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Kunst für alle – Die neue Mannheimer Kunsthalle | Doku Sammlung von internationalem Rang

Es klingt wie ein Märchen: Mannheim bekommt ein neues Museum – und zwar fast geschenkt. Die Werke, die Mannheimer Bürger über 100 Jahre hinweg für ihre städtische Kunsthalle erworben und gestiftet haben, sollen mit dem Bau der neuen Kunsthalle endlich angemessen und besucherfreundlich in Szene gesetzt werden. Eberhard Reuß hat das Neubauprojekt vom Baubeginn bis zur Eröffnung im Juni 2018 begleitet. Der Titel seines Filmes bezieht sich auf das Versprechen "Kunst für alle", das Fritz Wichert, der Gründungsdirektor der Mannheimer Kunsthalle, im Jahr 1907 formuliert hat und das die jetzige Direktorin Ulrike Lorenz unter dem Motto "Kunsthalle für alle" fortschreibt.

Dr. Ulrike Lorenz

Dr. Ulrike Lorenz, Direktorin der Kunsthalle Mannheim, am 10.4.2018 bei der Hängung von Edouard Manets Gemälde "Die Erschießung Kaiser Maximilians von Mexiko" im Neubau der Mannheimer Kunsthalle. "Der Manet" ist das wertvollste Kunstwerk der Mannheimer Sammlung - das bedeutet, das Bild allein ist so viel wert, wie alle anderen Kunstwerke der kompletten Sammlung.


Großes Abenteuer

Die Mannheimer Kunsthalle gilt als Sammlung von internationalem Rang. Sie umfasst 1.900 Gemälde unter anderem von Manet, Cézanne, van Gogh, Beckmann, Dix und Grosz; vertreten ist auch die zeitgenössische Moderne von Francis Bacon bis hin zu Anselm Kiefer. Dazu gehören 855 Skulpturen von Rodin, Lehmbruck, Giacometti, Henry Moore und vielen anderen sowie mehr als 30.000 Aquarelle und Druckgrafiken. Jahrelang war ungeklärt, was aus dem erst 30 Jahre alten, aber bereits sanierungsbedürftigen Anbautrakt werden sollte, der an das Jugendstilgebäude der Kunsthalle aus dem Jahr 1907 angedockt worden war. Für Sanierung oder Abriss und Neubau hatte die Stadt Mannheim keine ausreichenden Finanzmittel. Kunsthallen-Direktorin Ulrike Lorenz kämpfte und warb um Unterstützung. Und im Sommer 2011 gaben die Kunstmäzene Hans-Werner Hector und Josefine Hector mit einer Stiftung von 50 Millionen Euro den Anstoß für den Neubau der Mannheimer Kunsthalle. Der Mitgründer des SAP-Konzerns und seine Ehefrau stellten nur eine Bedingung, dass rund weitere 20 Millionen Euro für das Projekt eingeworben werden sollten.

"Stadt in der Stadt" aus Betonkuben und Metallgeflecht

Die Pläne trafen nicht nur auf Zustimmung, denn dafür musste der neben dem Jugendstilgebäude erst 1983 eröffnete Anbau komplett abgerissen werden. Für Diskussionen sorgte auch der schließlich umgesetzte Entwurf des Hamburger Architektenbüros Gerkan, Marg und Partner. Als „Stadt in der Stadt“ ist der Neubau konzipiert: als miteinander verbundene, massive Betonkuben, die von einem bronzefarbenen Metalldrahtgeflecht  zusammengehalten werden. Erst nach und nach wird sich zeigen, wie die Mannheimer sich mit ihrem „Geschenk“ anfreunden. Immerhin: Als  im Dezember 2017 der Neubau weitgehend leer und fast ohne Kunstwerke ein Wochenende lang geöffnet war, kamen bereits 22.000 neugierige Besucher, die sich von der Architektur im Inneren und den ganz neuen Perspektiven auf den Mannheimer Wasserturm und die Jugendstilanlage begeistern ließen.

Der Zeit voraus

Mit Kunst Menschen begeistern und sinnlich bilden – das war vor 100 Jahren ebenso avantgardistisch wie optimistisch. Doch die verantwortlichen Köpfe der Mannheimer Kunsthalle waren immer schon mutig und ihrer Zeit voraus. Ob beim Ankauf französischer Impressionisten vor dem Ausbruch des Ersten Weltkrieges oder ob mit der Ausstellung zeitgenössischer Kunst der Weimarer Republik, die 1925 mit ihrem Titel „Die neue Sachlichkeit“ einer ganzen Epoche der Kunstgeschichte ihren Namen gab: Die Mannheimer Kunsthalle wurde damals Zentrum der Avantgarde. Deshalb wurden aus ihrer Sammlung mehr als 700 Kunstwerke von den Nazis als „entartet" enteignet und geraubt. Auch an diesen Verlust wird in den neuen Räumen erstmals explizit erinnert.

"Kunst für alle – Die neue Mannheimer Kunsthalle" am Sonntag, 10. Juni, 10 Uhr im SWR Fernsehen.