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"Dieses bunte Deutschland“ | Doku Über Flüchtlinge, Helfer und Gegner

Es wird viel über sie geredet, aber selbst zu Wort kommen sie selten. Die Langzeitdokumentation hat vier Flüchtlinge ein Jahr lang mit der Kamera begleitet. Die Fremden werden weniger fremd, und am Ende wird deutlich: Es geht schlicht um Menschen – mit all ihren Macken und Liebenswürdigkeiten, Wünschen und Träumen. Menschen, die sowohl mit ihrer Kultur als auch ihrer Persönlichkeit zur Vielfalt in der Gesellschaft beitragen. Die 90-minütige Dokumentation hat nicht den Anspruch, fertige Antworten auf komplexe Fragen der Flüchtlingsthematik zu geben. Aber sie zeigt an konkreten Beispielen, wie sich Hilfe, Fremdenhass, Gesetzgebung und weitere Fakten auf das Leben der Flüchtlinge auswirken.

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Dieses bunte Deutschland

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Die syrische Studentin, Samiha (rechts), mit ihrer deutschen Patin Lisa beim Schreiben einer Bewerbung.

Die syrische Studentin, Samiha (rechts), mit ihrer deutschen Patin Lisa beim Schreiben einer Bewerbung.

Die Flüchtlingsfrau Zainap aus Tschetschenien hat eine Teilzeitstelle als Helferin im Kindergarten gefunden.

Der 17-jährige Said aus Afghanistan bei einer rechten Demo im sächsischen Freital.

Den syrischen Geschäftsmann und Hobbykoch Hasan hat seine Flucht nach Berlin verschlagen.

Vier Schicksale

Vier Flüchtlinge – im Dorf, in zwei Kleinstädten und in Berlin. Heimatverlust und Neubeginn ist ihr gemeinsamer Nenner, doch schon in den örtlichen Gegebenheiten, in ihren Beweggründen und der Art, wie sie ihr neues Leben anpacken, unterscheiden sie sich: Die junge Studentin Samiha aus Syrien hat die Flucht ins Allgäu verschlagen, in das Städtchen Leutkirch. Hier verfolgt sie mit schwäbisch-syrischer Zielstrebigkeit ihren großen Traum: ein Ingenieurstudium in Deutschland.

Im sächsischen Pirna muss sich der 17-jährige Afghane Said behaupten. Sein Vater ist tot, die Mutter auf der Flucht verschollen. Zwischen Hass und Hilfsbereitschaft und mit Unterstützung seiner deutschen Ersatzmutter hofft er auf einen Ausbildungsplatz als Tischler. In Berlin kämpft Hasan, ein Geschäftsmann aus Syrien, darum, dass seine beiden kleinen Kinder aus dem Kriegsland zu ihm nachreisen dürfen; die Trennung von ihnen schmerzt, doch sein Glaube gibt dem Muslim Halt. Über ihre Arbeit im Dorfkindergarten gewinnt die tschetschenische Hausfrau Zainap im brandenburgischen Groß Schönebeck das Vertrauen der Dorfbewohner.

Die Unterstützer

Neben den vier geflüchteten Menschen geht es in dem Film auch um ihre deutschen Unterstützer: um die Pfarrersfrau in Brandenburg, die der Tschetschenin durch den deutschen Behördendschungel hilft; die neuen Freunde in Leutkirch, die der syrischen Studentin zur Seite stehen; die sächsische Ersatzmutter, die es nicht immer einfach mit "ihrem" jugendlichen Afghanen hat; und die Umzugsbekanntschaften des syrischen Vaters in Berlin. Wie begegnen sie den Fremden? Welche Missverständnisse gibt es? Wo kommen sie mit ihrer Hilfe an ihre Grenzen? Warum engagieren sie sich überhaupt für die Flüchtlinge?

Hilfe und Hass

Im eklatanten Gegensatz zu diesen eher Mut machenden Geschichten steht die offene Fremdenfeindlichkeit, die sich auf der Strasse und völlig enthemmt in den sozialen Netzwerken entlädt. Im Film werden Hasskommentare aus Facebook, Twitter & Co den dokumentarischen Porträts gegenüber gestellt. Von "Merkel muss weg" bis "Assiheime zu Konzentrationslagern" lassen die Zitate erahnen, wie sehr der Hass im Netz tobt, und wie unversöhnlich beide Seiten sind: hier die Geflüchteten und ihre Unterstützer, dort die meist anonymen Hetzer an den Computertastaturen.

Widerstand gegen die Angst

"Dieses bunte Deutschland" liefert keine fertigen Antworten auf komplexe Fragen, sondern gibt einen sensiblen Einblick in das Leben von vier sehr unterschiedlichen Menschen, die nur eines gemeinsam haben, dass sie ihre Heimat verlassen mussten und nun einen mutigen Neubeginn wagen. "Mut ist Widerstand gegen die Angst", formuliert die syrische Studentin auf der Schwäbischen Alb ihr Motto.

Vier Autorenteams – Martina Treuter, Nina Mair & Robert Jahn, Jan Schäfer und Jean Boué – haben die vier Flüchtlinge ein Jahr lang begleitet. Unter der Gesamtregie von Jan Tenhaven entstand aus dem Material ein 90-minütiger Dokumentarfilm. Das große, kontroverse Thema Flucht wird anhand von unaufgeregten Porträts der Menschen erzählt, um die es eigentlich geht.


„Dieses bunte Deutschland“, um 23:30 im SWR Fernsehen. Ein Film von Jean Boué, Robert Jahn, Nina Mair,Jan M. Schäfer und Martina Treuter
Erstsendung am Mittwoch, 31. Mai 2017, um 22:45 Uhr im Ersten.