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Die Mainzer Fassenacht: Jedes Jahr neu erfunden! Mainz

Die närrische Zeit in Mainz ist immer auch ein Höhepunkt der politischen Kultur. Ebenso wie in Köln oder Düsseldorf steht auch die Fastnacht in Mainz in der Tradition des rheinischen Karnevals und das bedeutet: Politischer Spott aller Art.

Rosenmontagszug 2010

Die Mainzer Ranzengarde

Sowohl auf der Straße als auch im Saal - sei es in der Prunksitzung oder auf dem Rosenmontagszug - das politische Treiben wird zur Zielscheibe närrischer Kritik. Nicht zurückhaltend, eher derb und in schrillen Farben überzeichnen Traditionsfiguren oder großformatige Umzugswagen kleine und große Fehlleistungen von Regierenden und Oppositionellen, gleich ob aus Mainz oder Berlin.

"Ridendo dicere verum": Das Lachen verkündet die Wahrheit

Dieses traditionelle Motto des Narrentums beschreibt auch die Mainzer Saalfastnacht mit ihren Figuren "Bajazz" und "Till". Der "Bajazz mit Laterne" stammt unverkennbar vom Bajazzo des italienischen Volksspiels ab. Mit seinem respektlosem Auftreten hat er dauerhaft Einzug in die "Meenzer Fassenacht" gehalten. In der Vergangenheit hat Willi Scheu den Bajazz auf den Mainzer Bühnen legendär verkörpert. Nach seinem Tod allerdings ist die Bedeutung des Bajazz für die Mainzer Fastnacht in den Hintergrund getreten.

Mit Till Eulenspiegel greift die Mainzer Fassenacht auf mittelalterliches Brauchtum und auf demokratische Emanzipationsbestrebungen zurück. Mit Spiegel und Schellenmütze ausgestattet äußert er den kritischen Spott des neuzeitlichen Bürgers gegenüber einer bornierten Obrigkeit - und das im Gewand eines Hofnarren aus der Ritterzeit.

Mainzer Saalfastnacht

Mainzer Saalfastnacht

"Mainz bleibt Mainz, wie es singt und lacht" macht Mainzer Fastnacht berühmt

1838 gilt als das Geburtsjahr der Mainzer Saalfastnacht. Es steht für eine Zeit, in der sich das bürgerliche Leben nicht nur um gesellschaftliche Freiräume, sondern auch um den Aufbau einer eigenen politischen Kultur bemühte. In den vergangenen Jahrzehnten hat sich die Saalfastnacht verändert. Durch die bundesweite Ausstrahlung der Fernsehfastnachtssitzung "Mainz bleibt Mainz, wie es singt und lacht" wurde die Mainzer Fastnacht berühmt und ihre Akteure zu Stars. Ernst Neger mit seinem Nachkriegslied "Heile Gänsje", Margit Sponheimer oder Herbert Bonewitz waren bald auch von München bis Hamburg ein Begriff.

Im Mittelpunkt der Mainzer Fassenacht steht der Rosenmontagszug. Seit 1838 wälzt sich der närrische Lindwurm durch die Straßen der Landeshauptstadt. Ins Leben gerufen hat ihn damals der Mainzer Carneval Verein. Seitdem hat sich der Charakter der Umzüge allerdings merklich verändert - der Rosenmontagszug wurde eine Massenveranstaltung. 8.450 Aktive nahmen 1997 teil - 20 Prozent mehr als noch im Jahr 1970.

Der Rosenmontagszug wird zum internationalen Spektakel

Mit insgesamt 7 Kilometern Länge, 15 Fastnachtsvereinen, 25 Garden, 95 Musikformationen, 3.100 Musikern, 200 Reitern, 35 Zugpferden, 137 närrische Wagen, 20 politische Motivwagen, 120 Traktoren und Zugmaschinen, 100 Fahnen- und Schwellkoppträgern und etwa einer halben Million Zuschauern gehört der Mainzer Rosenmontagszug zu einem der größten Fastnachtsumzüge der Welt. Ein Anziehungspunkt für Fastnachtsbegeisterte aus aller Welt: Nicht nur Deutsche aus allen Regionen dieser Republik, sondern auch zahlreiche Gugge-Musik-Gruppen aus der Schweiz, lateinamerikanische Samba-Gruppen und andere ausländische Gäste lassen den Rosenmontagszug zu einem internationalen Spektakel werden.

Die Beliebtheit der Mainzer Fastnacht schwankt - sowohl in der Stadt als auch bei den Zuschauern an den Bildschirmen. Dessen ungeachtet machen die Mainzer Narren das, was sie schon immer machten: Sie erfinden jedes Jahr ihre Fassenacht neu.