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SENDETERMIN Fr, 8.3.2019 | 14:15 Uhr | SWR Fernsehen

Folge 957 Die Lemvigbahn – Hyggelig durch Dänemark

Der Salzgehalt in der Luft ist so hoch, dass kaum Bäume wachsen. In der kargen Dünenlandschaft taucht quasi aus dem Nichts eine Bahn auf, die aussieht wie aus dem Museum. Die Lynette-Triebwagen aus den 80-er Jahren fahren an der Nordseeküste von Mitteljütland bis 2020 noch im Regelbetrieb. Man reist entspannt, macht es sich gemütlich; „hyggelig“ sagen die Dänen dazu.

Die Lemvigbahn, auch VLTJ genannt, ist mit ihren fast 60 Kilometern Dänemarks längste Privatbahnstrecke. Eingleisig und nicht elektrifiziert geht es von Vemb über Lemvig nach Thyberøn.

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Folge 957

Bilder von der Lemvigbahn: Hyggelig durch Dänemark

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Warten auf den „Tog“, was auf Dänisch „Zug“ heißt. Hier kommt gleich ein Y-Tog der Lemvigbahn.

Warten auf den „Tog“, was auf Dänisch „Zug“ heißt. Hier kommt gleich ein Y-Tog der Lemvigbahn.

Die Lynette-Triebwagen der Lemvigbahn halten nur bei Bedarf und nicht an jedem Bahnhof.

In Mitteljütland gehören die Wagen aus den 80-er Jahren noch zum Alltag der Bewohner.

Getreide soweit das Auge reicht. Das erste Stück der Strecke von Vemb nach Lemvig ist landwirtschaftlich geprägt.

Lemvig Bahnhof: der Zug aus Vemb ist bereits angekommen.

Kurz darauf fährt der Zug aus Thyborøn in den Bahnhof von Lemvig ein.

Der Bahnhof von Lemvig ist auch der Sitz des privaten Bahnunternehmens. Stellwerk und Werkstatt sind hier untergebracht.  

Parallelfahrt der Züge nach Thyborøn und Vemb bei der Abfahrt in Lemvig. Mehrmals am Tag ermöglicht der Fahrplan dieses Schauspiel.

Neben dem Bahnhof wartet im Sommer noch ein anderer Zug: die Bergbahn von Lemvig.

Ein Verein fährt mit einem Triebwagen von 1968 vom Bahnhof zum Hafen von Lemvig und wieder zurück.

Es geht im Schneckentempo durch einen dichten Wald den Berg hinab. Mit Hilfe einer Spitzkehre wird der Höhenunterschied überwunden.  

Paul Paulsen hat den Triebwagen fest im Griff. Er vertraut der alten Technik und findet immer wieder einen Weg, den ausrangierten Y-Zug der Lemvigbahn zu reparieren.

Mit Kinderwagen und Sack und Pack unterwegs: die freundlichen Vereinsleute helfen gerne.

Um die Abfahrt per Rad vom Bahnhof zum Hafen zu filmen, muss der Kameramann festgeschnallt werden.

Das Tempo von Auto und Rad aufeinander abzustimmen, ist nicht so leicht. Der Abstand sollte immer gleichbleiben.

Ankunft am Hafen. Lemvig liegt am Limfjord und nicht direkt am Meer. Für den Dänen Sven Århammar macht das keinen Unterschied.

Abends ist es am Hafen von Lemvig besonders „hyggelig“ – sofern das Wetter mitspielt.

Im Ausnahme-Sommer 2018 konnte man so gut wie jeden Abend draußen sitzen und das Lichtspiel am Himmel und die Spiegelung auf der Wasseroberfläche beobachten.

Auf dem Weg vom Fjord zum Meer verraten ein paar Hügel, dass die Landschaft in der Eiszeit entstanden ist.  

Das Wetter kann sich nicht so recht entscheiden, ob es kippen möchte. Ein paar Wolken bringen eine willkommene Abwechslung.

Weiter geht es mit der Bahn auf einer Landzunge Richtung Thyborøn. Jetzt schauen alle aus dem Fenster.

Die Lemvigbahn fährt über einen Damm. Auf der rechten Seite liegt der Limfjord …

… und auf der linken Seite Natur pur: Die Dünenlandschaft steht teilweise unter Wasser. Deshalb hat man die Bahn auf den Damm verlegt.

