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Das Versprechen | Doku Die Justiztragödie um Jens Söring

Seit 33 Jahren sitzt der deutsche Diplomatensohn Jens Söring wegen eines Doppelmords in den USA im Gefängnis. Seit Jahren gibt es Zweifel an der Schuld des heute 53-Jährigen.  Nun hat der US-Bundesstaat Virginia entschieden, ihn freizulassen und nach Deutschland abzuschieben. (Stand 26.11.2019)

Der Film "Das Versprechen" handelt von Jens Söring, dem Sohn eines deutschen Diplomaten und Elizabeth Roxanne Haysom, einer Studentin aus Virginia, die am 30. März 1985 ihre Eltern brutal ermordet haben soll. Als der damals 18-jährige Jens in derselben Nacht Elizabeth das Versprechen gibt, den Mord auf sich zu nehmen, nimmt die verhängnisvolle Geschichte ihren Lauf.

Sie waren ein eigenwilliges Paar – Jens Söring, der naive, blasse Diplomatensohn, und Elizabeth Haysom, die unnahbare, welterfahrene Tochter eines reichen Stahlbarons. Als Elizabeths Eltern am 30. März 1985 brutal ermordet in ihrem Haus in Virginia (USA) gefunden werden, ist die kleine Stadt Lynchburg in Panik, von Vodoo ist die Rede, von einem Serienkiller. Jens und Elizabeth fliehen, Asien, Europa, eine "Folie a deux". Sie sind jeden Tag, jede Minute zusammen. Doch eines Tages ist das Spiel vorbei, sie werden als Christopher P. Noe und Lucy T. Noe wegen Scheckbetrugs in London verhaftet. "Ich bin unschuldig", beteuert Jens. Es nützt ihm nichts. Am 4. September 1990 wird er in Amerika zu zwei Mal lebenslänglich wegen zweifachen Mordes verurteilt. Jens sagt, er habe Elizabeth das Versprechen gegeben, den Mord auf sich zu nehmen, wie der Held in Charles Dickens' Roman "A Tale of Two Cities", der sein Leben gab für die Liebe. So erzählt er es. Bis heute.

Jetzt sitzt er da, mitten in seiner neonlichtgrellen Gefängniswelt. Seit fast 32 Jahren weggesperrt. Er hat noch nie ein Handy benutzt, er war noch nie im Internet, er kennt das Grab seiner Mutter nur von zwei Fotos, er hat seit Jahrzehnten kein Steak mehr gegessen.

Eine folgenschwere Begegnung

Jens war ein strebsames Kind, ein eifriger Student, Hochbegabtenstipendium. Sohn eines deutschen Diplomaten. Alles schien möglich. Bis er an jenem Abend Elizabeth Haysom kennenlernte, die schöne, unwiderstehliche, verwegene Liz. Sie war schlank, trug eine violette Jeans und ein T-Shirt, das einmal weiß war. So trat sie in sein Leben, ein bisschen heruntergekommen: Es war ein Abend im August 1984, ein Orientierungsabend für die Hochbegabtenstipendiaten der University of Virginia. Wie oft hat er in den letzten 32 Jahren an dieses verfluchte Treffen gedacht. Es war der Abend, an dem sein Absturz begann. Sie hat ihn einfach überrannt mit ihren Geschichten. Nach ein paar Monaten waren sie ein Paar. Jens Söring konnte sein Glück nicht fassen. Für sie würde er alles tun. Ausgerechnet diese Frau hatte ihn erwählt. Sie schrieben sich Liebesbriefe voller Wahn: "Ich liebe Dich, je t'aime, I love you, I love you, I love you."

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"Das Versprechen" von Marcus Vetter | Doku

Die Justiztragödie um Jens Söring

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"Jeden Morgen, wenn ich die Augen aufschlage und die dicken Gitterstäbe vor meinem Fenster sehe, muss ich an den Abend denken, an dem mein Absturz begann." Seit Jahrzehnten sitzt Jens Söring in Amerika in Haft, unschuldig, wie er sagt. Marcus Vetter hat einen Dokumentarfilm über den Fall gedreht.

"Jeden Morgen, wenn ich die Augen aufschlage und die dicken Gitterstäbe vor meinem Fenster sehe, muss ich an den Abend denken, an dem mein Absturz begann." Seit Jahrzehnten sitzt Jens Söring in Amerika in Haft, unschuldig, wie er sagt. Marcus Vetter hat einen Dokumentarfilm über den Fall gedreht.

Gail Marshall, ehemalige stellvertretende Staatsanwältin von Virginia, kämpft seit vielen Jahren für Jens Söring. Sie ist von seiner Unschuld überzeugt und sagt, sie habe in ihrer ganzen Karriere nur zwei Fälle gehabt, bei denen sie fest davon überzeugt war, dass die Verurteilten unschuldig sind. Der eine ist mittlerweile ein freier Mann, der andere ist Jens Söring.

Dave Watson, ein Privatdetektiv, der sich im Auftrag von Gail Ball mit dem Fall Söring beschäftigt und der den vielen Fragwürdigkeiten und Verfahrensfehlern nachgeht, die in diesem Fall gemacht wurden.

Carlos Santos, ein Journalist, der den Fall von Anfang an verfolgt hat und sein Glück nicht fassen kann, dass er nach 28 Jahren ein Interview mit Elizabeth Haysom führen darf.

