Bitte warten...

SENDETERMIN Di, 6.8.2019 | 14:30 Uhr | SWR Fernsehen

Folge 763 XL Mit dem Zug durch Korsika

Die Eisenbahn auf Korsika verbindet die beiden Hafenstädte Bastia an der Ostküste und Ajaccio an der Westküste und erschließt die Nordküste der Insel mit der Hafenstadt Calvi. Rund 700 000 Menschen transportiert die Schmalspurbahn jährlich, Einheimische wie Touristen nutzen das Netz. Große Teile der 232 km langen Strecke führen quer durch das wildromantische Herz von Korsika.

Jeder, der sie kennt, stimmt ein in den Chor ihrer Bewunderer: Ohne Zweifel ist Korsika die attraktivste Insel im Mittelmeer, ihr Beiname lautet "die Schöne". Die Faszination liegt an ihren Kontrasten: der wilde gebirgige Kern der Insel mit einer  Ganzen Reihe von Zweitausendern ist gesäumt von großen und kleinen Sandstränden in unzähligen idyllischen Buchten an einem schier unglaublich blauen Meer. Korsika gilt als Wander– und Badeparadies.

Zusätzlich zu ihren topographischen Reizen hat sie ein Vergnügen zu bieten, das einzig und allein dem menschlichen Pioniergeist zu verdanken ist. Vor über 120 Jahren wurde quer über die Insel eine Schmalspurbahn mit spektakulärer Streckenführung gebaut: "U trinighellu", "der Zitternde" nennt der korsische Volksmund den Zug dank seiner holprigen Gleise.

1/1

Mit dem Zug durch Korsika

In Detailansicht öffnen

Ankunft in Korsika:  So empfängt die Hafenstadt Bastia seine Besucher.

Ankunft in Korsika:  So empfängt die Hafenstadt Bastia seine Besucher.

Le "Vieux Port“, der alte Hafen von Bastia.

Ziegen gibt es auf Korsika in Mengen – für köstlichen korsischen Käse.

Das Bergdorf Speluncato hoch oben in der Region Balagne.

80 Meter hoch: Schattenspiel auf der Eisenbahnbrücke Ponte Vecchio

Parallel zur Eisenbahnbrücke, gebaut vor 1894 m verläuft eine moderne Straßenbrücke.

140 m lang und 80 m hoch: die Konstruktion der Ponte Vecchio stammt von Gustave Eiffel.

Zug auf Gitter- und Bogenbrücke - Spektakuläre Streckenführung – die korsische Meterspurbahn fährt über 34 Viadukte.

Zu Tausenden in den Wäldern versteckt: die wilden Schweine Korsikas.

Korsikas Wildschweine ziehen frei durch die Lande und riechen alles Essbare. - Waldarbeiter und Wanderer aufgepasst!

Im Juni und Juli in voller Blüte: Ginster so weit das Auge reicht – Sinfonie in Gelb.

An die 100 Flüsse zählt die Insel - durch den Wasserreichtum ist Korsika auch im Sommer wunderbar grün.

Noch fährt die Bahn in offenem, ebenen Gelände. Bald hat sie den Bahnhof Ponte Leccia erreicht.

34 Viadukte, 29 Tunnel und 8 Brücken liegen auf der Bahnstrecke zwischen Bastia und Ajaccio.

Galerie und Tunnel Monte Pollino zwischen Francardo und Corte.

Oft nur auf schmalem Grat zwischen steilem Fels und Abhang: der Schienenweg der korsischen Meterspurbahn.

Corte, das Herz und die heimliche Hauptstadt Korsikas. Über der Altstadt thront die Zitadelle aus dem 9. Jahrhundert.

Berggrate und Täler soweit das Auge reicht: Ausblick vom höchsten Punkt der Autostrasse zwischen Vivario und Vizzavona.

In einer Käserei: Ganz frisch gemacht der Käse aus Schafsmilch.