Die alte Bahntrasse zwischen Harboøre und Thyberøn ist zum Radweg umfunktioniert worden.

Der Radweg heute liegt genauso wie die Schienen früher direkt hinter der hohen Düne am Meer.

Eine karge und doch faszinierende Landschaft erwartet den Radfahrer.

Doch schon von der Düne erahnt man, dass die Idylle Brüche hat. Am Horizont erscheint die Cheminova, ein Pflanzenschutzmittel-Hersteller, dessen giftige Abwässer in den 60er und 70er Jahren zu Fisch- und Vogelsterben geführt hat.   

Die Cheminova besitzt ein eigenes Gleis für den Gütertransport. Während der Filmaufnahmen waren Betriebsferien.

Am Fischertag im August nutzen Einheimische und Touristen gleichermaßen die Lemvigbahn.

Ein Volksfest, bei dem die Band Tørfisk aus Thyborøn auftritt. Sie hat die Lemvigbahn 1985 durch ihr Lied „VLTJ“ musikalisch verewigt.

Anschließend legen die Bandmitglieder ihre Instrumente nieder …

… und versteigern Fische. Mehr Volksbelustigung als Verkauf.

Der Hummer hat fast die Größe einer Fernsehkamera. Gut, dass die Scheren zugebunden sind.

Was in der Nordsee so alles lebt, erfährt man im Aquarium von Thyberøn. Hier kann man sogar Fische streicheln.

Früher wurden die Fische nicht per LKW oder übers Meer abtransportiert, sondern mit der Lemvigbahn.

Auch die deutschen Soldaten nutzten im Zweiten Weltkrieg die Bahn – und bauten am Strand von Thyborøn Bunker an Bunker. Die Reste von Hitlers Atlantikwall versinken nach und nach im Sand.

Nordsee fast ohne Wellen: bei den Dreharbeiten im Sommer 2018 zeigte sich das raue Meer von seiner friedlichen Seite.

Bis an die Spitze der Landzunge von Thyborøn führen Radweg und Bahn. Dort gehen Limfjord und Nordsee ineinander über.

Bis 2020 sind die Lynette-Triebwagen der Lemvigbahn noch unterwegs. Dann werden sie durch moderne Lintzüge ersetzt. Also: nichts wie hin, solange die Bahnoldtimer noch fahren!

Eine „hyggelige“ Reise geht zu Ende. Tschüs Dänemark!

Das erste Stück zwischen Vemb und Lemvig führt durch Kornfelder. Hier ist es schon mal passiert, dass ein Jauchewagen gerade die Gleise an einem unbeschrankten Bahnübergang überqueren wollte, als der Zug kam. Traktor und Anhänger wurden getrennt, der Zug landete im Feld. Zum Glück blieben alle unverletzt, aber der Lokführer erzählt heute noch von diesem ungewöhnlichen Unfall.

Die Bahngesellschaft hat ihren Sitz in Lemvig. Die charmante Direktorin gibt unumwunden zu, dass sich der Zug in der wenig besiedelten Region wirtschaftlich gesehen nicht lohnt, die Kommunen aber darauf bestehen, dass er weiterfährt und ihn auch finanzieren. Die Bahnoldtimer werden nach wie vor in Schuss gehalten. Mit einem lachenden und einem weinenden Auge sieht der Werkstattleiter der Zukunft entgegen. Dass die Bremsleistung zu wünschen übriglässt, muss Grund genug sein, die nostalgischen Y-Züge zeitnah auszutauschen.

Wer in Lemvig am windgeschützten Limfjord Pause machen möchte, muss vom Bahnhof ein Stück zu Fuß bergab gehen oder die Bergbahn nehmen. Ein Verein hat dafür einen Triebwagen der Lemvigbahn von 1968 fahrtüchtig gemacht. Der Zug überwindet 36 Höhenmeter, für die Dänen ein echter Berg.

Zwischen Lemvig und Harboøre führt die Strecke direkt hinter den Dünen entlang und dann weiter auf einer Landzunge bis nach Thyberøn. Während der Zug heute auf einem Damm unterwegs ist, kann man auf der alten Bahntrasse inmitten einer faszinierenden Natur Fahrrad fahren. Sven Århammar hat sich auf das Bahntrassenradeln spezialisiert und die schönsten Strecken in Dänemark auf einer Internetseite zusammengestellt. Eine Reise mit Bahn UND Rad bietet sich in dem hyggelig-flachen Land an.



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