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SENDETERMIN Di, 31.7.2018 | 14:00 Uhr | SWR Fernsehen

Folge 868 Geheimnisvolle Moorbahnen

"O schaurig ist's übers Moor zu gehn,
Wenn es wimmelt vom Heiderauche,
Sich wie Phantome die Dünste drehn,
Wenn das Röhricht knistert im Hauche."

So hat Annette von Droste-Hülshoff in ihrem Gedicht "Der Knabe im Moor" eine Landschaft beschrieben, die noch immer ihre Geheimnisse birgt. Zum Beispiel die Moorbahnen, die bereits seit über hundert Jahren Torf durchs Moor fahren.

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Unterwegs auf 600 und 900 mm Spurweite

Geheimnisvolle Moorbahnen

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Schöma-Dieselloks sind die häufigsten im Mooreinsatz. Diese wartet mitten auf dem Moordamm auf ihren Einsatz

Schöma-Dieselloks sind die häufigsten im Mooreinsatz. Diese wartet mitten auf dem Moordamm auf ihren Einsatz

Fliegende Gleise werden oft im Moor verlegt, um die verschiedenen Abbaugebiete zu erreichen.

Ein Bauzug mit Holz für den Gleisbau, abgestellt auf einem Nebengleis, das immer tiefer ins Moor hineinführt

Neuerdings werden ausgediente Leitplanken vom Straßenbau als Eisenbahnschwelllen für die Moorbahnen verwendet. Sie sind größer und haltbarer als die alten Feldbahnschwellen

Links und rechts der Gleise warten Kilometer lange Torfmieten auf ihren Abtransport

Auch wenn die 600 mm – Gleise aus dieser Perspektive krumm und bucklig aussehen, für die Moorbahnen sind sie präzise genug

Hinter einem aufgetürmten Moorberg taucht plötzlich eine kleine Bahn auf, in diesem Fall sogar mit Doppeltraktion vorwärts-rückwärts.

… und dann wird der Moorzug immer länger ...

… und länger …

… 20 Torfwagen werden mit einem Zug transportiert

Das Lichtenmoor südlich von Bremen. Einige Flächen werden schon wieder bewässert.

Gleisbau im Moor war früher Handarbeit; heute helfen Bagger, die Gleise zu verladen.

Auf ebener Strecke schafft eine Lok 40 vollbeladene Wagen zu ziehen; rund zwei Stunden ist sie auf ihrem Weg ins Moor und wieder zurück zum Werk.

Nur in Schrittgeschwindigkeit bewegen sich die Moorzüge, etwa 5 km/h

Ein Lokführer bei der Moorbahn beim Rangieren

Die fertigen Torfprodukte werden teilweise auch mit der Bahn verfrachtet

Windmühle in Worpswede, dem Künstlerdorf zwischen Bremen und Stade

Der Haltepunkt vor Worpswede war verfallen und drohte abgerissen zu werden. Da entdeckte ihn eine Malerin und machte ihn zum Kunstpunkt. Heute ist das knapp 9 m2 Atelier der liebste Aufenthalt der Worpsweder Künstlerin.

Inschrift auf der Mühle: Gefertigt von Conrad Müller Mühlenbaumeister aus Bücken bei Hoya 1838

Der Barkenhoff, gebaut von Heinrich Vogeler, einem der bekanntesten Maler und Architekten der Künstlerkolonie Worpswede

Eine hydraulische Kippvorrichtung drückt den Wagen auf einer Seite nach oben.

Damit das Entladen des Torfes schnell geht, wird der ganze Wagen gekippt, dazu hält ein Greifer die beiden Räder auf einer Seite des Waggons fest

Die Entladung geschieht innerhalb von Sekunden

Die Steuerung der Torf-Entladevorrichtung liest sich wie ein Bahnabenteuer: Lorenkippe, Lorenkettenbahn, Lorenseilwinde

Eine ausgediente Moorbahn auf einem Feld neben dem Küstenkanal

So sieht das Moor typischerweise aus: Wasser, Erde, Tümpel, Bäume und mitunter geheimnisvolle Reflektionen

Vorarbeiter Friedhelm Bockelmann arbeitet seit über 30 Jahren im Lichtenmoor

Nach der Torfernte sind die Firmen verpflichtet, die Flächen zu renaturieren, damit es sich im Lauf der Jahre wieder in ein Moor zurückverwandelt

Manchmal fühlt sich Herr Bockelmann wie Jim Knopf oder Lukas, der Lokomotivführer

Einer der wenigen Betriebe, in denen noch die alten Holzwagen eingesetzt werden. 60 solcher Wagen, Marke Eigenbau, fahren hier regelmäßig zum Torftransport

Moorschafe zwischen den Holzwagen der Moorbahn im Lichtenmoor

Sonnenaufgang im Moor. Drei Schöma-Loks wenden gerade am Gleisdreieck, um den beladenen Zug zurück ins Werk zu bringen

20 Loren schafft eine Diesellok auf ebener Strecke, in beladenem Zustand sind das 75 Tonnen

Wie im normalen Bahnverkehr sind Zugbegegnungen auf eingleisigen Strecken zeitraubend. Doch im Moor hat man Zeit.

Kurz vor der Ankunft im Werk passiert die Moorbahn von Sedelsberg einen Bahnübergang und fährt dann am Moorgutsweg entlang bis zum Werkstor

Rangieren auf dem Werksgelände von Klasmann-Deilmann

Kameramann Christian Zecha auf dem Moorzug, der gleich ins Werk zur Weiterverarbeitung gezogen wird

Der berühmte Ottomeyer-Dampfpflug, ein gigantischer Pflug zur Urbarmachung der Moore ist im Emsland-Moormuseum ausgestellt, für das 42 Tonnen schwere Gerät wurde extra eine Halle gebaut.

Kein anderes Transportgerät kommt so gut durch sumpfiges Gelände wie die Eisenbahn. Über Schienen und Schwellen wird der Druck großflächig verteilt, so dass die Bahn nicht einsinkt. Dieser Vorteil verhalf der letzten Feldbahn zum Überleben. Das Schienennetz in den Moorgebieten zwischen Meppen und Hamburg umfasst mehrere hundert Kilometer. Eine ganze Reihe von Firmen betreiben dort seit 150 Jahren Torfabbau. Dort fährt auch regelmäßig der Moor-Express als Touristenattraktion durch das Teufelsmoor und vorbei an der Künstlerkolonie Worpswede.

Eisenbahn-Romantik besucht Moorbahnen, die noch immer ihren Dienst auf 600 und 900 mm Spurweite verrichten und Torf auf morastigem Untergrund transportieren.