William Sweeney, der Richter, der die Haysom-Prozesse führte. Er erklärte sich für nicht befangen, obwohl er vor Prozessbeginn Interviews gegeben hatte, in denen er sagte, dass er Jens Söring für schuldig hält und obwohl er befreundet war mit einem Mitglied der Familie Haysom.

Steven D. Rosenfield reichte am 18. Januar 2011 eine Klage ein, um Sörings Transfer nach Deutschland auf juristischem Weg durchzusetzen. Am 12. Januar 2010 hatte der demokratische Gouverneur von Virginia, Timothy M. Kaine um Haftüberstellung von Söring nach Deutschland gebeten, doch sein Nachfolger, der Republikaner Robert F. McDonnell, zog diese eine Woche später zurück. Im Juli 2012 wurde Sörings Haftüberstellungsklage abgelehnt, die Berufung im Dezember überhaupt nicht angehört.

Tony Buchanan, ein neuer Zeuge, der den Ermittlern sagte, dass Elizabeth Haysom mit einem anderen Mann – nicht Jens Söring - zu ihm in die Autowerkstatt kam und ein beschädigtes Auto brachte, in dem ein blutiges Messer lag. Der Zeuge wurde nie offiziell verhört.

Rich Zorn, ehemaliger Stellvertretender Generalstaatsanwalt und ein Freund der Familie Söring, sein Sohn ging in dieselbe Schule wie Jens Söring. Er unterstützt die Familie seit vielen Jahren und setzt sich für Sörings Überstellung nach Deutschland ein. Er ist ein wortmächtiger Kritiker des Justizsystems in Virginia.

Tom Elliott, ein katholischer Diakon und Gefängnisseelsorger, der Jens Söring seit vielen Jahren begleitet, ihn als einer der wenigen regelmäßig im Gefängnis besucht. Er versucht gerade mit anderen Unterstützern zusammen, die Haftüberstellung nach Deutschland noch einmal voranzutreiben.

Ricky Gardner, der sich selbst als „lead investigator“ im Haysom-Mord bezeichnet. Er war dabei, als Jens Söring in London ohne Anwalt den Mord gestand. Später widerrief Jens Söring dieses Geständnis immer wieder. Gardner verteidigt bis heute, dass man vor Gericht den Sockenabdruck Sörings mit dem am Tatort verglich, obwohl Experten sagen, dass dieser Vergleich falsch war und die Geschworenen irregeführt habe.

Gail Ball, Jens Sörings Rechtsanwältin, die den Privatdetektiv Dave Watson engagiert hat, um das Verbrechen endlich aufzuklären.

Chuck Reid, damals einer der Ermittler im Haysom-Fall am Bedford County Sheriff’s Department, sprach in einem Interview von einem bislang unbekannten FBI-Täterprofil, das vor 1985 erstellt wurde und von einer Frau als Täterin ausging. Es passt somit nicht zum Geständnis von Jens Söring. Reid ist sich sicher, dass es dieses FBI-Profil gab, Ricky Gardner behauptet, es hätte nie ein solches Profil gegeben.

Kinostart 27. Oktober
Das Versprechen
Erste Liebe lebenslänglich
Dokumentarfilm von Marcus Vetter und Karin Steinberger
Deutschland 2016, 117 Minuten

Der Dokumentarfilm

Mehr als drei Jahre lang recherchierten Karin Steinberger (Süddeutsche Zeitung) und Marcus Vetter (SWR) mit ihrem Team diesen Mordfall, der weltweit Aufsehen erregte. Der Fall Haysom wurde zum Mega-Event, er wurde als einer der ersten Prozesse live im US-Fernsehen übertragen, es war die tägliche Vorführung des "German Bastards". Die Filmemacher zeigen nie zuvor gesehenes Video-Material der Haysom-Prozesse, sie reden mit ehemaligen Ermittlern, besuchen den Richter und begleiten einen Privatdetektiv, der nach mehr als zwei Jahrzehnten nach neuen Beweisen sucht, um den Fall wieder aufzurollen. Dabei fanden sie neue Beweise, zum Beispiel, dass keine der am Tatort gefundenen Blutspuren Jens Söring zuzurechnen sind.

Ein brisanter Dokumentarfilm über eine große Liebe und einen großen Verrat und über das amerikanische Rechtssystem, das sich selbst nicht mehr zu hinterfragen scheint.

6:12 min

Mehr Info

Zum Kinostart von "Das Versprechen"

Interview mit Regisseur Marcus Vetter

Marcus Vetter über den Fall Jens Söring, das erste und einzige Treffen mit dem Inhaftierten und das Zustandekommen des Dokumentarfilms.

Deutschland 2016, 117 Min.
Buch und Regie: Karin Steinberger, Marcus Vetter
Kamera: Georg Zengerling
Schnitt: Marcus Vetter, Michele Gentile, Patrick Wilfert
Ton: Aljosche Haupt
Produktion: Filmperspektive
Koproduktion: SWR, ARTE, BR, DR, BBC, SVT, VPRO
Filmförderung: MFG Filmförderung Baden-Württemberg, Deutscher Filmförderfonds
FSK: ab 12

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Die ganze Geschichte von Jens Söring und Elizabeth Haysom ist umfangreich auf der Filmseite dokumentiert: "Das Versprechen - The Promise"