Bitte warten...

SENDETERMIN So, 20.1.2019 | 15:00 Uhr | 3sat

Folge 821 Irland in einem Zug

Irland ist ein klassisches Reiseziel mit sanften Hügeln, fruchtbaren grünen Wiesen, zerklüfteten Küsten, malerischen Städtchen – und einem perfekten Schienennetz, auf dem sowohl historische Dampfzüge als auch moderne Bahnen verkehren ...

Was also liegt näher, als Irland im Zug zu entdecken?

1/1

Folge 821

Irland in einem Zug

In Detailansicht öffnen

Die Beschilderung in Gaeilge, also Irisch, und Englisch ist Pflicht. So heißt die staatliche Bahngesellschaft der Republik Irland Iarnród Éireann, Englisch: Irish Rail.

Die Beschilderung in Gaeilge, also Irisch, und Englisch ist Pflicht. So heißt die staatliche Bahngesellschaft der Republik Irland Iarnród Éireann, Englisch: Irish Rail.

Wohl nirgends ist der “Celtic Tiger”, der wirtschaftliche Aufschwung Irlands, so deutlich sichtbar wie in Dublin. Die Blütephase ist allerdings nur kurz, gemessen am größeren Teil der Irischen Geschichte, der von bitterer Armut geprägt war.

Die Strecke zwischen Dublin und Wexford gilt als die schönste Strecke Irlands.

Seit 2007 werden die Intercity-Linien in Irland mit diesen – bei den Lokführern sehr beliebten - Fahrzeugen von Hyundai bedient. Die Spurweite misst in Irland 1.600 mm, also Breitspur. Der Zug fährt dadurch ruhiger.

Gedenktafel: Sie soll an die große Hungersnot erinnern".

An die große Hungersnot erinnert dieses Denkmal. Zwischen 1845 und 1852 verhungerten mehr als eine Million Menschen. Irland stand damals unter britischer Herrschaft. Die irischen Bauern mussten das von den Engländern gepachtete Land mit Getreide bezahlen. Ihr Hauptnahrungsmittel waren Kartoffeln. Durch eine Kartoffelfäule ging damals ein Großteil der Ernte verloren. Obwohl das Getreide davon nicht betroffen war, hatten die Menschen nichts zu essen, sie mussten es nach England abgeben.

Einer der unzähligen Golfplätze Irlands. Golf ist in Irland Volkssport und allein in den Jahren des „Celtic Tigers“ wurden mehr als 100 neue Plätze gebaut – viele als Spekulationsobjekt.

In Waterford erwartet uns eine Überraschung: Die gut 90 Jahre alte Lokomotive gehört der „Railway Preservation Society of Ireland“, irischen Eisenbahnfreunden, die regelmäßig Dampfzugfahrten anbieten. „Wir bewahren Emotionen und Geschichte. Sie können in ein Museum gehen und alte Dampfloks besichtigen. Aber, wenn Sie zu uns kommen, sehen Sie Geschichte, die noch lebt und atmet. Und die Menschen sehen, wie es früher war.“

Auf der Strecke von Waterford Richtung Limerick Junction: Wir sind auf einer der ältesten Eisenbahnstrecken Irlands unterwegs. Vor 140 Jahren wurde sie gebaut.

Killarney ist nach Dublin die Nummer 1 des irischen Fremdenverkehrs - ein idealer Ausgangspunkt für einen Besuch der Dingle-Halbinsel. Ein Delfin namens Fungi spielt in dieser Gegend eine wichtige Rolle. Wer ihn in natura sehen will, für den werden vom Städtchen Dingle aus Bootstouren angeboten. In dieser Bucht lebt Fungi und Jimmy, unser Skipper, fährt seit 25 Jahren hinaus und hält Ausschau nach ihm. Die beiden kennen sich schon so gut wie ein altes Ehepaar.

Während der Bootstour mit "Fungi" haben wir einen schönen Ausblick aufs Festland.

1954 schrieb Heinrich Böll bei seiner Irlandreise in sein Tagebuch: “Der Regen ist hier absolut, großartig und erschreckend. Diesen Regen schlechtes Wetter zu nennen, ist so unangemessen, wie es unangemessen ist, den brennenden Sonnenschein schönes Wetter zu nennen.“

Seit je her hat zumindest das irische Wetter die Touristen nicht davon abgehalten, die Insel zu besuchen.

Felsen, klares Wasser, raue Küste, grün in allen möglichen Varianten - dafür steht Irland.

Limerick. Ob die Stadt etwas mit der Gedichtart „Limerick“ zu tun hat, ist nicht belegt. Irlands größter Fluss, der Shannon, mündet hier in den Atlantik und die Hauptattraktion ist das King John’s Castle.

Von Limerick bringt uns der Zug weiter nach Galway.

Wir sind nun in den Midlands. Die Gegend ist geprägt von riesigen Torffeldern. Irland ist zu etwa einem Sechstel mit Torf bedeckt. Da der Torf für Lastwagen zu weich ist, wird er mit Feldbahnen abtransportiert. Per Hand werden die Schienen dort verlegt, wo der Torf verladen werden soll.

Das Feldbahnnetz von Bord na Móna ist rund 1.400 Kilometer lang.

In der „Briquette Factory Derrinlough" werden täglich 300 Wagons Torf angeliefert und zu Briketts weiterverarbeitet. Aus 2,5 Tonnen Torf entsteht eine Tonne Briketts.

Bei den Dreharbeiten in Irland. Eine Kamera wird in die Luft geschickt.

Ausgehend von Dublin führt unsere Reise im Uhrzeigersinn durch das Herz Irlands. Entlang der Ostküste kommen wir in ein kleines Dorf in den Wicklow Mountains. In Waterford besteigen wir einen Dampfzug und lassen uns Irlands Bahngeschichte um die Nase wehen. Die Reise führt uns weiter in den Süden Irlands. Wir fahren weiter nach Galway, einer Studentenstadt, die neben einer ausgeprägten Pubkultur, auch ein anderes Erbe pflegt: Hier soll James Lynch seinen Sohn erhängt haben. Vorbei an riesigen Torffeldern kommen wir in die Mitte der grünen Insel. Nun ist es nur noch ein Katzensprung nach Dublin – hier trinken wir unser letztes Pint – Cheers!