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SENDETERMIN Fr, 8.3.2019 | 14:45 Uhr | SWR Fernsehen

Folge 956 Auf Schienen an die Dänische Riviera - Von Insel zu Insel

Wasser überbrücken, untertunneln oder trockenlegen, das müssen die Dänen, wenn sie Zug fahren wollen. Dänemark besteht aus zahlreichen Inseln, in die sich zusätzlich Fjorde einschneiden. Wer von Deutschland kommt und an die idyllische Nordküste von Seeland möchte, die wegen ihren langen weißen Sandstrände auch als dänische Riviera bekannt ist, nimmt eine Eisenbahnfähre, überquert zwei besondere Brücken und umfährt einen großen Fjord.

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Auf Schienen an die Dänische Riviera - Von Insel zu Insel

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In Oldenburg steigen wir in den IC3, den Dieseltriebzug der Dänen für den überregionalen Verkehr, besser bekannt als „Gumminase“. Mit ihr wollen wir bis nach Roskilde fahren. Die erste Etappe auf der Reise an die dänische Riviera.

In Oldenburg steigen wir in den IC3, den Dieseltriebzug der Dänen für den überregionalen Verkehr, besser bekannt als „Gumminase“. Mit ihr wollen wir bis nach Roskilde fahren. Die erste Etappe auf der Reise an die dänische Riviera.

Noch qualmt es auf der Vogelfluglinie: eine Strecke, die auf die Elektrifizierung wartet. Im Sommer 2018 können wir aber schon die ersten Spuren des Streckenausbaus erkennen - zumindest auf dänischer Seite.

Jan Plockross kommt aus Augsburg. Wir wollen ihn begleiten bis zu seinem Haus in Nordseeland. Der Zug bleibt in Großenbrode aber erst mal zwei Stunden stehen. Solch unfreiwillige Aufenthalte werden uns den ganzen Tag begleiten.

Zeit, um die Gumminase mit ihren luftgepolsterten Wülsten genauer zu studieren. Signalstörungen haben auch ihre Vorteile: So nah lässt man uns sonst nicht mit einer bemannten Kamera an die Schienen ran. 

Zu Fuß geht es in Puttgarden auf die Fähre. Gut, dass wir nur eine kleine, handliche Kamera dabeihaben und nicht unsere schwere XDCam.

Noch kommt man nur per Fähre über den Fehmarnbelt. Wir setzen uns in Rødby mit den Tunnelplänen der Dänen auseinander. Sie haben dort, wo der Tunnel mal rauskommen soll, eine Aussichtsplattform gebaut. 

Zwei unauffällige Gleise und doch eine Hauptverkehrsader Richtung Norden. Die Vogelfluglinie führt über Lolland, eine landwirtschaftlich geprägte Insel. Der Zug durchquert sie in einer guten halben Stunde.

Ob unterwegs per Fahrrad, Auto oder Zug – über die oder andere Brücke muss man rüber, wenn man in Dänemark reist. Hier die nach König Frederik IX. benannte Klappbrücke zwischen Lolland und Falster.

Auf den Zugfahrplan wird Rücksicht genommen, aber alle anderen müssen warten, wenn Schiffe kommen. Die nach König Frederik IX. benannte Klappbrücke wird elektrisch betrieben.

Die Brücke reicht über den fast 300 Meter langen Guldborgsund. Im Rahmen der Ausbauarbeiten der Vogelfluglinie soll sie auf zwei Gleise erweitert werden.

Gleise mal von unten betrachten – das dürfen wir und sogar in dem Moment, in dem sich die Klappbrücke öffnet.

Spannende Dreharbeiten im Untergrund. Die Klappbrücke aus den 60er Jahren wird heutzutage automatisch abgebremst.

Im Sommer kommen gleich mehrere Boote hintereinander. Trotzdem darf die Brücke nicht allzu lang geöffnet bleiben. Gleich kommt ein Zug.

Ankern mit Blick auf die nächste Brücke: die Storstrømsbrücke zwischen Falster und Seeland ist auf unserer Zugstrecke die faszinierendste.

Die Storstrømsbrücke ist 3,2 Kilometer lang. Aus allen möglichen Blickwinkeln haben wir gefilmt - bei strahlendem Sonnenschein.

Leider hat sie Risse und wird im Rahmen des Ausbaus der Vogelfluglinie abgerissen werden: die Storstrømsbrücke zwischen Falster und Seeland, über die auch der Zug fährt.

Eine Brücke, die es inzwischen nicht mehr gibt. Das Wahrzeichen von Næstved wurde im Herbst 2018 abgerissen. Die Bahn fährt jetzt unter einer neuen Brücke durch.

