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SENDETERMIN Fr, 13.7.2018 | 14:15 Uhr | SWR Fernsehen

Folge 913 Granteln gehört dazu – Wien und seine Bahnen

Wien ist vieles auf einmal: wunderbar altmodisch und hochmodern. Welche Metropole hat schon eine Stadtbahn mit Stationen, die welterbewürdig sind und mittlerweile von U-Bahnen angefahren werden. Und da gibt es ja auch noch den neuen Hauptbahnhof, mit dem Wien endlich das heiß ersehnte Drehkreuz für den Eisenbahnverkehr bekam.

Wie einst zu Kaisers Zeiten zuckelt die Straßenbahn durch enge Gassen und über dieselben Gleise kurvt „Ulf“, eine Tram, die Maßstäbe setzte. Längst pilgern auch Verkehrsexperten in die Stadt an der Donau. Die Metropole zählt inzwischen mehr Besitzer von Jahreskarten für die „Öffis“ als von Autos. Wien ist vorne dran, weil die Stadt nicht immer gleich auf jeden Zug aufspringt, nicht in Hektik verfällt, sondern es ruhig angehen lässt.

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Folge 913

Bilder von Wien und seinen Bahnen

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Ein Regionalzug der ÖBB (Österreichische Bundesbahnen) auf einer Brücke über den Donaukanal.

Ein Regionalzug der ÖBB (Österreichische Bundesbahnen) auf einer Brücke über den Donaukanal.

Und gerade in Wien Westbahnhof angekommen die private Westbahn aus Salzburg. Derzeit verbinden 14 Eisenbahnachsen Wien und das Umland der Metropole. Wissenschaftler der Technischen Universität wollten wissen, welche Chancen die Eisenbahn im Wiener Pendlerverkehr hat. Sie stellten fest, dass rund 90 Prozent der Pendler und Pendlerinnen im Umkreis von neun Kilometern zum nächsten Bahnhof wohnen. Sie könnten also die Eisenbahn viel besser nutzen. Für die allermeisten von ihnen seien „gute Infrastrukturen für das zu Fuß gehen und Radfahren entscheidend“. Alleine bei den Fahrrad-Abstellanlagen ergebe sich ein Ausbaubedarf um das Doppelte des derzeit verfügbaren Angebots.

Mit dem Ausbau des Eisenbahnnetzes beschleunigte sich der Zuzug nach Wien. Das war schon früher so. Vor allem aus dem osteuropäischen Teil der k.u.k.-Monarchie, aber auch aus den entlegenen Bergregionen Österreichs und anderen Ländern, machten sich bereits vor dem Ersten Weltkrieg viele Menschen auf nach Wien, mit bangen Gefühlen und großen Hoffnungen.  Heute zieht Wien wieder viele Arbeitnehmer und Wohungssuchende an.

Wiener Küche ist viel mehr als Wiener Schnitzle. Zuwanderer brachten auch ihre heimatlichen Esskulturen mit, die heute fester Bestandteil der „Wiener Küche“ sind. Dabei handelte es sich oft um einfache Speisen wie Palatschinten oder Gerichte mit gewissen Innereien, die manche Feinschmecker heute wieder wertschätzen, viele andere Konsumenten jedoch meiden. Wien ist die einzige Großstadt, die einer regionalen Küche den Namen gegeben habe, sagen Kulturhistoriker. Zur „Wiener Küche“ gehören auch mit Pasten bestrichene Schnittchen oder  Würstchen, die früher mobile Verkäufer feilboten und aus denen sich die „Würschtlbuden“ entwickelten. Sie haben in Wien Kultstatus. Ein Metzger aus Frankfurt brachte es mit Wienerwürstchen, die in Wien Frankfurter heißen, zu beachtlichem Wohlstand – du zu einem Ehrengrab auf dem Zentralfriedhof!

Im Schlepptau der ausländischen Arbeitnehmer schossen Imbissstände, die nicht zuletzt Döner und Kebab oder Pizza anbieten, wie Pilze aus dem Boden. Sie sind zu Treffpunkten geworden. Bevorzugter Standort oft unmittelbar bei einer U- oder S-Bahnstation.

