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SENDETERMIN Fr, 17.5.2019 | 14:15 Uhr | SWR Fernsehen

Folge 966 Trambahnen und Schmugglerzüge in Äthiopien

Äthiopien ist anders. Es gibt noch die Armut, aber Äthiopien hat gleichzeitig mit das höchste Wirtschaftswachstum in Afrika. Karl Heinz Böhm war gestern, das Heute bestimmen die Äthiopier selbst, und die Chinesen. Die haben das Potential erkannt, das in diesem bevölkerungsreichen Land (100 Mill. Einwohner) steckt. Während Europa seine Chance verschläft, arbeiten Chinesen und auch Türken an gigantischen Infrastrukturmaßnahmen, vor allem auf dem Bahnsektor.

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Trambahnen und Schmugglerzüge in Äthiopien

Chinesen modernisieren Bahn-Infrastruktur

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Der Schmugglerzug Richtung Grenze.

Der Schmugglerzug Richtung Grenze.

Die 100 Jahre alte Awash-Brücke, längst fährt hier kein Zug mehr.

Der neue chinesische Expresszug nach Djibouti.

Bereits beim Bahnbau vor hundert Jahren waren die Schwellen wegen der Termiten aus Metall.

Die alte Strecke wurde vom Wasser teilweise weggerissen.

Addis Abeba ist eine junge Stadt. Mehr als die Hälfte der Bevölkerung ist unter zwanzig.

Addis hat ein modernes Nahverkehrssystem.

Der neue Hauptstadtbahnhof, eine Stunde Fahrt außerhalb der Stadt.

Beim Fahrkartenkauf erleben wir eine Überraschung: der nächste Zug fährt erst in einer Woche.

Ein moderner Autotransportzug im Bahnhof von Addis.

Nicht alle Fahrgäste finden die Werbung an den Straßenbahnhaltestellen gut.

Angehende Straßenbahner lernen den Umgang mit der Mittelkupplung.

Eine Straßenbahn mit Namen Leipzig, der Partnerstadt von Addis.

Die Leitstelle der Trambahn ist in der Hand junger Computerfreaks.

Auf der Anzeigetafel die 'Leipzig' am Meskelsquare.

Am 'Löwen von Juda' gleich gegenüber des alten Bahnhofs sollte man unbedingt einen Kaffee trinken.

Der alte Hauptbahnhof von Addis.

Der Salonwagen des Kaisers ist in bestem Zustand: der Konferenzraum.

Im Morgenlicht fährt ein Trambahnzug der Blauen Linie in die Station ein.

Mit 70 km/h überholt die Tram jeden Stau.

40 Prozent der Mitarbeiterinnen bei der Tram sind Frauen.

Zwei Fußballerinnen nutzen das neue Verkehrsmittel.

Die neue Awash-Brücke mit einem Containerzug.

Jeder Zug bringt 150 Container aus dem 800 Km entfernten Hafen in die Hauptstadt.

Bahnbetriebswerk 'Diredawa' , der einzige Ort, an dem noch einmal die Woche ein Zug auf den alten Gleisen Richtung Djibouti fährt.

Um vom alten Bahnhof 'Matahara' zum neuen zu kommen müssten die Kinder mehrere Kilometer aus dem Ort rauslaufen.

Manchmal verschwinden die Geleise einfach im üppigen Grün. Der Letzte Zug war hier vor 10 Jahren unterwegs.

Die Alstom Diesellokomotiven im Betriebswerk Diredawa sind aus den 50er und 60er Jahren.

Ein Triebwagen aus den 50er Jahren hat als Teil des BahnCafes überlebt.

Die technische Ausstattung im Betriebswerk 'Diredawa' ist nicht schlecht, was fehlt sind Ersatzteile.

Die Mechaniker in der Betriebswerkstätte in Diredawa sind in der Lage komplette Motoren zu reparieren.

Wandbild einer Lok von 1902 in einem Bahnbüro.

Die Alstom-Lok vor dem Zug zur Grenze ist abfahrtbereit.

Die Fahrgäste machen es sich bequem, die Fahrt wird bis in die Nacht gehen.

