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SENDETERMIN Mo, 17.9.2018 | 14:45 Uhr | SWR Fernsehen

Folge 817 Dampfwolken im Bonanza Land

Es war um 1860, als in der Sierra Nevada Gold gefunden wurde. Einer Überlieferung nach wurde ein Goldfund damals mit dem Ruf "Bonanza" kundgetan.

Ein Jahrhundert später sollte dieser Begriff eine ganze Generation in Aufregung versetzen: Gitarrenmusik, reitende Westernhelden, die Ponderosa Ranch, der Lake Taohe und eine brennende Landkarte, Bonanza, die Westernserie eroberte das Fernsehen.

Unterdessen sind die Cartwrights längst Geschichte, den See gibt es noch und die Eisenbahn dort wieder. Die berühmte "Virginia & Truckee Railroad", die von Nevadas Hauptstadt Carson City hinauf nach Virginia City zuckelt.

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Folge 817

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So ähnlich sah es schon vor hundert Jahren in der Sierra Nevada aus, als der tägliche Personenzug der Virginia & Truckee Railroad von der Hauptstadt Carson City in die berühmte Goldgräberstadt Virginia City bereitgestellt wurde.

So ähnlich sah es schon vor hundert Jahren in der Sierra Nevada aus, als der tägliche Personenzug der Virginia & Truckee Railroad von der Hauptstadt Carson City in die berühmte Goldgräberstadt Virginia City bereitgestellt wurde.

Die alte Bahngesellschaft strahlt heute im neuen Glanz mit einem Dampfross aus Kalifornien.

Dampfromantik in der Sierra Nevada.

Hinter der Dampflok 18 rattert als Brandkontrolle der sogenannte "Speeder"  los.

Die Region rund um Carson City gehört zu den romantischsten Gebirgslandschaften im Westen der USA. Neben der Ponderosa-Ranch kann man auch "Squaw Valley" besuchen - im Jahr 1960 Schauplatz der achten olympischen Winterspiele. Damals nahmen dreißig Länder mit 665 Sportlern teil. Im Vergleich zu heute eine beschauliche Veranstaltung in einem romantischen Tal, wo man den Mythos Olympia immer noch spüren kann.

Im Jahr 1959, als die die erste Folge von Bonanza produziert wurde, lagen in Virginia City zwar keine Gleise mehr, dennoch hatte sich das Städtchen viel vom Flair der alten Goldgräberzeit bewahren können. Aus der Fabrik, in der Mitte des 19. Jahrhunderts Apfelwein und Essig für Virginia City hergestellt wurde, entstand ein knappes Jahrhundert
später Edith Palmers Country Inn.

Das Restaurant "Edith Palmers Country Inn" wurde oft und gern von den Bonanza-Schauspielern besucht. Little Joe, Hoss, Adam und Ben Cartwright sind mit ihren Widmungen in der Gaststube noch allgegenwärtig.

Die Minen waren wirkliche Goldgruben und die Bahn warf ordentliche Gewinne ab, so dass man sich so prachtvolle Loks wie die Inyo leisten konnte. Dieses imposante Dampfross wurde 1875 von Baldwin an die Virginia & Truckee Railroad geliefert, 1910 erfolgte der Umbau von Holz- auf Ölfeuerung.

Nach 51 Jahren Zugdienst wurde die Inyo im September 1926 abgestellt, aber nicht verschrottet. Eine weise Entscheidung, denn die boomende Filmindustrie Hollywoods suchte wenig später händeringend nach passenden Lokomotiven für ihre Westernfilme und so avancierte die Inyo ab 1937 zum Filmstar. Sie wirkte in mehr als 20 Hollywoodfilmen mit, unter anderem in "Union Pacific" oder dem John-Wayne-Western "McLintock". Nach dem Ende ihrer Filmkarriere kam sie als eines der ersten Exponate in das neu gegründete Nevada State Railroad Museum in Carson City.

Die 140 Jahre alte Dampflok Inyo im Nevada State Railroad Museum.

Die Glocke der impossanten Inyo.

