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45 Minuten Mit dem Zug durch die Mongolei

Erstsendung auf arte am 30.09.2019 | 18:35 Uhr

Der Film ist eine visuell packende Eisenbahnreise durch die weite, schroffe und ursprüngliche Welt der Mongolei, in der die Zeit stehen geblieben scheint. Zusammen mit Menschen, deren Alltag, Traditionen und Sitten sich nur gering vom Leben ihrer Vorfahren unterscheidet, tauchen wir entlang der mongolischen Gleise in eine wildromantische Welt ein, deren Naturschönheiten jeden Reisenden nachhaltig beeindruckt.

In den Sommermonaten hüllt die untergehende Sonne die mongolische Steppenlandschaft in ein safrangelbes Licht. Dies ist die schönste Reisezeit, um mit der Transmongolischen Eisenbahn quer durch das zentralasiatische Land zu reisen.

Akuma, ein junger Mongole aus Ulaanbataar ist Reiseblogger. Ihn treffen wir im Zug und der junge Mann lehrt uns ein wenig die Sitten und Gebräuche seiner Landsleute. Er vermittelt uns auch den Zugang zu einem Schamanen und eröffnet uns damit die mythologische Welt der Mongolei.

In Darchan im Norden der Mongolei beginnt unsere Zugreise, denn hier wird die Geburtsstätte von Dschingis Khan vermutet.

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45 Minuten

Mit dem Zug durch die Mongolei

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Der Hauptbahnhof in der mongolischen Hauptstadt Ulaanbaatar ist ein wichtiges Eisenbahn-Drehkreuz in der Mongolei, auch für den internationalen Bahnverkehr.
Jeden Morgen treffen Züge mit mongolischen Klein-Händlern ein, die von ihren Einkäufen aus China und Russland zurückkommen.

Der Hauptbahnhof in der mongolischen Hauptstadt Ulaanbaatar ist ein wichtiges Eisenbahn-Drehkreuz in der Mongolei, auch für den internationalen Bahnverkehr.
Jeden Morgen treffen Züge mit mongolischen Klein-Händlern ein, die von ihren Einkäufen aus China und Russland zurückkommen.

Die sogenannten „Händlerzüge“ fahren zumeist über Nacht, um die langen Strecken und Fahrzeiten in Schlafabteilen überbrücken zu können. So haben die Händler die Möglichkeit, am nächsten Tag – direkt nach Ankunft- weiterarbeiten zu können.

Manche würden diesen Ort als Eisenbahn-Schrottplatz bezeichnen. Für Kenner ist es ein Platz, auf dem Eisenbahngeschichte abgestellt wurde. Mitten in der mongolischen Hauptstadt betreibt die mongolische Bahn diesen Abstellort, der ein Sammelsurium aus ausgemusterten Lokomotiven, rostigen Wagen und jeder Menge Ersatzteile darstellt. Besuchen kann man dieses Refugium nur nach Absprache und mit Erlaubnis der Mongolischen Bahn (MTZ)

Der Norden der Mongolei rund um Darchan – die drittgrößte Stadt des Landes – bietet sattgrüne Weideflächen und eine wunderschöne Berglandschaft. Vereinzelt ziehen bunt gemischte Viehherden mit Pferden, Schafen, Ziegen und Kühen tagsüber von Grünfläche zu Grünfläche und kehren am Abend allein zu ihren nomadischen Besitzern zurück.

Die Mongolei ist ein sehr junges Land, wenn man das Durchschnittsalter der Bevölkerung mit ca. 27 Jahren zu Grunde legt. In Deutschland und Frankreich liegt das Durchschnittsalter bei ca. 42 Jahren.
Besonders die Kinder, die nomadisch aufwachsen scheinen ein freies, glückliches Leben zu führen. Oft stimmt dies, doch 36% der mongolischen Bevölkerung lebt unterhalb der Armutsgrenze. Obdachlosigkeit, Hunger und fehlende Gesundheitsvorsorge betreffen damit auch viele Kinder in der Mongolei.

https://www.humanium.org/de/die-kinder-der-mongolei/

Ein wachsendes Problem ist der sinkende Grundwasserspiegel, der auch auf die Bergbau-Aktivitäten und die Veränderung des Klimas, zurückzuführen ist. Vielerorts droht die Austrocknung der Steppenlandschaften. Besonders die Nomaden, deren Lebensgrundlage die Viehzucht ist, leiden unter der zunehmenden Verödung ihrer Weidegründe.