Er tauscht Obst, Gemüse und Kat gegen Nudeln, Zucker, Speiseöl.

Eine Alstom Diesellokomotive Baujahr 1971.

Lokführer im Schmugglerzug beim Anfahren.

Die Schmugglerinnen freuen sich schon auf gute Geschäfte.

Der Zug an die Grenze wird bis in die Nacht unterwegs sein.

Im neuen Zug helfen Stewardessen den Fahrgästen beim Einstieg.

Die Fahrgäste sind sehr unterschiedlich, locker entspannt oder auch streng verschleiert.

Er meint die Züge seien gut, aber viel zu langsam, wenn er da an Deutschland denke . . .

Es gibt sogar Ruheabteile für die acht Stunden Fahrt.

Jeder findet seinen Platz, auch die streng Verschleierte.

Acht Stunden braucht der Zug von Addis nach Djibouti, fahrplanmäßig.

Die Lokführer sind noch Chinesen.

Am Containerbahnhof in Djibouti.

Die chinesischen Elektrolokomotiven fahren vor Containergüterzügen grundsätzlich in Doppeltraktion.

Die Elektrolokomotiven für Personenzüge erkennt man an der grünen Schürze.

Das Eisenbahn-Romantik Team war vier Wochen in diesem gegensätzlichen Land unterwegs: Zwischen dem Stadtstaat Djibouti am Golf von Aden und der auf 2400 Meter Höhe gelegenen Hauptstadt Addis Abeba, auf der modernsten Bahnlinie Afrikas, 800 Km voll elektrifiziert. Mit Schmugglern im letzten Zug der alten Kaiserlichen Bahn von Dire Dawa durch die Wüste an die Grenze Richtung Norden und mit der Straßenbahn von Kaliti bis Menelik II.

Öffentlicher Nahverkehr in Afrika ein Novum. Die Fünf Millionen-Metropole Addis leidet unter unvorstellbarem Smog. Eine erste Konsequenz, zwei Trambahnlinien. Sie sind ideal um die Stadt zu erkunden: Die Kathedrale, das Nationalmuseum mit einem der ältesten menschlichen Skelette, ‚Fin Fin‘ ein traditionelles Lokal und natürlich das Eisenbahnmuseum mit dem Hofzug von Kaiser Haile Selassie. Bei Gesprächen mit Fahrgästen und mit einer Trambahnfahrerin kommt die Begeisterung für das neue Verkehrsmittel rüber.

Nach einer Woche endlich die Reise mit dem modernen Schnellzug, fahrplanmäßig täglich, war er vorübergehend für Flüchtlingstransporte von der somalischen Grenze her eingesetzt. Im Gegensatz zur Tram läuft die Eisenbahn noch überwiegend unter chinesischer Regie. In der Leitzentrale, im Führerstand, selbst der Oberschaffner, alles Chinesen. Wir stellen fest, dass vor dem Personenverkehr der Gütertransport Vorrang hat. Jeden Tag verlassen Züge mit 150 und mehr Containern den Hafen von Djibouti Richtung Addis. Keine der Straßen durchs Gebirge könnte den stetig wachsenden Warenfluss bewältigen.

Der Schmugglerzug fährt einmal die Woche. Die Existenz der meisten Passagiere hängt von ihm ab: Der Zug ist wie ein Teil meiner Familie. Er versorgt uns wie eine Mutter. Er bringt Nudeln, Salz, Makkaroni, Speiseöl, dafür bringe ich Obst, Kartoffeln und Kat nach Djibouti. Die Diesellok, die die klapprigen Wagons durch die Wüste schleppt ist eine französische Alsthom aus den 70er Jahren. Für die Ingenieure im Betriebswerk Dire Dawa ist es eine Herausforderung die Maschinen am Laufen zu halten. Für Ersatzteile fehlt das Geld, alles fließt in die neue Bahn. Die alte Strecke, die vor über hundert Jahren von Kaiser Menelik II gebaut wurde und die mit ihren vielen Stationen ganz nah an den Menschen war, hat keine Zukunft.