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SENDETERMIN Fr, 12.4.2019 | 14:15 Uhr | SWR Fernsehen

Folge 963 Die Pustertalbahn - Spuren im Südtiroler Schnee

Einspurig geht es durch den Schnee. Fern- und Güterverkehr gehören der Vergangenheit an. Einst eine strategisch wichtige Ost-West-Verbindung zwischen Alpenhauptkamm und Dolomiten, ist die Pustertalbahn heute ein Skizug im Halbstundentakt mit dem Anspruch, auch für Einheimische ein attraktives öffentliches Verkehrsmittel zu sein.

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Die Pustertalbahn - Spuren im Südtiroler Schnee

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Sonne satt und Bilderbuchmotive: Ende Februar 2019 dreht Eisenbahn-Romantik im Pustertal.

Sonne satt und Bilderbuchmotive: Ende Februar 2019 dreht Eisenbahn-Romantik im Pustertal.

Wir haben uns im Gestrüpp oberhalb der Brennerautobahn mit Blick auf die Franzensfeste positioniert und warten auf den Zug.

Pünktlich fährt der Zug über die Brücke Richtung Franzensfeste. Der bunten Regionalbahn, die im Halbstundentakt kommt, werden wir 8 Tage folgen.

Mit einer Gopro (=Action-Kamera) am Stab wollen wir die Pustertalbahn ein weiteres Mal vor ihrer Einfahrt in die Franzensfeste abfangen.

Es klappt! Einer Kranfahrt gleich schwebt die Minikamera ein Stück parallel zur Bahn.

Den nächsten Tag verbringen wir in Toblach: Der Bahnhof ist liebevoll restauriert worden - unser Ausgangspunkt für einen Ausflug in die Geschichte der Stecke.

Das „Tor zum Tourismus“ in Toblach: die Südbahngesellschaft hat nicht nur die Bahnstrecke und zahlreiche Bahnhöfe gebaut. Mit dem Zug kamen wohlhabende Urlauber, und die brauchten eine standesgemäße Unterkunft.

Das Grand Hotel im Schatten der Dolomiten wird heutzutage als Kultur- und Kongresszentrum genutzt.

In Stein gemeißelt: Dem Erbauer der Bahnstrecke, Wilhelm Ritter von Flattich, haben die Toblacher ein Denkmal gesetzt. Unser Kameramann filmt hauptsächlich mit einer Sony Alpha.  

Gegenlicht kann optisch reizvoll sein - sofern man etwas sieht. Aber wer will sich schon über zu viel Sonne beschweren?

Spurensuche: was führte die Bahntouristen früher nach Toblach? Im Tierpark werden wir fündig.

Eine unscheinbare Hütte im Tierpark: hier komponierte ein berühmter Mann seine letzten Sinfonien.

Die Hütte interessiert uns, denn auch der Prominente reiste mit der Bahn.

Gustav Mahler arbeitete in seinem Urlaub. Wandern und Fahrradfahren liebte er aber auch. Mit der Bahn fuhr er auch weiter in die Dolomiten.

Die Dolomitenbahn zweigte in Toblach von der Pustertalbahn ab. Mit dem Toblacher Historiker Dr. Wolfgang Strobl erkunden wir die stillgelegte Bahntrasse. Im Winter wird sie als Loipe mit Einstieg direkt am Bahnhof genutzt.  

Sonne und Schnee – nichts erinnert mehr daran, dass hier im Höhlensteintal ein Hoteldorf stand. Es wurde gesprengt, als der erste Weltkrieg an der Dolomitenfront tobte.

Unterwegs auf der ehemaligen Bahntrasse begegnen wir den Gräbern der Soldaten.

Ein Sperrfort vom Ende des 19. Jahrhunderts liegt am Wegesrand. Ein Bunker aus Beton, was damals noch etwas Besonderes war.

Der Stacheldraht ist natürlich neueren Datums. Hier oben in den Südtiroler Bergtälern bleibt das Militär präsent.

Wir begleiten den langlaufenden Historiker bis zum Drei-Zinnen-Blick im Höhlensteintal.

Die Drei Zinnen im schönsten Gewand. Trotz drei Wochen Sonnenschein ist es noch schneeweiß. Die Drei Zinnen gehören zum UNESCO Weltnaturerbe Dolomiten.

Zurück in Toblach warten wir mal wieder auf die Bahn. Diesmal verspätet sie sich. 

Das Pustertal bei Niederdorf ein Tag später.

Am Andreas-Hofer-Gedenktag filmen wir die Feierlichkeiten vor der Kirche in Niederdorf.

Erst knallen die Schützen, dann schmettern die Bläser: eine Herausforderung für den Tonkollegen.

Anschließend besuchen wir das Hotel Emma, genannt nach einer Dame, die schon vor 150 Jahren wusste, dass die Zugverbindung für das Pustertal ein Segen ist.

Die Schlutzkrapfen – in Südtirol schlicht „Schlutzer“ genannt - nach dem Rezept der Tourismuspionierin Emma Hellthaler sind köstlich.

Die Motive gehen uns an diesem sonnigen Sonntag nicht aus, aber manches sollte man sich lieber nur aus der Ferne anschauen: Die Bahnwärterhäuschen sind im Gegensatz zu den Bahnhöfen im Pustertal oft nicht saniert.

