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SENDETERMIN Fr, 1.11.2019 | 12:45 Uhr | 3sat

Folge 958 Von altem Eisen und neuen Zügen im Sudan

Der Sudan ist ein Eisenbahnland. Das über 4000 km lange Streckennetz, eines der längsten Afrikas, wurde vor über hundert Jahren von den Engländern während der Kolonialzeit angelegt, um den Nachschub im Kampf gegen die aufständischen Mahdisten zu sichern. Wenig hat sich seit dieser Zeit verändert. Im Gegenteil viele Verbindungen auf denen Mitte des vorigen Jahrhunderts noch reger Betrieb herrschte, sind heute unbefahrbar, im Sand versunken oder vom Nil unterspült. Erst langsam kommt es zu einer Renaissance der Eisenbahn.

Nachdem sich westliche Firmen wegen eines US-Embargos, nicht trauen im Land zu investieren, sind es wie in vielen Ländern Afrikas die Chinesen, die beim Aufbau einer dringend notwendigen Infrastruktur helfen. Dass die Volksrepublik dabei eine nicht immer uneigennützige Strategie verfolgt, ist den Menschen egal, die endlich in modernen, klimatisierten Zügen von Khartum aus die zwei größten Regionalzentren erreichen können. Das Eisenbahn-Romantik-Team hat den ‚Al Dschazira‘, benannt nach einer Halbinsel im Nil, getestet und mit den Fahrgästen gesprochen. Eine junge Mutter mit drei Kindern: Während der vier Stunden Fahrt sind wir gut versorgt. Es gibt Tee und Sandwiches und wir haben viel Spaß miteinander.

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Folge 958

Bilder von altem Eisen und neuen Zügen im Sudan

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Der 'Al Nil' verlässt den Bahnhof Atbara.

Der 'Al Nil' verlässt den Bahnhof Atbara.

Die dieselelektrischen Lokomotiven von Henschel sind die beliebtesten Maschinen im Sudan.

Eine Chinesische Güterzuglokomotive im Rangierbahnhof Khartum.

Der 'Al Dschazira' benannt nach einer fruchtbaren Halbinsel wartet im Bahnhof 'Wad Madani' auf die Abfahrt.

Bereitwillig gaben uns die Mitreisenden auf der Fahrt in den Süden Interviews.

Kommt der 'Expresszug' werden die Bahnübergänge in der Stadt per Flagge gesichert.

Der 'Al Dschazira', erkennbar am grünen Kleid, und eine Henschel BJ. 1981 im Bahnhof Atbara.

Der 'Al Nil', im Hintergrund die Freitagsmoschee von Atbara.

Der Güterzug aus Port Sudan in der Wüste hinter 'Haya'.

Mitfahrt im Güterzugbegleitwagen, wegen der starken Bewegung des Wagens musste immer einer die Kamera halten.

Die Lokomotive mit der General Kitchener 1897 unterwegs war.

Die Strecke ist gut – der Zug erreicht 75 kmh.

Eine Henschel Baujahr 1975 zieht den letzten Salonwagen Richtung Wadi Halfa.

Glücklicherweise steht der Esel nicht auf der Schiene.

Im Bahnbetriebswerk Atbara gehören Radreifenwechsel zur Routine.

Im Eisenbahnmuseum von Atbara.

Der Elefantentempel aus Nubischer Zeit liegt in der Nähe der Strecke Khartoum – Atbara.

Der 'Römische Kiosk' bei der Tempelstadt 'Naga' in der Nähe der Bahnlinie Khartoum – Atbara

Die Pyramiden von Meroe liegen in Sichtweite der Bahn.

Mitten in der Wüste Eisenbahnerhäuser bei Stationskilometer 417.

Vor dem Bahnhof Port Sudan die Attrappe einer chinesischen Diesellokomotive.

Im Fernseharchiv in Khartoum entdeckten wir einen 80 Jahre alten Film über die Eisenbahn im Sudan.

Für die alten Personenwagen stehen die Signale längst auf Halt.

Der 'Al Nil' wartet auf Ausfahrt im Bahnhof Atbara.

Der 'Al Nil' in Atbara bei der Ausfahrt Richtung Khartum.

Erneuern der Radsätze im Betriebswerk Atbara.

Der Service in der sudanesischen Eisenbahn ist zuvorkommend und gut.

Die beiden Frauen erzählten uns, dass sie bereits zum zehnten Mal mit dem 'Al Dschazira' unterwegs sind.

Der mitfahrende Polizist erzählt, dass es in den alten Zügen es eine Zelle für renitente Passagiere gab. Heute ist das nicht mehr so.

Der Lokführer im Güterzug von Port Sudan ins Gebirge hoch hofft, dass es einmal wieder Personenzüge auf dieser landschaftlich so schönen Strecke gibt.

Die Bedienelemente in der chinesischen Güterlok sind auf englisch beschriftet.

Beim Einschieben des Drehgestells helfen alle zusammen.

Unser Zug Richtung 'Wadi Halfa' ist mit einer Henschel bespannt.

Frühstück im Salonwagen Richtung 'Wadi Halfa'.

Die Stimmung im Salonwagen ist trotz der Hitze von über 40 Grad gut.

Genau wie die Signale ist auch ein großer Teil der Güterwagons nicht betriebsfähig.

15 Radlader im Bahnhof Atbara bei der Ausfahrt Richtung Khartum.

Auch das einst größte Eisenbahnbetriebswerk Afrikas in Atbara ist mit einem der neuen Triebwagen erreichbar. Dort allerdings offenbart sich die andere Seite der Sudanesischen Bahn: Im Freigelände stehen hunderte betriebsunfähiger Diesel-Lokomotiven, vor allem aus USA und Europa. Der Chefingenieur erklärt die Problematik: Der Grund dieser Misere ist das Embargo, das seit 1997 unser Land extrem negativ beeinflusst. Wir bekommen kaum Ersatzteile, um die Maschinen betriebsfähig zu halten. Wir haben auch 40 Lokomotiven aus Deutschland, davon sind gerade mal noch zehn im Einsatz.

Dass im Sudan genügend technisches Knowhow vorhanden ist, um auch komplizierte Reparaturen und Wartungsarbeiten durchzuführen, zeigt der Film an anderer Stelle. Turnusmäßig alle fünf Jahren müssen die Radsätze der modernen Dieseltriebwagen gewechselt werden. Routiniert bauen die Mechaniker die neuen, aus China gelieferten Teile ein. Mit zwei Hallenkränen, einer davon dient schon seit 90 Jahren, setzen sie anschließend den Wagenkasten punktgenau auf die Drehgestelle.

Nach fünf Wochen im Sudan macht das SWR-Team zum Schluss des Films eine Reise der besonderen Art. Im letzten weißen Salonwagen geht es am Nil entlang Richtung ägyptische Grenze. Wir erleben, wie luxuriöses Reisen in Afrika früher ausgesehen hat: Nur vier komfortable Schlafabteile pro Wagen, Badewannen, Butler und ein eigener Koch mit Küche. So würde man gerne von Khartum bis Kairo reisen. Doch längst ist es nur mehr ein Traum.