Typisch dänische Landschaft mit Neubaustrecke bei Ringsted auf Seeland, der größten Insel der Dänen. 4-spurig und elektrifiziert – das ist auf der Vogelfluglinie bisher noch ein ungewohnter Anblick.

Idylle an der Bahnstrecke: auf Giebeldach-Kirchen in weiß oder rot trifft man häufig in Dänemark - hier eine in Rislev auf Seeland.

Gleißendes Sonnenlicht im Sommer 2018 und schweißtreibende Temperaturen, die Skandinavien normalerweise nicht kennt. Für die Bilder fantastisch, für uns ganz schön anstrengend.

Wir haben endlich Roskilde erreicht. Wie kommt es nur, dass wir uns nach einem kühlen dänischen Bier sehnen?

Wulst statt Stromlinienform - an den Anblick haben wir uns inzwischen gewöhnt. In Roskilde verkehren auch Gumminasen als Elektrotriebzüge der Baureihe ER. Eine Weiterentwicklung der Dieseltriebzüge.

Der IC4 hat den Dänen Kummer bereitet. Die Züge aus Italien hatten von Anfang an ihre Macken. Ein Teil musste sogar verschrottet werden, ein anderer dient als Reserve auf Nebenstrecken.

Eine Lokomotive der Baureihe ME mit dieselelektrischer Leistungsübertragung vor dem ältesten Bahnhofsgebäude Dänemarks in Roskilde. Zwischen dem Baujahr der Lok und dem Baujahr des Bahnhofes liegen fast 150 Jahre. 

Die erste Eisenbahnstrecke in Dänemark führte von Kopenhagen nach Roskilde. Auch der Bahnhof stammt von 1847. Der italienisch-verspielte Look erinnert an eine Zeit, als eine Bahnfahrt vor allem eine Vergnügungsreise war.

Hier ruht der König, der die erste Zugstrecke in Dänemark bauen ließ. Christian VIII. war aber nur bedingt ein Eisenbahnfan: Anlässlich der Eröffnung reiste er demonstrativ mit dem Zug – zurück dann aber doch lieber mit der Pferdekutsche.

Der Dom von Roskilde ist nicht nur Unesco-Weltkulturerbe, sondern auch Ruhestätte der meisten dänischen Könige. Wir waren überrascht (und erfreut), dass wir dort recht einfach eine Drehgenehmigung bekommen haben.

Dänemark und die Wikinger gehören einfach zusammen. Vor dem Museum in Roskilde liegen Nachbauten ihrer Boote. Schiffe blieben lange das wichtigste Fortbewegungs- und Transportmittel. Erst der Zug machte es möglich, Güter unkompliziert über Land zu transportieren.

Unter den kleinen Hügeln in der Landschaft verbergen sich häufig Hünengräber. Sie erinnern an einen urzeitlichen Totenkult: Zwischen gigantischen Steinen beerdigte man hier im Norden die Verstorbenen.

Auf der Strecke von Roskilde nach Holbæk: wir warten auf einen Doppelstöcker deutscher Bauart – und es kommt ein IC4 italienischen Ursprungs. Ersatz-Betrieb am Wochenende.

Das letzte Stück der Reise an die dänische Riviera: Die private Odsherred-Bahn bringt uns bis an die Küste. Hier verkehren heutzutage Lintzüge.

Im Bahnhof von Hørve widmet sich ein kleines Museum der Geschichte der Fortbewegung in Nord-West-Seeland.

Ein Verein hat das Technikmuseum liebevoll eingerichtet. Im Focus: Eisenbahnen und Fähren – was sonst in Dänemark.

Hier in der Gegend ging es nicht darum, aufs offene Meer hinauszufahren. Früher querten zahlreiche Fähren den großen Isefjord, der sich tief in die Insel Seeland einschneidet. Erst seit 1899 kann man ihn mit dem Zug westlich umfahren.

Der Verein lädt immer im Sommer zu Dampfzug-Sonderfahrten ein. 2018 ist es aber so heiß und trocken, dass Fahrverbot herrscht. Brandgefahr! Einen Stapel Fahrkarten drucken sie trotzdem für uns – wie anno dazumal.

Unsere Bahnreise nähert sich ihrem Ende. Mitten in der Nacht – mit 5 Stunden Verspätung – erreicht Johannes Plockross Nykøbing auf Seeland. Er ruft ein Taxi. Der letzte Bus ist längst weg.

Das Ziel der Zugreise: die sogenannte „Dänische Riviera“, kilometerlange Sandstrände im Norden von Seeland.

Immer noch heiß, aber bewölkt. Lichtspiele am Himmel lassen uns am Strand zwischen Nykøbing und Rørvig verweilen.

