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SENDETERMIN Do, 16.5.2019 | 14:45 Uhr | SWR Fernsehen

Folge 585 Ferrovia Circumetnea - auf Schmalspur rund um den Ätna

Auf Sizilien gab es früher ein großes Schmalspurnetz. Mit der einzigen, davon übrig gebliebenen Linie "Ferrovia Circumetnea", umrunden wir den Ätna.

Vor allem für die Bauern der Region wurde 1895 diese 113 Kilometer Schmalspur-Strecke im Schatten des 3369 Meter hohen Vulkans eröffnet. Auch heute noch aktiv zieht er immer wieder die Gleise in Mitleidenschaft. Die Bahn wird heute meist von Schulkindern und vor allem von Touristen genutzt, die sich mit ihr dem faszinierenden Schicksalsberg der Sizilianer annähern wollen, um sich später mit Geländewagen über stillgelegte Bahnstrecken und durch alte Eisenbahntunnels durch die Lavawelt hinauf in die Nähe der dampfenden Vulkankrater bringen zu lassen.

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Folge 585

Bilder von den Dreharbeiten

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2 Generationen im Bahnhof: 24 Triebwagen hat die Gesellschaft der Circumetnea zur Zeit im Dienst, sowie 300 Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen.

2 Generationen im Bahnhof: 24 Triebwagen hat die Gesellschaft der Circumetnea zur Zeit im Dienst, sowie 300 Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen.

Hinter dem Bahnsteig von Catania überdauert, etwas versteckt die Nummer 14, eine kleine 1909 in Belgien gebaute Dampflok die Jahre.

Circumetnea 'Graffiti': Die Mehrzahl der Triebwagen trägt bunt, ungezählte Sprayer haben sich an ihnen zu schaffen gemacht, die Beseitigung der Graffities hat die Betreibergesellschaft aus Kostengründen längst aufgegeben.

Circumetnea in Lavafeld

Circumetnea unterwegs

Heute wird die Bahn von rund drei Millionen Passagiere pro Jahr genutzt. Unter denen auch oft Touristen sind, die mit ihr die Region erkunden.

Mit Geländewagen auf stillgelegter Strecke

In Bronte steht ein ganz besonderes Relikt aus den alten Dampflokzeiten, die Mascali. Sie ist 1894 von Ernesto Breda in Milano gebaut worden.

Der Name Mascali kommt von der gleichnamigen Stadt, jeder Ort an der Strecke hat damals seine eigene Dampflok gehabt, die jeweils so zu ihrem Namen kam. 12 Lokomotiven sind es gewesen, die Mascali war die Nummer 10. Bis 1963 waren Dampfloks rund um den Ätna im Einsatz.

Catania ist die 400 Tausend Einwohner große Hauptstadt der gleichnamigen sizilianischen Provinz und der Bahnhof Catania-Borgo ist heute so etwas wie der Hauptbahnhof der Circumetnea.

Littorina Fahrstand in der 1.Klasse; Der FIAT-Oldtimer in neuem Glanz und roter Lackierung. Der Schienenbus wird „La Littorina“ genannt. Der Name entsprang der Fantasie eines Journalisten, der ihn zum ersten Mal verwendete, als Mussolini in den 1930er Jahren mit einem solchen Modell zu feierlichen Gründung der Stadt Littoria, anreiste.

Littorina im Fahrstand

Die offizielle Bezeichnung blieb jedoch immer ALn 56 : Automotrice leggiera nafta, Dieseltriebwagen mit 56 Sitzplätzen. Hier das 2.Klasse-Abteil.

Der Triebwagen aus der Nähe betrachtet.

Littorina Fiat Motor: Auch dieses Fahrzeug wartet hier abgestellt auf bessere Zeiten, an der Technik liege es nicht, so hört man, die Restaurierung sei schon geplant. Mit dem zweiten FIAT-Schienenbus allerdings wäre man schon viel weiter.

Gespannt wartet man dann während der Fahrt auf den Moment, an dem man ihn das erste Mal sieht: Den mächtigen Vulkan, der der Bahn ihren Namen gab: Circumetnea, rund um den Ätna.

Wer den Ätna so zu sehen bekommt, hat wirklich Glück, denn meistens verhüllt er sich in dichte Rauch- oder Nebelschwaden, so dass sein Gipfel nicht zu entdecken ist.

Allerdings ist auch die Bahnstrecke vor dem speienden Riesen nicht sicher, mehr als einmal war sie von seinen Ausbrüchen betroffen.

Mit Geländewagen auf stillgelegter Strecke

Dreharbeiten am Krater des Ätna

Landschaft rund um den Ätna

Littorina unterwegs

Für die Eisenbahnbegeisterten ist der Ort Maletto vor allem von Bedeutung, dass hier mit 922 Meter Meereshöhe der höchstgelegene Bahnhof der Ätna-Bahn liegt.

Littorina in Lavafeld

Littorina unterwegs

Sizilien ist noch immer, trotz aller Moderne, irgendwie auch ein bäuerliches Land geblieben, mit ruhigen Landschaften und beruhigenden Ausblicken. Gerade hier im Nationalpark rund um den Ätna, an dessen Grenzen die Bahnlinie sich entlang schlängelt.

Mit dem Geländewagen durch die Lavafelder

Die einzeln oder als Zweier-Gespann fahrenden Dieseltriebwagen der Circumetnea starten im Bahnhof Catania Borgo. Sie durchqueren Weinfelder, Gemüse- und Obstplantagen, aber immer wieder auch riesige Lavafelder. Unschwer ist zu erkennen, wo die Gleise vom weit den Vulkan hinunterrollendem Magma befreit werden mussten. Höchstgelegener Bahnhof ist mit 990 m über N.N. der kleine Ort Maletto, vom Meer herauf musste der Zug bis hierher auf jedem Kilometer 36 Meter Höhe gewinnen.

Absoluter Höhepunkt für Eisenbahnfreunde ist auf dieser Strecke jedoch die Fahrt mit der "Littorina", diesem so schön restauriertem Fiat-Triebwagen aus Mussolinis Zeiten. 1937 wurde er damals in den Dienst genommen und wird jetzt wieder für Sonderfahrten rund um den Ätna eingesetzt.

Immer jedoch geht es gemächlich vorwärts auf der ca. dreieinhalb-stündigen Fahrt. Immer wieder hält der Zug an kleinen Bahnhöfen. Für Reisende ist dies eine vorzügliche Möglichkeit die Fahrt zu unterbrechen und an der Strecke womöglich auch Relikte alter Eisenbahnzeiten zu entdecken. Zum Beispiel die alte Mascali, eine 1894 gebaute Dampflok, die nur wegen eines kleinen Lagerschadens in der Halle steht. Oder das zweite, noch existierende Exemplar eines solchen alten Fiat-Treibwagens, der allerdings in seinem graubraunen, militärischen Tarnanzug vergangener Zeiten noch auf seine Restaurierung warten muss.