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SENDETERMIN Fr, 29.3.2019 | 14:15 Uhr | SWR Fernsehen

Folge 960 Der Velay-Express – Dampf und Diesel im Zentralmassiv

Schmalspurbahnen haben vor über 120 Jahren auch in Frankreich in abgelegenen Gegenden für wirtschaftlichen Aufschwung gesorgt. So entstand ein über 200 km langes Bahnnetz zwischen Tournon, Le Cheylard, Le Puy und Dunières. Kurz nach der Stilllegung 1968 nahmen zwei Vereine den Museumsbetrieb wieder auf. Seit 1970 verkehrt zwischen Raucoules und Saint Agrève der Velay-Express.

Wobei "Express" ein wenig übertrieben klingt. Zuckelt doch der Dampfzug mit rund 30 km/h über die 1000 mm breiten Gleise. Die Männer und Frauen vom Verein "Voies Ferrées Du Velay" kümmern sich um Erhalt und Betrieb der Fahrzeuge und der Strecke. Und es gibt hier sogar eine ganze Familie, die sich über drei Generationen dem "Leben auf der Schiene" verschrieben hat – zumindest in der Freizeit.

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Folge 960

Bilder vom Velay-Express

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Die Dampflok des Velay-Express ist klein aber sie hat es in sich - sie ist eine der wenigen Mallet-Lokomotiven, die auf einer Schmalspurbahn noch in Betrieb ist.

Die Dampflok des Velay-Express ist klein aber sie hat es in sich - sie ist eine der wenigen Mallet-Lokomotiven, die auf einer Schmalspurbahn noch in Betrieb ist.

So schmuck, so glänzend ist alles, kaum zu glauben, dass die Maschine 1906 gebaut worden ist. Lange hat die Restaurierung der Maschine gedauert.

Das Fabrikschild der 020-020 T Blanc-Misseron Nr. 337, die früher einmal PO-Corrèze , Nr. 101 hieß.

Ein Blick in den Führerstand – Platz gibt es nicht viel, denn ein bisschen Kohle muss auch auf dem Boden "verstaut" werden.

Ein Blick ins Depot von Raucoules-Brossettes. In fast jedem Bahnhof an der Strecke gibt es noch die typischen Wassertürme.

Viel Aufmerksamkeit braucht die Lok, vor jeder Fahrt gibt es eine Menge zu tun...

...tiefe Einblicke sind nötig. Fehlt noch was?

Auf der Mittelgebirgsstrecke wird viel Sand verbraucht – und der kommt offenbar aus Deutschland.

Mehrere Säcke sind notwendig. Besandungsanlagen wie es sie in großen Bahnbetriebswerken gab und gibt finden sich auf der Museumbahn freilich nicht.

Bremsprobe. Lokführer/Heizer Fabian Grégoire gibt die entsprechenden Zeichen.

Der Zug verlässt Raucoules-Brossettes – vorbei am Eisenbahn-Romantik Kamerateam.

Fabian Grégoire ist heute Heizer – an manchen Tagen ist er auch Lokführer. Im Verein sind Multitalente gefragt. Von Beruf ist er eigentlich Illustrator und bekannter Autor von Graphic-Novels.

Der Velay-Express fährt auf dem Hochplateau der Cevennen.

Die Landschaft ist geprägt von dichten Wäldern...

...aber auch von weiten, offenen Landschaften.

Gedreht haben wir während der Fußballweltmeisterschaft – für Frankreich gab es dabei mehr zu feiern als für Deutschland.

Es gibt an der Strecke unglaublich viele Photomotive für Eisenbahnfreunde....

...und daher natürlich auch für das Eisenbahn-Romantik Team.

Die Region ist bekannt für ihre Rinderzucht. Es sind zwar keine ganz speziellen Rassen aus der Region, doch hier legen viele Bauern großen Wert auf eine naturnahe Haltung.

Hinter jeder Hecke könnte eine Kuh "lauern" – die Tiere haben hier viel Platz und sie dürfen meist ihre Hörner behalten.

Auch das Eisenbahn-Romantik Team hat einen Landwirt besucht, der sich auf die Rinderzucht spezialisiert hat. Seine Herde kennt ihn gut, wenn er ruft kommen Kühe, Kälber und...

...sogar der "Chef" angetrabt. Selbst der Stier frisst ihm sozusagen aus der Hand.

Vieles an der Strecke ist noch erhalten. Zum Beispiel dieser Wasserkran. Nicht alle funktionieren, doch der Verein setzt alles daran, die Strecke authentisch herzurichten.

Hier zum Beispiel liegt ein Wasserkran der wieder restauriert wird.

In der Werkstatt in Raucoules-Brossettes packen alle mit an, nicht nur der Wasserkran wird restauriert, auch die Steine für das Fundament wurden hier bearbeitet.

Auf die Reise geschickt werden die Steine des Fundaments für den Wasserkran mit diesem Gefährt. Gemäß einem alten Werbespruch könnte unter dieser Diesellok der Satz stehen: Ich war einmal eine Dampflok.

