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SENDETERMIN Do, 13.8.2020 | 14:30 Uhr | SWR Fernsehen

Folge 802 XL Mit dem Zug durch den Norden Argentiniens

El Tren a las nubes - der Zug in die Wolken bringt seine Passagiere in die überwältigende Landschaft der argentinischen Puna. Seine 16-stündigen Reise beginnt in der Provinzhauptstadt Salta auf 1600 m und führt hinauf in die Anden-Kordilleren. Höhepunkt der Bahnfahrt ist der Umkehrpunkt hinter dem Viadukt Polvorilla auf 4200 m Höhe.

Der Ramal C 14, so wird in Argentinien die Strecke genannt, zählt zu den höchsten und eindrucksvollsten Schienenwegen der Welt. Eröffnet wurde sie 1948 als Güter- und Personenzugstrecke bis an die Grenze zu Chile, wo sie auf dortiger Seite bis an die Küstenstadt Antofagasta weitergeführt wurde. Geplant hat sie der amerikanische Eisenbahningenieur Richard Maury, der noch heute wegen dieses waghalsigen Projekts von vielen bewundert wird.

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Folge 802 XL

Mit dem Zug durch den Norden Argentiniens

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Ausgangspunkt unseres Argentinien-Abenteuers ist der Bahnhof von Salta.

Ausgangspunkt unseres Argentinien-Abenteuers ist der Bahnhof von Salta.

Das Zugpferd des Tren a las nubes ist eine Diesel-Elektrik-Lok von General Motors. Sie kam vor knapp 40 Jahren aus den USA nach Argentinien.

Der Tren a las nubes wird von der Privatfirma Ecotren S.A. betrieben.

Die Zugreise beginnt morgens früh um 7 Uhr

Die Saison des Tren a las nubes beginnt im April. Er ist ausgebucht. Die Passagiere sind allesamt Touristen, Reisende aus Europa und vorwiegend gut betuchte Argentinier.

Ziel der Zugreise, der Viadukt "la Povorilla", höchster Viadukt der Welt auf 4200 m Höhe.

Unterwegs: der Viadukt "Toledo". Auf der Strecke liegen 29 Brücken, 21 Tunnel und 13 Viadukte.

Bis 1981 befuhren Personenzüge die Strecke von Salta bis zur Grenze nach Chile, rund 450 km. Jetzt wird nach 271 km hinter dem Viadukt "la Polvorilla" umgekehrt.

"Tren a las nubes" - der Zug in die Wolken. Zu Dampflok-Zeiten noch eindrucksvoller.

Wir nutzen die Reise mit dem Tren a las nubes zu Ausflügen in die Valles de Chalchiqiues und in die Quebrada de Humahuaca.

1921 begann der amerikanische Ingeniero Maury mit dem Bau der Strecke. Geplant waren dafür 6 Jahre. Es sollten 27 werden.

Letzter Ort auf der Tagesreise: die Minenstadt San Antonio de los Cobres. Hier wird Kupfer abgebaut.

Halt in San Antonio de los Cobres auf 3774 m Höhe. Die Luft ist dünn.

Tren a las nubes

Da sind sie, die Fünftausender der argentinischen Anden.

Auf einer Höhe von 4.000 m wächst nichts mehr.

Der Tren a las nubes sucht sich seinen Weg durch die Steinwüste auf 3.000 m Höhe

Rechts und links der Trasse riesige Kakteen. Ein Ausflug führt uns in den Nationalpark "Los Cardones", wo ein Heer dieser stacheligen Gesellen stehen.

Ende der 50er Jahre gab es in Argentinien Bahnbetrieb auf über 44.000 km Schienen. Heute sind es unter 20.000 km. Geschlossen wurde meistens der Personenverkehr.

In Minas Concordia können die Fahrgäste nur vom Fenster aus zusehen, wie in der Verladestation einer aufgegebenen Mine die Lok vom Anfang des Zuges an sein Ende umgesetzt wird. Das dauert 15 Minuten – unter Ausschluß der Öffentlichkeit.

Bizarre Felsformationen umstellen die Puna, die Hochebene auf 3.500 Metern.

