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Deutsche Glaubenskrieger "Brüder"- Die Geschichte eines deutschen IS-Kämpfers

SWR TV-Zweiteiler

Der Zweiteiler "Brüder" erzählt von dem deutschen Studenten Jan, der sich in einer Phase der Orientierungslosigkeit einer Gruppe von Salafisten um den Prediger Abadin Hasanovic anschließt und dort Gemeinschaft und Sinn findet.

Informatikstudent Jan Welke lebt sein Studentenleben zwischen Hörsaal und Club. Eine große innere Leere hat ihn erfasst, unbewusst sehnt er sich nach einer neuen Wahrheit. Findet er sie im Islam? Sein syrischer WG-Freund Tariq, der Jans Entwicklung kritisch gegenübersteht, will seine eingeschlossene Familie nach Deutschland holen und gerät dabei an den Verfassungsschutz, der Informationen über Jan von ihm fordert.

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"Deutsche Glaubenskrieger", Das Erste Themenabend 22.11. ab 20:15 Uhr

Brüder von Züli Aladağ

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Informatikstudent Jan (Edin Hasanovic) ist unzufrieden mit dem Leben, das er führt.

Informatikstudent Jan (Edin Hasanovic) ist unzufrieden mit dem Leben, das er führt.

Jans Mitbewohner Tariq al-Jabari ( Erol Afsin), ein Arzt im Praktikum, hat ganz unmittelbare Probleme: Seine Eltern und sein jüngerer Bruder sind in Syrien eingeschlossen.

Nur die Schwester Samia ( Zainab Alsawah) schafft es nach Deutschland und hofft jetzt auf ihre Aufenthaltsgenehmigung.

Als Jan den bosnischen Salafisten Abadin Hasanovic (Tamer Yiğit) kennenlernt, ist er fasziniert von der Selbstverständlichkeit, mit der dieser die Fragen mit ihm bespricht, die Jan umtreiben.

Zwar will Jan vom Islam zunächst nichts wissen. Aber bei Hasanovic und seinen Glaubensbrüdern findet er Gemeinschaft, Ruhe und Orientierung. Die Männer sind stolz darauf, sich als die "Al-Ghurabaa", die Fremden in der Welt zu sehen.

Jan (Edin Hasanovic), entschlossen nach Syrien zu reisen, schlägt Tariq (Erol Afsin) vor mitzukommen, um dessen Familie zu befreien.

Jan überredet Tariq, sich von Abadin Hanasovic helfen zu lassen, um den Rest seiner Familie aus Syrien zu holen. Dank Hasanovics Verbindungen können die beiden über Anatolien nach Syrien reisen.

An einem Checkpoint des IS wird Jan vor Tariqs Augen von den Kämpfern festgenommen, zum Schein "entführt" und zum Stützpunkt einer IS-Einheit gebracht.

Jan erfährt beim IS Gemeinschaft mit den "Brüdern"«, die sich wie er zum Dschihad bekennen und einen Eid auf ihren Führer schwören.

Mit dem Schlachten eines Huhns zeigt Jan (Edin Hasanovic) Kommandeur Abu (Sermiyan Midyat) und der Truppe, dass er sich überwinden kann.

Jan macht aber auch schreckliche Erfahrungen, die seine Entscheidung in Syrien zu kämpfen infrage stellen.

Deserteure aus den eigenen Reihen werden brutal ermordet. An syrischen Zivilisten im besetzten Gebiet werden grausame Exempel statuiert, wenn sie die Regeln des IS nur minimal gebeugt haben.

Als türkische Streitkräfte die Region erobern, wird Jan als vermeintlich Gefangener des IS befreit und nach Deutschland ausgeflogen.

"Brüder" in der Regie von Züli Aladağ und nach dem Drehbuch von Kristin Derfler und Züli Aladağ nach der Buchvorlage von Kristin Derfler zeichnet mit genauem Blick und nahe an seinem Protagonisten die allmähliche Radikalisierung eines von der westlichen Lebensweise desillusionierten jungen Mannes nach und kontrastiert dessen Überzeugungen mit der liberalen Haltung seines syrischen Freundes. Der Zweiteiler beruht auf intensiven Recherchen, unterstützt von Islamwissenschaftlern, Nahost und Militärexperten und eröffnet im zweiten Teil einen ungewöhnlichen Einblick in das Leben der jungen Männer in einem Ausbildungslager des IS.

Die Suche nach dem Sinn des Lebens

Als seine neuen "Brüder" in den syrischen Krieg ziehen, reist Jan mit ihnen. Sein syrischer WG-Freund Tariq, der Jans Entwicklung kritisch gegenübersteht, will seine eingeschlossene Familie nach Deutschland holen und gerät dabei an den Verfassungsschutz, der Informationen über Jan von ihm fordert.

Wer ist Jan Welke?


Radikalisierung kann jeden treffen

Regisseur und Ko-Drehbuchautor Züli Aladağ sagt über seine Filme: "Zum einen war mir wichtig die Konversion und anschließende Radikalisierung eines jungen deutschen Studenten glaubwürdig zu schildern, zum anderen wollte ich auf keinen Fall eine klassische Nacherzählung auf der Basis bekannter Fälle. Die Fiktion kann den Rahmen der Realität sprengen und muss es meines Erachtens auch. Dann wird filmisches Erzählen spannend für mich und kann eine tiefere Wirkung entfalten...Es sind die ganz persönlichen Schwächen, Erfahrungen, Erlebnisse jedes einzelnen, die ihn oder sie für eine Radikalisierung anfällig machen."

Brüder

Bei einem Polizeieinsatz in der Moschee wird Jan (Edin Hasanovic) abtransportiert.

"Einen jungen Schauspieler für die Rolle von Jan Welke (23) zu finden, der all diesen Anforderungen gerecht werden konnte und all die Potentiale und Fähigkeiten mitbrachte war schwer. Mit Edin Hasanovic habe ich zum Glück genau denjenigen gefunden der alles mitbrachte was ich mir für die glaubwürdige Verkörperung von Jan vorgestellt und gewünscht habe."

Gratwanderung für Drehbuchautoren

Drehbuchautorin Kerstin Derfler schildert den Spagat zwischen gründlicher Recherche und aktuellen politischen Entwicklungen: "Das Allerschwierigste in der knapp drei Jahre währenden Stoffentwicklung war, einen aktuellen Film zu schreiben unter Berücksichtigung des politischen Tagesgeschehens, denn die Lage in Syrien und im Irak veränderte sich ständig. Meine prägendsten Erkenntnisse waren geheime Fotos aus den syrischen Militärgefängnissen: Gefolterte, zu Skeletten abgemagerte Leichen, mit ausgestochenen Augen und Brandwunden am ganzen Körper, sogar Kinder waren darunter."

Produktionsnotiz

Der TV-Zweiteiler "Brüder" ist eine Produktion des Südwestrundfunk. Regie Züli Aladağ, Drehbuch von Kristin Derfler und Züli Aladağ nach der Buchvorlage von Kristin Derfler. Kamera Roland Stuprich, Schnitt Saskia Metten und Sabine Garscha, ausführende Produzentin Franziska Specht, Redaktion Martina Zöllner und Jan Berning.