Eine U-Bahn auf der Stammstrecke der alten Stadtbahn. Sie verläuft im Tal des Flüssleins Wien, das in die Donau mündet. Als die Stadt aus allen Nähten platzte, war der Ruf nach einem modernen Massenverkehrsmittel immer lauter geworden. Die ärmeren Schichten der Bevölkerung begnügten sich mit der Straßenbahn, wenn sie sich das überhaupt leisten konnten – oder zu Fuß gingen. Die international beachtete Stadtbahn, aus der die U-Bahn hervorging, blieb nicht zuletzt den wohl situierten Bürgern und ihren Familien vorbehalten. Sie verfügten über das nötige Kleingeld für Ausflüge in Parks und stadtnahe Natur. Eisenbahngeschichte ist Sozialgeschichte.

Hofpavillon – der Kaiserbahnhof der Wiener S-Bahn: Nur wenige hundert Meter von Schloss und Park Schönbrunn entfernt, erstrahlt nun wieder in altem Glanz ein Stationsgebäude der Wiener S-Bahn, das eigens für Kaiser Franz Josef errichtet wurde. Entworfen hat es der Architekt und Stadtplaner Otto Wagner (1841- 1918). Er war 1894 mit der künstlerischen Gestaltung der Wiener Stadtbahn beauftragt worden.

Hofpavillon – der Kaiserbahnhof der Wiener S-Bahn. Der Architekt Otto Wagner wollte mit dieser exklusiven Station Sieen Hoheit auch von der Notwendigkeit eines modernen Massenverkehrsmittels überzeugen. Aber Franz Josef ist dort nur zweimal in einen Zug gestiegen.

Die U-Bahn Station Gumpendorfer Straße liegt in einer Kurve der als Hochbahn angelegten ehemaligen Stadtbahntrasse am „Gürtel“. Er umschließt den westlichen Teil der Innenstadt. Der Kaiser konnte sich nicht so recht mit der Stadtbahn anfreunden.

Schon zu Otto Wagners Zeiten besaß Hütteldorf eine der größeren Stationen der Wiener S-Bahn. Und sie ist ein wichtiger Knotenpunkt an der Nahtstelle zwischen den Ausläufern der Großstadt Wien und dem angrenzenden Wienerwald, heute UNESCO-Biosphärenpark. In Hütteldorf  endet nicht nur die Stammstrecke der Wiener U-Bahn durch das Tal des Flüsschens Wien, sondern endet und beginnt auch die „Vorortelinie“ in den Wiener Stadtteil Heiligenstadt.  Dieser Bedeutung entspechend gestaltete Otto Wagner den Bahnhof Hütteldorf sehr großzügig. Er hat die Rolel eines Stadttors und ist ein Symbol des Wiener Bürgerstolzes.

Die denkmalgeschützte Station Hernals an der „Vorortelinie“. Auf ihr fahren Züge der Österreichischen Bundesbahnen (ÖBB). Diese Strecke vermittelt teilweise den Eindruck einer Mittelgebirgsbahn. Sie schlängelt sich an den Ausläufern des Wienerwalds entlang und führt durch einige stellenweise noch kleinstädtisch anmutende Vororte. Diese Bahnlinie drohte zeitweise sogar stillgelegt zu werden. Heute ist sie ein bahntechnisches Kleinod.

Zug der Westbahn im neuen Hauptbahnhof: Nach anfänglichen Hakeleien hat sich das Verhältnis zwischen der privaten Westbahn und den Österreichischen Bundesbahnen offenbar normalisiert. Jedenfalls benachteiligen die ÖBB in ihren Ansagen und Fahrplänen den Wettbewerber, wie es scheint, nicht. Aus Kundensicht behandelt das Staatsunternehmen eigene und fremde Züge gleich.

Das ist Ulf, die „Ultra Low Floor“-Straßenbahn in  Wien. Straßenbahn mit extrem niedrigen Einstieg, je nach Jahreszeit zwischen 21 und 25 Zentimeter. Niederflur  von vorne bis hinten. Sperrige Hochbahnsteige braucht diese „Bim“, wie man in Wien zu den Straßenbahnen sagt, nicht. Und sie ist extrem wendig, schafft also auch die  engen Straßen der Innenstadt. Als die ersten dieser Züge 1995 in Betrieb gingen, galten sie als Sensation.
Sie warteten mit einigen Raffinessen auf wie beispielsweise einer Einzelradaufhängung statt starrer Achsen. Heute sind in Wien 330 dieser Ulfs unterwegs. Im Herbst 2017 lief die Produktion bei Siemens in Wien aus. Nun ist das Konkurrenzunternehmen Bombardier, das ebenfalls in Wien einen Standort hat, am Zug. Die neuen Wiener-Straßenbahnen vom Typ „Flexity“ sollen die alten Hochflur-Straßenbahnen ersetzen. Letztlich entscheidend sei das Preis-Leistungs-Verhältnis gewesen.