Das stolze Team auf der Lok Nr. 70 von 1948, damals wurde die Dampflok in eine Diesellok umgebaut. Genauer gesagt es wurde das Fahrwerk übernommen und mit einem Lastwagenmotor und entsprechenden Aufbauten versehen. Ursprünglich war es eine  Cail , 130T # 70 von 1891.

Das Gespan ist auf dem Weg zu seinem Bestimmungsort...

... nach Chambon sur Lignon, hier soll der Wasserkran wieder aufgebaut werden und zwar funktionsfähig. Das Fundament ist links zu sehen.

Der Dampfzug ist gemächlich auf der 27 Kilometer langen Strecke unterwegs in Richtung Saint Agrève.

An größeren Straßen geleitet die Gattin des Lokomotivführers...

... den Zug charmant über den Bahnübergang.

Vor allem im Frühsommer ist die Gegend wunderschön, die Dampflok gleitet förmlich durch die Blüten.

Die Region ist beschaulich, weit weg vom Trubel der großen Städte, die kleinen Orte sind oft Luftkurorte. Früher kamen die Menschen aus der nahen Industrie Stadt Clermont-Ferrand, um sich zu erholen.

Oft hört man in der hügeligen Gegend den Zug von weit heranschnaufen, und er kündigt sich mit dem markanten Schornstein an...

...bevor er vollständig auftaucht.

Saint Agrève ist die Endstation der Bahnlinie. Ein kleiner Ort mit einem traditionellen Markt.

Das Eisenbahn-Romantik Team kommt allerdings nicht zum Einkaufen - obwohl die Angebote verlockend sind...

...so sieht man Knoblauch selten.

Für den Velay-Express wird mit einem Plakat am Lokschuppen geworben – gestaltet hat es Vereinsmitglied und Illustrator Fabian Grégoire.

Auch in Saint Agrève gibt es ein kleines Bahnbetriebswerk mit Drehscheibe – die Lok ist daher stets Schornstein voraus unterwegs.

Betrieben wird die Drehscheibe von Hand, da ist gehörige Muskelkraft erforderlich...

... und wenn die Drehscheibe erst einmal Schwung hat, muss ebensoviel Kraft zum Bremsen aufgebracht werden.

Neben der Dampflok steht ein ausgebrannter Triebwagen – seine Aufarbeitung dürfte schwierig werden...

Doch im Schuppen finden sich noch weitere Raritäten an denen gewerkelt wird. Eine ganze Flotte kleiner Triebwagen.

Auch ein alter Kranwagen ist zu bestaunen und gute Dienste leistet er auch noch.

Einer der Triebwagen ist wieder voll funktionsfähig und ist ebenfalls regelmäßig im Einsatz. Es ist ein Billard  Triebwagen A 150 D2, Nr. 222, von 1939.

In Le Chambon-sur-Lignon treffen sich der Dampfzug und der Triebwagen.

Zum Schluss ein Panorama mit Wolke – der Velay-Express unterwegs auf der Hochebene der Cevennen.

Neben einer Mallet-Dampflok und liebevoll restaurierten Holzwagen kommen auch Dieseltriebwagen zum Einsatz. Diese sind vom Hersteller Billard aus den 1930er Jahren. Uriges Design und knatternde Motoren sind Garantie für ein besonderes Fahrerlebnis. An den Endbahnhöfen gibt es Drehscheiben, so dass die Dampflok immer mit der Rauchkammer voraus auf die Strecke geht. Überhaupt sind alle Bahnhöfe und Nebenanlagen, wie Wassertürme und Lokschuppen, noch original erhalten. In den 1950er und 60er Jahren wurde angesichts der drohenden Stilllegung kein Geld mehr ausgegeben. Also wurde nicht modernisiert, aber auch nichts abgerissen. Ein Glücksfall für die Museumsbahn.

Entlang der Strecke gibt es viel zu erleben. Immer gibt es irgendwo einen Wochenmarkt mit kulinarischen Spezialitäten und Handwerkskunst aus der Region. Wanderfreunde kommen auf ihre Kosten und wer sich über traditionelle Rinderzucht informieren möchte fragt einfach einen der vielen Landwirte. Manchmal etwas abseits, aber immer einen Ausflug wert, sind kleine Restaurants auf dem Land. Eines davon ist zugleich auch Bücherstube und Weinhandlung.

Le Chambon-sur-Lignon, ein kleines Städtchen an der Strecke mit typischen Häusern aus grauem Gestein, ist weltweit bekannt. Zur Zeit der deutschen Besetzung in den 1940er Jahren fanden hier, und in den umliegenden Dörfern, Tausende jüdische Kinder und Familien Zuflucht und Hilfe. Organisiert von evangelischen Pfarrern entstand eine Gemeinschaft der Helfenden. Die meisten Flüchtenden kamen mit dem Zug, erhielten am Bahnhof zu essen und zu trinken und es wurden für sie Verstecke organisiert.

Die Museumszüge fahren zwischen Ende April und Ende Oktober an den Wochenenden, in den Ferien auch mittwochs. Sonderfahrten, zum Beispiel in der Adventszeit, gibt es auch.

Alle Informationen rund um den "Velay-Express" sind auf der Webseite des Vereins "https://velay-express.fr/" zu finden.