auseinandersetzung mit den Themenkomplexen Islamismus, Dschihadismus und Salafismus aus theologischer, gesellschaftlicher und politischer Perspektive. „Wir müssen jugendliche Muslime gegen den Terror sozusagen ‚immunisieren‘.“, fordert Arshad, „Wir müssen mehr Präventionsarbeit leisten, wir brauchen mehr Ressourcen. Für uns als Muslime ist es wichtig, dass wir am Kampf gegen den gewaltbereiten Salafismus teilnehmen.“

Pionierarbeit der Gefängnisseelsorger

Misbah Arshad und Mustafa Cimsit haben neben „Kompass“ noch eine weitere berufliche Aufgabe, die ihnen sehr am Herzen liegt: Sie sind beide Gefängnisseelsorger für muslimische Gefangene in der JVA Frankfurt. Cimsit seit 2012 und Arshad seit 2015 im Frankfurter Frauengefängnis. Bei ihrer Arbeit geht es nicht nur um klassische Seelsorge. Auf dem Spiel steht weit mehr: Beide wollen verhindern, dass sich Muslime hinter Gittern den Islamisten anschließen. Ihre Arbeit ist nichts anderes als Terrorprävention.

Der SWR-Filmemacher Mouhcine El Ghomri begleitet Misbah Arshad und Mustafa Cimsit ein Jahr lang bei ihrer Präventionsarbeit mit den muslimischen Jugendlichen in Mainz, Wiesbaden und bei ihrer Gefängnisseelsorge in Frankfurt.