Wildesel in der Puna

Ab den 70er Jahren schon war der Tren a las nubes in die Anden hinauf unterwegs, anfangs sporadisch und unter staatlicher Obhut der Ferrocarriles Argentinos. Seit der Privatisierung der Eisenbahn Argentiniens 1991 wird er privat betrieben und fährt zwischen März und November mehr oder weniger regelmäßig ein Stück weit auf dem sogenannten Ramal C14.

Gegen Mittag hat der Tren a las nubes die Puna erreicht,  Zug und Felsen wetteifern mit ihrem Farbenspiel.

Bis in die 60er Jahre war hier der Dampfzug unterwegs.

Je höher, desto bizarrer – die atemberaubende Landschaft der argentinischen Anden

Ein bunter Wurm in der Einöde der Berglandschaft:  Anfahrt auf die Puna

Auf 4.000 m Höhe: der Tren a las nubes nähert sich den Wolken.

Im letzten Wagen ist der Sanitätsraum untergebracht. Ein Arzt und zwei Krankenschwestern versorgen Passagiere, die unter der dünnen Luft leiden, mit Sauerstoff

Steine, Felsen und ein paar Büschel Gras – mehr hat die Landschaft nicht zu bieten auf 4.000 m Höhe

So bestatten die Andenbewohner ihre Toten. Der kleine Friedhof von Minas Concordia zeugt von einem Minenunglück.

Der Tren a las nubes unter den Fünftausender der argentinischen Anden

Tren a las Nubes und die typischen "Anden-Kamele". In dieser Region leben drei Arten von Kamelen: Das sind die Lamas, die Vikunjas und die Guanakos, typisch für den südamerikanischen Raum.

Das Lama liefert Wolle für die Einwohner, die mit Stricken und Weben sich einen kargen Unterhalt sichern

Gern gesehen, weil er zahlkräftige Kunden bringt: der Tren a las nubes mit seinen Passagieren.

Der Film lädt ein zu einer Reise mit dem Touristenzug Tren a las nubes und macht mit den nordargentinischen Provinzen Salta und Jujuy bekannt. In einer sogenannten Pena, einer traditionellen Musikkneipe, wird der Zuschauer zunächst einmal auf das argentinische Lebensgefühl eingestellt. Weiter auf dem Reiseplan steht u.a. der Besuch der einstigen Kolonialstadt Salta, ihre Drahtseilbahn und ihr Eisenbahnmuseum.

Bei einem Abstecher in die Valles des Chalchaquiès , einer riesigen Tälerkette, geht es in den Nationalpark Los Cardones, wo tausende von Kandelaberkakteen stehen – "Wächter", wie die Einheimischen sagen. In einem der Hochtäler werden die vom Aussterben bedrohten Vicunas gezüchtet, eine neben den Lamas und Guanakos wegen ihrer Wolle sehr begehrten Spezies der "südamerikanischen Kamele". Davon abhängig sind auch die Kunsthandwerker der Region. In einer Schule im Dorf Molinos werden Kinder in den traditionellen Fertigkeiten unterrichtet.

Unbedingt empfehlenswert ist der Besuch des Weingutes Colomé mit dem höchsten Weinanbau der Welt. Hier kann man einen Malbec verkosten, der vor über 160 Jahren von Frankreich nach Argentinien verpflanzt wurde. Ebenfalls einzigartig und ungewöhnlich in Colomé: ein Museum, das hier eigens für den amerikanischen Künstler James Turrell errichtet wurde.

Über die drittgrößten Salzseen der Welt, die Salinas Grandes, gelangt man in die Quebrada de Humahuaca, eine gewaltige Schlucht, die aufgrund ihrer farbenprächtigen Felsformationen auf der Liste der Unesco-Weltkulturerbe steht. Einstmals fuhr auch hier ein Zug, ein Umstand, den sich der weit über die Grenzen Argentiniens bekannte Musiker Fortunato Ramos wieder zurückwünscht: eine Eisenbahn im Norden Argentiniens nicht nur für zahlkräftige Touristen, sondern für die Menschen, die in dieser wunderschönen, aber harten Landschaft leben.