Bitte warten...

SENDETERMIN Mi, 4.9.2019 | 14:30 Uhr | SWR Fernsehen

Folge 844 XL Mit dem Zug durch Uruguay

1869 wurde die erste Bahn in Uruguay eröffnet. Vor allem die Briten waren an einer Erweiterung des Schienennetzes über das ganze Land sehr interessiert. Mit ihrem Geld wurden an die 3000 km Strecke gebaut, und viele Jahrzehnte florierten englische und uruguayische Bahngesellschaften nebeneinander als Transportwege für Rinder und Schafe ...

1869 wurde die erste Bahn in Uruguay eröffnet. Vor allem die Briten waren an einer Erweiterung des Schienennetzes über das ganze Land sehr interessiert. Mit ihrem Geld wurden an die 3.000 Kilometer Strecke gebaut, und viele Jahrzehnte florierten englische und uruguayische Bahngesellschaften nebeneinander als Transportwege für Rinder und Schafe, Hauptexportware nach Europa und in die USA.

1/1

Folge 844 XL

Mit dem Zug durch Uruguay

In Detailansicht öffnen

"Seit ich 13 bin, fahre ich sie. Jetzt bin ich 65."

"Seit ich 13 bin, fahre ich sie. Jetzt bin ich 65."

1873 kam die Eisenbahn nach 25 de Agosto.  Eine erste Brücke über den Rio Santa Lucía wurde im Jahr 1900 wegen zunehmender Belastung durch eine stabile Eisenbrücke ersetzt. Die hält bis heute, seit Jahrzehnten ist ihre Beanspruchung nur gering.

Pepe und die kleine Orenstein und Koppel sind Überbleibsel eines großen Sand- und Kieswerks, das hier zwischen 1912 und 1980 von Argentiniern geführt wurde. Knapp 5 km 600mm-Gleise sind noch vorhanden, 15 km Nebengleise zugewachsen oder abgebaut.

Seit 1986 haben sich ehemalige und jetzige Mitarbeiter von AFE und einfach nur Eisenbahn-Begeisterte zusammengefunden, um das zu tun, was Eisenbahnvereine auf der ganzen Welt tun: nämlich alte Fahrzeuge wieder zum Laufen zu bringen.

Ein Salonwagen, 1952 gebaut von Allan & Co  in Rotterdam. Die Wagen sind selbst restauriert und innen mit feinstem Leder, Edelhölzern und Bronzeteilen ausgestattet. Jeder bietet Platz für 96 Fahrgäste.

Überall in Montevideos Straßen stößt man auf Graffities, die etwas über Uruguay und seine Geschichte erzählen.

Gerettet wurde Dampflok 120  von den Schienenfreunden AUAR,  der „Asociación  Uruguaya Amigos del Riel“. Nicht das einzige Projekt des Vereins, der sich schon über ein halbes Jahrhundert für die Bewahrung von Eisen- und Straßenbahnen einsetzt und deren Schienenprofile im Wappen führt.

José Luis Hernandez erweckt mit Hilfe seiner Frau und einem alten Märklintrafo die selbstgebauten Modelle einer H0-Anlage  zum Leben.

„Freie Fahrt“ wird der Lokführer schriftlich erhalten und zwar mit dem sogenannten Token – ein Sicherungssystem auf eingleisigen Abschnitten, ebenfalls von den Briten eingeführt und heute noch bei manuell bedienten Strecken in Gebrauch. Nur dieser Ring berechtigt zur Weiterfahrt.

Die Fahrt geht durch die Vororte hinaus ins Hinterland von Montevideo. Ein Zug erregt hier immer Aufmerksamkeit.

Ein Stellwerkswärter betätigt eine Hebelanlage, die wie das Signalsystem noch aus Zeiten stammt, in denen auch die Engländer hier die Bahn betrieben.

Die Grundlage des wirtschaftlichen Reichtums gedeiht auf den weiten Grasebenen im Landesinneren, der Pampa.

In den wenigen Stationen, die noch angefahren werden, ist der marode Zustand der Bahn offensichtlich.

Konkurrenz belebt das Geschäft: Als es in Uruguay noch verschiedene britische und staatliche Gesellschaften gab, ging es der Bahn gut.

In neue Fahrzeuge hat die AFE schon lange nicht mehr investiert. Dazu fehlt das Geld, manche sagen auch, der Wille. 2013 wurden  fünf  gebrauchte Triebwagen aus Schweden erstanden.

Seit 1952 sind alle staatlichen und privaten Bahnen Uruguays in der “Administración de Ferrocarriles del Estado”, der Staatsbahn AFE vereint. AFE verkaufte den den alten Bahnhof an eine Bank.

Seit 1952 sind alle staatlichen und privaten Bahnen Uruguays in der “Administración de Ferrocarriles del Estado”, der Staatsbahn AFE vereint. 1988 stellte sie landesweit den Fahrgastbetrieb ein, Anfang der 90er wurde eine einzige Linie wiedereröffnet.

Im Hafenviertel von Montevideo: eine Erinnerung an die spanischen Eroberer, die im frühen 16. Jahrhundert vom Meer her kamen.

Die Estación Central General Artigas wurde 1897 gebaut als prunkvolle Visitenkarte einer blühenden Eisenbahn. Seit 2003 ist sie geschlossen und zu einem Spekulationsobjekt verkommen.

Der Mix aus Moderne, Art déco und Kolonialarchitektur macht den Reiz von Montevideo aus, auch das Fehlen von Hektik und Großstadtstress.

General Artigas, Nationalheld und Vater der Unabhängigkeit Uruguays,  steht täglich hundertfach im Fokus: auf der Plaza Independencia Pflichtprogramm für Touristen aus aller Welt

Eröffnet wurde Uruguays Eisenbahn 1869. Ihr Ausbau, finanziert mit britischem Geld, diente hauptsächlich den überseeischen Interessen am Rindfleisch. 3000 Strecken-kilometern waren es einst, heute werden noch knapp 1000 von Güterzügen befahren.

Auch nach über 100 Jahren noch unter Dampf: die Nr. 120 von Beyer-Peacock aus Manchester in Uruguay

Station Las Piedras: Endstation für die meisten Personenzüge

Ein Prachtstück unter Dampf: eine Beyer-Peacock, Baujahr 1910

Nach dem Zweiten Weltkrieg wurden alle Bahnen verstaatlicht, und damit begann ihr allmählicher Niedergang. Heute werden noch ca. 1.000 Kilometer von Güterzügen befahren, auf einem Streckenabschnitt mit 64 Kilometern findet noch ein spärlicher Personenverkehr statt. Und trotzdem ist Uruguay ein Land, in dem die Eisenbahn eine große Rolle spielt: zum einen in der Erinnerung und in den Herzen seiner Landesbewohner, zum anderen als echte Schätze auf Normal- und Schmalspurgleisen und unter Dampf. Susanne Mayer-Hagmann und ihr Team haben einige Bahngeschichten von den Ufern des Rio de la Plata mitgebracht.