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SENDETERMIN Mi, 7.8.2019 | 14:30 Uhr | SWR Fernsehen

Folge 680 XL Mit dem Zug durch Slowenien

Eine der schönsten Eisenbahnstrecken Sloweniens ist die Transalpina. Gemeint ist damit die Strecke zwischen dem heute italienischen Triest und dem heute slowenischen Nova Goricia und deren weiterer Verlauf auf der sogenannte Wocheinerbahn bis nach Jesenice.


Vor gut einhundert Jahren wurde diese Gebirgsbahn gebaut, um im damaligen Gebiet der k.u.k. Monarchie die Hauptstadt Wien mit dem Adriahafen Triest zu verbinden.

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Mit dem Zug durch Slowenien

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Im Bahnhof von Triest

Im Bahnhof von Triest

Wer auf die Höhen von Triest möchte, um auf der Transalpina zu fahren, nimmt am besten die alte Trambahn. Ein Unikum im alltäglichen triestinischen Verkehrschaos, auch wenn kein Chaos herrscht.

Mit einem slowenischen Dampfzug, besetzt hauptsächlich mit Italienern, wollen wir nun einen weiteren Teil der Transalpina, die Wocheiner Bahn, erkunden. Für viele ist die rund 100 Kilometer lange Strecke die eigentliche Transalpina.

Das Wahrzeichen der Strecke überspannt den Fluss Soca, auf italienisch „Isonzo“. Bald nach der Eröffnung der Bahn sollte das Militär Recht behalten. Sie wurde zur Lebensader der sogenannten Isonzofront für das Österreich-ungarische Militär im Kampf gegen Italien.

Die Transalpina ist auf verschiedenen Abschnitten der Wocheiner Bahn eine klassische Bergstrecke mit bis zu 24 Promille Steigung. Von Anfang an war klar, dass ein doppelgleisiger Ausbau in diesem Abschnitt aus technischen Gründen nicht durchführbar ist. Immerhin gibt es 32 Tunnel und eine Vielzahl von Brücken und Viadukten.

Wenn sich heute auch hauptsächlich Touristen in der Bahn vergnügen, täuscht das leicht darüber hinweg, dass dieser Teil der Transalpina auf Betreiben des Militärs gebaut wurde.

In Sezana, auf dem sogenannten Karstplateau, fährt die ebenso genannte Karstbahn, einer Teilstrecke der Transalpina. Die Farbgebung der Fahrzeuge erinnert stark an deutsche Regionalbahnen. Sie stammen aber aus Italien. Die Slowenische Eisenbahn hat sich den deutschen Anstrich zum Vorbild genommen.

Im idyllischen Bacatal rauscht der Zug über Brücken und Viadukte. 95 Prozent der Fahrgäste in den Museumszügen sind Italiener. Vielleicht liegt das daran, dass das Bacatal und damit die Transalpina immer wieder Spielball, um nicht zu sagen „Spielbahn“, der Weltpolitik war. Unser Autor Alexander Schweitzer ist ganz angetan von der Lok 33-037.

Schätzungen zufolge starben an der Isonzofront in den Jahren 1915-1917 bis zu 350.000 Menschen. Die Italiener nutzten die gegnerischen Unterstände und sprengten Löcher in den Fels, um ihre Geschütze aufzustellen. Eine der ersten Materialschlachten im Gebirge fand hier am Isonzo statt und der Nachschub rollte über die Transalpina.

Das Solkanviadukt. 1906 mit einer lichten Weite von 85 Metern die größte steinerne Eisenbahnbrücke der Welt. Zur Eröffnung der Linie 1906 kam sogar Kronprinz Franz Ferdinand ins damalige Görz.

Podbrdo war daher bis zum Ende des Zweiten Weltkrieges das italienische Piedicolle. Seit Triest hat die Bahn rund 500 Höhenmeter erklommen. Unser Dampfross macht eine Pause und wartet auf den Gegenzug.

Die Julischen Alpen, 1000 Meter über Podbrdo. Ihr südlicher Kamm wird durchbrochen durch den Wocheiner Tunnel. Mit mehr als 6.300 Meter Länge ist er der längste Tunnel der Strecke und zweigleisig ausgebaut. Seit einem Wassereinbruch jedoch nur noch eingleisig befahrbar.

Auf italienischer Seite fahren heute nur noch wenige Sonderzüge. Der knapp 100 Kilometer lange slowenische Teil der Strecke hat Lokalbahn-Flair. In dieser äußerst reizvollen Landschaft werden auch Dampfzug-Fahrten angeboten und man "erfährt" die herrliche Landschaft des Isonzo und der Julischen Alpen.


Man macht Halt bei dem sehr beliebten Wocheiner See und in Bled, dem touristischen Magneten Sloweniens. Es ist eine Reise im italienisch-slowenischen Grenzland und gleichzeitig in die Zeit der Donaumonarchie.