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SENDETERMIN Fr, 22.3.2019 | 14:15 Uhr | SWR Fernsehen

Folge 959 Vom Blauen Nil ans Rote Meer

In Khartum, der Hauptstadt des Sudan, vereinen sich der Weiße und der Blaue Nil. Fünf Millionen Menschen leben hier, 40 Millionen im ganzen Land. Seit kurzem sind die Sudanesen wieder Eisenbahnfreaks, seit auf zwei Strecken, neue chinesische Triebwagen fahren. Aus der Volksrepublik kommen auch die wenigen Diesellokomotiven, die die Güterzüge aus der Hafenstadt Port-Sudan am Roten Meer über die 850 km Distanz in die Metropole schleppen. Eine über hundert jährige Eisenbahntradition und eines der längsten Schienennetze Afrikas könnten eine gute Voraussetzung sein, die Entwicklung des Landes voranzubringen. Doch die Realität sieht anders aus. Fünf Wochen lang war das Eisenbahn-Romantik-Team auf Schienen und Wüstenpisten unterwegs, um der Frage nachzugehen, warum im Sudan die meisten Züge stehen statt zu fahren.

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Vom Blauen Nil ans Rote Meer

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Der Stationsvorsteher auf einer einsamen Wüstenstation erzählt, dass früher oft zehn Züge am Tag die Station passierten, heute manchmal keiner.

Der Stationsvorsteher auf einer einsamen Wüstenstation erzählt, dass früher oft zehn Züge am Tag die Station passierten, heute manchmal keiner.

Bild aus einem 80 Jahre alten Film über die Sudanesische Eisenbahn. Bei einem Zwischenhalt ölt der Lokführer die Lager.

Quer durch die Wüste die Straße nach Port Sudan. Eine Reifenzehrende Materialschlacht, während die Schiene verwaist.

Die Karawanen waren die Vorgänger der Eisenbahn im Sudan. Hier mit Fatamorgana im Hintergrund.

Hafenarbeiter beim Laden in Port Sudan.

Ein Frachter aus Indien mit Zucker wird entladen.

Ein seltene Bild, Beladen eines Güterzugs im Hafen von Port Sudan. Inzwischen verhindert die Hafenarbeitergewerkschaft das direkte Verladen vom Schiff auf die Bahn.

Der Wagenmeister im Güterzug nach Haya.

Die dieselelektrische Rangierlokomotive kommt aus China.

Güterzug hinter Summit, der mit 900 Metern höchsten Stelle der Strecke Port Sudan – Khartum.

Der 'Al Nil' in der Nähe der Station 'Shendi'.

Blick auf das moderne Khartum mit dem von Libyen gebauten 'Khartum-Ei'.

Von 40 in den 70er und 80er Jahren gekauften Henschellokomotiven sind wegen Ersatzteilmangel nur noch zehn einsatzfähig.

Der 'Al Dschazira' wartet im Bahnhof 'Bahri' in Khartum auf die Abfahrt nach 'Wad Madani'.

17 Iveco-Feuerwehren auf dem Weg in die Hauptstadt.

Seilzüge und Signale an einer einsamen Wüstenstation sind sein vielen Jahren außer Funktion.

Die letzten Dampflokomotiven im Sudan fanden als Kessel im Betriebswerk Atbara Verwendung.

In der Leitzentrale in Atbara werden die Zugläufe an einer Magnettafel händisch und per Handy aktualisiert.

Ein großer Teil der Sudanesischen Lokomotiven ist betriebsunfähig, Mitschuld daran trägt, wegen Ersatzteilmangel, das seit 1997 von den USA verhängte Embargo.

Model einer dieselelektrischen Lokomotive im Eisenbahnmuseum in der Eisenbahnstadt Atbara.

General Kitchener brachte 1897 diese Dampflokomotive im Museum aus England mit.

Treibräder der 'Kitchener-Lokomotive'.

Der Chef des Eisenbahnmuseums vor einer Rangierlokomotive von 1951, die im Hafen von Port Sudan im Einsatz war.

Im Museum: Druckstöcke für Bücher über Gleisbau in arabischer Sprache.

Radreifenwechsel im Betriebswerk Atbara.

Auch wegen des Embargos steht ein großer Teil der im Sudan besonders beliebten Henschellokomotiven still, Ersatzteilmangel.

Die Frontschürze des 'Al Dschazira' ist wegen des Zusammenstoßes, wahrscheinlich mit einem Kamel, beschädigt.

Der Polizist beobachtet die Strecke.

Nach Erneuerung der Radreifen werden die Drehgestelle wieder eingebaut.

In der Bahnbetriebswerkstätte in Atbara werden die Drehgestelle der Triebwagen gewechselt.

Zwei Dieselmotoren warten im Betriebswerk Atbara auf Reparatur.

Der Chef des Stellwerks in Atbara erklärt uns den Streckenplan.

Die mechanischen Stelltriebe der Weichen sind teilweise noch funktionsfähig.

Stangenantriebe für Weichen am Stellwerk in Atbara.

Die Signale stammen noch aus der Kolonialzeit, längst sind sie ausser Betrieb.


Ursprünglich kamen alle Lokomotiven aus USA oder Europa, auch vierzig Henschel-Diesellokomotiven. Nur zehn davon sind noch betriebsfähig. Der Vizedirektor der Bahn spricht das Problem direkt an: Die Kooperation mit Deutschland und den anderen europäischen Ländern scheiterte an den Sanktionen. Alle sind von Amerika beeinflusst. Dabei könnte unsere Bahn eine der leistungsfähigsten werden. Wir haben eine große Vision. Die Eisenbahn als modernes Transportmittel für die ganze Region. Es sind vor allem Ersatzteile die fehlen. Hunderte Lokomotiven stehen in den Betriebswerken und können, trotz vorhandenem Knowhow, nicht repariert werden. Tausende ungenutzter Wagons säumen die Strecken. Nicht den Mächtigen schadet das Embargo, es sind die normalen Bürger, die es trifft.
Mit dem ‚Al Nil‘ dem neuen ‚Schnellzug‘, mit maximal 70 km/h, wegen der Kamele und Viehherden, geht es durch die Wüste nach Atbara. Hier ist das Zentrum der sudanesischen Bahn, hier war einst das größte Betriebswerk Afrikas. Riesige Hallen, noch aus der Kolonialzeit. Gerade werden Radsätze aufgearbeitet, neue Reifen aufgezogen. In einer Ecke stehen zwei Kessel, bei näherem Hinsehen entpuppen sie sich als die letzten Zeugen der längst vergangenen Dampflokära. Auf einem achtzig Jahre alten Film, den das SWR-Team in einem Archiv entdeckte, sind die Loks noch voll unter Dampf zu sehen.
Die Mitfahrt mit einem Güterzug von Port Sudan hinauf ins Gebirge nach Summit auf 900 Meter, ist der Höhepunkt der Reise. Beim Beladen im Hafen läuft noch alles händisch. Ein Massengutfrachter aus Indien mit Zucker hat angelegt. Mit 25 km/h müht sich die Lok die 15 Promille Steigung hoch. Es ist eine beeindruckende Gegend. Ich mag meine Arbeit. An manche Orte kommt man nur mit der Bahn. Ich hoffe, für die nächste Generation, dass es wieder mehr Züge gibt, damit sie diese Landschaft kennenlernen können. Ob der Wunsch des Lokführers bald in Erfüllung geht? Seit über zehn Jahren fahren auf der Strecke keine Personenzüge mehr, nur Güterzüge, wie seit 100 Jahren, vom Blauen Nil ans Rote Meer und zurück.