Ein besonderes Relikt aus alten Eisenbahn-Zeiten: der Wasserturm in Welsberg, der früher die Dampflokomotiven speiste.

Eine SWR-Kamera mitten auf dem Kronplatz im Skigebiet. Und wo geht es hier zum Zug?

Selbst auf der Kuppe vom Kronplatz ist die nächste Pustertalbahnhaltestelle ausgeschildert.

Das SWR-Team auf dem Kronplatz: am vierten Drehtag geht es mit großer Kamera auf die Skier.

Mit bestem Blick auf Bruneck und das breite Pustertal schwebt man in der Luft.

Auf jeder Gondel ist die bunte Pustertalbahn abgebildet. Sie wird als Skizug vermarktet.

Percha bei Bruneck: Die Talstation der Gondel ist gleichzeitig Haltepunkt der Bahn. Bahnhof, Gondel und Piste wurden gemeinsam geplant und verwirklicht.

Fünfter Drehtag im Pustertal: Die Sonne erwacht, die nächste Bahn muss kommen - dort hinten aus Österreich.

Im Hochpustertal liegt noch viel Schnee. Ideale Bedingungen, um die Bahn im Winter zu filmen.

Am Bahnhof in Innichen: hier wechseln Lokführer und Stromversorgung.

Der Zweisystemtriebwagen hat zwei Bügel: einen Stromabnehmer für den österreichischen Wechselstrom und einen für den italienischen Gleichstrom.

Der Zug rollt mit eingeklappten Bügeln über eine stromfreie Zone.

Wir treffen auf den Lokführer, den wir auf seiner Fahrt von Innichen nach Franzensfeste begleiten dürfen.

Sechster Drehtag: der neue Bahnhof in Olang stimmt uns auf das Tagesprogramm ein. Er ist aus heimischer Lärche gebaut, was an die Holztransporte der Bahn in früheren Zeiten erinnert.

Im Wald beobachten wir, wie Sturmholz vom Herbst aus den Berghängen rausgeholt wird. Ein mühseliges Geschäft!

Am Stausee in der Nähe von Olang: Warmes Wetter, traumhafter Blick und gleich kommt die Pustertalbahn - hier macht Warten Spaß!

Karibik in den verschneiten Alpen: Schade, dass sich die Pustertalbahn nicht auch noch im schillernden Stauseewasser spiegelt.

So schön, fast schon kitschig! Man muss allerdings genau hinschauen, um die Bahn im Bild zu entdecken.

Ein Postkartenmotiv reiht sich ans andere.

Der sechste Tag, der letzte mit richtig gutem Wetter.

Ein liebevoll saniertes Bahnwärterhaus in der Nähe von Bruneck.

Mit Blick auf die Altstadt fährt die Pustertalbahn in Bruneck ein. Bruneck ist das pulsierende Zentrum des Pustertals.

Das Schloss ist neben dem Kronplatz das Wahrzeichen der Stadt.

Bruneck Bahnhof. Hier wollen viele Menschen umsteigen: vom Rad, vom Auto oder vom Bus in die Bahn.

Bruneck Bahnhof. Hier wollen viele Menschen umsteigen: vom Rad, vom Auto oder vom Bus in die Bahn.

Der nächste Ort mit direktem Bahnanschluss: St. Lorenzen

Als wir am nächsten und letzten Drehtag wiederkommen, ist das Wetter umgeschlagen. Leider.

Wir sind mit Drohne (am oberen Bildrand) und Fernsehkamera gleichzeitig im Einsatz, wollen fertig werden, bevor das Wetter ganz kippt.

Wir kehren zurück zur Franzensfeste, unserem Ausgangspunkt der Reise.

Die Festung hatte sogar mal einen eigenen Bahnsteig innerhalb der Mauern. Heutzutage fährt der Zug ohne Halt durch.

Die Pustertalbahn fährt ins Brennertal ein, wo in der Nähe der Franzensfeste gerade der Brennerbasistunnel entsteht.

Es ist vorbei mit der Einspur-Idylle. Mehrspurig geht es die letzten Meter auf der Brennerbahnstrecke Richtung Bahnhof Franzensfeste.

Endstation. Wir verabschieden uns nach 8 Tagen von dem freundlich-bunten Südtirol-Zug aus dem Pustertal.


Der farbig gestylte Stadler Flirt hält auf seinem Weg von der österreichischen Grenze bis ins Brennertal an einer Reihe frisch sanierter Bahnhöfe. Pläne für ein Mobilitätszentrum in Bruneck und eine Direktverbindung nach Bozen liegen in der Schublade. Die Südtiroler wollen eine Modernisierung auf der Überholspur.


Rechts und links der Strecke hinterlassen nicht nur Skifahrer ihre Spur. Wildtiere leben in einer intakten Natur. Dass Touristen die eindrucksvolle Bergwelt für sich entdeckten, hängt eng mit der Bahngeschichte zusammen. Vor 150 Jahren begann man mit dem Bau der Strecke, so alt wird 2019 auch der Südtiroler Alpenverein. Eisenbahn-Romantik ist den Tourismuspionieren und auch den Akteuren von heute auf der Spur.