In Korshage bei Rørvig, wo der Isefjord in die Ostsee übergeht, ist der Sonnenuntergang am schönsten – sagen Insider. Ein ruhiges Plätzchen, um vor der Rückreise auszuspannen.

Mit dem Zug an die dänische Riviera: für Jan Plockross und uns 2018 eine besondere Reise.  Dänemark zeigte sich bei bestem Wetter von seiner fotogenen Seite.


Schon auf Fehmarn geht das Inselhopping los. In Puttgarden fährt der EC3 der Dänischen Staatsbahn, die sogenannte Gumminase, im Zweistundentakt auf die Fähre. Die platte Zugnase spart Platz und ist praktisch: Die luftgepolsterten Wülste dichten die gekoppelten Triebwagen ab, und der Führerstand kann weggeklappt werden.
Um mit dem Zug in nur sieben Minuten auf die andere Seite zu gelangen, wollen die Dänen den Fehmarnbelt untertunneln. Während die Deutschen zögern, Naturschützer Gegenargumente liefern und das Fährunternehmen alles tut, um den Tunnelbau zu verhindern, treffen die Dänen längst Vorbereitungen: Dort, wo bei Rødby auf Lolland der Tunnel rauskommen soll, suchen Archeologen den Boden nach Überbleibseln aus der Steinzeit ab.


Auf der Strecke Richtung Norden ist weiterhin Wasser im Weg: eine Klappbrücke aus den 60er Jahren verbindet die Inseln Lolland und Falster. Brückenwärter steuern die kombinierte Eisenbahn-Auto-Brücke von vor Ort. Vor allem vormittags wollen viele Segler passieren. Wenn es nicht schnell genug geht, kommt der Brückenwärter ins Schwitzen. Der Zug sollte niemals warten müssen.


Bei der Zugfahrt im Sommer 2018 erleben wir, was der Ausbau der Vogelfluglinie bringen wird. Die Verbindungsbrücke von Falster nach Seeland war im Baujahr 1937 mit ihren 3,2 km eine der längsten Europas. Bald soll sie abgerissen und eine neue Storstrømsbrücke gebaut werden. Hinter Ringsted ist die Eisenbahnstrecke bereits 4-spurig und elektrifiziert.
In Roskilde heißt es umsteigen. Im UNESCO-Weltkulturerbe-Dom sind die dänischen Könige beigesetzt, so auch König Christian VIII, der die erste Eisenbahnstrecke in Dänemark bauen ließ. Roskilde besitzt auch den ältesten Bahnhof Dänemarks und ist heute ein wichtiger Verkehrsknotenpunkt.


Um mit dem Zug an die dänische Riviera zu gelangen, muss man den Isefjord, der sich tief in die Insel Seeland einschneidet, umfahren. Die Wikinger nahmen früher dagegen den direkten Weg. Sie konnten mit ihren Schiffen aus dem Fjord wie aus einem natürlichen großen Hafen auf die Ostsee rausfahren. Im Hafen von Roskilde liegen Nachbauten von Wikingerschiffen.


Mit dem Regionaltog geht es weiter durch eine hügelige Landschaft mit Hünengräbern. Hier machen Zugvögel Pause auf ihrem Weg gen Norden. In Holbæk endet das Netz der Staatsbahn in diese Richtung. Der Lokaltog der Odsherreds Jernbane bringt einen dennoch weiter. Ohne diese Privatbahn wäre Odsherred, eine beliebte Ferienregion, nicht angebunden. Die Strecke führt durch den teilweise trockengelegten Lammefjord, mit 7 Metern unter dem Meeresspiegel der tiefgelegenste Punkt Dänemarks.


Endstation Nykøbing, endlich angekommen an der dänischen Riviera, mit kilometerlangem Sandstrand und einem idyllischen Hafen in Rørvig, von dem aus eine Fähre den Isefjord überquert. Auf der anderen Seite wartet wieder ein Zug, aber es ist Wasser dazwischen. So ist das eben in Dänemark.


Dänemark ohne Auto ist für deutsche Touristen eher unvorstellbar. Die meisten Urlauber fahren mit Sack und Pack zu ihren Ferienhäusern. Dass der Zug eine Alternative sein kann, ist nur wenigen bewusst. Vielleicht muss einem dafür auch dänisches Blut in den Adern fließen, wie bei Johannes Plockross, den wir auf seiner turbulenten Reise im heißen Sommer 2018 begleitet haben. Der Augsburger mit dänischen Wurzeln fährt zweimal im Jahr in sein Haus nach Rørvig – und zwar seit Jahrzehnten aus Überzeugung mit dem Zug.


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