Nur wenige Monate muss der Käse heranreifen. Jedes einzelne Stück ist handgemacht.

„U Trinighellu“, „der Zitternde“, im Wald vor Viazzavona.

Auf der Strecke begegnet uns ein alter Wasserkran für den Dampflokbetrieb.

Vizzavona, der höchste Bahnhof der Strecke auf 960 Meter.

Die „Tramway de Balagne“ auf der Zweigstrecke im Norden der Insel.

Die „Tramway de Balagne“ führt nur selten durch Felsen im Hinterland. Ihr Weg geht direkt am Meer entlang.

Hinter Vivario in den Bergen, fast von der Landschaft verschluckt.

Viadukt zwischen Venaco und Vivario, eine Strecke mit Nervenkitzel.

Anfahrt auf Corte, im Zentrum der Insel.

Einfahrt in Ajaccio an der Westküste. Die Gleise verlaufen entlang des Hafenbeckens.

Der Zug fährt direkt hinter einer Badebucht entlang.

Direkt hinter dem Stadtstrand von Calvi: der Schienenweg der Tramay de Balagne.

Direkt hinter dem Stadtstrand von Calvi: der Schienenweg der Tramay de Balagne.

Unterhalb der Zitadell von Calvi liegt der Fährhafen.

Blauer geht’s nicht mehr – eine Bucht in der Balagne.

Monsieur Ghionga führt in Corte den „ältesten Laden Europas“: 210 Jahre alt soll er sein.

Was das Herz begehrt: alle Köstlichkeiten Korsikas.

Auf über 230 Kilometern verbindet die eingleisige Meterspurbahn die Hafenstädte Bastia an der Ostküste mit Ajaccio an der Westküste und Calvi an der Nordküste.

Um die zerklüftete Bergwelt befahrbar zu machen, mussten unzählige Tunnel durch den Fels gebohrt und Viadukte über Täler und Schluchten angelegt werden – ein kühnes eisenbahntechnisches Abenteuer, das 1878 begann. Selbst der große Ingenieur Gustave Eiffel hatte es sich damals  nicht nehmen lassen, sich mit einem Entwurf für die 140 m lange und 80 m hohe Ponte Vecchio daran zu beteiligen. Gut 20 Jahre dauerte es, bis die gesamte Bahn befahrbar war. – Der Bau einer Linie südwärts entlang der Ostküste nach Porto Vecchio dauerte sogar fast 60 Jahre. Diese Linie wurde während des II. Weltkriegs von den Deutschen zerstört und danach stillgelegt und abgebaut.

Der Film erzählt die wechselvolle Geschichte der korsischen Eisenbahn, deren Schicksal bis in die heutige Zeit recht ungewiss ist. Ein Streik zu Beginn unserer Dreharbeiten zeigt, dass die Korsen um den Fortbestand ihrer Bahn immer kämpfen werden. Ihr Vertrauen in die sogenannten "Festlandsfranzosen" in den Führungsetagen der SCNF-Tochter CFC – der Chemin de Fer de la Corse – ist nicht das beste.

Nichtsdestotrotz bringt uns "u trinighellu", "der Zitternde" - weitere Bezeichnungen sind "Trenucciu" – "kleiner Zug"- oder "TGV", "Train à Grande Vibrations" - auf schnellen Schienen über die Insel und zu den typisch korsischen Geschichten: zu freilebenden Wildschweinen, zum "ältesten Lebensmittelgeschäft Europas" und zum "kultigsten Wanderweg Frankreichs", dem GR 20.

Wir treffen auf pannenerfahrene Eisenbahner und auf ein Künstlerehepaar, das sich in einem ausrangierten Bahnhof ein Zuhause geschaffen hat. Und wir lernen Korsika  als die schönste und auch musikalischste Insel kennen. Nicht nur werden überall in den Dörfern die polyphonen Gesänge gepflegt - mündlich überlieferte, mehr stimmige Vokalkunst a-capella -, selbst der Zug hat hier sein eigenes Lied.