Eine Straßen-Bahn-Kreuzung am „Gürtel“. Diese Verkehrsachse begrenzt auf der Westseite die Wiener Innenstadt. Auch in Wien gab es in den 1960er und -70er Jahren Überlegungen, die Straßenbahn abzuschaffen. Sieht man die Entwürfe damals angedachter Stadtautobahnen für das Zentrum der Stadt, überkommt einen das große Grausen. Gemessen an manchen deutschen Großstädten wurden sie nur ansatzweise verwirklicht. Das liegt auch daran, dass die Leute in Wien zwar gerne und ausgiebig granteln, aber solange sie damit beschäftigt sind, passiert in der Regel nicht viel – und alles bleibt wie gehabt. Die „Bim“ mit ihrem Geratter und den Oberleitungen gehört zu Wien wie die Donau, der Stephansdom und der Prater mit dem Riesenrad.

„Electric City Bus“ beim Strom-Nachtanken. 2012 begann in Wien die Umstellung der „City-Bus“-Linien auf abgasfreien Elektrobetrieb. An den Endhaltestellen werden die auf dem Dach befindlichen Batterien innerhalb von zehn Minuten aufgeladen. Die kurzen Busse sind wendig, komfortabel und sehr leise. In Wien zieht der öffentliche Stadtverkehr alle Register.

Pendlerbeziehung – auch mit dem neuen Cityjet rücken Umland und Metropole zusammen: der schicke und komfortable Triebwagen soll der neue Star im Nahverkehr der ÖBB werden. Breite Türen, Klimaanlage, durchgesylt. Der Zug passiert gerade Nussdorf, einen der bekannten Weinorte an der Stadtgrenze Wiens. Er liegt an der 1872 eröffneten Franz-Josefs-Bahn, die ihren Namen zu Ehren des ehemaligen österreichischen Kaisers bekam. Sie führte bis nach Prag.
Schon immer war diese Bahnlinie nicht zuletzt für die Anbindung des nördlich von Krems an der Donau gelegenen „Waldviertels“ von Bedeutung. Von dort zog es im 19. Jahrhundert viele kleine Leute nach Wien. Sie suchten in der Metropole der Habsbruger zum Beispiel als Bauarbeiter und Dienstmädchen ihr Glück. Lange Zeit war diese Eisenbahnverbindung, die am Eisernen Vorhang endete, vernachlässigt worden. Vor allem im weiten Einzugsgebiet der Millionenstadt Wien wird sie etappenweise ausgebaut.

Foto „Löwenbrücke“ Nussdorf: Nur ein paar Schritte vom Nussdorfer Bahnhof entfernt eine Wehr- und Schleusenanlage, entworfen von Otto Wagner.

Ohne Otto Wagner sähe Wien heute anders aus. Er war Architekt, Stadtplaner und Ingenieur in einer Person. Die Gestaltung technischer Anlagen betrachtete er auch als eine künstlerische Herausforderung. Zweckmäßig und schön – das gehörte für ihn zusammen. In diesem Sinne widmete er sich nicht nur der Stadtbahn, sondern auch der Donauregulierung. Durch dieses Mammutprojekt sollte Wien von regelmäßigen Überschwemmungen verschont bleiben und in der Folge auch Gelände für die Stadterweiterung gewinnen.  

Jede Brücke der Stadtbahn ist ein Kunstwerk, bei dem Otto Wagner von ihm und seinem Architekturbüro entwickelte und in Serie hergestellte Elemente kombinierte. Damit sparte er Zeit und Geld. So genügte er auch seinen eigenen hohen Ansprüchen an das Erscheinungsbild moderen Technik in der Großstadt.   