Das blankpolierte Schild bezeugt, wie alt die tolle Lok schon ist.

Kaum eine der Virginia & Truckee-Dampfloks wurde verschrottet, die meisten gingen wie die Inyo in die Filmindustrie und später an das Museum in Carson City, so auch Lok 25, eine dreifach gekuppelte Schlepptenderlok von Baldwin aus dem Jahre 1905.

Nach der Stilllegung der Stammlinie Carson City - Virginia City fuhren die Züge der Virginia and Truckee noch 12 Jahre auf der Talstrecke Reno - Carson City - Minden. Meist als dampfgeführte Güterzüge mit angehängten Personenwagen. Daneben setzte man schon früh auf kostengünstige Triebwagen. Ein ungewöhnliches Einzelstück war die Nummer 22, ein vierachsiger sogenannter McKeen-Motorwagen.

William McKeen war um 1900 bei der Union Pacific Chef der Lokomotivabteilung. Er suchte nach Wegen, den teuren Dampfbetrieb im Personenverkehr auf Nebenstrecken abzulösen und gründete die McKeen Motor Company. In futuristischem Design mit spitzer Front und Bullaugen entstanden so innerhalb von zwölf Jahren 152 Triebwagen.

Im Führerstand des McKeen Car 22: Ursprünglich wurde der Zug von einem großen Benzinmotor angetrieben, der noch viel lauter als der jetzige Dieselmotor war. Als der Triebwagen damals planmäßig nach Virginia City fuhr, zahlte man Zuschläge für die Sitze im hinteren Teil, um möglichst weit weg vom lauten Motor zu sitzen.

Nicht nur die Lärmentwicklung war ein Grund dafür, dass die McKeen Cars letztendlich kein Erfolg waren. Vor allem die damalige sehr anfällige Motortechnik, die aus dem Schiffsbau stammte, und der nicht nur deshalb sehr hohe Unterhaltungsaufwand ließen die Bahngesellschaften bald wieder zur bewährten Dampftechnik zurückkehren.

Virginia City pflegt mit großem Engagement das Image einer gut erhaltenen Goldgräberstadt. Der einstige Güterschuppen hat überlebt und allerlei Artefakte erinnern dort an vergangene Zeiten.

Virginia City pflegt mit großem Engagement das Image einer gut erhaltenen Goldgräberstadt. Der einstige Güterschuppen hat überlebt und allerlei Artefakte erinnern dort an vergangene Zeiten.

Vom offenen Wagen aus bieten sich eindrucksvolle Blicke auf stillgelegte Minen, große Abraumhalden und andere Relikte aus der Goldgräberzeit.

Der letzte Zug zu den Minen fuhr 1938, die Bahn selbst wurde dann 1950 stillgelegt. Diese Mine war eines der größten Bergwerke in Virginia City. Hier wurde Silber und Gold im Wert von 18 Millionen Dollar gefördert. Das war damals eine so unglaublich hohe Summe, dass eine Aussage, wieviel das heute wäre, kaum zu treffen ist.

In den Sommer-Monaten fährt täglich ein Personenzug mit einer Diesellok von Virginia City einige Kilometer Richtung Süden. Dabei wird auf die Geschichte der Bahn und natürlich auch die Geschichte des Goldes eingegangen.

Der Dieselzug oder die Historic Route, wie die Bahn ihre Pendelfahrten nach Gold Hill nennt, verkehrt in der Saison sieben Mal pro Tag.

Virginia City, mitten im Bonanzaland, mit einer Vergangenheit, wie sie lebendiger kaum sein könnte.

Virginia City, mitten im Bonanzaland, mit einer Vergangenheit, wie sie lebendiger kaum sein könnte.

Das Nevada State Railroad Museum in Carson City glänzt mit einmaligen Ausstellungsstücken, wie den futuristisch aussehenden McKeen-Triebwagen von 1910, oder Lok Inyo, vielfacher Filmstar und fast 140 Jahre alt. Western-Romantik ist auch noch lebendig in Virginia City, dort finden sich Saloons, Minen und vereinzelt auch noch die Helden von Bonanza.