Kohle. Kupfer, Uran – die Mongolei gehört zu den bodenschatzreichsten Ländern der Welt. Auch die Mongolische Eisenbahn profitiert von diesem Fakt, das Netz wird ausgebaut, Arbeitsplätze entstehen. Doch der Abbau von Rohstoffen – ob legal, oder illegal - bringt zunehmend Probleme mit sich.
http://www.munx-tenger.de/index.php?id=239
https://www.auswaertiges-amt.de/de/aussenpolitik/laender/mongolei-node/-/222844

Der mongolische Schamanismus ist ein allumfassendes, uraltes Glaubenssystem. Es verbindet Naturverehrung, Ahnenverehrung und Medizin miteinander. Der Schamane/ die Schamanin ist für das Wohl des gesamten Stammes verantwortlich und versucht in der Anbetung der Tngri (Götter) und Tenger (Gott des Himmels) und durch den Kontakt zu Geistern, deren Wohlwollen zu erbitten.

Jeder Personen-Zug in der Mongolei wird von Zugbegleiterinnen in der Uniformen des jeweiligen Betreibers begleitet. Die freundlichen und trotzdem resoluten Damen kontrollieren direkt beim Einsteigen an den Türen die Fahrkarten und sorgen in den Wagen für einen reibungslosen Fahrbetrieb während der Reise.

Die zweitgrößte Wüste der Welt liegt im Süden der Mongolei und erstreckt sich bis nach China. Das Trockengebiet hat viele Gesichter, steinige Flächen, trockene Steppenlandschaften und sandige Dünen wechseln sich ab. 
In der Gobi können die Temperaturen im Winter auf bis zu -40 Grad sinken, während der Sommer Temperaturen um die 50 Grad aufweisen kann.
Im Nordwesten der Gobi wurden versteinerte Dinosauerier-Eier gefunden. Archäologen gehen daher davon aus, dass das Gebiet nicht immer Wüstenlandschaft war.

Heute gilt die Wüste Gobi als das am wenigsten besiedelte Gebiet der Welt und wird nur von einigen Nomaden bewohnt.

In der Ostgobi befindet sich das buddhistische Kloster Hamriin Hiid und das Shambhala-Energiezentrum mit 108 weißen Stupas. Mongolische Buddhisten glauben, dass sich hier die gesamte Energie der Welt zentriert.

Hier eine Jurte in Tschoir. Es ist das traditionelle Zelt der Nomaden in West- und Zentralasien, besonders verbreitet in der Mongolei, Kirgisistan und in Kasachstan.

Das wohl schönste und wichtigste buddhistische Kloster der Mongolei, das Amarbayasgalant-Kloster aus dem 18. Jahrhundert liegt etwas östlicher, irgendwo im nirgendwo mitten in der kargen Gebirgssteppe. Einer, der hier lebenden Mönche zeigt uns seinen Alltag im Kloster, Beten und Arbeiten – dies gilt auch für Geistliche in einem buddhistischen Heiligtum. Hinzu kommt jedoch die Meditation mit dem kehligen Summen heiliger Gesänge, das der gesamte Anlage einen mystischen Rahmen setzt.

Zurück geht es wieder durch die endlosen Weiten des Graslandes und wir begegnen Wildpferde, Murmeltiere und Yaks. In einer, der typischen Jurten der mongolischen Nomaden übernachten wir und lassen uns bei heißer Yakmilch in die Sagen der Wandervölker einweihen.

Ab Ulaanbataar – der modernen mongolischen Hauptstadt am Rande des Bogd-Khan-Uul-Nationalparks, in der knapp die Hälfte aller Mongolen lebt - geht es weiter mit der Transmongolischen Eisenbahn in Richtung Süden.
Nach einigen Stunden Zugfahrt und einem Besuch beim mongolischen Koch im Zugrestaurant, schimmert am Horizont die legendären Wüstenhauptstadt Dalandzadgad – das Tor zur Wüste Gobi.

Mit Pferden, die unsere Kameraausrüstung tragen, besteigen wir den Saichanberg - mit einer Höhe von 2800 Meter, der höchste Gipfel des Gobi Gurwansaichan Gebirge. Der schwere Aufstieg wird mit einem weiten Blick auf gigantische Sanddünen, tiefe Eisschluchten und mit ein bisschen Glück, auf die hier freilebenden Schneeleoparden belohnt.

Der nächste Halt ist Bahnhof Sainshand im östlichen Teil der Wüste Gobi.
Auf dem Rücken von Kamelen schwanken wir durch die Sanddünen und besuchen die Stätten seltener Dinosaurier-Funde und lassen uns von einem Archäologen die weltweite Bedeutung dieser Grabungsstätte erklären.

Unsere Zugfahrt durch die Mongolei verläuft bis zur sogenannten Dschingis-Khan-Mauer an der chinesischen Grenze. Britische Forscher fanden 2012 jedoch heraus, dass es sich eigentlich um ein unbekanntes Stück der Chinesischen Mauer handelt.
Und so endet unsere Eisenbahnreise mit eindrucksvollen Bildern, einer direkten Zug-Vorbeifahrt an diesem wohl eindrucksvollsten Bauwerk der gesamten zentralasiatischen Region.