Die Wiener Lokalbahn – sie verbindet die Metropole mit dem Kurort Baden bei Wien. Eine Stunde dauert die Reise hinaus aufs Land. Von der Haltestelle Oper im Zentrum Wiens führt die Lokalbahn zunächst als Straßenbahn an die südliche Peripherie der Stadt, um schließlich als waschechte Regionalbahn den Baden  zu erreichen, der Ort blühte im 19. Jahrhundert auf. Endpunkt der Strecke in Baden ist der „Josefsplatz“. Wie sollte er auch anders heißen in diesem Städtchen, das noch den Geist der k.u.k-Monarchie atmet.
Die Strecke nach Baden ist das Herzstück der „Wiener Lokalbahnen“. Sie gehören den Wiener Stadtwerken und sind auch im internationalen Güterverkehr aktiv. 2016 erreichte die Badner Bahn mit 12,5 Millionen Reisenden einen Fahrgast-Rekord. Sie ist für das südliche Umland der österreichischen Hauptstadt eine der wichtigsten Pendler-Verbindungen von und nach Wien.

1927 nehmen die Wiener Lokalbahnen neue elektrische Triebwagen in Betrieb. Doch schon 1906 war die Wiener Lokalbahn auf der gesamten Länge mit einem einheitlichen System (Wechselstrom) ausgerüstet und im Mai 1906 begann dann auf der bis heute bestehenden Strecke Wien-Oper – Baden Josefplatz der umsteigefreie Betrieb mit durchgehenden Zügen.

Ziegelwaggons auf der Wiener Lokalbahn (Foto von 1906): Der Aufschwung der Wiener Lokalbahn hängt nicht zuletzt mit den Ziegelwerken zusammen, die zwischen Wien und Baden bei Wien entstanden waren. Mit der Eisenbahn kamen die Ziegel von dort nach Wien, wo damals Hotels, große Einzelhandelsgeschäfte, mehrstöckige Stadthäuser, Markthallen und Schlachthäuser, Bahnhöfe und andere Bahnanlagen aus dem Boden schossen. Hier der „Frachtenbahnhof Matzleinsdorf“ in Wien.

Erinnerung an den alten Südbahnhof.  Der steinerne Löwe in der Empfangshalle des neuen Wiener Hauptbahnhofs. Ursprünglich thronten er und ein paar der Kollegen dieses venezianischen Wappentiers an der Fassade des Südbahnhofs. Er war der größte Personenbahnhof Wiens und musste schließlich dem neuen Hauptbahnhof Platz machen.
Im Südbahnhof verkehrten Züge, die Wien, die Hauptstadt der Habsburger Doppelmonoarchie, außer mit der Sommerfrische Semmering auch mit Venedig, Triest und der österreichischen Riviera um das Seebad Opatija verbanden. Über den Südbahnhof war Wien seit Jahrzehnten auch mit Rom verbunden und bis heute gibt es ein Nachtzugpaar zwischen den beiden  Hauptstädten.

Wien Hauptbahnhof - endlich eine richtige Zentralstation. Der Traum ist  wahr geworden. Das richtige Ambiente für den „Railjet“, den Vorzeigezug der der Österreichischen Bundesbahnen (ÖBB). Seit 2015 läuft im neuen Hauptbahnhof nach einer Übergangsphase der volle Betrieb.

Stammgast im neunen Wiener Hauptbahnhof ist der „Railjet“. Eine Flotte von 60 dieser Züge setzen die Österreichischen Bundesbahnen ein. Die eleganten Züge führen ein Bordrestaurant. Gebaut hat sie die Wiener Eisenbahnfabrik von Siemens. In Dienst gestellt wurden sie zwischen 2008 bis 2016. Nur Fliegen ist schöner – na ja!

Die kompakten Einheiten der Railjets verknüpfen mittlerweile alle Landeshauptstädte unseres Nachbarlandes außer Eisenstadt (Burgenland, vor den Toren Wiens), aber auch zahlreiche andere Städte und Gemeinden Österreichs mit Wien. Und von überall her, ob Graz oder Innsbruck, gibt es Direktverbindungen mit dem internationalen Wiener Flughafen, selbst von Bregenz am Bodensee.
Aber Vorsicht!  Österreich ist größer als auf den ersten Blick zu vermuten ist Sieben Stunden und 17 Minuten dauert zum Beispiel die Reise ohne Umsteigen von Bregenz, der Hauptstadt Vorarlbergs, zum Wiener Flughafen, ein paar Minuten weniger ins Zentrum Wiens. Mit dem Auto ist das kaum zu schaffen.

