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SENDETERMIN Do, 14.6.2018 | 14:45 Uhr | SWR Fernsehen

Folge 488 Lézard Rouge - die Rote Eidechse

So heißt der "Orient-Express Nord-Afrikas, der auf den Schienen der alten Phosphat-Bergbahn zwischen Redeyef und Metlaoui durch die gewaltige Seldja-Schlucht im Atlasgebirge unterwegs ist.

"Lézard Rouge" - Rote Eidechse - heißt der Luxuszug, den der Bey von Tunis im Jahr 1910 von der französischen Regierung geschenkt bekam. Mohammed Naceur Pacha und sein Nachfolger nutzten den Privatzug bis 1945.

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Tunesiens einziger Museumszug "Lézard Rouge". In den Saisonmonaten wird jeden Morgen der ganze Zug auf Hochglanz gebracht.

Tunesiens einziger Museumszug "Lézard Rouge". In den Saisonmonaten wird jeden Morgen der ganze Zug auf Hochglanz gebracht.

Frankreich hat diesen Salonzug 1910 dem Bey von Tunis geschenkt, damit er fünf bis sechs mal im Jahr in den Süden fahren konnte. Später waren es seine Nachfolger, und es sollen sogar Präsident und Minister der ersten tunesischen Republik den Zug für Ferienreisen genutzt haben.

Langsam verläßt die Eidechse das Bahnhofsgelände von Metauoi. Die Fahrt beginnt mit einer kleinen Sightseeingtour durch den tunesischen Alltag.

Die Gleise gibt es schon seit 1920, sie wurden nicht für den Lézard Rouge gebaut, sondern für den Phosphattransport. Die Gegend hier besteht nämlich aus einem großen Bergwerksbecken mit riesigen Phosphatvorkommen.

Eine Legende ist mit dieser besondes malerischen Stelle "Le Coup de Sabre" verbunden: Berberprinz Al-Mansour liebt verbotenerweise Leila, eine Berberprinzessin von einem feindlichen Stamm. Auf ihrer gemeinsamen Flucht vor den Stammesfürsten durchtrennt Al-Mansour den Felsen mit einem Säbelhieb und sie können entkommen.

Durch den Tunnel fahren wir in die Seldja-Schlucht.

Viele Passagiere genießen neben dem Ausblick auch den Fahrtwind als willkommene Abkühlung. Die Sonne steht hoch über der Schlucht. Es mögen gut und gerne 38 Grad sein.

Dass hier noch nichts passiert ist, grenzt an ein Wunder, gemessen an dem Platz für jeden einzelnen Touristen.

Drei Minuten für einen Ort, der Ewigkeit atmet ... aber auch der Lézard Rouge muß pünktlich sein.

Ausfahrt aus der Seldja-Schlucht.

Ausfahrt aus der Seldja-Schlucht.

Wir machen einen kleinen Ausflug in die Oasenstadt Douz, jenseits der Salzwüste Chott el-Jerid. Hier findet jeden Donnerstag einer der größten Märkte Tunesiens statt.

Drei malerische Bergoasen, Midès, Chebika und Tamerza, eingebettet in die gewaltige Berglandschaft des algerischen Grenzgebietes.

Ungewöhnlich in der sonst so trockenen Gegend ist der 8 m hohe Wasserfall in der Bergoase Tamerza. Er kann sich nach Regengüssen in einen rasenden Sturzbach verwandeln.

Blick auf Alt-Tamerza, das Ende der 60er Jahre in Sekundenschnelle von einem Gewitter hinweggespült wurde.

Wenn man bedenkt, dass dieser Zug vor fast 100 Jahren in Europa gebaut, bis heute im fernen Afrika überlebt hat und jährlich Tausende von Menschen aus aller Welt in seinen Bann zieht. Da nimmt man auch gern eine Diesellok in Kauf.

Ein bisschen ähnelt die Atmosphäre im Zug dem Ausklingen eines gelungenen Schulausflugs. Die Erwartungen sind bei den meisten übertroffen worden.

Seit 1997 rollt dieser "Orient-Express Nordafrikas" wieder, von Grund auf restauriert und zum Vergnügen der Touristen, die die Standard-Pfade der Tunesien-Urlauber verlassen haben. Er fährt auf den Schienen der Phosphat-Bergbahn zwischen Redeyef und Metlaoui durch die gewaltige Seldja-Schlucht im Atlas-Gebirge.

Ausgangspunkt der zweistündigen Fahrt, die fünf Mal pro Woche stattfindet, ist der kleine Wüstenort Tabeditt in der Region Jerid, 450 km südlich von Tunis, eine Autostunde nördlich der Sahara-Oase Tozeur und 20 km östlich der algerischen Grenze.
Den Zug zieht eine schwere Diesel-Lok der staatlichen Bahngesellschaft Tunesiens, SNCFT.

Wir stellen die malerische Landschaft vor, zeigen Ihnen Canyons, die voller Legenden stecken, und skizzieren die Geschichte des Lézard Rouge. Wir besuchen ein Phosphat-Bergwerk, das Arbeitsplatz von 15.000 Menschen ist. Die Regions-Hauptstadt Tozeur ist bekannt für die besten Datteln Tunesiens und für ihre einzigartige Lehmarchitektur. In der Wüste besuchen wir den Ort Ong El Jemel, Drehort des Films "Krieg der Sterne".

Die Region, die der Luxuszug befährt, gilt als Geheimtipp unter Tunesien-Liebhabern und ist für den Massen-Tourismus noch nicht erschlossen.