Verkuppelt. Damit möglichst viele Städte und Regionen in den Genuss der neuen Fernzüge kommen, praktizieren die ÖBB mehr als die Deutsche Bahn AG das „Flügeln der Züge“. Das heißt: auf mehreren Bahnhöfen werden Railjet-Züge mit unterschiedlichen Start- und Zielbahnhöfen zusammengekoppelt bzw. getrennt.
Nicht richtig überzeugt hat jedoch der Versuch, durch eine Extraklasse, die mehr bietet als die traditionelle Erste und Zweite Klasse, vor allem Geschäftsreisende zu überzeugen.  Höchstgeschwindigkeit der Railjets: 230 km/h.

Blau-weißer Railjet der tschechischen Staatbahn: Dieser Zug ist einer von sieben Railjets, den die tschechische Staatsbahn für die Verbindung mit Österreich orderte. Aber nicht nur die tschechische Hauptstadt Prag ist inzwischen in das Railjet-Netz eingebunden, auch Budapest, Zürich und München sind es.

Plakattafel beim neuen Hauptbahnhof. Wien macht es vor, wie die effektive Planung eines neuen ahnhofsviertels aussehen kann. Alle Beteiligten setzen sich frühzeitig an einen Tisch. Sie suchen und  finden Lösungen, die den Bedürfnissen vieler Wohnungssuchender und namhafter Investoren von Bürokomplexen entsprechen. Das Neubauquartier lässt Spielraum für großzügige Grünanalgen, aber auch für die Weiterentwicklung des öffentlichen Verkehrs einschließlich Eisenbahn und Straßenbahn.

Ein modernes Stadtquartier mit geförderten und frei finanzierten Wohnungen. Das Sonnwendviertel, das auf einem weiten, einst von Gleisen und anderen Bahnlagen verunstaltetem Gelände des abgerissenen Südbahnhofs im Entstehen ist. Geplant sind 5.000 Wohnungen für etwa 13.000 Menschen und etwa 20.000 Arbeitsplätze.

Einige Felder des Sonnwendviertels sind bebaut. Zielvorstellung ist eine großstädtisch dichte Siedlung unmittelbar beim neuen Hauptbahnhof. Ein Standortvorteil. Erschlossen wird das Sonnwendviertel nicht zuletzt durch die Verlängerung einer Straßenbahnlinie. Der geplante „Bildungscampus“ mit Schulen und Kindergärten ist bereits fertiggestellt, ebenso der großzügige Bürgerpark. Neuzugezogene haben ihn in Besitz genommen. Seit Jahren begleitet ein Stadtteilmanagement den ganzen Prozess der Entstehung dieses Vorzeigeprojekts. Es hat wesentlich dazu beigetragen, dass der neue Hauptbahnhof angenommen wird und große Proteste ausblieben. Und die Österreichischen Bundesbahnen ziehen mit. Zur Nachahmung empfohlen.

Otto Wagner Museum. Sein Motto: was nicht praktisch ist, kann nicht schön sein. Und in einem Buch formulierte Wagenr 1896: „Alles modern Geschaffene muss dem Materiale und den Anforderungen der Gegenwart entsprechen, wenn es zur modernen Menschheit passen soll".  Im April 2018 wird der 100. Todestag dieses wahren Baumeisters begangen. Ein guter Einstieg, ihn kennen zu lernen, ist eine Rundtour mit der Stadtbahn.
Auch wer sich für moderner Stadtplanung interessiert, die stark mit Verkehrsprojekten zusammenhängt, wird in Wien fündig. In einem Pavillon am Karlsplatz gibt eine kleine Dauerausstellung Auskunft über das Schaffen Otto Wagners.

Sieht irgendwie gemütlich aus – eine Dampflok zieht eine Stadtbahn. Und doch spürt man die Hektik der modernen Großstadt, die um die Wende vom 19. zum 20. Jahrhundert Gestalt annimmt. Oben die Stadtbahn, aus der eine U-Bahnlinie wurde, und unten die Straßenbahn. Die Vernetzung der „Öffis“ ist also keine neue Erfindung. Die Schritte und Pfade dieser Entwicklung lassen sich in der „Remise“ nachvollziehen. Das ehemalige Straßenbahndepot ist zum Verkehrsmuseum der Wiener Linien geworden.